Das letzte Wort

Überflüssige Advokaten

Es ist geschafft: Die Marke von 150 000 Advokaten in Deutschland ist geknackt. Zum 1. Januar 2009 registrierte die Bundesrechtsanwaltskammer hierzulande exakt 150.375 zugelassene Rechtsanwälte, 3.464 mehr als im vergangenen Jahr. Doch Grund zum Jubeln scheint es für die Kammer nicht zu geben, jedenfalls schenkte sie bei der Verleihung der Zulassungsurkunde an Nummer 150.000 keinen Champagner aus. Wahrscheinlich gab es noch nicht einmal einen Blumenstrauß.

“Dem starken Anstieg der Anwaltschaft zur Jahrtausendwende scheint ein Ende gesetzt zu sein,” schreibt Kammerpräsident Axel Filges in der jährlichen Pressemitteilung zu den Zulassungszahlen. Dabei klingt unterschwellig ein Stoßseufzer der Erleichterung mit. Schon seit Jahren scheint man in der Anwaltschaft froh über jeden zu sein, der nicht Anwalt wird. Denn Konkurrenz belebt zwar das Geschäft, aber zuviel davon tut das genaue Gegenteil. Das Resultat dieser Anwaltschwemme sind Advokaten, die früh am Morgen Zeitungen austragen, um sich ein Zubrot zu verdienen.

Schön wäre, wenn von dem Überangebot wenigstens die Verbraucher profitieren würden: Eine breite Auswahl eifriger Anwälte, stets bemüht, den Kunden zufrieden zu stellen, Kanzleien, die sich mit innovativen Konzepten im Wettbewerb behaupten. Diese Musterexemplare gab es schon immer, es gibt sie auch noch heute.  Aber der Überfluss führt keineswegs zu idealen Zuständen für den ratsuchenden Verbraucher. Ein ausführliches Rechtsgespräch mit dem Mandanten, in dem der Anwalt einmal Schritt für Schritt alles auch für Nichtjuristen erklärt? Sollte eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber nicht immer. Eine übersichtliche Rechnung, bei der jeder Kunde weiß, welche Leistung er überhaupt bezahlen soll? Schön wär’s.

Statt dessen hört man immer wieder von Anwälten, die ihrem eigenen Klienten den Wunsch nach einem erneuten Beratungstermin oder auch nur einem Rückruf abschlagen, weil das Mandat nicht lukrativ genug ist. Eine solch arrogante Schnellabfertigung ist zwar effektiv, hat aber nichts mehr mit dem Selbstverständnis dieses Berufs als “Organ der Rechtspflege” zu tun. Das mag die Anwaltschaft als Einzelfälle einer nicht-repräsentativen Umfrage abtun. Kann sein. Doch solche “Horrorgeschichten” prägen das öffentliche Bild eines ganzen Berufsstandes und schrecken die ohnehin schon zögerliche Kundschaft ab. In Zeiten, in denen es Advokaten in Überfluss gibt, werden solche Exemplare schnell überflüssig.         

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