Unverbraucht

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Ärger mit dem Handy, Angst vor Phishing-Attacken, Furcht vor Schummel-Formularen, Frust beim Online-Kauf, Zorn auf Bahn-Angestellte und Wut wegen

100 Gramm Wurst enthalten 133 Gramm Fleisch

| 40 Lesermeinungen

Als Otto N. am Frühstückstisch zu seiner BioBio-Bergsalami griff, las er nicht nebenbei die Zeitung, sondern zufällig die Rückseite der Verpackung. Dort fesselte ihn ein Satz mehr als die besten Schlagzeilen der Zeitungen. Auf der Verpackung stand der Satz: 100 g Wurst enthalten 133 g Fleisch.

Als Otto N. am Frühstückstisch zu seiner BioBio-Bergsalami griff, las er nicht nebenbei die Zeitung, sondern zufällig die Rückseite der Verpackung. Dort standen die üblichen Angaben zu Zutaten wie „Dextrose, Honig, Antioxidationsmittel, Ascorbinsäure…“ Wie halt bei vielen Lebensmitteln. Doch ein Satz fesselte ihn mehr als die besten Schlagzeilen der Zeitungen. Auf der Verpackung stand der Satz: „100 g Wurst enthalten 133 g Fleisch„.

Bild zu: 100 Gramm Wurst enthalten 133 Gramm Fleisch

Otto N. hielt erst einmal inne, legte seine Stulle zur Seite und prüfte, ob er möglicherweise schon satt war. Denn es war an diesem Morgen nicht sein erstes Salami-Brot. Auch überlegte Otto N., ob er eine der drei Scheiben wieder zurücklegen sollte, schließlich liegt ja mehr Fleisch auf dem Vollkornbrot als beabsichtigt. Und ebenso dachte er darüber nach, beim Wurstproduzenten anzurufen und zu fragen, was es mit diesem Verhältnis von Wurst und Fleisch auf sich hat.

Bekannt sind ja die Mischverhältnisse bei Saft. In einem Liter Orangensaft sind manchmal nur 20 Prozent „echter“ Saft oder Erdbeer-Joghurt enthält manchmal null Prozent Erdbeeren, sondern einige Gramm aromaangereicherter Sägespäne. Alles kein Problem, denkt sich Otto N. dann, das erwartet man ja als mündiger Verbraucher. Aber mehr als hundert Prozent Fleisch in der Wurst? Wie ist das zu erklären?

Wissen Sie es? Sagen Sie es mir!

[Update: Bevor es mit den Beschimpfungen (sind gelöscht worden) weiter geht: Es geht in diesem Blogeintrag um die Formulierung auf der Verpackung. Dass Fleisch Gewicht verliert, wenn es verschiedene Prozesse wie Trocknung durchläuft, ist durch die bisherigen Kommentare und Hinweise auf Links hinreichend erklärt worden. Dieser Vorgang wird aber äußerst seltsam erklärt, wenn 100 Gramm einer bestimmten Materie 133 Gramm einer anderen „enthalten“. (Sinnvoller wäre wohl: „ehemals 133 Gramm“ oder „sind hergestellt unter anderem aus 133 Gramm Fleisch“) Warum schreibt der Hersteller nicht das Nettogewicht des Fleisches auf die Verpackung? Weil vielleicht von dem Fleisch nicht viel übrig geblieben ist? Das Bruttogewicht sagt zudem wenig aus. Wer im Restaurant ein zusammengeschrumpftes Steak serviert bekommt, wird auch nicht die Aussage des Kellners verstehen: „Dieses 100-Gramm-Steak enthält 300 Gramm Rindfleisch“.]


40 Lesermeinungen

  1. Horst sagt:

    Es ist doch ganz einfach:
    100g...

