Unverbraucht

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Ärger mit dem Handy, Angst vor Phishing-Attacken, Furcht vor Schummel-Formularen, Frust beim Online-Kauf, Zorn auf Bahn-Angestellte und Wut wegen

Unitymedias ungewöhnlicher Überfall

| 19 Lesermeinungen

Es klingelt an Otto N.s Wohnungstür. Er ist nicht da, aber seine Freundin ist zu Hause. Die Wohnung liegt im Souterrain. Sie öffnet daher erst einmal ein Fenster, das zur Straßenseite zeigt. Unten vor der Tür stehen drei Männer, die sich als Mitarbeiter von Unitymedia, also dem Anbieter von Kabelanschluss für Internet, Telefon und Fernsehen, vorstellen.

Kollegen, Freunde und Leser erzählen mir immer wieder, dass sie von Unternehmen hingehalten, getäuscht, überrumpelt oder gar betrogen wurden. „Mach doch mal was!“ heißt es dann, „Du bist doch Verbraucherjournalist!“ Okay, wir machen was: ein Verbraucherblog. Verbraucher meckern zwar gerne. Aber häufig auch zu Recht. Solche Beispiele interessieren mich. Und richtig spannend wird es, wenn das Beispiel kein Einzelfall ist. Denn in der Kantine, Kneipe oder im Kommentar hört und liest man oft den Satz: „Das ist mir auch passiert!“ Im Blog wird nun immer der gleiche Verbraucher stellvertretend Beispiele vorstellen: Otto N..

Es klingelt an Otto N.s Wohnungstür. Er ist nicht da, aber seine Freundin ist zu Hause. Die Wohnung liegt im Souterrain. Sie öffnet daher erst einmal ein Fenster, das zur Straßenseite zeigt. Unten vor der Tür stehen drei Männer, die sich als Mitarbeiter von Unitymedia, also dem Anbieter von Kabelanschlüssen für Internet, Telefon und Fernsehen, vorstellen. Auf ihren Notizblöcken und den umgehängten Schildern steht dies zudem drauf.

Sie fragen nach Otto N.. Er sei ihr Vertragspartner. Unitymedia hätte einen Termin mit ihm vereinbart. Otto N.s Freundin weiß nichts davon (und erfährt auch später von Otto, dass nie ein Termin vereinbart wurde). Auf die Gegenfrage, um was es denn gehe, antwortet die Unitymedia-Truppe: „Das geht Sie nichts an“. Dann will einer wissen, wie die Frau heißt, die aus dem Fenster mit ihnen spricht. „Und das wiederum geht Sie nichts an“, entgegnet Otto N.s Freundin. Bevor sie das Fenster schließen kann, geht das Verhör weiter. Und der Ton wird schärfer.

Ein Unitymedia-Türdrücker versucht Otto N.s Freundin unter Druck zu setzen. Er sei Wirtschaftsjurist und kenne sich mit der Rechtslage aus. Sie sei dazu verpflichtet, ihm ihren Namen zu nennen. Dies sei Inhalt des Paragraphen 163 der StVO. Otto N.s Freundin fragt verwundert nach: „Der StVO???“. Sie versucht vergeblich eine Verbindung zwischen der Straßenverkehrsordnung und der angeblichen Auskunftspflicht gegenüber Unitymedia-Vertretern herzustellen. (Leider erst nach dem Gespräch wird ihr klar, was eigentlich gemeint sein sollte: die StPO, also die Strafprozessordnung. Hier verpflichtet §163b lediglich dazu, dass man seine Personalien angeben muss, wenn die Polizei danach fragt.)

Der vermeintliche Wirtschaftsjurist mit der Lizenz zum Fragen lässt nicht locker. Nach der StVO-Finte bedrängt der Unitymedia-Mensch Otto N.s Freundin mit einer anderen Frage: Sie soll nun endlich ihren Namen sagen, schließlich könnte sie auch eine Einbrecherin sein. „Klar“, entgegnet Otto N.s Freundin mit ihren nassen Haaren, „und nach dem Einbruch habe ich erstmal geduscht“.

Der Dialog wird immer absurder. Er sei verheiratet, teilt der Unitymedia-Vertreter mit. Vielleicht helfe diese Information nun, damit sie endlich ihren Namen sage. Zudem hätte er dieselbe Diskussion schon einmal in der Straße gehabt. Damals sei der Schwiegersohn des Gesprächspartners dazu gekommen. Dieser sei Anwalt gewesen und habe ihm zugestimmt, dass der Befragte seinen Namen nennen müsse.

Der Unitymedia-Mann warnt daraufhin abermals Otto N.s Freundin: „Wenn sie nicht ihren Namen sagen, hat es schwerwiegende rechtliche Konsequenzen für Otto N.!“

Das Gespräch endet letztlich mit der Angabe eines falschen Namen, der Information „Ich putze hier“ und dem gegenseitigen Wunsch noch einen schönen Tag zu haben. Die drei Herren von Unitymedia wollten übrigens Otto N.s Vertrag „optimieren“.


