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Tom Tom kommt auf das iPhone

Mit einer neuen iPhone-Variante und deutlichen Preissenkungen für seine Notebooks rüstet sich der Computerkonzern Apple für den schärfer werdenden Wettbewerb in den kommenden Monaten. Das gab das Unternehmen während seiner Entwicklerkonferenz am Montagabend in San Francisco bekannt.

Apple bietet vom 19. Juni an das neue iPhone 3GS, das in Deutschland bei T-Mobile erhältlich sein wird. Neben einer höheren Geschwindigkeit für den Datenverkehr (7,2 Megabit je Sekunde) bietet das Gerät vor allem auch eine längere Akkulaufzeit und eine verbesserte Funktionalität zum Aufnehmen von Videos. Parallel zur Markteinführung werden die Preise für die bisherigen iPhone 3G in den Vereinigten Staaten auf ein massenmarkttaugliches Niveau von 99 Dollar gesenkt – was wie bei allen iPhones dort nur gilt, wenn man einen Mobilfunkvertrag mit dem Anbieter AT&T abschließt. In Deutschland steht offenbar noch nicht fest, zu welchem Preis die Varianten von T-Mobile angeboten werden sollen.

Während das neue iPhone schon im Vorfeld der erwartet wurde, kündigte Apple einige Kooperationen und Anwendungen für die Kulthandys an, die in dieser Form nicht erwartet worden waren. So stellte Tom Tom, der niederländische Hersteller von Navigationssystemen eine Software vor, die das iPhone zu einem vollständigen Navigationssystem macht. Das Programm wird bald im AppStore genannten Onlineshop von Apple zu kaufen sein. Zu dem Paket gehört neben den Karten, die auf dem iPhone gespeichert werden, auch eine Halterung, in der ein zusätzlicher GPS-Chip für die Satelliten-Navigation integriert ist. Dieser ist empfindlicher als die im iPhone selber verbaute Variante und soll die reibungslose Straßennavigation ermöglichen.

Damit schließt Apple eine Lücke zum Wettbewerber Nokia, für dessen Multimediahandys (Smartphones) es schon länger Navigationslösungen gibt, die eine dezidierte Navigation mit den entsprechenden Sprach- und Bildkommandos bieten. Auch gegenüber dem Wettbewerber RIM und seinen Blackberry-Geräten holt Apple ein wenig auf. So wird es nach Angaben des Unternehmens künftig möglich sein, ein verlorenes oder gestohlenes iPhone sowohl auf einer Karte zu orten als auch die darauf befindlichen Daten komplett zu löschen. Eine Funktion, die vor allem für geschäftlich genutzte Geräte wichtig ist.

Darüber hinaus kann das iPhone künftig auch als Datenmodem für ein angeschlossenes Notebook genutzt werden – wenn der Netzbetreiber dies zulässt. In Deutschland schließen die Geschäftsbedingungen von T-Mobile dies bisher aus, und es gilt als unwahrscheinlich, dass die Telekom-Tochtergesellschaft diese „Tethering“ genannte Funktion des neuen iPhone-Betriebssystems 3.0 freischalten wird.

Darüber hinaus gab Apple Preissenkungen und einige neue Funktionen für seine MacBooks genannten Notebooks bekannt. Auch hier ist die Akkulaufzeit nach Angaben des Unternehmens deutlich verbessert worden und einige weitere Funktionen und Anschlussmöglichkeiten wurden hinzugefügt. Mit den niedrigeren Preisen setzt der Konzern auf der einen Seite auf einen größeren Kundenkreis vor allem in den Massenmärkten wie China oder Indien. Auf der anderen Seite versucht Apple damit aber auch, sich gegenüber den höchst erfolgreichen Mini-Notebooks abzusetzen, die sich unter der Bezeichnung Netbooks inzwischen außerordentlicher Beliebtheit erfreuen – und derzeit meist zwischen 400 und 500 Euros kosten. Auf das im Vorfeld von vielen Beobachtern erwartete Netbook von Apple selber wartete die Entwicklergemeinde in San Francisco allerdings vergeblich.

Ebenso blieb Apple-Gründer Steve Jobs, der sich im Januar auf Grund einer Erkrankung zeitweise von der Unternehmensspitze verabschiedet hatte, der Veranstaltung fern. Viele hatten im Vorfeld vermutet und sogar gehofft, dass Jobs schon zu dieser Entwicklerkonferenz wieder an Bord kommen würde. Jetzt aber bleibt es offenbar bei dem bisher genannten Termin und einer Rückkehr Ende Juni.

 

Bilder: Apple, Tom Tom

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