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Katholische Weltjugendtage und Kirchensteuern, Ökumene und die Segnung homosexueller Paare, Streit über multireligiöse Feiern und

Bitter für SPD und Kirche

Die Stimme der SPD in der Kirche fliegt aus dem Bundestag

Oh, oh, oh  arme SPD! Auch die Kirchenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion hat es erwischt: Kerstin Griese verlor bei der Bundestagswahl ihren Wahlkreis Mettmann II an ihren CDU-Bewerber Peter Beyer. Und beim schlechten Gesamtergebnis der SPD reicht ihr auch der vermeintlich sichere Listenplatz 14 nicht – die nordrhein-westfälische Landesliste greift nur bis Platz 13. Neun Jahren war die Pfarrerstochter Kerstin Griese Mitglied des Deutschen Bundestag. Als Vorsitzende des Familienausschusses setzte sie sich vor kurzem noch mit Erfolg und innerparteilichen Widerstand für eine striktere Regelung der Spätabtreibungen ein.

Und als wäre das noch nicht genug: Auf dem Zukunftskongress der EKD wurde gemunkelt, der Name Kerstin Griese finde sich nicht auf der Liste, die der Ratswahlausschuß Mitte Oktober präsentieren wird. Frau Griese wird ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht angehören. Auch die SPD-Bürgermeisterin Barbara Rinke, Vorgängerin der im Mai gewählten Präses Katrin Göring-Eckardt (Grüne), wird dem Rat nicht mehr angehören. 

Von der einstigen Dominanz der SPD in der EKD ist kaum etwas geblieben: Von 1975 bis 2009 hatte das Amt des Synodenpräses, das wichtigste Laienamt in der evangelischen Kirche, stets ein SPD-Politiker inne. Persönlichkeiten wie der Bundesminister Jürgen Schmude (SPD) prägten das politische Klima der Synoden, einflussreiche Geistliche hatten ebenfalls SPD-Mitgliedschaften (die sie aber als Bischöfe ruhen ließen) oder standen den Sozialdemokraten nahe. 

Daß im Mai mit der Wahl von Katrin Göring-Eckardt zur Präses eine Grüne ins Stammklientel der Sozialdemokraten einbrach, führte immerhin zu gewisser Gegenwehr der SPD: Kanzlerkandidat Steinmeier wurde fortan nicht müde, allen zu erzählen, daß er ein Lippischer Reformierter ist. Eine Broschüre 10 gute Grüne für Christinnen und Christen zur Wahl einer sozialen und demokratischen Politik wurde gedruckt. Allein, es half nicht. 

Wer aber soll die SPD nun in der kirchlichen Öffentlichkeit vertreten? Für Kerstin Griese, die ihre Partei stets tapfer in der Kirche vertrat, wird diese Aufgabe ohne Bundestagsmandat weit schwerer werden als zuvor. Man wird sehen, was sich die SPD und die Evangelische Kirche einfallen lassen.