19 Lesermeinungen

  1. dettweiler sagt:

    @reneL:
    Das Verhalten der...

    @reneL:
    Das Verhalten der Unitymedia-Mitarbeiter könnte damit erklärt werden: Wenn die nicht mit genügend „optimierten Verträgen“ abends nach Hause gehen, gibt’s zu wenig Provision. Was denen allerdings der Name der Freundin bringt, bleibt weiterhin rätselhaft.
    (Danke!, Gruß Marco)

  2. samott sagt:

    Lustig! Ist mir bisher noch...
    Lustig! Ist mir bisher noch nicht passiert, jedenfalls nicht von Unity Media. Arcor, ja die waren schon öfters da sind dann aber nach ein paar zwischenfragen von meiner Seite mit eingezogenem Schw…wieder gegangen. Als Technikfreak beeindrucken mich hohe DSL Zahlen mehr als eine Blondine die lächelt. Können Arcor und Telekom aber nicht liefern, weil nur DSL 768 bei uns verfügbar ist. Aber ein 16000 er Vertrag wollte mir die Telekom aufbrummen, weil ja „bald“ ausgebaut werde. ist inzwischen 3 jahre her, aber nichts passiert. Deswegen Unity Media. Was mich etwas schockt ist das erwähnte Kündigungs-Prozedere und dass gleich 3 Mann hoch vertreten sind.

  3. matze sagt:

    @marco Dettweiler
    ich vermute,...

    @marco Dettweiler
    ich vermute, der Name der Freundin hätte sich dann auf irgendeinem Vertrag wiedergefunden. Im Telefondrückergewerbe gibt es wahre Meister in der Kunst, Leute so zu interviewen daß man nachher glaubhaft darlegen kann diese hätten einen Vertrag abgeschlossen.
    Aber der Artikel liest sich wie ein Plädoyer für die Anschaffung eines Rottweilers …

  4. Unknown sagt:

    Wieso erst überhaupt mit...
    Wieso erst überhaupt mit diesen Typen reden, einfach das Fenster zu machen und fertig, vorallem wenn man von nichts weiß und der Freund/Mann nicht da ist. Allerdings wäre es vielleicht noch schön gewesen, wenn Sie eine Kamera oder Fotohandy zur Hand gehabt hätte um die Visagen festzuhalten.

  5. Nobody sagt:

    Das Köstlichste an diesem...
    Das Köstlichste an diesem Bericht sind wohl drei Dinge, dass ein „Wirtschaftsjurist“ vor der Tür stand, er anscheinend verheiratet war und die Frau womöglich ein Einbrecher sei. Ich frage mich nur wie sie es bloß aushalten konnte nicht hysterisch drauf los zu lachen. Ich hätte mich gekugelt vor lachen, schöner kann ein Tag doch nicht beginnen 😀

  6. Zustimmer sagt:

    Tipp: Wie immer gilt auch...
    Tipp: Wie immer gilt auch hier: Jeder hat das Recht, ein Gespräch nicht zu führen oder abzubrechen, wenn es ihm zu blöd oder verdächtig wird. Also einfach Mund halten und Tür zu! Wer von mir etwas will, kann einen Brief schreiben.
    Im übrigen bin ich bisher mit Unitymedia sehr zufrieden, Kosten und Leistung (3play 6000) sind nach meinen ständigen Marktvergleichen ungeschlagen. Und normale Festnetznummern zu den 0180-Servicenummern findet ihr hier:
    https://www.tk-anbieter.de/0180/suche.html

  7. Patrick sagt:

    Unitymedia, Arcor und manchmal...
    Unitymedia, Arcor und manchmal auch Freenet überraschen regelmäßig mit neuen Tricks. Kürzlich kam mein Chef ins Büro und lachte sich schlapp, weil er folgenden Anruf bekommen hatte:
    „Nach der neuen Rechtslage sind wir gehalten …“ ihren Telefonanbieter und ihr Telefonverhalten zu ermitteln. (sinngemäß) Das ist ein netter Trick und hört sich hochoffiziell an. Glücklicherweise werden Privatanschlüsse seit der Gesetzesänderung kaum noch bearbeitet.
    Auf die gezielte Nachfrage, für welches Unternehmen die Dame anrufe, bekam er die übliche Antwort: Unitymedia. Als nächstes fragt er dann immer, was ganz unten auf dem Gesprächsleitfaden steht. 🙂

  8. TLi sagt:

    Im ersten Moment musste ich...
    Im ersten Moment musste ich unweigerlich an so manche Geschichten über Mitarbeiter der GEZ denken 😉

  9. Jennifer sagt:

    Ich habe grad nach Unitymedia...
    Ich habe grad nach Unitymedia im Internet geschaut und zu suchen was andere Leute für Erfahrungen mit dem Unternehmen gemacht haben. Uns ist vor 2 Wochen ein ähnlicher Vorfall mit einem Unitymedia Media Vertreter an unserer Tür passiert, der auch nicht locker lassen wollte. Interessant, dass das Unternehmen seit fast 2 Jahren noch die gleiche Masche abzieht.

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