Aufforderung zum Tanz

Aufforderung zum Tanz

Was sie schon immer über Tanz hätten wissen wollen können und bisher nicht auf die Idee kamen zu fragen.

Heissa Walpurgisnacht

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Es ist in jeder Profession wichtig zu wissen what keeps you going....

Allerorten werden Shakespeare-Ballette aufgeführt aus Anlaß des 450. Geburtstags des Dichters, Das Wintermärchen von Christopher Wheeldon in London, Der Sturm demnächst in Amsterdam von Krzysztof Pastor.

Ich hatte Glück und habe im Amsterdamer Opernhaus für 10 Euro Paul Czinners 1966 gedrehten Film von Kenneth MacMillan’s „Romeo und Julia“ mit Margot Fonteyn und Rudolf Nurejew ergattert. Man kann ihn inzwischen auch im Internet leihen. An „Romeo und Julia“ sieht man, dass ein Stück, das als schwacher Shakespeare gilt – manche Schauspielkritiker findes es das uninteressanteste – doch ein sehr guter coat hanger für Ballett sein kann, phantastische Kampfszenen, Ballszenen, Pas de deux, Rollen für Tänzer verschiedener Generationen.

Das hier ist der 150. Blog „Aufforderung zum Tanz“ und seit dem ersten sind beinahe drei Jahre vergangen (9. Mai 2011) und da ist es natürlich, auf einige der größten Inspirationen zu sprechen zu kommen, die es für Tanzkritiker gibt, für mich gibt. Das verbunden mit einem Dank an alle Leser, die der „Aufforderung zum Tanz“ folgen, ich schaue sehr genau auf die Klicks und frage mich jedes Mal, wird das hoffentlich viele interessieren, habe ich einen Punkt, ist das relevant. DANKE! Ich freue mich sehr, dass ich hier schreiben kann. Der Blog ist anders geschrieben und inhaltlich anders als manches, was ich in der gedruckten Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibe und dieses Spiel mit Tönen und Themen ist aufregend und macht großen Spaß.

„Romeo und Julia“ wirkt gar nicht angestaubt, weniger als eine Theateraufführung von 1966 heute wirken würde. Wer im Studium Inszenierungen Fritz Kortners analysiert hat weiß, wovon die Rede ist – obwohl der Respekt groß ist, ist sofort klar, dass man das heute nicht mehr so machen würde – „Clavigo“ etwa. Aber im Ballett ist das anders. Sicher würde man Fonteyn anders anziehen und schminken, aber alles andere?

Merkwürdig ist dann auch das Gefühl beim Betrachten von Tamara Rojo und Sergej Polunin in Frederick Ashtons Ballett „Marguerite et Armand“. Die beiden sind natürlich sehr gut, aber ganz rechtfertigen sie ihr Wagnis künstlerisch nicht. Ich habe Fonteyn und Nurejew nicht darin gesehen und manchmal weiß man nicht, ob man Äusserungen glauben soll, denen zufolge Ashton nicht wollte, dass je ein anderes Paar das Stück tanzen sollte.Nun ich bin sicher, Sylvie Guillem und Nicolas LeRiche hätten ihm gefallen, aber jetzt fremdele ich mit Polunin und Rojo. Wie objektiv kann man angesichts einer Filmaufzeichnung eines so extrem schauspielerischen Balletts sein?

„Marguerite et Armand“ ist auf einer 2013 erschienenen DVD des Labels Opus Arte, „Ashton Celebration“. Enthalten sind außerdem das in Schwindel versetzende „La Valse“ mit den dunklen, drehenden Paaren, deren Tänze einen in eine andere Dimension hineinziehen, der Pas de deux „Méditation“ aus „Thais“, dramatisch und elegisch und von schweren orientalischen Räucherstäbchen beduftet, außerdem der Sechs-Minuten-Hit „Frühlingsstimmen-Walzer“ – und, das abstrakte, magische Ballett für zwei Trios zu Musik von Erik Satie, „Monotones I and II“.

Plus so viele Extras – Antoinette Sibley und Anthony Dowell studieren ein, erklären, was an Ashtons Werken großartig ist. Für sie war „Méditation“ ursprünglich gemacht, schnelles Werk für eine Gala. Dowell erzählt, sie hätten schon gebangt, ob das technisch wirklich schwere, viele Hebungen enthaltende Pas de deux gutgeht…So war es dann, und das Publikum applaudierte freundlich und Ashton trat zu seinen schwer atmenden erleichterten Stars und sagte zum Publikum, da es das Duett offenbar gemocht habe, ob sie es wiederholen sollten? Was zum Entsetzen der Tänzer jubelnd bejaht wurde…..

Ashton also, seine Tiefe, sein Witz, seine choreographische, stilistische, erzählerische Größe….

auch auf dieser DVD zeigen die Tänzer, wie sehr sie von seinen Werken berührt sind, was an ihnen sie herausfordert…Edward Watson, der in „Monotones“ tanzt sagt, es sei so wichtig, Ashtons Werke zu bewahren, damit sie auf keinen Fall im general dancing untergingen, und ich vermute, er meint damit das unverdrossen neue Werke raushauende Business, dessen Teil er ist. Aber man muß sich natürlich keine Sorgen machen, solange es Leute gibt, die den Ausstoß der Gegenwart evaluieren nach Kriterien, deren Referenzpunkte älter sind als drei Jahre. In diesem Sinne Heissa Walpurgisnacht und auf die Zukunft!


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  1. Stream of memories.
    Beside that flower
    the whisper of
    a delicate ray
    touches the margin
    described by the
    first light: there,
    in the garden,
    near the youth
    of a fine rose.

    Francesco Sinibaldi

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