Tierleben

Mein Freund ist Veganer

Heute ist Welt-Vegan-Tag. Aus diesem Anlass kommt hier eine junge Frau zu Wort, deren Freund vegan lebt. Er verzichtet völlig auf tierische Produkte, sei es Käse, Ei, Honig oder Leder. Die Freundin des Veganers ist 29, Doktorandin, und lebt in einer deutschen Großstadt.

„Mein Freund ist Veganer. Er ist so ‘n bisschen aus Tradition Veganer, weil er früher in der Straight Edge-Bewegung war. Du weißt schon, keine Drogen und nicht so viele verschiedene Frauen und so. Dann hat er das aber alles so ‘n bisschen aufgegeben – bis auf das mit dem Essen. Ach nee, stimmt gar nicht, er trinkt auch immer noch keinen Alkohol. Jedenfalls ist er gar nicht dogmatisch und macht auch niemandem Vorwürfe, der Fleisch oder Milchprodukte isst. Ich hab eher den Eindruck, das mit dem veganen Leben ist ein Distinktionsbedürfnis. Die wollen sich unterscheiden. Bei meinem Bürokollegen ist das genauso, der ist auch Veganer. Dem ist es zum Beispiel richtig peinlich, wenn andere sich für ihn Umstände machen, wenn man sagt, schau mal, ich hab wegen dir keinen Honig in die Salatsoße getan.

Das mit meinem Freund ist gar nicht stressig. Man kann ja alles ersetzen, man muss sich nur daran gewöhnen. Dann kauft man eben Sojasahne statt normaler Sahne. Ich koche sowieso immer vegetarisch. Naja, im Grunde kocht er immer. Mich würde es nerven, wenn er so weltverbesserisch unterwegs wäre: Iiihh, das Gemüse ess ich nicht, in der Pfanne hat ja schon mal ein Fisch gelegen. Es ist bei ihm aber eher wie so ‘ne Diät. Oder so wie: Ja, ich ess halt keinen Brokkoli.

In unserem Freundeskreis gibt es auch keine Probleme wegen seiner veganen Ernährung. Die Leute werden nur wütend, wenn er keinen Alkohol trinkt. Dann halten sie ihn für einen Spielverderber und werden richtig aggressiv. Wenn wir mit zehn Leuten unterwegs sind, dann sprechen ihn fünf ständig darauf an, dass er ja noch nichts getrunken hat.

Die Leute fragen natürlich vorher, wenn sie uns zum Essen einladen. Meine Mutter macht sich schon eine Woche vorher Gedanken, was sie kochen soll, wenn wir kommen. Mein Freund winkt dann immer ab und sagt, das sei doch nicht so wichtig. Jeder will dem anderen keinen Stress machen und dadurch entsteht dann doch Stress. Mein Freund hat aber kein Problem damit, wenn nicht vegan gekocht wird. Er isst dann einfach die Beilagen. Aber die Gastgeber haben manchmal ein Problem damit. Die glauben dann, dass sie sich nicht genug gekümmert haben, wenn er nur die Bohnen oder so isst.

Mein Bruder war auch mal Veganer, so zwischen 16 und 25, weil er sich da in der linksautonomen Szene bewegt hat. Jetzt isst er aber alles, sogar so ganz schlimme Sachen, die nicht mal Bio sind. Die Veganer, die ich kenne, sind alle um die 30. Ich glaube, das war einfach mal ‘ne Bewegung – also bei denen. Ich finde veganes Essen auch lecker. Aber ich will nicht vegan leben. Es ist zu stressig. Man muss mehr kochen und hat Schwierigkeiten, sobald man nicht zu Hause ist. Ich war früher Vegetarierin und habe es aufgegeben, als ich eine Zeitlang in Spanien lebte. Mein Freund ist Fotograf und musste kürzlich mal quer durch Südeuropa unterwegs sein. Da hat er praktisch nur Brötchen und Pommes essen können. Es ist da nicht so einfach wie hier, wo man einfach sagen kann: Ich will bitte keinen Käse auf meine Pizza.”

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