What’s left

What’s left

Muss links sein, wer für eine gerechte und soziale Welt eintritt? Eine Debatte über neue Haltungen und alte Weltanschauungen.

Links, wo das Herz schlägt

| 33 Lesermeinungen

Wer in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts groß wurde, war links. Einige sind es heute immer noch, andere nicht mehr. Warum verändert man seine Weltanschauung? Und was sagen die Frauen dazu?

Wertenscheidungen haben stets etwas von einem religiösen Akt an sich: Man springt in sie hinein und probiert aus, ob es passt. Wir müssen nicht erst ins Theorieseminar des Lebens gehen, um herauszubekommen, was für ein Mensch wir sein wollten und welche Werte dazu gehören. Und anschließend beantragen wir dann unser linkes Mitgliedsbuch. Es läuft anders herum: Wir haben uns einfach ins linke Milieu hineinbegeben und den dortigen Wertehimmel mit übernommen.

“What’s left”: Rainer Hank erklärt unser neues Blog

Unserem Linkssein war nie eine bewusste Entscheidung vorangegangen, so, als wäre man einem Test ausgesetzt (oder einer Art gesellschaftspolitischem Wahlomat), wo man fünfzig Fragen beantworten müsste, um am Ende festzustellen, ob man politisch rechts, links oder liberal sei („grün“ gab es damals noch nicht). Dieses Linkssein brachte unsere Generation der in den fünfziger Jahren geborenen Deutschen schon von der Schule als eine Selbstverständlichkeit mit. Natürlich hatten wir die Achtundsechziger, die wir nicht waren, bewundert.

Rudi Dutschkes Gespräch auf einem Autodach in Freiburg mit Ralf Dahrendorf – emotional auf Seiten Dutschkes stehend – im Fernsehen verfolgt, natürlich waren wir immer irgendwie traurig, dass die Achtundsechziger die Pioniere waren, die wir nie einholen konnten. Aber als „Zaungäste“, um die Metapher von Reinhard Mohr zu nehmen, haben meine Schulfreunde und ich uns nicht gefühlt. Das wäre ja ganz und gar passiv gewesen. Wir wollten schon mitmachen. Vielleicht als Epigonen oder als „Flakhelfer“ der Achtundsechziger-Bewegung, wie Ulrich Raulff meint, was schon angemessener klingt, weil damit auch ein gewisser Wiederholungszyklus der Kriegsgeneration unserer Väter angesprochen wird. Die Flakhelfer waren ja ebenfalls mit Begeisterung losgezogen. Wir hatten es gerade noch geschafft, dabei zu sein, und waren darauf nicht nur stolz, sondern auch, wenn man so gebaut ist wie ich, ehrgeizig genug, bei den Älteren Anerkennung zu suchen. Würde man uns heute als „Mitläufer” denunzieren, die damals schon von Mitläufern rekrutiert wurden, wäre das nicht ganz falsch. Aber es würde mich doch auch ein wenig kränken, weil im Nachhinein neue Mitläufer gerne über frühere Mitläufer herfallen.

Links zu sein, wäre so gesehen immer auch der Eintritt in eine Glaubensgemeinschaft. Das war mir durch meine Prägung in der katholischen Kirche nicht fremd. Christ wird man ja auch nicht durch einen Akt der Entscheidung, auch wenn die Taufe das so darstellt. Den Willensakt übernehmen die Paten und die Eltern, während der unmündige Täufling schläft, quiekt und alles über sich ergehen lässt. Und wenn er aufwacht, findet er sich als Mitglied der Gemeinde vor. Der amerikanische Religionsphilosoph William James spricht vom „Will to believe“, dem Sprung in den Glauben. Das Leben folgt dem lateinischen Spruch: primum vivere, deinde philosophari. Erst kommt das Leben, dann kann man sich dran machen, es zu verstehen. Man lebt nach vorne und versteht – hoffentlich – im Blick zurück einiges davon. Begännen wir mit der Reflexion, kämen wir nie zum Leben, ähnlich jenem Tausendfüßler, der anfing, seine Beine zu zählen und immer auf der Stelle trat.

Wer einmal in der Glaubensgemeinschaft drin ist, kommt schwer wieder raus

Das hat Konsequenzen. Man kommt zwar leicht in die Glaubensgemeinschaft hinein, aber nur schwer wieder aus ihr raus. Genau dieses aber wissen wir beim Eintritt noch nicht, der sich ja im Raum vorreflexiver Willenstendenzen ereignet. Da sind wir mit dem Gedanken an den Eintritt beschäftigt; es wäre widersinnig, an Austritt zu denken, wenn wir uns gerade erst mit der Haltung, den Pflichten und Belohnungen des Eintritts innerlich herumschlagen. Die Zugehörigkeit schafft Bindung und verlangt Loyalität. Zum Dank gibt es jene Wärme, die sich die Gemeinschaft ins alternative Programm geschrieben hat. Man spricht eine gemeinsame Sprache, teilt gemeinsame Überzeugungen, hat gemeinsame Gegner, bewundert die tonangebenden Peers. Kurzum: Der Zustand der Zugehörigkeit erscheint gewiss nicht wie das Paradies, kommt aber doch in einer gewissen Endgültigkeit daher. Fortan heißt die Devise, frei nach Rudolf Augstein: „Im Zweifel links“.

