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Cebit im Abwärtsstrudel

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Die Cebit verliert im Jahr 2009 mehr als ein Viertel ihrer Aussteller. Es kommen aber Anfang März immer noch 4300 Aussteller nach Hannover. Die Ausstellung ist aber nicht die einzige Kommunikationsmesse, die unter der Krise leidet.

Die Wirtschaftskrise trifft auch die internationalen Technik- und Kommunikations-Messen mit voller Wucht. Die Ausstellerzahlen gehen zurück und die Besucher bleiben aus. Unternehmen sparen an Reisekosten, drehen jeden Pfennig, der in Marketing investiert wird, zwei mal um und reduzieren ihre Präsenz in den Ausstellungen auf das notwendige Minimum. Jetzt trifft es auch die Cebit, das IT- und Kommunikations-Flagschiff der Deutschen Messe AG in Hannover. Die Ausstellerzahl der Computermesse fällt 2009 dramatisch auf das Niveau des Jahres 1990 zurück. Rund 4300 Unternehmen werden vom 3. März an in Hannover ihre Produkte ausstellen. Im Vorjahr waren es noch 5845. Das ist ein Minus von mehr als 25 Prozent. Zum Vergleich: In der Hochzeit des Jahres 2001 kamen mehr als 8000 Aussteller nach Hannover, Stadt und Messe platzen aus allen Nähten und die lokale Infrastruktur war dem Erliegen nahe. Der Grund: Auch mit mehr als 800000 Cebit-Besuchern wurde 2001 ein danach nicht wieder erreichter Rekord aufgestellt.

Bild zu: Cebit im AbwärtsstrudelDie niedrige Buchungsrate des Jahres 2009 hat auch ganz praktische Konsequenzen für das Geschäft der Messe: Die vermietete Fläche – damit verdienen Messegesellschaften ihr Geld – ist in diesem Jahr erheblich kleiner. Die Deutsche Messe nennt für die Cebit eine Zahl von rund 200000 Quadratmetern. Das entspricht einem Rückgang von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Messevorstand Ernst Raue versucht noch, diese Ergebnisse in den allgemeinen Kontext einzubetten: „Das Ergebnis ist angesichts der tiefgreifenden Krise der Weltwirtschaft ein Erfolg. Wir sind mit Blick auf das konjunkturelle Umfeld sehr zufrieden. 4300 Unternehmen werden zeigen, dass sie robust dastehen und die Rezession schnell hinter sich lassen wollen“, sagte er und macht damit der Branche, der Messe und potentiellen Besuchern Hoffnung auf eine baldige Besserung. Ernst Raue

Die Logik des Erklärungversuchs ist einfach: „Unternehmen, die vom Markt verschwunden sind, können nicht auf der Cebit ausstellen. Firmen, die ihre Marketingbudgets auf Null setzen, werden in diesem Jahr nicht in Hannover sein. Aber Unternehmen, die Neugeschäfte machen wollen, wählen die Cebit als Plattform“, erklärt Raue. Die Pluspunkte der Cebit aus seiner Sicht: Rund 300 Unternehmen werden nach einigen Jahren Pause wieder in die Reihen der Aussteller zurückgekehrt. Darunter Dell, Nokia Siemens Networks oder Intershop. Allerdings hatte die Messe auch in den Aufschwung-Jahren zuvor schon mit sinkenden Aussteller- und Besucherzahlen zu kämpfen und war auf der dringenden Suche nach einem neuen Konzept. Allerdings ist derzeit kaum erkennbar, ob die neue Positionierung der Messe greift oder nicht. Der Abwärtstrend solcher Veranstaltungen ist allgegenwärtig und überlagert die Versuche einer strategischen Neupositionierung.

 

Die Cebit leidet entsprechend nicht als einzige Messe unter der Rezession. Auch die in den vergangenen Jahren sehr erfolgreiche Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas hatte im Januar diesen Jahres erhebliche Schwierigkeiten und musste ein Besucherminus von rund 30 Prozent verkraften .Wie aus einigen Unternehmen zu hören ist, waren die Aussteller zudem unzufrieden mit der Qualität der Besucher. Diese bemisst sich unter anderem an dem Rang der Gäste einer Ausstellung und ihrer damit verbundenen Verantwortung für das Ordergeschäft oder die strategischen Partnerschaften. Je mehr direkt auf der Messe entschieden werden kann, desto fröhlicher fahren die Aussteller wieder nach Hause.

Mobilfunkmesse in BarcelonaEntsprechend erfreut haben die meisten Aussteller von der Mobilfunkmesse Mobile World Congress, die am Donnerstag in Barcelona zu Ende ging, den Heimweg angetreten. Im Vergleich zu den anderen Veranstaltungen ist diese Messe angesichts der Krise noch glimpflich davon gekommen. Zwar verzeichnete die Kongress-Messe in diesem Jahr mit rund 1300 Ausstellern erstmals seit ihrer Gründung zu Beginn der neunziger Jahre kein Wachstum und auch die Besucherzahl ging von rund 55000 im Vorjahr um knapp 15 Prozent auf 47000 im Februar 2009 zurück. Allerdings legte die Zahl der gebuchten Quadratmeter um rund 11 Prozent auf 57000 kräftig zu. Die Aussteller sind zudem weiterhin sehr überzeigt von der Qualität der Besucher und wollen daher – so war auf der Messe häufig zu hören – auf jeden Fall im kommenden Jahr wiederkommen. Immerhin besuchten rund 2800 Vorstandsvorsitzende die Veranstaltung in Barcelona.

Schon vor dem endgültigen Ausbruch der Krise ist im vergangenen Jahr die Computermesse Systems aus dem Markt ausgeschieden. Nach 40 Jahren des Bestehens kamen im Herbst angesichts des veränderten wettbewerblichen Umfelds für solche Veranstaltungen einfach nicht mehr genug Besucher nach München. Nach der Ankündigung des Aus für die Systems hieß es im vergangenen Oktober von Messegeschäftsführer Klaus Dittrich noch: „Es ist Zeit für Neues.“ Bisher ist davon aber noch nicht wieder etwas gehört worden. Die Zeiten für solche Veranstaltungen sind bitterhart.

Bilder: Deutsche Messe AG, Johannes Winkelhage

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