Washington Watch

Washington Watch

Der Amtsantritt des 44. amerikanischen Präsidenten ist mehr als ein Regierungswechsel. Der Einzug des Schwarzen Barack Obama und seiner Familie ins

Der Admiral in der Silbernen Kugel

Amerikanische Außenpolitik wird nicht nur vom State Department gemacht. Das Pentagon und seine Generäle und Admiräle spielen eine vielleicht genauso bedeutende Rolle als diplomatisch-militärische Emissäre der Vereinigten Staaten.

Es gibt Landkarten von der Welt, und es gibt amerikanische Landkarten von der Welt. Zum Verständnis der Vereinigten Staaten und ihres Platzes in der heutigen Welt ist ein Blick auf eine ganz besondere amerikanische Weltkarte erhellender als mancher Essay über das „Imperium Amerika“ und über dessen – je nach Geschmack – heilsame oder schädliche Rolle in Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Es handelt sich um die Karte der Regionalkommandos der amerikanischen Streitkräfte.

Bild zu: Der Admiral in der Silbernen Kugel

Von den sechs Regionalkommandos „Northern Command“ (USNORTHCOM), „Southern Command“ (USSOUTHCOM), „Pacific Command“ (USPACOM), „European Command“ (USEUCOM), „African Command“ (USAFRICOM) und „Central Command“ (USCENTCOM), neben denen es außerdem noch funktionale Kommandos wie jenes für Spezialoperationen, Strategie, Transport, integrierte Kriegsführung und bald auch für den Krieg im Cyberspace gibt, ist seit einigen Jahren am häufigsten vom Zentralkommando (Central Command) die Rede. Dabei ist es von größter Bedeutung zu verstehen, dass dieses Zentralkommando eben nicht zuständig ist für das „Zentrum“ der Vereinigten Staaten (wobei Alaska und Hawaii nicht mitgemessen werden), das bei dem Städtchen Lebanon in Kansas liegen soll, sowie für die Gebiete um dieses geographische Zentrum der zusammenhängenden 48 Staaten.

Bild zu: Der Admiral in der Silbernen Kugel

Sondern das Zentralkommando ist gleichsam zuständig für das Zentrum der Welt, wie sie sich von Amerika aus darstellt: Der Blick und der Zugriff des amerikanischen Militärs sind sozusagen von Natur aus global. Das „USCENTCOM“ ist also zuständig für den Nahen und Mittleren Osten – von Ägypten über die Arabische Halbinsel, den Irak und Iran, Afghanistan und Pakistan bis zu den zentralasiatischen Republiken und Kasachstan. Kommandeur des Zentralkommandos zu sein, heißt für eine geostrategische Schlüsselregion mit Kriegen und Krisen, dazu viel Öl und Gas sowie vielen Völkern und Sprachen zuständig zu sein.

Bild zu: Der Admiral in der Silbernen Kugel

Heeres-General David Petraeus, Chefstratege der Truppenaufstockung und des erfolgreichen Kampfes gegen Aufständische im Irak von Anfang 2007 an, gilt als einer der brilliantesten Köpfe der amerikanischen Streitkräfte. Nicht umsonst wurde er Ende Oktober 2008 zum Befehlshaber des Zentralkommandos ernannt – einer „rough neighborhood“, wie es im amerikanischen Militärjargon heißt.

Die anderen Regionalkommandos der amerikanischen Streitkräfte sind weniger „rauhe Nachbarschaften“, am ruhigsten geht es gewiss im Nordkommando (Northern Command) zu. Die Chefs der Regionalkommandos sind so etwas wie die höchsten regionalen Militärbotschafter in jenen Weltgegenden, für die sie zuständig sind. Und den Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, seit Oktober 2007 Admiral Michael Mullen, könnte man als den höchsten Globalgesandten der amerikanischen Streitkräfte bezeichnen.

Bild zu: Der Admiral in der Silbernen Kugel

Denn nicht nur das State Department, das amerikanische Außenministerium denkt und handelt global, sondern auch das Pentagon, das Verteidigungsministerium weiß sich für die ganze Welt zuständig – siehe die erhellende Karte mit den weltumspannenden Regionalkommandos.

Reisen des „Chairman of the Joint Chiefs of Staff“ (CJCS) sind wichtige außenpolitische Ereignisse. Derzeit ist Admiral Mullen wieder einmal auf Reisen, in Russland, Polen und Deutschland.

In den folgenden Tagen wird es auf „Washington Watch“ Mitteilungen von Mullens Aufenthalten und Gesprächen in Moskau, Warschau und Stuttgart geben. Zu Beginn nur ein Blick auf das Fluggerät des Admirals: eine vierstrahlige C-17 Frachtmaschine, in der es höllisch laut ist.

Bild zu: Der Admiral in der Silbernen Kugel

Nicht aber für den Admiral, dessen Frau Deborah sowie die Adjutanten der beiden. Sie verbringen den Flug (und zumal die Nächte) in einer gut gegen Schall abgedichteten Kabine, einer Art Campinganhänger mit kleinem Büro, Schlafzimmer und Bad, der im Pentagon-Jargon wegen seiner silbernen Farbe treffend „Silver Bullet“ heißt. Davor sind drei Reihen Flugzeugsitze montiert – für die Berater und höheren Offiziere.

Bild zu: Der Admiral in der Silbernen Kugel

Der Rest aber – auch ich – muss sich mit den Pritschenplätzen zufriedengeben. Was auf einem zehnstündigen Nachtflug vom Luftwaffenstützpunkt „Andrews“ bei Washington bis nach Moskau einige Virtuosität beim Finden einer einigermaßen bequemen Schlafposition erfordert. Immerhin, die Ohrstöpsel reduzieren das Dröhnen zu einem summenden Rauschen…

(Abbildungsnachweis: Karten Pentagon; Fotos Matthias Rüb)