Diese Bindung und Zugehörigkeit macht den Austritt schwer. Wer sich irgendwann dazu entscheidet, die Glaubensgemeinschaft zu verlassen, muss sich angesichts seiner „Entbindung“ den Vorwurf der Illoyalität gefallen lassen, um das Mindeste zu sagen. Und zwar nicht nur vor und von den anderen, sondern, meist noch viel schmerzhafter, von und vor sich selbst. Diese strenge Gewissensprüfung akzeptiert die Rechtfertigung nicht, man sei beim Eintritt in das Wertemilieu ja noch jung gewesen, habe die moralische oder philosophische Implikation seiner vorreflexiven Willensentscheidung noch gar nicht übersehen, habe im tätigen Ausprobieren des linken Lebensentwurfes gemerkt, dass er doch nicht zu einem passe, dass man sich in der Zwischenzeit weiterentwickelt habe, man gereift sei und so weiter. All diese Begründungen, die um Zustimmung zum Austritt betteln, werden einem als billige Rationalisierungen um die Ohren gehauen: Glaube ja nicht, dass sie dein schlechtes Gewissen erleichtern könnten, auch wenn du dir das davon erhoffst! Martin Walser nannte im Rückblick seine radikal-linke Zeit „die zweite religiöse Erfahrung seines Lebens nach dem Katholizismus“.

Warum verlässt einer seine Werteüberzeugungen, wenn sie ihm doch bisher Orientierung und Halt im Leben gegeben haben? Und da es beileibe nicht nur um kognitive Haltungen geht, sondern um ganzheitliche Lebensformen, die eine irgendwie geartete Zugehörigkeit zu einer Gemeinde voraussetzen, macht das den Austritt noch schwieriger. Aber, so viel ist schon klar, allemal wird der Übergang, die Passage, mit einer Krise verbunden sein.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem neuen Buch "Links, wo das Herz schlägt" von Rainer Hank.Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem neuen Buch “Links, wo das Herz schlägt” von Rainer Hank.

Ich kann die Frage freilich auch ganz anders stellen: Woher kommt eigentlich dieses so erstaunlich festsitzende schlechte Gewissen, das den Abschied vom alten Glauben begleitet? Woher die Haftkräfte an eine Prägung, die doch verdammt lang her ist und je länger je deutlicher ihre Täuschungen, intellektuellen Schwachstellen und Verzerrungen nicht verbergen konnte? Woher die ganze Seelenpein, die mit dem Beginn des autonomen Denkens verbunden war? Es ist ja offenbar nicht so einfach, die biographische Entwicklung als normalen Reifungsprozess zu erzählen, der mich aus der Welt der romantischen Mythologie der wärmenden linken Herzen in die reale Welt geführt hat, die kalt nur denen erscheint, die bis heute ihre romantische Behaglichkeit nicht aufgeben wollen.

So geht doch Erwachsenwerden, oder? Wer mit zwanzig nicht links ist, hat kein Herz. Wer es mit vierzig immer noch ist, hat keinen Verstand. Aber muss der Vierzigjährige deshalb auch – wie im Märchen von Wilhelm Hauff – auch ein steinernes Herz in sich tragen? Ist die gewissensgebissene Reaktion nicht mindestens so erstaunlich, die von mir verlangt, ständig dem alten Umfeld beweisen zu wollen, kein anderer geworden zu sein, immer noch an den Idealen der Gerechtigkeit festzuhalten – nur jetzt im neuen theoretischen Gewand der liberalen Tradition? Merkwürdig.

Was sagt Anna dazu?

Vielleicht helfen die Frauen weiter. Ich fahre zu Anna nach Stuttgart. Mit Anna und ihrem heutigen Freund Thomas (sie kannten sich schon in der Tübinger WG vor vierzig Jahren, sind seit zwanzig Jahren ein Paar, leben an unterschiedlichen Orten in Deutschland, nennen sich liebevoll „I Sposi“, die Verlobten) verbindet mich eine langjährige Bekanntschaft. Thomas ist ein alter treuer Freund, der Kontakt ist in all den Jahren nie abgebrochen. Thomas hat sich nie zu meiner Werte-Wende geäußert. Ich weiß im Grunde nicht, was er dazu denkt. Einerseits ist ihm das Politische wohl heute nicht mehr so wichtig wie damals. Gleichwohl bin ich mir sicher, würde er meine heutige Weltanschauung auf keinen Fall teilen, hat aber keine große Lust auf den Konflikt (hatte er noch nie). Er nimmt zur Kenntnis, was ich denke und schreibe. Aber er schweigt.

Bei Anna ist das anders. Für Anna bin ich seit Jahren, politisch intellektuell gesehen, ein permanentes Ärgernis. Kaum sind wir zusammen, eröffnet sie eine mich konfrontierende Debatte, die rasch in eine Art höflicher Streiterei ausartet. Dass ich den Markt völlig überschätze, ja überhöhe, findet sie. Dass der Staat durchaus seine Berechtigung habe als Ausdruck des Bürgerwillens und der politischen Gestaltung und dass ich dafür keinen Blick habe. Sie findet, der Konsum und das Materialistische stünden heute überall im Vordergrund, und dass man es damit übertreibe, wenn der Konsum zum Lebenszweck werde. Das sei in den siebziger Jahren anders gewesen.

