Am Tresen

Am Tresen

Der F.A.Z.-Gesprächspodcast

„Ein Text sollte klingen wie eine Popsingle“

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Foto Jork Weismann/Pieper Verlag

20 Jahre hat es gedauert, bis Eckhart Nickel seinen ersten Roman veröffentlicht hat. Ende der Neunziger war er Teil der Popliteraturwelle um Benjamin von Stuckrad-Barre und Christian Kracht. Zusammen wollten sie die Literatur revolutionieren. “Es gab die Vision, dass ein Text so toll klingen soll wie eine Popsingle”, sagt Nickel im F.A.Z.-Gesprächspodcast „Am Tresen“. “Der Text kann musikalisch sein, aber er ist nie Musik”, resümiert Nickel heute. Statt aber wie die anderen Romane zu veröffentlichen, ging Nickel in den Journalismus. Das Buch, das nun erschienen ist und gleich für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde, heißt “Hysteria” und handelt vom Öko-Totalitarismus.

“Am Tresen” einer Trinkhalle im Frankfurter Gallusviertel philosophiert Nickel über Filterkaffee, über Würstchen, über die alte Frankfurter Altstadt und wieso er den VW-Polo liebt.

Wenn er nicht in seiner Heimatstadt Frankfurt ist, ist Nickel auf Reisen. Über zwei Jahre lebte er Mitte der 2000er in Kathmandu, um dort mit Christian Kracht das legendäre Magazin “Der Freund” zu produzieren. In der nepalesischen Hauptstadt stellten sich die beiden Autoren die Aufgabe, jeden Tag ein Buch in einem der vielen Antiquariate zu kaufen. Entstanden ist darüber die “Kathmandu Library”: Bücher, in denen verfallene Flugtickets, Briefe und Fotos steckten – viele zurückgelassen auf dem Weg zum Himalaja.

Das Reisen beschreibt Nickel als den “angenehmst möglichen Zustand”. Weil das Neue von außen komme und man es nicht von innen produzieren muss. “Es gibt eine Reizüberflutung, eine Überwältigung durch die Entgrenzung des Neuen. Das Reisen hört nicht auf, mich in einem euphorischen Zustand zu bringen. Auch wenn es nur bei einer Überlandfahrt mit dem Fahrrad ist.”

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