Tierleben

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Christina Hucklenbroich bloggt über unser Zusammenleben mit Tieren: über Alltägliches und neu Erforschtes und lange Verborgenes

Veganer sind entspannter: Neue Studien über das fleisch-, ei- und milchfreie Leben

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Zehn Jahre lang lebte die New Yorker Autorin, Schauspielerin und Regisseurin Lena Dunham vegan. Was sie in dieser Zeit zu sich nahm, listet sie in ihrem in diesem Herbst erschienenen autobiographischen Buch “Not that Kind of Girl” seitenlang auf: Reismilch, Mandelbutter-Feigen-Smoothie, Wasserkressesalat mit Sojacrispies, Adzukibohnenpaste oder Cornflakes mit Mandelmilch. Sei mal ein vegetarischer Ausrutscher passiert, habe sie sich selbst dafür scharf verurteilt, so Dunham. Ihre Motivation war der Schutz der Kreatur, nicht die eigene Fitness oder der Glaube an mehr Gesundheit durch Verzicht auf tierische Produkte. Und sie bekannte sich früh offen zum Veganismus: “Mit siebzehn gab ich eine vegane Dinnerparty, die es sogar auf die Stil-Seite der New York Times schaffte”, erzählt die 1986 geborene Dunham in “Not that kind of girl”. Überschrift: “Knackiges Menü für jugendliche Gäste”. Das war 2003. (Die Zeitschrift “Newsweek” lässt das Fest, das sich damals zugetragen hat, hier noch einmal Revue passieren.) Heute, ein Jahrzehnt später, würden es ein paar mit Sojashakes und Sesammus feiernde Teenies nicht mehr derartig ins Scheinwerferlicht schaffen: Vegansein ist im Mainstream angekommen – vegane Dinnerpartys sind nichts Besonderes mehr.

Dass das gerade vergangene Jahr 2014 ein Jahr war, in dem der Veganismus auch in Deutschland richtig begann zu boomen, wird kaum jemand bestreiten: Zweitausend”V”ierzehn sozusagen, um mit jenen zu sprechen, die das V inzwischen wie ein Logo für den Veganismustrend verwenden – V in Veihnachten, in Vöner, in Visch usw. In den Buchläden türmten sich die Bücher über veganes Kochen und vegane Lebensphilosophie, in den ersten Dezemberwochen eröffneten etliche vegane Weihnachtsmärkte, vegane Magazine kamen neu in den Handel. Die Marktexperten der Heimtierindustrie halten veganes Hunde- und Katzenfutter für den nächsten großen Hype unter Tierhaltern. “Vegan ist sozusagen über Nacht richtig cool geworden”, schreibt der Vegan-Koch und Fitnessguru Attila Hildmann in seinem neuen Kochbuch “Vegan to go”, das vor einem Monat erschienen ist.

Vegan in Kassel: "Vöner" im Imbiss "Zum glücklichen Bergschweinchen"© dpaVegan in Kassel: “Vöner” im Imbiss “Zum glücklichen Bergschweinchen”

Was wird nun ZweitausendVünfzehn bringen? Einiges deutet darauf hin, dass die wissenschaftliche Begleitung des Phänomens Veganismus Fahrt aufnehmen wird. Viele Studien, die 2014 erschienen sind, beschrieben zunächst einmal den Ist-Zustand: Wer ernährt sich warum vegan? So untersuchten etwa Wissenschaftler um den Dermatologen Jonathan Silverberg von der Northwestern University in Chicago für das Fachjournal “Dermatitis”, was Eltern unternehmen, wenn ihre Kinder unter Neurodermitis leiden. Die Daten von 9500 Kindern und Jugendlichen wurden einbezogen. Zwar lagen erwartungsgemäß Homöopathie oder auch Ayurveda hoch im Kurs. Aber immerhin 2,5 Prozent der betroffenen Familien versuchen es auch mit rein veganer Lebensweise.

Zu diesen Studien, die sich dem Phänomen erst mal aus der beschreibenden Perspektive nähern, zählt auch die quantitative Untersuchung der Hamburger Soziologin Pamela Kerschke-Risch, die 2014 herausfand, dass Veganer in Deutschland durchschnittlich 32 Jahre alt sind. Für die Teilnehmer ihrer Studie galt außerdem, dass sie zu achtzig Prozent Frauen waren und meist höhere Bildungsabschlüsse hatten. Fast neunzig Prozent lebten erst seit weniger als fünf Jahren vegan. Die wichtigste Rolle spielen vegan lebende Freunde für die Entscheidung, fortan selbst vegan zu leben. Ein ansteckendes Phänomen also, das immer weiter um sich greift, das trendiger Lifestyle wird und immer akzeptierter. Oder?