Für sie sei auffallend, sagt Anna, dass in den Siebzigern und unter den damals Linken die intellektuelle Auseinandersetzung, die Meinungen, Ideen, Ideologien, Ansichten wichtiger waren als die materiellen Dinge, während es heute umgekehrt sei. Es gibt nur wenig Interesse an Diskussionen und kritischen Betrachtungen, dafür spielen die materiellen Güter eine große Rolle. „Dass ich auch gerne konsumiere, etwas kaufe, kann ich nicht abstreiten.“ Wenn Menschen ganz auf „Konsumenten“, Verbraucher oder Nutzer reduziert würden, bekomme es etwas Passives, Abbauendes, Zerstörendes, Kopfloses.

Anna ist ein, zwei Jahre älter als ich, Biochemikerin. Interessant, dass sie, die sie ein „materialistisches“ Studienfach gewählt hat, sich doch mit großem bohrendem Ernst zum „Geistigen“ hingezogen fühlte. Sie habe Biochemie studiert, weil sie in der damaligen Zeit, in der alles kritisch werden musste, alles bei theoretischer Betrachtung ins Wanken geraten sei, keine Orientierung, keinen Halt oder Wertmaßstab finden konnte. „Wonach sollte ich urteilen, werten?“, fragt sie. Damals schien ihr der Rückgriff auf etwas „Materielles“, auf Substanz, die vielleicht leichter zu verstehen ist, ein Ausweg. Zu wissen, wie der Geist funktioniert, wie das menschliche Gehirn tickt, hätte vielleicht helfen können, war die Hoffnung. Das habe sich natürlich schnell als Trugschluss gezeigt.

“Es ging uns gegen das Geldorientierte”

In Tübingen damals in den Wohngemeinschaften habe ich Anna nicht wahrgenommen. Aber über ein paar Ecken ist der Kontakt in all den Jahren immer geblieben. Anna war links, was bei Naturwissenschaftlern weniger selbstverständlich war.

„Es ging uns damals gegen das Geldorientierte, Gewinnorientierte, den Konsum. Es ging uns um den Geist. Jeder von uns wollte Forscher und Wissenschaftler werden. Das Schlimmste, was uns beruflich hätte passieren können, wäre Pharmavertreter gewesen.“ Pharmavertreterin ist sie deshalb natürlich nicht geworden. Forscherin wollte sie auch nicht werden. Es kam die Zeit ihrer Ehe, es kam eine Tochter. Seit vielen Jahren arbeitet sie nun schon als Lektorin bei einem Stuttgarter Verlag. Ein paar Jahre war sie im Betriebsrat, hat familienfreundliche Arbeitszeitmodelle verhandelt. Ab und zu lässt sie sich auch in einer politischen Gruppe blicken, die konkrete kommunale Arbeit macht, wo man aber auch über die Gefahren diskutiert, die vom Freihandelsabkommen TTIP ausgehen.

An einem ruhigen Spätsommertag besuche ich Anna in ihrer schönen Dreizimmerwohnung in einem Hinterhaus im Stuttgarter Osten. Früher war das ein Arbeiterbezirk. In den achtziger Jahren sind dann Jüngere dorthin gezogen, haben das Viertel aufgefrischt. Gentrifiziert wurde diese Gegend nie, anders als der Stuttgarter Süden und Westen. Anna hat die Wohnung irgendwann gekauft. Sie wird hier nicht weggehen wollen, auch wenn sie bald pensioniert wird und dann mit ihrem Partner zusammenziehen könnte. Es gibt Käse aus dem Ökoladen. „Das Kritische war damals links“, sagt sie, „ich habe das übernommen. Es war gewissermaßen das Milieu, in das ich hineingewachsen war und das mir auch sympathisch, nah war.“ Richtig aktiv sei sie nicht gewesen, „dazu war ich zu zweifelnd, unsicher.“ Die Anführer, Männer, habe sie bewundert, ein wenig, aber vor allem sich gewundert, wie man sich so sicher sein könne. „Wenn ich mir vorstelle, dass ich in der Nazizeit aufgewachsen wäre, hätte es Kraft gekostet, nicht mitzumachen.“ Ein bisschen erschrecken wir beide bei diesen Sätzen, nehmen sie dann aber nicht zurück.

Nein, natürlich war es nicht „alternativlos“, in den siebziger Jahren ein Linker zu werden. Aber man muss sich doch zuerst irgendwo geistig einrichten, bevor man es infrage stellt. Und die Alternativen, wo man sich auch hätte einrichten können, waren blass oder verbrannt. Es hätte jedenfalls gehörig Kraft gekostet, damals nicht links zu werden. Wir verübeln uns das auch gar nicht. Aber Anna verübelt mir die Wende zum Liberalen, meine heutige Weltsicht. Anna sagt, irgendwie sei sie heute immer noch links und dass ihr das auch wichtig sei.

Was bedeutet Linkssein heute?

