Aufforderung zum Tanz

Aufforderung zum Tanz

Was sie schon immer über Tanz hätten wissen wollen können und bisher nicht auf die Idee kamen zu fragen.

Hallo, Bedienung, einmal Spitzentanz, aber gebrochen und kraftvoll

What the heck is Modern Dance, Ulrich Peters? Aus gegebenem Anlaß: ein Blog ohne Foto Theaterintendant Ulrich Peters, noch am Gärtnerplatztheater München,...

What the heck is Modern Dance, Ulrich Peters? Aus gegebenem Anlaß: ein Blog ohne Foto

Theaterintendant Ulrich Peters, noch am Gärtnerplatztheater München, bald in Münster, entgegnete den Ruhrnachrichten auf die Frage nach Motiven für seinen Liga-Abstieg ins Westfälische, man könne die „Münchner Kulturschickeria sehr schnell leid bekommen“. Nach Äußerungen zur Zukunft des Theatertanzes an seiner neuen Wirkungsstätte weiß man, dass der Tanzwelt solche Intendanten wie er schon längst übrig sind. Von Tanz nämlich hat Peters gar keine Ahnung. Er hat bloß ein paar Vorstellungen gesehen und ein paar Namen gehört. „Klassisches Ballett“ wolle er nicht, gab er zu Protokoll, er stelle sich „Modern Dance“ vor. Ok, also hier, für diesen Intendanten und noch ein paar andere, die ihre Fremdwörter nicht googeln, bevor sie sie verwenden: „Modern Dance“ heißt auf Deutsch Moderner Tanz, und damit bezeichnet man historisch eine stilistisch vielfältige Bewegung, die sich von der Danse d’école, der akademischen Schule, abwandte. Berühmte Vertreter dieser Richtung sind Karoline Sofie Marie Wiegmann, aka Mary Wigman, 1886 – 1973, Vaclav Nijinsky, geboren 1889, oder Martha Graham, 1894 – 1991. Bei Merce Cunningham, 1919 – 2009, streiten sich die Geister, ob er nicht nach seinen frühen Anfängen in den vierziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts schnell zur Postmoderne gezählt werden muß.

Aber Ulrich Peters möchte ja in Münster dann „Modern Dance“ haben. Vielleicht mal Ruth St. Denis anrufen? Ach, die 1879 geborene Choreographin starb 1968. Oder Isadora Duncan? Auch schon tot, das ist Pech, mein Münsterländer Intendant in spe. Tja, das sieht dann schlecht aus für Peters. Kann er gar keinen Tanz haben in Münster. Dabei hatte er doch gerade die wahnsinnig großzügige Aufstockung des Ensembles von neun auf zwölf Tänzer beschlossen. Wigman, Nijinsky, Graham, St. Denis, Duncan, sind fünf, da hätte er ja noch sieben Positionen frei – also für Dore Hoyer, Harald Kreuzberg, die Schwestern Wiesenthal, Gret Palucca, Arbeitertänzer Jean Weidt, und…ja, Hanya Holm. Wir fassen zusammen: „Modern Dance“ bezeichnet entweder gar nichts, oder ein Unterrichtsangebot an abgelegenen Volkshochschulen, oder eine ziemlich untergegangene Bühnentanzform.

Was also meint Peters? Dass er möchte, dass seine Tänzer barfuß, in Schläppchen oder Alltagsschuhen auftreten, keinesfalls in Spitzenschuhen? Eben, er wolle „keinen altmodischen Spitzentanz“, sagte er den Ruhrnachrichten. Ob er seinem Orchester auch sagt, er möchte kein altmodisches Bogenstreichen? „Der Spitzentanz sollte ironisch gebrochen sein“, so Peters, aber es müsse „technisch schon möglich sein, den Spitzentanz zu bedienen.“ Danke, du, der Spitzentanz ist schon total bedient, spätestens an dieser Stelle. Das kann sich der „Münsterländer“ jetzt mal auf der Zunge zergehen lassen. Und dann weiß Peters noch, dass sein Gärtnerplatz-Choreograph Henning Paar, früher Kassel und da auch schon belanglos-kitschig, das schließlich auch hinkriege, „Ballettklassiker wie Tschaikowskys „Nußknacker“ und Prokofieffs „Romeo und Julia“ zu zeigen, aber in einer „modernen, kraftvollen Sprache“. Tja, dieser altbacksche, schwächliche Spitzentanz, also, man muß ihn schon echt drauf haben, wenn man in Münster eine von zwölf Top-Positionen im Tanz ergattern will und will echt vierzig satte Vorstellungen pro Spielzeit tanzen dürfen, da muß man das schon bedienen können, aber dann auch bitte mal mit zwölf Spitzenleuten etwas Modernes, Kraftvolles, also vielleicht „Schwanensee“ mal neu, oder mal ein anderes „Dornröschen“ oder so. Auf jeden Fall von einem der „Götter“ von dem Peters, Marco Goecke, Mario Schröder, oder Stephan Thoss. Da könnte doch der Peters die auch alle drei mitnehmen, und jeder kriegt vier Tänzer, die den Spitzentanz alle schön bedienen können, für die „Münsterländer“, und jeder darf zehn Abende seinen modernen, kraftvollen Nußknacker zeigen. Also, ich finde, das kann da echt schön werden, einmal, dass man der Münchner Kulturschickeria den kalten Rücken gezeigt hat. Der Daniel Goldin, jetzt nach fünfzehn Jahren Münster von Peters unter die Nicht-Götter gezählt und darum nicht-verlängert, soll in seinen Vorstellungen nur noch eine Auslastung von dreißig Prozent haben. Na, die Zahl kriegt man doch mit Modern Dänz wieder hoch. Wär doch gelacht.