Unlängst gab es auch ganz andere Untersuchungsergebnisse. Das Portal vegan.eu und die Kennenlern-Plattform Gleichklang befragten mehr als tausend Veganer. 92 Prozent der befragten Veganer berichteten, bereits Ausgrenzung oder Diskriminierung erfahren zu haben. Achtzehn Prozent von ihnen hatten schon einmal Ausladungen und Kontaktabbrüche erlebt. Aber besonders häufig beklagten die vegan lebenden Personen, dass sie verspottet wurden (92 Prozent) und dass ihnen der Vorwurf des Extremismus gemacht wurde (72 Prozent). Zudem sah sich fast die Hälfte der Befragten häufig mit der Forderung konfrontiert, ein nicht veganes Gericht zu essen. Massiv angefeindet wurden auch vegan lebende Eltern, denen offenbar häufig vorgeworfen wird, dass es unverantwortlich sei, Kinder milch-, ei- und fleischfrei zu ernähren.

Vegan in Berlin: Veganes Schweineohr im Bioladen in Schöneberg© huchVegan in Berlin: Veganes Schweineohr im Bioladen in Schöneberg

Trost spendet die Studie eines Wissenschaftlerteams um Julie DiMatteo von der School of Psychology der Fairleigh Dickinson University in New Jersey. Vier Forscherinnen untersuchten im Fachjournal “Nutritional Neuroscience”, wie sich eine vegane Diät auf die Stimmung von Menschen auswirkt. Dafür wurden 283 Veganer, 109 Vegetarier und 228 “Omnivoren” über soziale Netzwerke rekrutiert und mit einem Instrument aus der Psychologie, der Depression Anxiety Stress Scale, befragt. Insgesamt waren Veganer stimmungsstabiler als Omnivoren, die auch Fleisch, Milch und Ei aßen. Bei Männern zeigten sich unter den Veganern auch weniger Ängste. Bei den Frauen bestand ein deutlicher Unterschied im empfundenen Stress zwischen den Veganerinnen und den Omnivoren. Die Frauen, die vegan lebten, waren weniger gestresst. Es gab auch einen Zusammenhang zwischen geringerem Stress bei Frauen und einem geringeren täglichen Verzehr von Süßigkeiten.

Trotz solch ermutigender Nachrichten leben “nur” 900.000 Menschen in Deutschland vegan. Auch die Praktikabilität dieses Lebensstils mag dabei eine entscheidende Rolle spielen. In “Vegan to go” empfiehlt Attila Hildmann, im Restaurant lieber zu sagen, man sei Allergiker, sonst würden einem doch in Butter geschwenkte Nudeln untergejubelt. Auch der Spitzenkoch bemerkt also noch so manchen Fallstrick, bemüht sich aber, Ratschläge zu geben, die eine neue Lässigkeit erlauben. Selbst nachts an der Tankstelle könne man fündig werden und beispielsweise mit etwas Glück vegane Chips auftreiben, so Hildmann, der in “Vegan to go” schnelle Rezepte vorstellt, so dass auch die Argumente der Kochmuffel, die die durchaus aufwendigen veganen Gerichte vermeiden, abgeschwächt werden.

Vegan in Münster: Pilzburger im Restaurant "Krawummel"© huchVegan in Münster: Pilzburger im Restaurant “Krawummel”