Tags darauf schickt Anna mir eine Mail. Nach unserem Gespräch sei sie sich plötzlich auch nicht mehr so sicher gewesen, worin eigentlich ihr heutiges Linkssein bestünde. „Heute wird links ja stark sozial, im Sinne von helfend interpretiert“, schreibt sie, „Begriffe wie Selbstbestimmung, Emanzipation und so weiter spielen kaum noch eine Rolle. Na ja, es wäre noch einiges zu diskutieren.“

„Verräter.“ Stets höre ich in all den Debatten diesen Vorwurf. Bei Anna am stärksten. Bei Karin auch, einer Freundin aus der Berliner Szene. Der Vorwurf des Verrats kommt von den Frauen (andere Wendemänner berichten mir das auch). Darin schwingt mit: Opportunist, Karrierist. Was ist ein Verräter? Ein schwerer Vertrauensbruch. Brechts Galileo Galilei, ein Held, ist ein typischer intellektueller Verräter. Er verrät Wahrheit und Wissenschaft, wenn er sich aus Angst der päpstlichen Autorität beugt. Er ist darin, bei Brecht, Vorläufer jenes kommunistischen Helden, der zum Verräter wird, wenn er aus „materialistischen“ Motiven das utopische Ideal leugnet. Es sich bequem macht. Seine Überzeugungen hinter sich lässt.

„Mach halblang“, sagt Anna. Es geht auch drei Nummern kleiner. Verrat wäre ihr viel zu heroisch. „Verrat ist für mich schon gar keine Kategorie“, sagt sie. „Was du als Vorwurf von mir empfindest, geht im Grund von dir aus“, wirft sie mir entgegen. Es sei mein schlechtes Gewissen, mich vom Linkssein abgewandt zu haben, mit dem ich mich in die Rechtfertigungshaltung bringe.

Wer menschenfreundlich ist, darf kein Liberaler sein

Immer wieder kommt sie darauf, dass sich die Welt vom Idealistischen zum Materialistischen und Egoistischen hin entwickelt habe. Marken, Statussymbole, der schöne tätowierte Körper, all diese Äußerlichkeiten spielen aus ihrer Sicht heute eine viel zu bedeutende Rolle. „Wenn du nicht durchtrainiert bist, hast du keine Chance.“ Und dass ich den Egoismus auch noch gut finde, das kann sie nicht verstehen. „Für mich gab es immer schon einen Widerspruch zwischen deiner Art – menschenfreundlich, zuvorkommend, zugewandt, von der ich glaube, dass sie deine grundsätzliche Haltung ausdrückt – und deiner politischen Meinung, die mir, grob gesagt, eher berechnend, egoistisch, eben nicht menschenfreundlich erscheint.“

Da haben wir es! Annas Schmeicheleien („menschenfreundlich“) machen die Sache nur noch unerträglicher. Wer menschenfreundlich ist, der darf kein Liberaler sein. Es ist mir in all unseren vielen Gesprächen der vergangenen Jahre offenbar nicht gelungen, ihr gegenüber den menschenfreundlichen Kern des Liberalismus verständlich zu machen. Bei ihr ist die Sache umso schlimmer, weil sie mir im Prinzip gewogen ist. Das Urteil – egoistisch, berechnend – hält sich hartnäckig. Es ist mir auch nicht gelungen, das Menschlich-Allzumenschliche der Kosten-Nutzen-Wägung rüberzubringen: Nicht nur, dass wir, wenn wir ehrlich sind, alle ständig Kosten-Nutzenerwägungen („Denker der Alternativen“) anstellen – wie viel will ich „investieren“, mich einem neuen Partner zu nähern? Was bringt der Wechsel zu einer neuen Arbeitsstelle? Was gebe ich auf? Was soll überhaupt verwerflich daran sein, einander (auf dem Markt, in der Liebe) offen und ehrlich zu sagen, was man von einander erwartet, und nicht zu verschweigen, dass es einen Preis hat, wenn man sich aufeinander einlässt (auf dem Markt, in der Liebe)? Man lügt sich andernfalls doch in die Tasche. Gerade in der Liebe, erwidert Anna noch einmal, dürfe es kein Aufrechnen geben, das sei etwas Unbedingtes.


33 Lesermeinungen

  1. Hohlspiegel sagt:

    Lieber Herr Hank,
    ich kann ja verstehen, wenn Sie es als unangenehm empfinden aufgrund einer ganz normalen Entwicklung als Verräter beschimpft zu werden, aber Ihre Wahrnehmung und Schlussfolgerungen daraus möchte ich doch vom Kopf auf die Füße stellen.
    Ich (Jahrgang 1954) habe gelernt, dass man erst prüfen muss, bevor man sich entscheidet. Das habe ich im Laufe meiner Entwicklung immer wieder (zwangsläufig) getan und bin zu ganz anderen Ergebnissen gekommen als Sie. Ebenfalls streng katholisch erzogen habe ich mich früh gefragt, wie man zwar durch ein Sakrament in die Kirche aufgenommen wird aber gegen Zahlung einer Gebühr wie aus jedem Karnickel-zuchtverein wieder austreten kann. Die für mich zwingende Schlussfolgerung kam – uch aus anderen Gründen – im Laufe der Zeit nach und nach als Teil meiner persönlichen Entwicklung, nicht als Teil einer Weltanschauung. Ich bin aus der katholischen Kirche ausgetreten, habe aber den Glauben nicht aufgegeben. Das unterliegt sicherlich der Kritik, ist aber meine eigene Verantwortung.

