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Wer folgt Wolfgang Huber? Das Wahlverfahren.

Theoretisch könnte der Nachfolger von Wolfgang Huber auch Peter Hahne heißen. Oder Wolfgang Huber. F.A.Z. NET erklärt den Modus für die Wahl eines neuen EKD-Ratsvorsitzenden.

Auf die EKD kommt ein Generationenwechsel zu; die Galionsfiguren gehen langsam von Bord: Der Ratsvorsitzende, Berlins Bischof Wolfgang Huber und der stellvertretende Ratsvorsitzende, Thüringens Bischof Christoph Kähler treten in ihren Heimatkirchen in den Ruhestand. Hermann Barth wird in Hannover auch nicht mehr lange still und effizient das Kirchenamt der EKD leiten.

Der Modus, wie die EKD ihren neuen Rat und ihren neuen Ratsvorsitz 2009 neu vergeben wird, ist ebenso unvorhersehbar wie ein vatikanisches Konklave. Die Entscheidung, wer Nachfolger von Wolfgang Huber wird, bestimmt maßgeblich die neu zu wählende EKD-Synode mit. Diese EKD-Synode besteht aus 120 Synodalen. Die Synoden der EKD-Gliedkirchen werden, nach Größe gestaffelt, insgesamt 100 Synodale entsenden. 20 weitere Synodale darf der jetzt noch amtierende Rat der EKD (das Leitungsgremium der evangelischen Kirche in Deutschland) benennen. Das sind oft prominentere evangelische Christen, denen man die Ochsentour durch die Landessynoden nicht zumuten kann. In der aktuellen Synode sind das etwa der Staatsminister im Kanzleramt, Hermann Gröhe (CDU) oder Peter Hahne (ZDF). Diese 120 Synodalen werden dann Anfang Mai in Würzburg erstmals zusammentreten. Dort wählen sie ein Synoden-Präsidium: einen Präses, seinen Stellvertreter und 4 Beisitzer. Der Präses ist qua Amt das erste Mitglied im später zu wählenden Rat der EKD.

Zu wählen sind dann noch 14 weitere Ratsmitglieder, die mit dem Präses zusammen die EKD für die nächsten sechs Jahre leiten werden. Das wird im Oktober 2009 in Ulm geschehen. Dort wird der ebenfalls in Würzburg bestimmte Ratswahlausschuss der Synode ein Tableau mit ungefähr 25 Kandidaten präsentieren (es könnten auch noch andere Kandidaten von Wahlberechtigten benannt werden). Bedingung für die Wahl in den Rat ist einzig, evangelisch zu sein, genauer: einer der Gliedkirchen der EKD anzugehören. Die Leitung der EKD besteht im Unterschied zur römisch-katholischen Kirche keineswegs nur aus Geistlichen. Auf der Kandidatenliste werden ebenso nicht nur Mitglieder der Synode stehen; der Ratswahlausschuss hat vielmehr einen unter mehreren Gesichtspunkten abgewogenen Vorschlag unterbreiten: Frauen und Männer; Lutheraner,Unierte und Reformierte, Laien und ordinierte Geistliche; Linksprotestanten, Liberale, Evangelikale, Konservative und Pietisten; Ostdeutsche und Westdeutsche.

Nach Vorlegen der Liste beginnt die heiße Phase des Wahlmarathons: Neben der Synode haben Stimmrecht auch die Mitglieder der Kirchenkonferenz, also das Gremium, das die Kirchenleitungen der EKD-Gliedkirchen vertritt. Im ersten Wahlgang hat jeder 14 Stimmen. Gewählt ist ein Kandidat, sobald er zwei Drittel der Stimmen auf sich vereinigt. Dann hat jeder Stimmberechtigte, 15 – x Stimmen und so geht es dann weiter bis alle 15 Ratssitze vergeben sind. Es ist auch die Komplexität des Verfahrens, welche die Nachfolge Wolfgang Hubers so schwer unvorhersehbar macht.

Der neu gewählte Rat zieht sich dann einige Zeit zurück. Hier kommen die Protestanten dem römischen Konklave am nächsten. Doch anders als dort müssen sich keine Stimmzettel in Rauch auflösen, denn für die Beratung gibt es keine formelle Vorgaben –  man berät, bis man sich auf einen Vorschlag verständigt hat. Teilnehmen bei den Beratungen wird auch der Präsident des Kirchenamts der EKD. Er hat aber kein Stimmrecht. Als maßgeblich für die Auswahl eines neuen Ratsvorsitzenden gilt auch, mit welchem Ergebnis ein Ratsmitglied von Synode und Kirchenkonferenz in den Rat gewählt wurde. Mit dem Vorschlag für einen neuen Ratsvorsitzenden tritt dann der Rat vor die Synode und die Kirchenkonferenz. Noch nie in der Geschichte der EKD wurde der Kandidat dann nicht gewählt. So unwahrscheinlich es scheint, der neue Ratsvorsitzende könnte theoretisch also abermals Wolfgang Huber heißen, denn eine Altersgrenze existiert in der EKD nicht.