Christian Vagedes, der 2010 die “Vegane Gesellschaft Deutschland” gründete und in diesem Jahr die ersten drei Ausgaben des “Vegan Magazins” herausgab, glaubt, dass die Akzeptanz des veganen Lebensstils vor allem durch die geschmackliche Qualität der veganen Produkte gesteigert werden kann. „Rein ideell sagen Ihnen achtzig Prozent der Bürger: Klar kann ich mir vorstellen, so zu leben, aber es muss halt schmecken“, so Vagedes. In der aktuellen Ausgabe seines “Vegan Magazins” stellt Vagedes deshalb neue vegane Lebensmittel vor, die er gemeinsam mit einem kleinen Lebensmittelwerk in Mecklenburg-Vorpommern entwickelt hat. „Frischkäse, der wie Frischkäse schmeckt“, sagt Vagedes. „Sylter Dressing. Mayonaise. Schokopudding. Fleischsalat, der wie Fleischsalat schmeckt.“ Monatelang hat Vagedes, der als Designer arbeitet, dafür mit Lebensmittelexperten an Rezepturen getüftelt. „Ein Quantensprung in der Annehmbarkeit“ seiner Lebensidee Veganismus sei jetzt geschafft. Vagedes ist zuversichtlich: Auf das Cover der letzten im Jahr 2014 erschienen Ausgabe seines “Vegan Magazins” stellte die Redaktion selbstbewusst ein Foto von einer gesichtslosen Frau im roten Blazer, davor zwei Hände, die Fingerspitzen sind charakteristisch aneinandergelegt. Daneben steht: “Berliner Gerüchteküche: Angela Merkel – isst sie wirklich schon vegan?”


50 Lesermeinungen

  1. ASeidl sagt:

    Ich weiß nicht ob diese These stimmt
    wenn man bedenkt daß viele Veganer und Vegetarier Fleischimitate aus was auch immer kaufen. Wie kann jemand enstspannt sein, der nach einer Weißwurst aus Soja oder einem Leberkäs aus gehärtetem Pflanzenfett mit künstlichen Geschmacksstoffen, die diese Immitate ihren Orginalen nachahmen, greift?

    • MiRiWe sagt:

      Darum.
      – weil es keinen Grund gibt, dass es nicht so sein sollte
      – weil er ein reines Gewissen hat

  2. rednax sagt:

    Kausalität vs Korrelation
    Und auch bei dieser Studie wird, wenn sie nicht wie viele Studien in der sozialen Psychologie (siehe D. Stapel mit der gefälschten “Fleischesser sind asozialer”-Studie) schlicht gefälscht ist, Korrelation mit Kausalität verwechselt. Es mag sein, dass die befragten Veganer entspannter sind. Sehr wahrscheinlich wären diese Menschen, die sich für den veganen Lebenstil entschieden haben, es auch, wenn sie noch Omnivoren wären.

    Ergo: Nichts gegen Veganer, es soll jeder nach seiner Facon selig werden, aber sehr wohl etwas gegen Studien, die extrem verkürzt in Blogs verwurstet ;) werden.

  3. AlexPaladin sagt:

    Gesund?
    Mit Pillen und Zusatzstoffen sicherlich. Ich habe Freunde, die Veganer sind und noch mehr die es mal waren. Einige haben mitunter ihre Entscheidung mit ernsten, gesundheitlichen Konsequenzen bezahlt.
    Doch lassen wir die gesundheitliche Debatte doch einmal beiseite, sie ist ohnehin nur dazu da, die ideologische Entscheidung zu erklären oder zu unterstützten. Wer es nötig hat ein T-Shirt mit der Aufschrift “proud to be vegan” zu tragen sollte sich mal ein paar Gedanken machen. Ich trage ja auch kein T-Shirt auf dem steht “Proud NOT to be vegan.” Es handelt sich um eine persönliche, eine private Entscheidung und genau das sollte sie auch bleiben, privat. Wer keine Wurst mag, muß nicht in eine Metzgerei gehen, sollte sich aber auch nicht davor stellen und anderen sagen, sie sollen nicht hineingehen. Und wenn ich gerne Steak esse, dann brauche ich dazu auch keinen Kommentar von meinem Tischnachbarn. Es gibt inzwischen genug alternativen, veganische Restaurants z.B., ja in Belgien wohl sogar ein veganisches Dorf. Also bitte, wer veganer sein möchte, sollte dies tun, allerdings muß man damit nicht hausieren gehen. Leben und leben lassen.

    • MiRiWe sagt:

      Leben und sterben lassen ...?
      Sind sie in letzter Zeit mal in einem Supermarkt gewesen? Die langen Regale voller Pillen und Zusatzstoffe stehen da nicht wegen uns paar Veganern. Mängel gibt es heute bei vielen Menschen. Wer sich vegan gesund ernährt, muss nur B12 supplementieren und optional Vitamin D (in der dunklen Jahreshälfte). Letzteres ist für viele Menschen hier ratsam.

      Ihr Problem mit dem T-Shirt kann ich nicht nachvollziehen, auch wenn ich sowas nicht im Schrank habe. Manche tragen Shirts, auf denen sie erklären, dass sie gern Metal hören, andere, dass sie das gleiche Geschlecht lieben und manche eben, dass sie Veganer sind. Die möchten eben ohne viele Worte zeigen, was ihnen wichtig ist. Warum sollte einen das stören?