    Was die 68er angeht, muss ich gestehen, dass mir viele dieser Leute suspekt waren und sind. Wer vor lauter Diskussion vergisst, seine Möglichkeiten zu nutzen, ist für mich keinesfalls ein Vorbild, sondern abschreckend. Es gibt sicherlich auch Ausnahmen, die aber an der grundsätzlichen Problematik der linken 68er nichts ändern. Diskutieren bis zum Abwinken, aber keine Lösungen bereitstellen. Schaut man genauer hin, haben die linken 68er mehr Probleme hinterlassen, als beseitigt. Und dass Gutes tun und helfen identisch mit Links ist, ist m.E. ein Ammenmärchen, erfunden von denselben Linken, die heute als Teil der großen Koalition Gesetze für Minderheiten machen (Frauenquote in Aufsichtsräten, Rente mit 63) und die es einen Dreck schert, dass sie damit dem übergroßen Teil der deutschen Bevölkerung nicht helfen. Ihre Freundin Anna ist ein gutes Beispiel für die oberflächliche Realitätswahrnehmung der Linken, damals wie heute. Keine persönliche Verpflichtung gegenüber irgendjemandem, aber natürlich eine Eigentumswohnung und außer hohlem Wortgeklingel keine Wirkung nach außen, um zu helfen. Da lobe ich mir doch die katholische Soziallehre, die von stockkonservativen Unternehmern im Rheinland ins Leben gerufen wurde. Da wurde zielorintiert diskutiert und gehandelt, nicht herumlamentiert auf der Basis von löblichen Absichten, die mangels eigener Bestimmung nie umgesetzt werden.
    Seien Sie mir bitte nicht böse, wenn ich Ihren gesamten Beitrag als weinerliche, linke Nabelschau bezeichnen muss. Da ist – wie so oft bei Linken – nichts Konkretes, keine Zielsetzung kein Abwägen der eigenen Möglichkeiten und also auch kein Erfolg für diejenigen, die wirklich der Hilfe bedürfen. Und vor allem fehlt das Bekenntnis zur Selbstverantwortung. Man wird ebensowenig zwangsläufig in irgendetwas hineingeboren, wie alle Menschen gleich sind. Aus den eigenen Möglichkeiten etwas zu machen, dabei aufmerksam nach links und nach rechts schauen und Selbstverantwortung leben, das fehlt mir in Ihren (linken?) Ausführungen total.

  2. ThorHa sagt:

    Ich war nie links, habe aber bis heute das Staunen darüber nicht verloren,
    wie man als intelligenter Mensch jene quasireligiöse Sicherheit vor sich hertragen kann, dass man (moralisch) auf der “richtigen” Seite steht, obwohl doch vom Ergebnis her radikale Linke an der Macht immer versagt haben, wenn es darum ging, Menschen besser als vorher zu stellen. Und das war schon der bestmögliche Ausgang …

    Und faszinierend fand und finde ich bis heute, in welchem Ausmass man sich über die allgemein menschliche wie die spezifisch eigene Natur täuschen kann. Das gibt es zwar auch im klassischen Bürgertum, aber nicht in dieser Intensität. Vielleicht gehört ja beides zusammen.

    Was ich nicht von Linken lernen musste, war die simple Beobachtung, dass die Grundbedingung erträglichen menschlichen Zusammenlebens war, ist und bleibt, dass möglichst viele (alle) in einer Gesellschaft ihre physischen Grundbedürfnisse befriedigen können. Das ist etwas, was entschieden Liberale bis Libertäre einfach missachten – ich halte z.B. Diebstahl und Raub bei Menschen, deren Existenz auf dem Spiel steht (wie bei den wirklich Armen der Dritten Welt), für nichts, was einer weiteren Rechtfertigung bedürfte.

    Erst kommt das Fressen, dann die Moral ist vor allem eines – eine empirisch gut bestätigte Beobachtung.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  3. webflash sagt:

    Ich bin 1951 in Meißen geboren,
    mithin in der DDR aufgewachsen und nicht eine Sekunde in meinem Leben links gewesen, denn ich habe die linke Praxis erlebt – insbesondere was es heisst, dass ausnahmslos alle Staatsbeamte sind.

  4. mariedt sagt:

    Warum verändert man seine Weltanschauung?
    Den Schlüssel…in Griechenland…das Orakel…Erkenne Dich…benutzen
    und Gott begegnen, wenn es ihm gefällt:=)

    MfG
    W.H.

  5. tjb1982 sagt:

    Was bedeutet Links sein für Sie, Herr Hank?
    Es scheint fast so, als litte Herr Hank unter Phantomschmerzen. Als wäre ihm damals ein Glied amputiert worden: Das Linkssein. Warum beschäftigt ihn der Vorwurf so sehr, ein Verräter zu sein? Nagen Zweifel an seiner Ideologie? Ist es Zeit für einen zweiten Wechsel der Weltanschauung?

    Wie ein Kommentator bereits feststellte, sind die Verheerungen, die der Neoliberalismus in Europa seit zwanzig Jahren in Europa verursacht hat, immens. Spätestens 2008 wurde auch vielen Wirtschaftsliberalen klar, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form an seine Grenzen gekommen war.

    Aber was bedeutet Linkssein eigentlich konkret? Was versteht Herr Hank darunter? Für mich heißt es: Der Markt, insbesondere der Finanzmarkt, wird vom Staat an der kurzen Leine gehalten. Das Primat der Politik gilt uneingeschränkt; eine “marktkonforme Demokratie” darf es nicht geben. Mindestlöhne sind eine Selbstverständlichkeit, die Gleichstellung von Mann und Frau wird vorangetrieben, Gehaltslücken zwischen den Geschlechtern werden gesetzlich unterbunden.

