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ÜberKreuz

Katholische Weltjugendtage und Kirchensteuern, Ökumene und die Segnung homosexueller Paare, Streit über multireligiöse Feiern und

Spaß muss sein – im Ernst

Der Fuhrpark der deutschen Bischöfe hat es in sich. So oder so.

Ein wenig surreal ist die Szenerie schon: Es treffen sich die Bischöfe der deutschen Kirche, und Oberklasse- um Oberklasselimousine rollt in den Innenhof des Kreuzgangs des Fuldaer Priesterseminars, die Fondstüre öffnet sich, Bischof um Bischof entsteigt dem neuesten Modell aus München, Stuttgart oder Ingolstadt,  Fünfer und Siebener, selten ein Dreier, E oder S, eher ein Sechser als Vierer – nicht nur beim Metzger, auch in der Kirche darf’s manchmal ein bisschen mehr sein. Doch Spaß beiseite: Das Unternehmensenglisch verbucht ein solches Defilee unter dem Begriff win-win-Situation: Den Marketingabteilungen von Mercedes, Audi  und BMW frommt’s (dient das Vertrauen der Bischöfe doch dem Ansehen der Unternehmen), den Bischöfen nützt’s (dient vielen das Auto doch häufiger als Arbeitsplatz als ihr Schreibtisch, von ihren Fahrern nicht zu reden).

Nehmen wird es also doch mit Humor und lösen die Rätsel, die uns die Kennzeichen aufgeben: HH-EB – das kann nur der Erzbischof von Hamburg sein. TÜ-BO – auch noch recht prosaisch: Das Bischöfliche Ordinarat von Rottenburg-Stuttgart lässt grüßen. Dann schon lieber K-FC: ein Kölner Weihbischof outet sich als Fußballanhänger – nicht schlecht. Heiner Koch wird nicht in diesem Fahrzeug sitzen er ist schon von weitem an K-HK zu erkennen. Inkognito, aber nur fast, fährt der neue Bischof von Limburg vor: LM-PX – muss es nicht XP heißen für das griechische Chi-Rho, den beiden ersten Buchstaben von „Christus“? Doch wer weiß das schon, und das nicht erst in Zeiten sogenannter Betriebssysteme… Dann lieber PX – das klingt wie Pax (Friede), Verwechselungsgefahr ausgeschlossen. Denn LM-PX hat nicht einmal der Dompfarrer von Limburg, und der heißt wirklich Pax.  

Doch was wäre das Leben auch unter Bischöfen ohne die sprichwörtlichen Spaßbremsen, die sich jeder automobilen Logik verweigern, auch wenn sie durch  bescheidene Leasingraten kräftig befördert wird. Der Erfurter Bischof Wanke etwa reist, wenn überhaupt per Auto, in einem VW Passat. Das reicht, gerade in Mitteldeutschland. Der Rottenburger Weihbischof Kreidler hat sein Gepäck für Fulda dem Bischof mitgegeben und die Ruhe im ICE der Hektik auf der Autobahn vorgezogen. Und dann gibt es da noch den Benediktiner Gregor Maria Hanke. Bevor Papst Benedikt ihn vor knapp zwei Jahren zum Bischof von Eichstätt ernannte, hatte Hanke als Abt die Benediktinerabtei Plankstetten in einen ökologischen Vorzeigebetrieb verwandelt. Die Bischofsweihe haben seine drei Ordensgelübde Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam nicht zu Makulatur werden lassen. Als der Audi-Vorstand sich und dem Bischof erst eine Luxuslimousine und dann wenigstens eine Luxusedition des A 4 zur Ehre gereichen lassen wollte, lehnte Hanke jeweils dankend ab. Wenn er nicht mit der Bahn fährt (wie jetzt nach Fulda) und auch sein Gepäck selbst trägt, setzt er sich ans Steuer eines gewöhnlichen A 4 Kombi – auch ein Bischof ist ab und zu mit größeren Lasten unterwegs.

Ps: Im Innenhof des Fuldaer Priesterseminars steht etwas verloren ein zwergenhaft kleiner Peugeot mit französischem Kennzeichen … der Weihbischof von Straßburg. Jenseits von Elsass-Lothringen können die meisten Bischöfe sich nicht einmal ein Auto wie dieses leisten. Sie haben kaum genug Geld, um ihren Priestern den gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen – im Ernst.