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Die Wahlnacht in New York

Ein historisches Ereignis. Einer der größten Wahlkämpfe in der Geschichte der Nation. Die Superlative überschlagen sich. Auch New York fiebert dem

J.M.

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21:45 Klar, dass auch Obamas Sieg in Pennsylvania lautstark gefeiert wird. Aber Nate Silver, der Superpollster, der jetzt natürlich auch die Nacht durch...

21:45 Klar, dass auch Obamas Sieg in Pennsylvania lautstark gefeiert wird. Aber Nate Silver, der Superpollster, der jetzt natürlich auch die Nacht durch bloggt, hat Interessantes zu Florida zu sagen: Dort haben die Non-Cuban-Hispanics in großer Mehrzahl für Obama gestimmt, im Gegensatz zu den Hispanics kubanischer Abstammung. Aber da die Zahl der hispanischen Nicht-Kubaner dramatisch zunimmt, könnten sie sogar den Ausschlag geben, dass Obama irgendwann Florida gewinnt. Aber garantiert nicht so bald….

 

21:22 Neuer Jubel bricht aus, als Ohio gezeigt wird: Obama 55  Prozent, Romney 44. Leider nur ein Zwischenergebnis. Aber das ist nicht leicht zu erkennen, wenn die immer dichter werdenden Gruppen vor den Screens entweder reden oder damit beschäftigt sind, zu twittern und die neuesten Neuigkeiten per Facebook zu erfahren. Nur CNN zu sehen, nur eine Website anzuklicken, nur ein einziges Gespräch zu führen – not cool, fer sure.

 

21:03 Jubelchöre brechen aus, als Obama New York und New Jersey gewinnt. Also doch nicht so überparteiisch, das Publikum?

 

Ziemlich abgebrühtes Publikum hier. Keiner kümmert sich um die neuen Ergebnisse und Prognosen. Alles viel zu früh, um irgendwelche Aufregung zu verursachen. Die Unterhaltung im Loft wird lauter, die Blicke wandern nur zwischendurch zu den Screens. Immerhin zwei bemerkenswerte Ergebnisse: Während die Mütter lieber Obama als Präsidenten sehen, wollen die amerikanischen Väter Romney – zu 55 gegen 43 Prozent. Und in der Altersgruppe über 65? Romney 57 Prozent, Obama 43 Prozent. Eine der jungen Damen, wie alle in vorschriftsmäßiges Downtown-schwarz gekleidet, schüttelt darauf verständnislos ihre sanft gestreiften Strähnen.

 

19:53, Downtown

Jetzt schweigt der Lautsprecher, eine Band spielt live auf – Klarinette, Posaune, Gitarre, Kontrabass, Schlagzeug. Die Musiker ausgesprochen hipsteresk, die Musik von Grund auf Retro-Jazz. Go figure. Und die Wahl? Das Publikum ist in lautstarke Gespräche vertieft, wenn es nicht zur Musik swingt. Aber die Bilder, die CNN vorüberschickt, sehen doch ganz vorteilhaft für Obama aus. Oder?

 

20:26, Downtown

Junger Mann, mitte zwanzig, Bierflasche in Hand (Paulaner – ehrlich!):Hab’s nicht so sehr mit der Politik, sagt er. Ist Biowissenschaftlier, in der Forschung tätig. Ein Freund hat ihn mit hierher gebracht. Also ist es ihm egal, wer Präsident wird? Are you kidding – Obama muss gewinnen! ruft er. Wenn Romney gewinnt, kann ich meinen Beruf aufgeben. Woher sollen dann die Gelder für die Forschung kommen?

 

20:56

Der Autor und Journalist Jacob Weisberg bringt die Musik zum Schweigen und erklärt den Sinn der Party: 1. Ist doch viel netter, nicht allein zu Twittern. 2. Ist doch viel interessanter, CNN ohne Ton anzuschauen. Und dann wünscht er uns, dass es ein später Abend wird, damit wir tüchtig feiern können, worauf er sich gleich verbessert: Zum Wohl des Landes sollte der Abend doch kürzer sein. Sieht aber nicht so aus

 

 

 

 


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