    Auf einer privateren Ebene bedeutet Linkssein: Bewusster Konsum, Fleischverzicht, Umweltschutz, Parteinahme für Minderheiten und – klassisch links – Denken in internationalen Zusammenhängen. Was meinen Sie, Herr Hank?

    • Bergblau sagt:

      Titel eingeben
      Herr Baur, was Sie hier aufführen, ist doch viel eher ein Abriss der Ideologie der Grünen. Was daran ist „links“? Die Lebensweise, die Sie führen – und die ich nicht kritisieren will, obwohl sie nicht die meine ist – können Sie letztlich nur führen, weil Sie dazu die entsprechenden Ressourcen verfügen, welche Sie jedoch nur haben, weil unsere Gesellschaft kapitalistisch und gewinnorientiert ist. Die finanziellen Kollateralschäden linker Umverteilung muss am Ende doch jemand bezahlen, dieses Geld kommt nicht von „Staat“, denn der hat originär gar kein Geld – alles was er hat, muss er vorher jemanden wegnehmen. Ohne dass vorher Gewinn erwirtschaften wird, den der Staat besteuert, hat er nichts zum Umverteilen. Vor allem hat er nie genug, also macht der (linke) Staat Schulden, er leiht sich Geld bei kommenden Generationen, um es schon im hier und jetzt zu verkonsumieren. So haben wir seit 1967 2 Billionen Euro Schulden aufgetürmt, die „weg“ sind – verkonsumiert. Nachhaltig davon war nichts, wie wir an der verrotteten Infrastruktur sehen können.
      Was mich bei Linken wie Ihnen stört und immer wieder fassungslos macht, ist nicht, dass sie Radfahren, vegan sind, für Multikulti und Zuwanderung, oder Pazifisten, sondern die Kaltschnäuzigkeit, mit der sie ignorieren, woher das Geld kommt, dass sie ausgeben wollen. Sie selbst verdienen es nicht, und wollen es auch gar nicht.

    • tjb1982 sagt:

      Lieber Herr Berggrün,
      die Frage ist eher, was an der Ideologie der Grünen *nicht* links ist? Zumindest in ihren Ursprüngen in den Achtzigerjahren bis weit in die Nullerjahre hinein vertraten die Grünen ur-linke Positionen, erweitert um die Umweltkomponente. Sehen Sie das anders?

      Natürlich hat der Staat originär kein Geld, das ist eine Binsenweisheit. Auch Unternehmen haben “originär” kein Geld. Sie profitieren von der Arbeit ihrer Mitarbeiter, denen ein angemessener Lohn zusteht. Was angemessen ist, entscheiden Gewerkschaften oder aber Politiker qua Gesetz. Die Legitimation dafür erhalten sie an der Wahlurne. So funktioniert Demokratie, und so funktionierte lange auch die soziale Marktwirtschaft, bis eine unsägliche Umverteilung begann, allerdings eine von unten nach oben (ja, auch diese Umverteilung gibt es).

      Wir sind eine Gemeinschaft und nicht, wie vor allem der angelsächsische Liberalismus uns vorgaukelt, eine Ansammlung von Individuen. Ja, es gibt Politiker, die Steuergelder verschwenden. Das ist schade, aber menschlich und betrifft rechte wie linke Politiker gleichermaßen. (Neo-)liberale wie Herr Hank oder Sie, falls Sie einer sind, könnten sich einmal die Frage stellen, woher *Ihre* Glaubensüberzeugung kommt, nämlich die Überzeugung, Liberalismus, freier Wettbewerb und Deregulierung seien das Maß aller Dinge (obwohl diese Überzeugungen doch gerade in letzter Zeit so bitterböse widerlegt wurden).

      Übrigens lebe ich weder vegan noch fahre ich Fahrrad. Mein Geld verdiene ich auch selbst – sorry, dass ich Ihr Klischeebild nicht erfülle. Wenn Sie mir unterstellen, ich wolle das Geld anderer ausgeben, unterstelle ich Ihnen, dass sie für Hungerlöhne und Ausbeutung sind – also für Umverteilung von unten nach oben.

