Tierleben

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Christina Hucklenbroich bloggt über unser Zusammenleben mit Tieren: über Alltägliches und neu Erforschtes und lange Verborgenes

Ehec-Quelle unbekannt. Was käme denn in Frage?

Kommando zurück - die spanischen Gurken sind nicht für den Ehec-Ausbruch in Deutschland verantwortlich. Das ergaben neue Laboruntersuchungen. Jetzt ist wieder...

Kommando zurück – die spanischen Gurken sind nicht für den Ehec-Ausbruch in Deutschland verantwortlich. Das ergaben neue Laboruntersuchungen. Jetzt ist wieder von einer „fieberhaften Suche nach der Ehec-Quelle“ die Rede. Was käme denn in Frage? Nach Erfahrung von Risikoforschern stecken sich Menschen klassischerweise direkt dort an, wo sie mit Wiederkäuern in Berührung kommen. „Normalerweise ist häufig Rohmilch verantwortlich“, sagt Georg Baljer, der Direktor des Instituts für Hygiene und Infektionskrankheiten der Universität Gießen. „Eine Schulklasse besucht einen Bauernhof und trinkt dort Rohmilch aus dem Tank – das ist der Klassiker.“

Am Robert-Koch-Institut hat man in den vergangenen Jahren nachgewiesen, dass Kinder von neun Jahren an sowie Erwachsene sich hauptsächlich durch Lebensmittel anstecken – insbesondere durch Lammfleisch und streichfähige Rohwürste, etwa Zwiebelmettwurst oder Teewurst. Kinder unter drei Jahren hingegen infizieren sich durch direkten Kontakt mit Wiederkäuern, also mit Schafen, Ziegen oder Rindern, zum Beispiel im Streichelzoo oder auf landwirtschaftlichen Betrieben. Aus den Vereinigten Staaten wurden in den achtziger und neunziger Jahren mehrere Infektionen durch Verzehr von Rohmilch bekannt. Studien wiesen immer wieder in Vorzugsmilch Ehec-Keime nach, so fanden etwa deutsche Wissenschaftler im Jahr 1998 unter 175 Vorzugsmilchproben immerhin vier, die mit Ehec belastet waren.

Bis zu hundert Prozent der Rinder in deutschen Beständen seien von Shigatoxin-bildenden Escherichia-coli-Keimen, die beim Menschen als Ehec bezeichnet werden, besiedelt, sagt Georg Baljer. Der Veterinärmediziner hat bis zum Jahr 2008 in einem mehrjährigen Forschungsprojekt Rinderherden auf Ehec-Keime untersucht. „Wenn man nur lange genug sucht, ist jedes Tier positiv“, sagt er. „Selbst wenn mal eine Kotprobe keine Keime aufweist, muss man nur eine zweite oder dritte untersuchen, um doch ein positives Ergebnis zu bekommen, denn häufig werden die Keime auch intermittierend ausgeschieden.“ Baljer wies außerdem nach, dass Kälber sich schon in den ersten Lebenswochen in den keimreichen Ställen anstecken. „Die Muttertiere sind infiziert, schon während des Geburtsvorgangs läuft dann die erste Übertragung“, sagt Baljer.

Und was zeigt die Geschichte? In den Vereinigten Staaten war Rinderhackfleisch bisher das am häufigsten an Ehec-Ausbrüchen beteiligte Lebensmittel. Die erste Ehec-Infektion überhaupt wurde Anfang der achtziger Jahre in den Vereinigten Staaten als „Hamburger Disease“ bekannt, Auslöser waren damals nicht ganz durchgebratene Hamburger gewesen. Die größten Epidemien wurden 1985 aus Kanada mit 73 Erkrankten und 19 Todesfällen und 1996 aus Japan mit mehr als 11.000 Erkrankten und 11 Todesfällen bzw. aus Schottland mit 400 Erkrankten und 19 Todesfällen gemeldet. Über die Ursachen gibt es wenig Gewissheit. In Japan sollen 1996 mit Ehec-Keimen kontaminierte Rettichsprossen der Auslöser gewesen sein. Auch Wasser, Salate, roh verzehrtes Blattgemüse (zum Beispiel Spinat), Salami, Sprossen oder nicht pasteurisierter Apfelsaft wurden schon bei kleineren Ausbrüchen als Ehec-Träger identifiziert. Ehec-Bakterien können auch durch Schmierinfektion von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Einen Überblick über die Infektion und die Übertragungswege liefert das Robert-Koch-Institut in diesem Bulletin.