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Sony-Ericsson schockiert mit Prognose

Die Wirtschaftskrise schlägt im ersten Quartal des laufenden Jahres mit unverminderter Härte auf den internationalen Handy-Markt durch. Das bekommt auch das Gemeinschaftsunternehmen Sony-Ericsson mit voller Wucht zu spüren – und hat nun vor erheblich höheren Verlusten gewarnt. Vor Steuern rechnet das Unternehmen mit einem Verlust zwischen 340 und 390 Millionen Euro. Hinzu kommen Kosten für die Restrukturierung von bis zu 20 Millionen Euro. Das wäre der höchste Quartalsverlust seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2001.

Entsprechend empfindlich reagierte die Börse am Freitag auf die Warnung des Handy-Herstellers. Der Kurs der Ericsson-Aktie sank um mehr als 7 Prozent. Die Aktie von Sony wurde aufgrund eines Feiertages in Japan nicht gehandelt. Auch der Aktienkurs des Konkurrenten Nokia wurde in die Tiefe gerissen. Hier erreichte das Minus mehr als 4 Prozent.

Wie katastrophal das ist, zeigt sich auch an den erwarteten Verkaufszahlen. Sony-Ericsson rechnet nur noch mit 14 Millionen Handys, die unter seiner Marke in den ersten drei Monaten des Jahres an den Handel ausgeliefert werden. Zum Vergleich: Im vierten Quartal des vergangenen Jahres verließen noch mehr als 24 Millionen Geräte das Haus, und vor einem Jahr wurden im ersten Quartal noch knapp 22 Millionen Handys von Sony-Ericsson verkauft. Damals machte das Unternehmen allerdings noch einen Gewinn von 254 Millionen Euro im Quartal und arbeitete mit einer Rohmarge von mehr als 30 Prozent. Der durchschnittliche Verkaufspreis lag mit 134 Euro um 14 Euro über dem Wert, den der Konzern jetzt für das erste Quartal erwartet. Die jetzt prognostizierten 120 Euro Umsatz je Gerät sind allerdings der einzige Lichtblick in der achtzeiligen Meldung, die die düstere Prognose des Unternehmens enthält. Zumindest dieser Wert soll stabil bleiben.

Als einen Grund für die schrumpfenden Auslieferungen nennt das Unternehmen die Tatsache, dass die Händler derzeit ihre Lagerbestände abbauen würden und daher weniger Neuware ordern. Sony-Ericsson verkauft seine Handys eher im höherpreisigen Segment. Dort kommen derzeit gleich zwei negative Strömungen zusammen. Auf der einen Seite geben die Kunden tendenziell weniger Geld für Geräte aus – wenn sie sich überhaupt ein neues Handy zulegen. Auf der anderen Seite machen Anbieter wie Apple mit dem iPhone oder auch HTC mit Geräten auf der Basis des Google-Betriebssystems Android den hochpreisigen Angeboten der Konkurrenz inzwischen das Leben deutlich schwerer.

Die jetzt vorgelegten Zahlen sorgen in den Mutterhäusern zwar nicht für Freude, angesichts von rund 1 Milliarde Euro Barmittel, die das Unternehmen noch im vierten Quartal in der Kasse hatte, ist allerdings keine Kapitalzufuhr der Konzerne notwendig. Entsprechend gibt es auch keine Diskussionen über einen Verkauf der Ericsson-Anteile an Sony. Gerüchte darüber kommentiert das Unternehmen zwar nicht offiziell. Aus Kreisen ist allerdings zu hören, dass sich an der Gültigkeit der Aussage von Carl-Henrik Svanberg – „Es gab keine Gespräche über einen Ausstieg von Ericsson aus dem Gemeinschaftsunternehmen“ – nichts geändert habe.

Links

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Endspiel im Mobilfunkmarkt 

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