Aufforderung zum Tanz

Aufforderung zum Tanz

Was sie schon immer über Tanz hätten wissen wollen können und bisher nicht auf die Idee kamen zu fragen.

Wie riecht Ballett? Kann man das in Flaschen kaufen?

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Das Ballett als Parfum? Treffen sich hier die Modewelt und die Tanzwelt? Im Klischee vielleicht...Oder was glauben Sie, wie Tanz riecht?

Wenn man sich Models in Modezeitschriften anschaut weiß man, warum mit Tänzern so wenig geworben wird. Zwar sind auch sie dünn, aber sie haben natürlich nicht ganz so hohle Wangen und ihre Waden sehen nicht aus wie glatt aus Holz geschnitzt. Viele Models sehen nur dünn aus, aber ein bißchen schlaff, nicht energiegeladen und trainiert. Vielleicht sind sie es in Wirklichkeit, aber es ist gerade nicht modern, so auszusehen. Lieber die Haare strähnig in einen unordentlichen Seitelscheitel gekämmt und dick Lippenstift drauf und nach Partydrogen aussehen. Tänzerinnen und Tänzer nehmen die ja teilweise angeblich auch, aber sie können das allenfalls nach der Vorstellung machen. Unabhängig von dem, was das Drogenthermometer anzeigt, unterscheidet man Tänzer von Nicht-Tänzern durch die typische kerzengerade Haltung, die eine feste Mitte hervorbringt. Ihr energischer Gang ist schon das Entspannteste, was sie können und sie besitzen Muskeln, lange, sehnige, plastische, phantastische Muskeln. Sie sind das Gegenteil von Botox-aufgepumpt und das Gegenteil von betont cool. Damit ist der ästhetische Abstand zwischen ihnen und Protagonisten der Modelwelt und des Filmgeschäfts erheblich größer als etwa in den sechziger Jahren, wo Margot Fonteyn und Rudolf Nurejew auf Covern prangten. Damals sahen Tänzer Schauspielern noch ähnlicher und beide uns allen. Man muß nur Fotos von Birgit Keil und Audrey Hepburn neben einander legen, um die Ähnlichkeit zu entdecken. Aber Fotos von Keira Knightley oder Natalie Portman neben Porträts von Alina Cojocaru gelegt lassen die Unterschiede zwischen der Tänzerin und den Schauspielerinnen augenfällig werden. Ganz abgesehen von dem ins Immense angewachsenen Popularitätsunterschied – wieviele Menschen, die Cameron Diaz kennen, kennen wohl auch Matthew Golding?

Weswegen ein berühmter englischer Parfümhersteller, Penhaligon’s, jetzt auch nicht Werbung mit speziellen Tänzern macht, anders als andere Parfums mit bestimmten Schauspielerinnen, sondern mit dem Ballett an sich. „Iris Prima“ heißt das neue Parfum für Frauen, Iris für die Blume, deren Blütenduft hier vorherrscht und Prima für Primaballerina. Es ist ein floraler, warmer, sehr ansprechend femininer Duft geworden, lang anhaltend, sehr natürlich, ein sehr gutes Parfum wie viele klassische Düfte des Hauses zuvor („Blenheim Bouquet“ is my all-time favourite).

ABER. Das „English National Ballet“ hat unlängst zur Promotion von „Iris Prima“ zwei lächelnde Tänzer ins Schaufenster eines Geschäftes gestellt und an einem Werbeclip mitgewirkt, in dem Tänzer aussagen, wie der Geruch des Balletts zu beschreiben sei. Könnte da nicht Manchester United interessantere Aussagen machen? Gras, Leder, Haargel?

Doch da stellt sich heraus, Fußball kann doch nicht mit Ballett konkurrieren: „Mornings, Sweat and Tears, Pain and Passion…“ zählt ein eigentlich ganz sachlich blickender Tänzer auf.

Haarspray, Leidenschaft, noch einmal, werden genannt, Konkurrenz, Staub, Scheinwerfer, frisch gewaschene Kostüme, Kolophonium (Baumharz, das Tänzerinnen und Gewichtheber benutzen, um ihre Schuhe weniger rutschig zu machen), serenity calm and elegance.. Gelassenheit, Ruhe und Eleganz.

„How do you think the ballet smells?“ fragt Penhaligon’s, Tja, was denken Sie, wie Ballett riecht? Es ist gar nicht gesagt, dass wir Deutschen da überhaupt Phantasien entwickeln…

Warum, aber agiert ein mit seiner einhundertirgendwieviel Jahre zurückreichenden Tradition werbendes Unternehmen so stereotyp? Wieso denkt es, das Ballett rieche soundso und das könne man mindestens soundsoviel Ballettanhängern in Flaschen andrehen. Werben sie etwa mit dem Rest ihrer Düfte so: „Wie denken Sie dass Adel riecht?“

Ach, wahrscheinlich hat der Marketing-Chef bloß nicht bis zum Ende nachgedacht. Was er sicher nicht wußte ist, dass George Balanchine seinen Ballerinen Parfums schenkte. So konnte er, sobald er den Fahrstuhl betrat wissen, welche von ihnen bereits im Theater war.

 

 


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