      Die Annahme, dass Veganer vegan leben, weil sie kein Fleisch mögen, ist falsch. Ich kenne viele Veganer und von denen mag genau einer kein Fleisch – die anderen haben sich dagegen entschieden, obwohl sie gern Fleisch aßen. So auch ich. Allerdings sind sie wahrscheinlich nicht der einzige, der glaubt, es sei nur eine Geschmackssache, sonst würden nicht so viele Leute irritiert reagieren, wenn sie hören, dass es vegane Roulade, Döner, Würstchen oder dergleichen gibt. Ich möchte ihnen jetzt keinen langen Vortrag über die Motive des Veganismus halten, aber kurz gesagt: Wir mögen es. Es soll nur nicht unnötig wer dafür draufgehen, dass wir was leckeres essen wollen.^^

  4. Ute35 sagt:

    Typisch dumpfe Foren
    Die meisten Menschen, die immer nur die herrschende Mehrheitsmeinung nachbeten und sich nicht gern verändern, reagieren mit Angst und Wut auf alles Neue. Das ist es, was man hier in den Kommentaren beobachtet. Die Agenten des Status Quo können es nicht dulden, wenn andere neue Wege im Leben einschlagen – das macht ihnen Angst. (Und zweitens wissen sie, wie sie durch ihren in D enorm hohen Fleischkonsum sich und anderen schaden.) Traurig! Also, lasst sie maulen, meckern und Hass versprühen! Sie können nicht anders, wir müssen ihnen das gönnen!

  5. MiRiWe sagt:

    Hm.
    Dieser Text ist lang. Ich würde mich trotzdem freuen, wenn sie ihn komplett lesen und beherzigen würden. Um es vorab zu sagen: Ja, ich bin Veganerin, und Nein, in diesem Kommentar wird es nicht darum gehen, ihnen aufzudrängen, die gleiche Entscheidung zu treffen. Mein Thema ist in diesem Beitrag nicht, wie Fleischesser und Vegetarier mit Tieren umgehen, sondern, wie sie mit Veganern umgehen.

    Unter so ziemlich jedem Beitrag über Veganismus auf solchen Seiten hier sehe ich die Kommentarspalte nur so überlaufen vor lauter Ablehnung, Hohn und Vorurteilen gegenüber Veganern. Ohne dass irgendein Veganer den Mund aufgemacht hat, liest man da die wildesten Spekulationen, was Veganer alles denken, sagen oder tun.

    Ich weiß, wir sind nicht so viele, sodass es etwas dauern kann, aber seien sie doch bitte so geduldig und warten, bis wirklich einer von uns was sagt, damit sie konkret darauf eingehen können, statt alle Veganer pauschal abzuwatschen. Die Gründe, aus denen Menschen vegan leben, sind ganz unterschiedlich, darum sind es auch die Blickwinkel. Nur, weil wir uns alle gegen den Verzehr tierlicher Produkte entschieden haben, stimmen wir noch lange nicht in allen Punkten überein.

    Deshalb ist es nur fair, wenn sie der jeweiligen Person vor sich zuhören, statt ihr Dinge vorzuwerfen, für die sie womöglich gar nicht einsteht. Und selbst, wenn sie dabei einmal das Pech haben sollten, an jemanden zu geraten, der all ihre schlimmsten Vorurteile gegenüber Veganern bestätigt, dann schließen sie davon doch bitte nicht gleich auf alle Veganer.

    Ich persönlich habe nicht das Bedürfnis, Fleischesser mit Begriffen wie “Leichenfresser” zu betiteln, poste keine Schockbilder und behaupte nicht, dass alle Fleischesser ungesund leben oder primitive Dummköpfe sind. Im Gegenzug setze ich aber voraus, dass man mir und anderen Veganern ebenfalls freundlich und respektvoll begegnet, mir nicht unterstellt, meine Ernährung sei voller Mängel und würde mich krank machen, ich würde Leute terrorisieren und fanatisch sein oder sonst etwas in dieser Art, nur weil ich vegan lebe.

