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Vodafone verspricht bis zu 5 Megabit für DSL-freie Gebiete

Bild zu: Vodafone verspricht bis zu 5 Megabit für DSL-freie GebieteVodafone und die anderen Mobilfunker wollen die Lücken auf der DSL-Landkarte mit mobilen Angeboten schließen. Die Kanzlerin fordert flächendeckend Anschlüsse mit einem Megabit in der Sekunde. Jetzt stockt Vodafone auf. Fritz Joussen, Vorsitzender der Geschäftsführung Vodafone Deutschland, kündigt im Gesrpäch mit der FAZ fünfmal so schnelle Angebote an.

 

Herr Joussen, am 15. Mai tagt in Berlin der Bundesrat. Er wird darüber beschließen, ob frei werdende Frequenzen für den Mobilfunk genutzt werden dürfen. Kann mit dieser „Digitalen Dividende“ noch etwas schief gehen?

Das wäre ein ziemlich verheerendes Signal und eine Entscheidung gegen Hunderte von kleinen Gemeinden, Städten und Landkreisen, die dringend auf Internetversorgung warten, weil ihre Lebensfähigkeit davon abhängt. Aus meiner Sicht gibt es aber keine gravierenden Hindernisse mehr. Die Bundeskanzlerin hat im zweiten Konjunkturpaket das ambitionierte und richtige Ziel ausgegeben, bis Ende des Jahres 2010 alle Haushalte in Deutschland mit Anschlüssen von mindestens einem Megabit in der Sekunde zu versorgen. Während des Breitbandgipfels im Februar habe ich klargemacht, dass dies nur durch die Nutzung frei werdender Frequenzen, der sogenannten „Digitalen Dividende“, schnell realisiert werden kann. Dort gab es eine Zusage der Bundeskanzlerin. Das schließt die Bundesländer nicht automatisch mit ein, aber ich habe jetzt keine Zweifel mehr, dass das Paket im Bundesrat die Zustimmung erhält. Die Signale der Ministerpräsidenten sind positiv.

Aber die Entscheidung braucht die Zustimmung aller Bundesländer. Vor allem aus deren Landesmedienanstalten, die diese Frequenzen im Rahmen der Medienpolitik bisher verwaltet haben, waren immer wieder kritische Töne zu hören.

Es ist richtig, dass vor einem halben Jahr noch kritische Stimmen aus den Bundesländern zu hören waren. Aber die Finanz- und Wirtschaftskrise schweißt auch enger zusammen. Die Notwendigkeit einer umfassenden Breitbandversorgung aller Regionen ist jedem bewusst. Die weißen Flecken zu versorgen wird inzwischen überall als wichtiger angesehen, als noch mehr Shopping-Kanäle auf diesen wertvollen Frequenzen anzubieten.

In der Politik ist es oft ein Geben und ein Nehmen. Was bekommen die Länder denn für ihre Zustimmung?

Die Länder investieren in ihre Standorte und damit in die eigene Zukunft. Internetzugang ist heute existentiell. Es geht um die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität von Städten und Gemeinden als Wohnort und Standort für Unternehmen. Einfacher ist ein Konjunkturprogramm nicht zu bekommen, für das der Staat keinen Cent in die Hand nehmen muss, dessen Hebelwirkung aber enorm ist.

Wenn das Paket den Bundesrat passiert, werden im Herbst die Frequenzen von der Bundesnetzagentur versteigert. In welcher Form sollte dies geschehen?

Es ist wichtig, dass die „Digitale Dividende“ in mehreren bundesweiten Lizenzpaketen vergeben wird. Dann entsteht schnell ein gesunder Wettbewerb. Und um die Versorgung ländlicher Gebiete wirklich vorrangig sicherzustellen, kann man klare Auflagen in den Lizenzbedingungen festschreiben. In dieser Frage habe ich aber großes Vertrauen in die Bundesnetzagentur. Es zeigt sich immer wieder, dass mit einer solchen Frequenzvergabe wirklich Industrie- und Standortpolitik gemacht werden kann. Und als solche muss gute Regulierung auch verstanden werden. Die Politik steuert und stimuliert damit künftigen Wettbewerb.

Und dann schaffen Sie es, die DSL-Lücken bis Ende kommenden Jahres zu beseitigen?

Ja, meine Zusage „Internet für alle 2010″ steht. Wir stehen in den Startlöchern und haben die entsprechende Technik auch schon zur Anschaffung ausgeschrieben. Wenn ich ein Versprechen für 2010 abgebe, dann meine ich 2010 und nicht 2011 oder 2012. Vodafone kann seine bestehenden Antennenstandorte nutzen, die mit der neuesten LTE-Technik aufgerüstet werden. Damit verdoppeln Sie die Reichweite eines Antennenstandortes und müssen nur wenige Standorte neu suchen und bauen. Deshalb können wir so schnell aufbauen und werden voraussichtlich einen dreistelligen Millionenbetrag investieren. Wenn Sie ein solches Netz komplett neu bauen müssen, würden Jahre vergehen, und es würde erheblich teurer.

Wenn Vodafone dort in komplett neue Technik investiert, ist ein Megabit in der Sekunde ja fast schon wenig.

Das stimmt. Darum werden wir in diesen Regionen wesentlich mehr Bandbreite bieten als ein Megabit. Bereits im ersten Schritt rechne ich mit bis zu fünf Megabit.

Es gibt Befürchtungen, dass das mobile Internet auf Basis von LTE zu Störungen sowohl von drahtlosen Mikrofonanlagen als auch von Kabelfernsehanschlüssen führen kann. Was ist an diesen Befürchtungen dran?

Sind solche Fragen für eine Hightech-Nation wie Deutschland nicht lösbar? Ich sehe keine ernsthaften Hürden und technische Fragen werden derzeit in drei Pilotprojekten gelöst. Wir sollten aufhören mit den alten Ritualen, die Risiken überzubetonen und vor lauter Bedenken die Chancen zu vergessen. Es ist die falsche Zeit für Stillstand.

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