Tierleben

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Christina Hucklenbroich bloggt über unser Zusammenleben mit Tieren: über Alltägliches und neu Erforschtes und lange Verborgenes

Maul- und Klauenseuche: Macht eine "Science"-Studie Keulungen bald unnötig?

Im Frühjahr 2001 wurden meine Wintersemesterferien offiziell um zwei Wochen verlängert. Die Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig wollte ihre...

Im Frühjahr 2001 wurden meine Wintersemesterferien offiziell um zwei Wochen verlängert. Die Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig wollte ihre Tierkliniken abschotten gegen Horden einfallender Tiermedizinstudenten, die womöglich gerade von einem Ferienjob als Ablammhelfer in Wales zurückkamen.

Was war passiert? In Großbritannien ereignete sich einer der bisher spektakulärsten MKS-Seuchenzüge. Uns erreichten dramatische Bilder von gekeulten Schafen, Schweinen und Rindern. Hunderttausende mussten getötet werden, weil im Bestand das Virus der Maul- und Klauenseuche festgestellt worden war. Auch aus Deutschland selbst kamen schnell beunruhigende Bilder: von Warnschildern, Desinfektionsmatten und Durchfahrbecken, mit denen die Landwirte ihre Ställe sicher machen wollten. Das Virus schaffte es damals nicht, sich auch auf dem Festland zu verbreiten. Aber die britischen Bilder von Kadaverbergen hafteten trotzdem lange in der Erinnerung. Sie kamen zu der Zeit aus einem Großbritannien, wo man gerade erst wegen BSE ganze Herden getötet hatte – auch das ein häufiger Anblick im europäischen Fernsehen.

Britische Wissenschaftler haben jetzt in „Science“ eine Studie veröffentlicht, die künftigem Töten vielleicht Einhalt gebieten kann. Nur 1,7 Tage lang sind Kühe demnach ansteckend, während sie an MKS erkrankt sind – obwohl das Virus viel länger in ihrem Blut nachweisbar ist. Nach knapp zwei Tagen greift die Immunantwort und die infizierten Tiere stellen keine Gefahr mehr als Überträger der Seuche dar. Mit diesem Ergebnis im Hinterkopf ist es denkbar, erkrankte Tiere oder Bestände in Zukunft nur kurz abzusondern, statt sie sofort zu töten. Trotz 28 Versuchen, gesunde Kühe mit MKS zu infizieren, indem man sie neben kranke Artgenossen platzierte, gelang es den Wissenschaftlern nur achtmal, das Virus zu übertragen. Offenbar sind die Kühe nur während des kurzen Zeitfensters infektiös, in dem sie auch die klinischen Anzeichen der Seuche zeigen, darunter Fieber, Lahmheit und Blasen der Maulschleimhaut.

Die Ergebnisse bleiben aktuell: Immer wieder bricht die Seuche aus, derzeit gibt es etwa Berichte aus Bulgarien.