Unverbraucht

Live: Internet im Flugzeug

Breitband-Internet im Flugzeug? Ja, das geht. Aber nur bei der Lufthansa und nur auf Flügen nach Nordamerika. So sieht die Theorie aus:

Und so die Praxis:

 

Ich sitze gerade in einem Airbus und teste Flynet. Die Lufthansa hat in 17 Flugzeugen, die zwischen Europa und Nordamerika hin- und herfliegen, Internetzugänge per Wlan eingebaut. Die Telekom übernimmt die Datenübertragung aus und in den Flieger. Die Daten werden über eine spezielle Antenne (das schwarze Ding auf dem Rücken des Flugzeugs)…

…zu einem von vier Satelliten übertragen, von dort an die Westküste der USA weitergeleitet, dann per VPN nach Europa. Und dann gibt’s eine IP-Adresse etc. Ab diesem Zeitpunkt funktioniert das Wlan im Flieger wie ein Hotspot im ICE, Starbucks oder wo auch immer.

Das heißt: Man wählt mit seinem iPhone, Notebook oder iPad per Wlan das – nun ja: einzige – Netz aus und loggt sich ein. Hier überm Atlantik ist das Surfen nicht billig: 10,95 Euro für eine Stunde, 19,95 für eine 24-Stunden-Flatrate. Die Telekom verspricht 5 Megabit pro Sekunde. Das wäre schneller als viele DSL-Verbindungen „auf der Erde.“ Das wollen wir mal testen…

… Fortsetzung folgt….

So, der Hauptgang war lecker. Bleibt noch ein bisschen Zeit bis zur Nachspeise. Eben gab es einen kleinen Aussetzer. Das Netz hing, weil die Übergabe zwischen zwei Satelliten nicht funktioniert hat. Der neue soll übrigens noch mehr Bandbreite hergeben. Finde ich schon abgefahren: 10.000 Meter über dem Atlantik, Satellit 1 übergibt an Satellit 2 und lässt den Staffelstab kurz fallen.

Ein bisschen mehr Bandbreite wäre schon schön. Mailen und Surfen funktioniert zwar gut. Aber vom Gefühl her würde ich sagen, dass es auf dem Boden – nicht nur im Büro, sondern auch zu Hause – schneller ist. Wo es sich deutlich gezeigt hat, war beim Facetime-Versuch. Normalerweise gibt es bei Facetime kaum eine Verzögerung, weder beim Bild noch beim Ton. Hier war es deutlich zu spüren. Der Übertragung ruckelt und ist sichtlich verzögert. ABER ACHTUNG: Skypen u.ä. ist verboten. Es stört die Fluggäste. Für Journalisten wird heute mal eine Ausnahme gemacht. (Die ersten Leser haben schon befürchtet, dass ab jetzt das ganze Flugzeug skypt…)

Hier einige Antworten an die Leser, die bereits kommentiert haben:

– Das Angebot gilt für ALLE – sofern sie zahlen.

– Elektronische Geräte dürfen natürlich angeschaltet werden. iPhone&Co nur mit Wlan. (Die Lufthansa wird aber wohl demnächst einen GSM-Service einführen. Das heißt: Telefonieren im Flugzeug)

– Es gibt zwar Fluglinien, die On-Air-Verbindungen anbieten. Aber das sind keine Breitband-Verbindungen. Das hat momentan nur die Lufthansa bei transatlantischen Flügen.

– Lufthansa hatte eine ähnliche Technik schon mal eingeführt: Connexion by Boeing. Ende 2006 gab Boeing – und somit die Lufthansa – auf. Die aktuelle Technik verwendet zum Teil noch Komponenten von damals.

… So, der Nachtisch…

Weil viele Leserkommentare kommen, hier noch weitere Antworten:

– Der Speedtest: Download mit respektablen 2,4 Mbit/s und der Upload mit 0,1 Mbit/s. Die Lufthansa hat berichtet, dass es mal einen Flug mit 200 Dauer-Powerusern gab, den das Netz gut abkonnte.

Kunden der Telekom können sich zwar schneller einloggen, müssen aber fast genauso viel zahlen wie Neukunden. Sie haben eine 10-minütige Taktung und bezahlen ganz normal per Rechnung. Die zehn Minuten kosten jeweils 1,79 Euro.

– Leider gibt es nur Steckdosen in der Business-Klasse. Selbst mein MacBook Air geht bald in die Knie. Die Stromversorgung ist in der Tat ein Problem, wenn man in der Economy sitzt.

 

Uff! Noch nie so eine hektische, aufgeregte Business-Klasse gesehen. Journalisten halt.

Ansammlungen von mehreren Personen sind übrigens laut amerikanischem Gesetz verboten. Hoffentlich gibt’s keinen Ärger mit den Amis. 😉

Noch ein paar Fakten:

17 LH-Flieger sind bereits mit Flynet ausgestattet, bald sollen es 70 sein

– Geplant ist der Ausbau mit Flynet der gesamten transatlantischen Flotte

– Telekom ist bereits in Verhandlungen mit anderen Airlines

Panasonic liefert die Technik (Antenne & Co.)

Telefonieren an Bord soll auch irgendwann kommen. KORREKTUR: Das GSM-Netz soll zwar eingeführt werden. Aber nicht zum Telefonieren. Nur für SMS.

 

… So, jetzt gibt’s die Zollerklärung zum Ausfüllen…

Im Flieger wird’s ruhiger. Man beginnt zu Arbeiten. Der Kollege vom Bayerischen Rundfunk macht Interviews, NTV nimmt O-Töne auf. Die Print-Kollegen tippen schon fleißig in die Tasten. Hier ist gerade gelebte Cross-Multimedia-Stimmung.

Zum Schluss ein kleines Gespräch mit meinem Kollegen Herrn Spehr. Er im Büro in Frankfurt und ich überm Atlantik. Das war’s. Danke!

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