      Freundliche Grüße,
      T.J.Baur

  6. Bergblau sagt:

    Woher alles begann
    Wer über das Linkssein/werden der Nachkriegsdeutschen (sagen wir genauer Westdeutschen, denn um die geht es erkennbar) redet, sollte beginnen, warum die Deutschen, die nach 1950 geboren wurden, denn links wurden.
    Lag es wirklich an der Adenauer-Zeit, ihrer Spießigkeit, ihrer Innerlichkeit, ihrem Unwillen, zurückzusehen? Ich halte das für vorgeschoben. Wer heute links ist, auch als Post-Babyboomer, der ist das nicht, weil Kohl regiert hat (den junge Grünlinke gar nicht mehr bewusst kennen).
    Ich sehe drei Gründe: 1. Alle Nachkriegslinken wuchsen in relativem (und rasch zunehmenden) Wohlstand auf, dem bereits in der 2. Hälfte der 1950er etwas seltsam selbstverständliches anhaftete, für die, die Zeit von 1940 bis 1949 nicht bewusst erlebt hatten. Schon damals wurde der Grundstein gelegt für die Transformation der Linken nach dem Krieg, dass nicht mehr die Selbstertüchtigung des Proletariats, sondern die fordernde Umverteilung eines als natürlich und nicht mehr zu erarbeitenden Wohlstandes linkes Bewusstsein manifestierte.
    2. Die Mehrheit der Jugend. Wer nach 1980 geboren ist, lebt als Junger, und das mit jedem Jahrgang mehr, in einer Altengesellschaft, in der Junge sich häufig wie im Exil auf einem fremden Planeten vorkommen –sie sind einfach überall in der Minderheit und irgendwie zu spät dran. Die in den 50er und 60er Jahren geborenen sind ganz anders aufgewachsen. Ich gehöre dazu: In meiner Jugend war jede Straße, jede!, schwarz vor Kindern. Ich konnte jederzeit nach der Schule auf die Straße gehen, ich hatte – immer – Spielkameraden. Einzelkinder waren unbekannt. Wir waren jung, wir waren die Mehrheit und die Jugend ist nun mal arrogant, und kennt kein gestern. Niemand, der heute als Kind aufwächst, kann sich das vorstellen, weil es das nirgendwo mehr gibt, auch nicht im Prenzlauer Berg, und es hat unser Bewusstsein geformt. Die Vorwürfe an die Nazigeneration – so hätte sie die marginalisierte Einzelkindgeneration von heute, mit ihren fahrradfahrenden Helikoptereltern, nie erheben können. Wir konnten das. Wir waren eine Dampfwalze. Mein Sohn, in den 90ern geboren? Einsam in der Straße. Damit er mit anderen Kindern spielen konnte, musste ich ihn mit dem Auto (!) zu anderen Kindern fahren. Alles Einzelkinder. Mitten in Berlin! Sie sind brav, diese Kinder. Das Smartphone und das Selfie sind ihr Rettungsanker.
    3. Auch die Nazis waren links. Häh? werden viele rufen. Natürlich. Umverteilung, Wir vor dem ich, Antiamerikanismus, Antizionismus – das alles bekamen die 68er und post 68er von Eltern mit (und Lehrern!) die noch bei Nazis sozialisiert waren. In der DDR sowieso. Am Ende stand die RAF, und ich behaupte hier: Wären die 25 Jahre früher geboren gewesen, wären diese Verrückten vermutlich bei den SS-Einsatzgruppen in Russland dabei gewesen. So kamen sie halt zur Rote Armee Fraktion. Ich schlage diese Brücke bewusst., Denkt mal drüber nach, liebe Altlinke.

    Damit fing es an. Am Ende sind nun alle links. Sogar die CDU. Aber war die wirklich jemals rechts?

  7. Carcasson sagt:

    Herr, bewahre uns vor den Utopisten!
    Ich gebe es zu,ich habe mich nie als Linken gesehen.Somit habe ich anscheinend per naturem kein Herz.Aber dafür hoffentlich umso mehr Verstand.Und dieser ist es auch der kreischend im Kreis herum läuft,wenn von links,rechts und den dazugehörigen Attributen geredet oder geschrieben wird.Nicolas Gomez Davila,ein kolumbianischer Philosoph und selbsternannter Reaktionär,bezeichnete den Sozialismus-das Linkssein- als die Ideologie der fremden Schuld.Die ganze Rhetorik der Sozialisten,sei in erster Linie eine Kritik an anderen und ihren Systemen.Sie selber sind natürlich bar jeglicher Schuld (Gerne verweise ich hier auf 120Mio Tote,Gleichschaltung, Gefangenenlager, herumballernde Revolutionäre und Überwachung der absoluten Extraklasse).So,von einem politisch halbwegs interessierten Bürger dieses oder irgendeines anderen Staates,verlange ich, dass er bevor er von Rechten und Linken schwafelt, sich A) kundig macht in welchem historischen Kontext dieses Schema entstanden ist und welche Eigenarten den einzelnen Gruppierungen zugestanden wird die sich unter diesen Standarten getummelt haben. B) Das er zu unterscheiden lernt zwischen wirtschaftlichen und gesellschaftlich-kulturellen Zusammenhängen. C)Das er sich klarmacht, dass Schemen wie dieses dazu aufrufen ganze Menschengruppen aufgrund Weltanschauung und gesellschaftlicher Ansichten zu verunglimpfen.

