Das letzte Wort

Das letzte Wort

Die Welt ist voller Paragraphen und Aktenzeichen. Hendrik Wieduwilt und Corinna Budras blicken auf Urteile und Ereignisse im Wirtschaftsrecht.

Überflüssige Advokaten

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Es ist geschafft: Die Marke von 150 000 Advokaten in Deutschland ist geknackt. Zum 1. Januar 2009 registrierte die Bundesrechtsanwaltskammer hierzulande exakt 150.375 zugelassene Rechtsanwälte, 3.464 mehr als im vergangenen Jahr. Doch Grund zum Jubeln scheint es für die Kammer nicht zu geben, jedenfalls schenkte sie bei der Verleihung der Zulassungsurkunde an Nummer 150.000 keinen Champagner aus. Wahrscheinlich gab es noch nicht einmal einen Blumenstrauß.

Es ist geschafft: Die Marke von 150 000 Advokaten in Deutschland ist geknackt. Zum 1. Januar 2009 registrierte die Bundesrechtsanwaltskammer hierzulande exakt 150.375 zugelassene Rechtsanwälte, 3.464 mehr als im vergangenen Jahr. Doch Grund zum Jubeln scheint es für die Kammer nicht zu geben, jedenfalls schenkte sie bei der Verleihung der Zulassungsurkunde an Nummer 150.000 keinen Champagner aus. Wahrscheinlich gab es noch nicht einmal einen Blumenstrauß.

„Dem starken Anstieg der Anwaltschaft zur Jahrtausendwende scheint ein Ende gesetzt zu sein,“ schreibt Kammerpräsident Axel Filges in der jährlichen Pressemitteilung zu den Zulassungszahlen. Dabei klingt unterschwellig ein Stoßseufzer der Erleichterung mit. Schon seit Jahren scheint man in der Anwaltschaft froh über jeden zu sein, der nicht Anwalt wird. Denn Konkurrenz belebt zwar das Geschäft, aber zuviel davon tut das genaue Gegenteil. Das Resultat dieser Anwaltschwemme sind Advokaten, die früh am Morgen Zeitungen austragen, um sich ein Zubrot zu verdienen.

Schön wäre, wenn von dem Überangebot wenigstens die Verbraucher profitieren würden: Eine breite Auswahl eifriger Anwälte, stets bemüht, den Kunden zufrieden zu stellen, Kanzleien, die sich mit innovativen Konzepten im Wettbewerb behaupten. Diese Musterexemplare gab es schon immer, es gibt sie auch noch heute.  Aber der Überfluss führt keineswegs zu idealen Zuständen für den ratsuchenden Verbraucher. Ein ausführliches Rechtsgespräch mit dem Mandanten, in dem der Anwalt einmal Schritt für Schritt alles auch für Nichtjuristen erklärt? Sollte eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber nicht immer. Eine übersichtliche Rechnung, bei der jeder Kunde weiß, welche Leistung er überhaupt bezahlen soll? Schön wär’s.

Statt dessen hört man immer wieder von Anwälten, die ihrem eigenen Klienten den Wunsch nach einem erneuten Beratungstermin oder auch nur einem Rückruf abschlagen, weil das Mandat nicht lukrativ genug ist. Eine solch arrogante Schnellabfertigung ist zwar effektiv, hat aber nichts mehr mit dem Selbstverständnis dieses Berufs als „Organ der Rechtspflege“ zu tun. Das mag die Anwaltschaft als Einzelfälle einer nicht-repräsentativen Umfrage abtun. Kann sein. Doch solche „Horrorgeschichten“ prägen das öffentliche Bild eines ganzen Berufsstandes und schrecken die ohnehin schon zögerliche Kundschaft ab. In Zeiten, in denen es Advokaten in Überfluss gibt, werden solche Exemplare schnell überflüssig.         

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2 Lesermeinungen

  1. Diese Juristenschwemme ist ein...
    Diese Juristenschwemme ist ein besorgniserregender Zustand. Die Jubiläumszulassung ist wirklich kein Anaß, dieses Ereignis von einem Auserwählten mit Sekt oder gar Blumen feiern zu lassen. Welche Blumen sollten es wohl sein, wenn das Ereignis sich mit einem ungewissen Blick in die Zukunft verbindet? Das Veilchen oder die Primel, die Blumen der Bescheidenheit, tragen nicht dazu bei, einen auf Erfolg Hoffenden aufzubauen. Es gilt jedoch für alle Berufsgruppen: Es gibt überall Erfolgreiche und Erfolglose. Der Blick ist beim Start immer auf die erste Personengruppe gerichtet. Allen Müttern und Lebenspartnern wird hier die lohnende Aufgabe der Starthilfe in jeder Form zuteil. Und am Anfang wird jeder Auftrag angenommen, ist ja klar, s. auch Alter Ego v. 8.3.09.
    Elvira Plaza

  2. <p>Tja und nun? Studieren...
    Tja und nun? Studieren deshalb weniger Abiturienten Jura? Wohl kaum. Wenn dann noch ein NC für’s Lehramt eingeführt wird, werden die nicht naturwissenschaftlich interessierten 4,0er auch noch alle in die Rechtswissenschaften drängen. Die Frage ist also, warum nicht schon bisher auf der Zulassungsseite von den Universitäten und dieser komischen zentralen Zulassungsbehörde reagiert worden ist.

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