Aufforderung zum Tanz

Aufforderung zum Tanz

Was sie schon immer über Tanz hätten wissen wollen können und bisher nicht auf die Idee kamen zu fragen.

Was am Yoga wirklich stört

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  Ferienzeit. Jetzt kann man alte Sportarten wieder aufnehmen und mit neuen anfangen. Yoga vielleicht, das gibt es zuhause, am Meer und am See, und hinter...

 

Ferienzeit. Jetzt kann man alte Sportarten wieder aufnehmen und mit neuen anfangen. Yoga vielleicht, das gibt es zuhause, am Meer und am See, und hinter den Bergen. Das ubiquitäre Yoga, immer mehr Leute in der nächsten Umgebung reden davon. Aber – was soll das eigentlich bringen, sich auf einer kleinen Matte zwischen lauter anderen zu verrenken ? Leuten, die zugegeben nicht mehr überwiegend Hollywood-Schauspielerinnen oder Vorabendserien-Akteure sind, keine Tänzer, keine Hippies, keine esoterischen Spinner, sondern Anwälte, Vertriebschefinnen, Schlagzeuger, Werber, Erzieherinnen, Lehrer, Sekretärinnen. Warum machen die das alle? Wird man davon eigentlich heilig oder doch bloß scheinheilig? Ein besserer Mensch oder hat man wenigstens besseren Blutdruck?

Die Yogaliteratur von Journalisten ist umfangreich: Berichte von Selbstversuchen, Lobeshymnen und ihre Gegenschriften, Spott-Tiraden und Schmäh-Artikel. Wer das überschaut könnte annehmen, die westliche Welt würde irgendwann in mittelfristiger Prognose nur noch aus Yogalehrern bestehen und ein paar unbelehrbaren Yogaverächtern. Ja, aber wen unterrichtet diese zertifizierte Yogi-Population dereinst noch? Und was hat man denn nun vom Yoga? Wen die alle unterrichten, keine Ahnung, aber die einfache Antwort auf die zweite Frage kommt, es ist eine prima Antwort. Bloß klingt sie fast zu gut, um wahr zu sein: Yoga macht schön, stark und klug im Sinne von gelassen. Jeden. Schön heißt, man sieht entspannt, gut durchblutet, aufgerichtet und wohlproportioniert aus, elastisch. Stark heißt, man steht mit beiden Füßen fest auf der Erde, verliert auf einem allein nicht gleich die Balance und in Situationen, die anstrengen, nicht gleich die Nerven, weil man körperliche Belastungsproben zu mentalen gemacht und sie öfters bestanden hat. Gelassen heißt eben dieses „gelassen“. Nicht gleich toben, nicht gleich weglaufen, standhalten, hindurchgehen, „es“ meistern. Yoga ist eine uralte körperliche Praxis, die so gut funktioniert, als wäre sie gerade eben für die Gegenwart erfunden. Aha, sagen die Skeptiker, es ist also doch bloß eine neue Art Aerobic! Einst rief Jane Fonda, heute jeder Star, der auf sich hält. Ja und nein. Es ist viel mehr als Gymnastik und ganz anderes, aber für den Anfang genügt es vollkommen, Yoga als eine Art Training zu betrachten: Es fördert, richtig gelernt, einen kräftigen, geraden und beweglichen Rücken, es löst Nacken- und Schulterverspannungen, baut eine angenehme Körpergrundspannung auf, es vertieft die Atmung. Es ist dabei für alle vom ersten Tag an wohltuend. Toll, toll, toll. Das Dumme ist nur, dass an dieser Stelle schon viele abschalten und innerlich „blablabla“ flüstern, weil sie es nicht glauben können. Das ist aber wirklich der einzige Nachteil des Yoga: MAN MUSS ES EINMAL SELBER AUSPROBIEREN. DANN WIRD MAN ES SELBST SEHEN.

Keine weiteren Bücher und Zeitungsartikel durchgoogeln und querlesen. Hier den Blog wegklicken und ein Studio suchen.

 

Oder doch erst noch schnell zuende lesen, denn der Film „Im Kopfstand zum Glück“ von Irene Graef, der im Frühling in die Kinos kam und am Ende dieses Sommers auf DVD erscheinen wird, ist wie gemacht, um einen ersten guten Eindruck von Yoga zu vermitteln. Was kein Buch kann, tut dieser Film. Graef nimmt ihre Zuschauer mit in den Unterricht und macht sie mit den Motiven, Zielen und Lebenshintergründen einzelner Schülern einer Yogalehrerausbildungsklasse von Patricia Thielemann vertraut. Das Interessante daran ist, diese Schüler wollen ihre Berufe gar nicht aufgeben und in einen Ashram ziehen. Sie sind sich nur sicher, dass Yoga gut ist und wollen so viel merh davon, als eine wöchentliche Stunde und ein Workshop ab und zu ihnen geben könnte. Sie wollen Yoga selbständig praktizieren und in ihre Leben integrieren können und das gelingt am Ende auch. Es wird geübt, geübt, geübt, kritisiert und gelacht. „Du willst zu viel auf einmal“, sagt Thielemann etwa an einer Stelle zu einem Schüler, nachdem er eine Lehrprobe absolviert hat, „und dabei siehst Du aus wie Hamlet, bevor er überlegt, ob er seinen Stiefvater erschießt.“ Das bringt doch ein paar Probleme der modernen Existenz recht gut auf den Punkt. 

https://www.imkopfstandzumglueck-derfilm.de

 

 


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