Aufforderung zum Tanz

Aufforderung zum Tanz

Was sie schon immer über Tanz hätten wissen wollen können und bisher nicht auf die Idee kamen zu fragen.

Das hilft wirklich gegen den Winterblues: Von innen glitzern, oder wie der Boxer tanzen lernte

Der Winter ist vom Februar aus betrachtet am unendlichsten. Skispringen anzuschauen macht ihn nicht kürzer. Was dann?

In einem der „Ella“-Bücher von Timo Parvela kommt die Schulaufsicht und befragt die Direktorin streng nach ihrem Benehmen gegenüber einem ihrer Schüler, wobei die Schulaufsicht nicht weiß, dass dieser Schüler ihr Sohn ist. Die Schulaufsicht fragt: „Und Sie haben außerdem Pekkas Vater dazu gezwungen, ins Ballett zu gehen?“ „Ja, wieso denn nicht, natürlich!“ sagt die Direktorin, wird suspendiert, die kleine Schule geschlossen und alle Schüler auf eine Riesenschule geschickt. Vorsicht also, was Sie den Vätern Ihrer Kinder so zumuten, es könnte weitreichende berufliche Folgen für Sie haben.

An einer anderen Stelle versteckt sich der Vater im Haus, und Pekka schweigt sich gegenüber seiner Mutter über dessen Verbleib aus, obwohl er genau weiß, wo dieser sich verbirgt. Aber das macht Pekka nur so lange, bis die Mutter entschlossen ist, ihn anstelle des Vaters mitzunehmen – ins Ballett. Da plaudert Pekka.

An den „Ella“-Büchern“ sind nicht nur die Witze über Ballett gut, sie sind voller Gags und absurder Szenen aus dem Leben von Grundschülern. Zum Beispiel begegnen Ella und ihre Klassenkameraden auf der neuen Riesenschule einem sehr netten Mädchen, das seit drei Monaten sein Klassenzimmer nicht finden kann und während der Herumirrerei alles mögliche mitkriegt, das in der Schule geschieht. Auf dem Dachboden, weiß sie, gibt es ein Skelett, und wer ist das, na? Der Architekt, der die Schule geplant hat, er ist da oben verstorben, weil er selbst nicht mehr herausgefunden hat. Auf so einer Schule war ich auch. Das ist doch immer schön, wenn man Kinderbücher findet, in denen die Themen der Erwachsenen auch irgendwie vorkommen.

Im Februar ist der Bedarf an Witzen naturgemäß besonders groß, denn in dem Monat nimmt der Winter so überhaupt kein Ende, selbst wenn er keiner ist – wie dieser. Was wiederum gut ist, weil man draußen laufen kann ohne eine Lungenentzündung zu kriegen. Aber der Winter, kalt oder bloß nass, ist im Februar so, wie der Theaterabend in Karl Kraus‘ berühmter Beschreibung: Punkt acht Uhr begann die Vorstellung, und als der Autor anderthalb Stunden später auf die Uhr sah, war es zehn nach acht. Punkt Mitte Januar beginnt der Winterblues, und wenn man sechs Monate später auf den Kalender guckt, ist Mitte Februar.

Was dagegen auch hilft, ist Disko. Und zwar so, wie Jan Delay es auf Wir Kinder vom Bahnhof Soul beschreibt, einer Platte, die meinen Kindern zu den Ohren rauskommt, weil sie das Album, als es neu war, andauernd im Auto hören mußten. Ich lege die Platten dann, wenn ich sie zwei Monate drei mal täglich gehört habe, ein paar Jahre weg und finde sie danach wieder klasse. Im Winter 2014 ist Jan Delay wieder gut. Februar also? Wir wissen nicht, was Sie dagegen unternehmen, Jan Delay sagt

 Ich hab was dir fehlt

und ich hab was du brauchst

Eine dicke Ladung Disko

ja die bringt dich wieder rauf

Und darum lieben wir die

Disko

Ja darum ziehn wir in die

Disko

Tanken Endorphine in der

Disko

Lauter Sound und bunte Lichter

Disko

Lassen uns von innen glitzern

Disko

Genau, von innen glitzern, das ist das Ziel. Bläsersätze hören, Bässe, funky….Funktioniert auch, wenn man alleine Auto fährt, laut aufgedreht und mitgewackelt.

Wer dann trotz Laufen, „Ella“-Lesen am Bollerofen, Zimtwecken und Jan Delay noch nicht ans Tanzen glaubt, der kann es sich von einem Werftarbeiter-Walzer erzählen lassen, wie es um die lebensverändernden Wirkungen des Tanzes wirklich bestellt ist.

The Night The Pugilist Learned How To Dance heißt der Song von Sting, aus seinem letzten Album The Last Ship, lyrics auf www.sting.com. Das Lied handelt davon, wie ein Boxer sich heimlich selbst das Tanzen beibringt, natürlich wegen eines Mädchens, wie er mit einem Besen übt, bis ihm die Ähnlichkeiten zwischen Boxen und Tanzen dabei helfen zu verstehen, was er tun muß. Er ist fünfzehn und seine blutige Nase, das begreift er, ist vielleicht nicht so attraktiv:

 For it’s hard to convince in a romantic pose,

With a lovely black eye and a broken nose

Die Anleitung zum Glücklichsein gibt der Refrain:

Ye swing to the left, ye swing to the right,

Keep your eyes on your partner, more or less like a fight,

Ye just follow the rhythm, and ye keep to the beat,

The important thing’s never to look at your feet,

Then a miracle happens, your mind’s in a trance,

Though the strategy’s subtle, retreat and advance,

It’s all about attitude, all in your stance,

Attention to detail, leaving nothing to chance,

Which explains how the pugilist finally learned how to dance.

 

Du schwingst nach links, du schwingst nach rechts,

Schau unverwandt auf deinen Partner, fast wie bei einem Kampf

Du folgst einfach dem Rhythmus, und bleibst im Takt

Schau bloß nie auf deine Füsse hinunter, das ist wichtig

Dann geschieht ein Wunder, du gerätst in Trance,

Gleichwohl die Taktik subtil ist, Rückzug und Vormarsch

Geht es vor allem um Haltung

Aufmerksamkeit im Detail, nichts dem Zufall zu überlassen

Was erklärt, wie der Boxer schließlich tanzen lernte.

Ja, so wird ein scrapper dapper, ein Schläger elegant, genau so, und so muß es doch auch möglich sein, diesen Winterblues wegzuwalzen, oder er kriegt mal was zwischen die Wochentage geknallt, der Februar, wie der Rambo aus „Ella“ sich ausdrücken würde.