Tierleben

Tierleben

Christina Hucklenbroich bloggt über unser Zusammenleben mit Tieren: über Alltägliches und neu Erforschtes und lange Verborgenes

Schulen, Kitas, Büros: Tier-Allergene sind überall

| 1 Lesermeinung

Schulen, Kitas, Büros, Krankenhäuser: Allergene von Katzen, Hunden, Pferden und anderen Haustieren finden sich fast überall, stellen Bochumer Wissenschaftler in einer neuen Studie fest.

Auch wenn Allergiker selbst keine Haustiere halten, sind sie nicht vor den Stoffen geschützt, die ihre Augen reizen oder Niesanfälle auslösen – zu diesem Schluss kommt eine neue Studie im Fachmagazin „Frontiers in Immunology“. Eva Zahradnik und Monika Raulf vom Institut für Prävention und Arbeitsmedizin an der Ruhr-Universität Bochum sichteten mehr als 50 internationale Studien und stellten die wichtigsten Erkenntnisse daraus zusammen. Die Proteine, die bei Allergikern zu Beschwerden führen, reisen demnach weite Strecken mit Staub, insbesondere, wenn die Staubpartikel an Menschen hängenbleiben, etwa an Kleidung haften oder im Haar von Menschen weitergetragen werden. So geraten sie in öffentliche Gebäude, Büros, Kitas, Schulen oder Krankenhäuser – auch, wenn dort gar keine Haustiere verkehren dürfen. In einer etwas älteren Studie aus dem Jahr 1998 stellte sich sogar heraus, dass Matratzen aus Möbelgeschäften betroffen waren. Je länger die Matratzen im Verkaufsraum ausgestellt waren und dabei von Kunden getestet wurden, desto stärker waren sie mit Tier-Allergenen belastet.

Die meisten Tier-Allergene gehören zur Familie der Lipocaline: Kleine extrazelluläre Proteine, die etwa 150 bis 170 Aminosäuren beinhalten. Die zweite große Gruppe sind die Albumine, die aus dem Blutserum stammen. Die Tier-Allergene flottieren in Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel, Schweiß und Urin oder sitzen in der Haut; sie verlassen das Tier meist mit Haaren oder Hautschuppen und geraten so in die Umgebung. Einzig das wichtige Katzen-Allergen Fel d 1 lässt sich keiner der genannten Gruppen zuordnen. Seine biologische Funktion ist noch unbekannt. Das Glykoprotein findet sich in der Haut von Katzen und in den Haarfollikeln; es wird in Haut-, Speichel- und Analdrüsen produziert.

In den meisten Studien wurde Staub mit Hilfe von speziellen Saugern eingesammelt; manchmal legte man auch Petrischalen aus und untersuchte den Staub, der sich darauf abgesetzt hatte. Als Standardmethode für die Analyse auf Allergene gelten ELISA-Verfahren.

Die überwiegende Mehrheit der Studien beschäftigt sich mit Allergenen, die von Hund und Katze stammen. Und die eindeutige Aussage ist Zahradnik und Raulf zufolge: Hunde- und Katzen-Allergene sind ubiquitär in von Menschen bewohnten und besuchten Räumen zu finden – egal, ob hier Tiere gehalten werden oder nicht. Verantwortlich dafür ist der passive Transfer der Allergene durch Menschen. Unabhängig davon, ob in einem Haushalt ein Hund oder eine Katze gehalten wurden, fand sich stets die größte Allergen-Konzentration auf dem Wohnzimmersofa – wohl, weil hier der direkte Kontakt mit Kleidung vorhanden war und seltener staubgesaugt wurde als etwa auf dem Teppich.

Es gab aber noch mehr verblüffende Erkenntnisse, etwa in einer Studie aus Norwegen: Auch in tierfreien Haushalten fanden sich Allergene in den Kinderzimmern – und zwar vor allem in den Matratzen der Kinderbetten. Hierbei waren die Matratzen von Mädchen signifikant stärker belastet als die von Jungs. Die Forscher mutmaßen, dass Mädchen mehr dazu neigen, Tiere zu knuddeln. Außerdem besitzen sie mehr Stofftiere, an denen möglicherweise besonders viele Tier-Allergene haften bleiben.

Schulen und Kindergärten könnten allerdings die wichtigsten Stätten sein, an denen allergisch reagierende Kinder mit Allergenen von Hunden und Katzen in Berührung kommen, schreiben die Autoren. Allergene finden sich hier auf Möbeln, in der Luft und in Teppichen. In Schulklassen mit vielen Katzenbesitzern war die Menge an Allergenen an Personen und in der Luft deutlich erhöht im Vergleich zu Klassen, in denen wenige Kinder eine Katze zu Hause hielten.

Interessanterweise gab es auch in Haushalten, die bewusst eine „allergikerfreundliche“ Hunderasse wie den „Labradoodle“ hielten, nicht weniger Allergene als in den Wohnungen von Haltern „normaler“ Hunderassen.

Interessante Ergebnisse liefern auch die Studien über Pferde-Allergene. Immerhin etwa drei Prozent aller Kinder zeigten sich in Studien als Pferde-Allergiker. Es scheint aber von der Bedeutung des Pferdesports in einem Land abzuhängen, wie viel Pferde-Allergen sich tatsächlich in Schulen findet. In schwedischen Klassenräumen findet sich Pferde-Allergen fast immer und zwar in hohen Konzentrationen. In Chinas und Koreas Schulen sind Pferde-Allergiker dagegen fast vollständig sicher vor den Auslösern.

Die Autorinnen räumen ein, dass eine klare Risikoeinschätzung schwierig ist: Anders als bei Giften ist ja nur ein Teil der Bevölkerung oder der Besucher eines bestimmten Gebäudes betroffen. Zudem hängt die Gefährdung auch stark von der Zeit ab, die Betroffene in dem Gebäude verbringen. In jedem Fall sollte die Exposition in öffentlichen Gebäuden oder auch Wohnungen ohne Haustiere jedem bewusst sein. Dann könnten einige einfache Regeln schon etwas Abhilfe schaffen. Glatte Oberflächen, das erbrachte die Studie auch, waren in jedem Fall allergenfreier als Teppiche und Polstermöbel.

 


1 Lesermeinung

  1. Jetzt muß ganz dringend und ganz schnell ...
    .. irgend etwas veboten werden.

Kommentare sind deaktiviert.