    Und ich denke, es ist für jeden nachvollziehbar, dass auch friedliebendste Menschen sich nicht endlos irgendwelche Unwahrheiten, Unterstellungen oder Provokationen bieten lassen wird, sondern irgendwann richtig sauer wird. Sieht etwa jemand seinen Beitrag zu einer Unterhaltung nur in Provokation („Ich ess jetzt mal Schinken / war neulich so richtig schön jagen!“), muss er sich nicht wundern, wenn ihm entsprechend gereizt und unfreundlich geantwortet wird. Wie man in den Wald hineinruft….

  6. writing.angel sagt:

    Zeichen eines Bewusstseinswandelns
    Veganer sind entspannter? Vielleicht sind ja auch die Entspannteren gewaltfreier und deshalb vegan? Jedenfalls weiß man, dass Bildung und Intelligenz mit vegetarischer/veganer Lebensweise positiv korrelieren…

    Ich für mein Teil bin froh, seit 45 Jahren keine Tiere mehr für meine Ernährung töten zu lassen und keine Kadaver mehr zu essen. Ist ein angenehmeres Lebensgefühl, und ich fühle mich dabei kerngesund.

    • WalterPPK sagt:

      Die vermeintlich höhere Bildung (v.a.Geisteswissenschaften)
      …korrelieren auch positiv mit den Merkmalen Atheismus, Drogenabhängigkeit, Esoterik (inkl. Homöopathie) und negativ mit den Merkmalen Technikaffinität und naturwissenschaftlichen Kenntnissen.

  7. Werlauer sagt:

    Kampferfahrung als Erkennungsmerkmal der Peergruppenzugehörigkeit?
    Zumindest in Foren sind eher die missionarisch veranlagten Veganer wahrnehmbar. Die einen berichten von erstaunlichen Energieschüben, die anderen von der Entlastung der geknechteten Umwelt und die härteste Sorte von dem unsäglichen Leid der Tiere.

    Streckenweise vegan lebende Freunde von mir ernähren sich mit einer unaufgeregten Lockerheit und Unaufdringlichkeit vegan, die sie vermutlich auch vor Anfeindungen schützt. Wer die Moralkeule nicht im Rucksack lassen kann, der sollte von Reaktionen ähnlich derer auf den “Veggie Day”-Vorschlag aber nicht überrascht sein, finde ich. Aber der Kampf gegen das Böse hat auch einende Wirkung. Man erkennt und versteht sich, aufgrund ähnlicher Erfahrungen an der Front.

    Mich erstaunt beim wachsenden Veganismus immer die Selbstverständlichkeit, mit der die in ihm geltende Ethik noch komplizierter gemacht wurde, als die, mit der der durchschnittliche Mitteleuropäer ohnehin schon oft ringend lebt. Das verlangt Respekt ab. Allerdings frage ich mich, da das Lager der Veganer eine hohe Überdeckung mit dem Lager der Bio-Jünger hat, wie der Widerspruch aufgelöst werden soll, dass in einer tierfreien Landwirtschaft keine leistungsfähigen natürlichen Düngemittel mehr zur Verfügung stehen und eigentlich auf Kunstdünger umgestellt werden müsste.

    Viele Grüße
    Günther Werlau

    P.S. Wozu braucht man ein veganes Lebensmittel, das genauso schmeckt wie Fleischsalat? Ist das nicht schizophren?

  8. fwegmann sagt:

    Etwas entspannter bitte...
    Es ist erstaunlich, wie viele Mitforisten hier mit ungeheurer Vehemenz auf die angeblichen Sektierer namens Veganer einschlagen. Ignoranz hilft eben immer bei der eigenen Abgrenzung und verhindert wirkungsvoll, daß man zum einen das Phänomen einer sich immer weiter ausbreitenden veganen Lebensweise kritisch hinterfragt und zum anderen darüber reflektiert, ob die eigene nicht-vegane Lebensweise bzw. Art sich zu ernähren, wirklich der Weisheit letzter Schluß ist.

