Tierleben

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Christina Hucklenbroich bloggt über unser Zusammenleben mit Tieren: über Alltägliches und neu Erforschtes und lange Verborgenes

Sprossen als Ehec-Quelle, vor allem Frauen betroffen? Das gab es schon einmal – ein Rückblick

Sollte der neue Verdacht stimmen, dann erklärt das vieles: Aus Behördenkreisen ist jetzt durchgesickert, dass Sprossen als Quelle der im Umlauf befindlichen...

Sollte der neue Verdacht stimmen, dann erklärt das vieles: Aus Behördenkreisen ist jetzt durchgesickert, dass Sprossen als Quelle der im Umlauf befindlichen Ehec-Keime in Betracht gezogen werden. Ein rohes Nahrungsmittel also, das Salaten beigemengt wird – somit konnte man sich in den vergangenen Tagen nicht schützen, wenn man lediglich auf bestimmte Gemüse verzichtete. Die einzige Lösung wäre es gewesen, keine rohen Speisen mehr in Restaurants und Gemeinschaftsverpflegung zu essen und auch keine rohen fertigen Gerichte mehr zu kaufen. Denn Sprossen werden überall verwendet und weder vorher noch nach dem Einmischen erhitzt.

Einen Ehec-Ausbruch, der auf Sprossen zurückging, gab es schon einmal: 1997 in den Vereinigten Staaten. Auch damals waren überwiegend Frauen betroffen, die wohl aus Gründen der Gesundheit und des Gewichtes vielfach auf Salate zurückgreifen. Im Juni und Juli 1997 ereigneten sich gleichzeitig in Michigan und Virginia Ehec-Ausbrüche. Die Quelle der Keime konnte damals mit großer Sicherheit identifiziert werden: Es waren Alfalfa-Sprossen, die Keimlinge der Luzerne. „Alfalfa“ ist der englische Name für die Luzerne, die als Viehfutter verwendet wird, in Sprossenform aber auch als Lebensmittel. Alfalfasprossen gelten als die beliebtesten roh verzehrten Sprossen überhaupt. Sie sind auch während Diäten beliebt, weil sie kalorienarm und trotzdem wohlschmeckend sind.

Im Jahr 1997 wurden aus Michigan in den Sommermonaten 60 Ehec-Fälle, aus Virginia noch einmal 48 Fälle berichtet – eine ungewöhnliche Häufung, die die Behörden aktiv werden ließ. In Michigan waren 63 Prozent der Betroffenen Frauen, in Virginia 54 Prozent. Das mittlere Alter der Patinten lag bei Anfang bis Mitte dreißig, allerdings reichte die Bandbreite der Erkrankten vom Kleinkind bis zum fast Achtzigjährigen.

Nachdem in Michigan mehr als die Hälfte der Befragten zu Protokoll gab, Alfalfasprossen gegessen zu haben, konnte das Lebensmittel bis zu einem Sprossenerzeuger zurückverfolgt werden, der in dieser Zeit etwa 30 bis 50 Prozent aller in Michigan erhältlichen Alfalfasprossen vermarktet hatte. Die in beiden Bundesländern offenbar verantwortlichen Sprossen stammten aus derselben Charge, berichtete das CDC (Centers for Disease Control and Prevention) später. Allerdings konnte die Art der Kontaminierung – auf dem Feld, beim Ernten oder bei späteren Händlern – nicht abschließend geklärt werden.

Es handelte sich bei den Fällen aus Michigan und Virginia um den ersten Ehec-Ausbruch, den man auf Alfalfasprossen zurückführen konnte – es sollte aber nicht der letzte bleiben. Deshalb beschäftigen sich immer wieder Wissenschaftler mit der Frage, wie man Alfalfasamen schon vor der Sprossung keimfrei machen könnte. In verschiedenen Forschungsprojekten werden immer wieder Trocknungsverfahren, Hitze und Caprylsäure zwecks Dekontamination getestet. Auch angesichts des deutschen Ausbruchs wird inzwischen vermutet, dass schon das Saatgut mit Ehec-Keimen verunreinigt gewesen sein könnte.