    Zu A)
    Ich denke,dass besonders hinsichtlich der Rechten heute massiver Etikettenschwindel betrieben wird.Ich verweise auf den Ursprung des Schemas.Die französische Nationalversammlung des späten 18.Jahrhunderts.Hier saßen in parlamentarischer Aufstellung ganz links Mischpoken wie die Jakobiner,die ohne Rücksicht auf Verluste weg wollten von den alten Werten,die eine neue Welt, eine neue “Ordnung” anstrebten.In der Mitte saßen die Girondisten, Gemäßigte die zwar eine neue Ordnung errichten wollten, allerdings ohne dabei gewisse althergebrachte Traditionen über Bord zu werfen. Rechts saßen Aristokraten und Monarchisten, die sich grundsätzlich gegen die Überwerfung der alten Werte aussprachen.Der zu vordererst angemerkte Etikettenschwindel ist,wie ich finde,das große große Ärgernis der momentanen Berichterstattung in allen großen Medien und darüber hinaus auch der Umgang der Politik mit gewissen Kreisen.In Deutschland wird rechts automatisch assoziiert mit den NationalSOZIALISTEN,den sogenannten Nazis, die in Deutschland 12 Jahre lang das Sagen hatten und somit ein Hundertstel der deutschen Geschichte repräsentieren aber nach wie vor so präsent sind als hätte es hier bis 1945 nichts anderes gegeben.Genau wie der Rotsozialismus ist der Nationalsozialismus ein Massenphänomen wie es die prämoderne Geschichte nicht kannte. Beide appellieren an niedrige menschliche Impulse und prophezeien ein Paradies auf Erden,solange man sich nur strikt an die aberwitzigen Grundsätze Ihrer Ideologien hält.Auffällig ist hier auch der intensive Gebrauch von Feindbildern.Sei es der Jude im einen oder der Kapitalist im anderen Fall.
    Quizfrage: Ist ein Mensch mit grundsätzlich traditionellen Ansichten,ich denke jetzt bewusst nicht an einen bayrischen Katholiken, sondern viel lieber an, sagen wir, einen mongolischen Stammenhäuptling, aufgrund seiner Opposition zur Homoehe, natürlichen Xenophobie,Durchsetzung härterer Strafen und Auslebung seiner Religion, egal wie missionarisch diese ist, in Nähe zu bringen mit einem klassischen Nazi, samt seiner hanebüchenen Rassenlehre? Natürlich nicht…
    Das passiert hier in leicht abgeänderter Form jeden Tag.Denken Sie mal drüber nach.

    zu B)
    Ich bin von der Sozialen Marktwirtschaft überzeugt, verabscheue die Auswüchse des Kapitalismus, bin ein Feind der vorgezeichneten Oberflächlichkeit. Trotzdem traditioneller Katholik mit schweren Dünkeln am Individualismus,gegen die Homoehe und stark zweifelnd an der Abtreibungspraxis. Was bin ich nun? Ein Nazi, Menschenhasser und offen für alle anderen Schweinerein? Differenzieren bitte. Das ist heute wichtiger denn je.

    zu C)
    Ich werfe gewissen zur Machtausübung befugten Kreisen vor, ein komplett falsches Bild von Situationen zu zeichnen, um so Unliebsame am Vorwärtskommen zu hindern. Siehe AFD ;) Ist das Demokratie?
    Ich hoffe nicht…

  8. martialarts sagt:

    Links ist, für die Schwachen der Gesellschaft Verantwortung zu tragen
    Eine Gesellschaft ist nur so gut, wie die Schwächsten in ihr leben. Man könnte auch sagen, wie frei sie sind. Paläste sind nicht erstaunlich, sie gibt es überall. Wie geht man mit Außenseitern um, Armen, Kranken, Witwen und Waisen, mit Rebellen und jenen, die die Strömungen von morgen vorfühlen? Alles andere ist egal. Ideologie ist der Luxus, auf der richtigen Seite zu sein – erbärmlich. Was ich stets als Markenzeichen des Linken empfand, stelle ich seit Franziskus fest, ist auch konservatives Kulturgut, für einen Atheisten wie mich überraschend genug. Ich fürchte auf breite Massen wartet die Hölle.

    • Werlauer sagt:

      Der Unterschied zwischen Links und konservativ
      Während der Linke den Schwachen helfen will, indem er den Reichen etwas wegnimmt, ist der Konservative aus dem Verein, dem Franziskus vorsteht, angehalten selbst karitativ tätig zu werden: Er soll seinen eigenen Wohlstand aufgeben oder sich zumindest nicht daran festklammern und die Schwachen unterstützen.

      Die jeweils eingenommenen Perspektiven unterscheiden sich entscheidendend.

  9. Schlamp sagt:

    Vorzüge des Älterwerdens
    Die im Text genannte Anna ist zu bedauern. Sie erscheint mir dogmatisch erstarrt, ja totalitär zu sein. Einer der Vorzüge des Älterwerdens ist es, frühere Meinungen und Einstellungen revidieren zu können – wenn man sich das Interesse an neuem Wissen erhalten und sich nicht in alten Gewissheiten eingerichtet hat. Mir geht das vor allem in der Neueren Geschichte so. Es gibt neue Erkenntnisse und Sichtweisen zu strittigen alten Themen.
    Wir haben Fritz Fischers Thesen zur Schuld der Deutschen am Ersten Weltkrieg geglaubt, dem dürftigen Beleg einer Kriegszielplanung während des Krieges.
    Wir haben Ho Chi Minh zugejubelt, ohne daran Anstoß zu nehmen, dass er südvietnamesische Bürgermeister köpfen und Dorfbewohner bei lebendigem Leib begraben ließ. Gegen die GIs schickte er Kindersoldaten los. Dass Millionen Südvietnamesen übers Meer flohen anstatt die Herrschaft der Kommunisten zu begrüßen, hat uns nicht nachdenklich gemacht. In Vietnam selbst wird der Krieg heute sehr viel kritischer gesehen als bei uns.

    Mir tun inzwischen Menschen leid, die diesen Vorzug des Älterwerdens nicht wahrnehmen können und gebetsmühlenhaft für alles Elend auf der Welt die USA, die NATO, den israelischen Geheimdienst, den Faschismus oder den Kapitalismus haftbar machen.

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