    Es ist doch ganz einfach:
    100g Wurst enthalten 133g Fleisch, der Rest besteht halt aus (Bio)Berg.
    Aber die größere Hälfte der Vegetarier hier kapiert das ja wieder nicht…

  2. Jochen sagt:

    Hmm, gibt es keine...
    Hmm, gibt es keine spannenderen Themen im Bereich Verbraucherschutz? Zum Beispiel Versicherungen, die trotz eindeutiger Ausgangslage und vollmundiger Werbeversprechen Zahlungen verweigern; heimliche Preiserhöhungen um die 30% bei vielen Produkten durch Reduzierung des Inhalts; vermeintlich günstigere Großpackungen; die Praktiken der „Gebühreneinzugszentrale“; und so weiter… Die 130 Gramm Fleisch in 100 Gramm Wurst sind zwar in der Tat eine auf den ersten Blick wundersame Erscheinung, aber sicher nichts, was den Verbraucher zur Zeit wirklich umtreibt. Ansonsten mal Danke für diesen Blog, der sicherlich nützlich sein kann, aber noch deutlich ausbaufähig ist, um es mal vorsichtig zu formulieren.

  3. dettweiler sagt:

    @Jochen:
    Natürlich gibt es...

    @Jochen:
    Natürlich gibt es spannendere Themen als eine Wurstverpackung. Aber es ist auch nicht der erste Blogeintrag und wird nicht der letzte sein. Ich fordere die Leser daher immer wieder auf, mir Fälle zu schicken, aus denen man einen Blogeintrag machen kann. Wenn sie ihre genannten Beispiele mit Fakten belegen können, dann gerne her damit. Dann baue ich mein Blog weiter aus. Otto N. wird sich freuen.

  4. Jochen sagt:

    @Marco Dettweiler:
    OK Marco,...

    @Marco Dettweiler:
    OK Marco, die nächste Abzock- oder Verdummungsaktion, mit der ich persönlich konfrontiert werde, teile ich Otto N. umgehend mit!

  5. Zustimmer sagt:

    Lieber Marco,
    mich regen...

    Lieber Marco,
    mich regen derartige Sprachfehler und -ungenauigkeiten auch sehr auf: die Sorgfalt beim Denken zeigt sich auch in der Sorgfalt der Sprache:
    „100 g Wurst wurde aus 133 g Fleisch hergestellt.“ ist richtig und kaum länger. Sogar noch kürzer ist:
    „Aus 133 g Fleisch wurde 100 g Wurst.“

  6. Zustimmer sagt:

    Nachtrag: heute morgen las ich...
    Nachtrag: heute morgen las ich auf der BIOBIO-Bergsalami: „100 g Salami werden aus 133 g Fleisch hergestellt.“
    Es ist doch sehr lobenswert vom Herrn +, sorry heißt ja jetzt Pfennig, dass auch er diesen Blog liest und auf unsere Kritik so spontan reagiert 😉

  7. dunnhaupt sagt:

    Als die EU den...
    Als die EU den Minimum-Fleischgehalt von Würsten festlegen wollte, zeigten sich einige britische Fleischer überrascht, dass Würste überhaupt Fleisch enthalten müssen.

  8. techie sagt:

    Wenn einst rauskommt, was da...
    Wenn einst rauskommt, was da in die Salami reinkommt, kommen die Macher derselben lange nicht mehr da raus wo sie dann reinkommen.

  9. dionysos sagt:

    Bedenklich finde ich nicht was...
    Bedenklich finde ich nicht was auf eine Verpackung steht sondern was nicht aufgeführt ist
    und es wäre meiner Meinung sinnvoll über die Tatsache nachzudenken warum auf kosten der Gesundheit Substanzen in unsere lebensmittel gemischt werden die das Produkt optisch attraktiver gestalten.
    Solche themen wünsche ich mir von der FAZ,
    MFG

  10. Analoge sagt:

    Oder ein Kommafehler:
    100...

    Oder ein Kommafehler:
    100 Gramm Wurst enthalten 13,3 Gramm Fleisch.
    Das wird’s sein.
    BioBio Bio Produkte für alle ebent.
    Interessant wäre vielleicht noch die Begründung, warum besagter Salami ein /Berg- vorangestellt wurde. Wahrscheinlich damit der Käufer von glücklichen Salami-Lieferanten, die zufrieden wiederkäuend an saftigen tiefgrünen Berghängen weiden, ehe sie sanft ins Jenseits befördert werden, träumen kann.
    Ich hasse „BIO“, wie auch alles andere was mich für dumm verkaufen will.
    Schönen Tag

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