    Wenn ich gefragt werde, warum ich denn bloß meine, mich vegan ernähren zu müssen (und ich werde immer gefragt, weil ich manches einfach nicht esse), dann erkläre ich natürlich die Gründe. Macht das aus mir gleich einen verbohrten, möhrennagenden, miesepetrigen Missionar?
    Nach der Abkehr von Käse, Sahne & Co. habe ich in erstaunlich kurzer Zeit überflüssige Pfunde verloren, bin insgesamt leistungsfähiger und gehe vor allem sehr viel bewußter das Thema Ernährung an. Die Beschäftigung damit hat überhaupt erst dazu geführt, daß ich innerhalb von 20 Monaten vom “Omnivoren” (fürchterliches Wort) zum Veganer geworden bin – eine nicht geplante Umstellung, die sich aber automatisch ergeben hat, wenn man einerseits die eigene Gesundheit auf den Prüfstand stellt und andererseits die Auswirkungen der heutigen fleischfixierten Ernährung auf Natur und Umwelt betrachtet. Wer nach einem solchen Prozeß der Reflektion immer noch glücklich und unbelastet ein Rindersteak verschlingt, für dessen Erzeugung ca. 4000 Liter Wasser verbraucht worden sind und ca. 10 kg Kohlendioxid ausgestoßen wurden, den darf man dann auch wirklich guten Gewissens als ignorant und/oder unfähig zur Änderung seiner eigenen Lebensweise bezeichnen.

    Natürlich gibt es auch unter Veganern solche mit Mangel- oder Fehlernährung, aber nicht per se! Hier würde mich eine belastbare Studie interessieren, wie stark die Mangelernährung prozentual unter Veganern, Vegetariern und Allesessern vorkommt. Meine Vermutung ist, daß der Anteil unter Veganern wegen der im allgemeinen sehr viel bewußteren Ernährungsweise geringer sein dürfte, aber sicher nicht Null ist.
    Die angeführte Studie ist zwar für Veganer schmeichelhaft, aber statistisch nicht repräsentativ, sondern dient wohl eher als Aufhänger für diesen Artikel. Obwohl ich mich schon deutlich entspannter fühle:-)

    @Georgius: In Ihrer langen Darstellung fragen Sie tatsächlich, ob es einen “potentiellen” Unterschied gebe zwischen “zwischen dem geschreddertem Kueken und dem langsam, durch eine Schlange ersticktem Kuecken?” Wie kann man den offenkundigen Unterschied nicht erkennen wollen? Im Gegensatz zu dem natürlichen Vorgang von Fressen und Gefressenwerden von wild lebenden Tieren, so schmerzhaft das mitunter für die unterlegene Kreatur auch ist, steht das anthropogene Leid der massenhaften Nutztierhaltung, bei der Zucht, Genmanipulation und Tierfutteranbau ausschließlich auf den menschlichen Verzehr ausgerichtet sind, dabei alles aber auch noch nur auf Quantität getrimmt ist und den finanziellen Profit der beteiligten Futter- und Lebensmittelkonzerne im Blick hat. Der tatsächliche “Nutzen” dieser Nutztiere für den Menschen ist sicher mehr als fraglich, aus tierethischem Blickwinkel heraus betrachtet ist die omnivore Ernährung aber eher als katastrophal zu bezeichnen.

    • Werlauer sagt:

      Aufzucht von Pflanzenfressern CO2-neutral?
      Ist die Aufzucht von Pflanzenfressern – bis auf den Verbrauch von Betriebsstoffen (z.B. Diesel) durch in die Aufzucht eingebundenen Maschinen – nicht CO2-neutral?

      Wie kann die Verbrennung des in Gras und Mais enthaltenen Kohlenstoffs eine zusätzliche CO2-Belastung erzeugen? Wenn überhaupt, ließe sich der Methanausstoß von Rindern als negativer Effekt anführen. Aber wie bewerten Sie dann die entsprechende alternative Energiegewinnung (Biogas-Anlagen).

      Viele Grüße
      Günther Werlau

  9. MGermer sagt:

    Es gibt solche und solche...
    Leben und Leben lassen, liebe Foristen, egal was sie zu sich nehmen. Ich will nur von allen in Ruhe gelassen werden. Versucht nicht mich in eine der beiden Richtungen zu missionieren oder zu bevormunden oder sonst was, lasst mir mein Essen und ich lasse euch eures. Nette Frotzeleien sind gern gehört, aber bitte den Zeigefinger nicht in die Luft strecken oder gar noch auf einen Menschen richten. Ich lebe in absoluter Harmonie mit Fleischfressern und Vegetariern, jedem das Seine und mir das Meiste :)

  10. Kirsten.Barnekow sagt:

    Der FAZ unwürdig
    Liebe FAZ, bitte verkommt nicht zu einem Frauen magazin. Ich erwarte von euch echte Wissenschaftlichkeit und nicht eine unreflektierte Wiedergabe von Studien, die nicht mal vor Grundschülern eine Belastung standhalten würden.

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