Das letzte Wort

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Die Welt ist voller Paragraphen und Aktenzeichen. Hendrik Wieduwilt und Corinna Budras blicken auf Urteile und Ereignisse im Wirtschaftsrecht.

Schönes Juristenleben: Ein Stipendium fürs Nichtstun

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Jura-Absolventen, gibt es etwas schöneres, als für viel Geld bei einer großen Wirtschaftskanzlei zu arbeiten? Die Antwort ist denkbar einfach: Für viel Geld n i c h t bei einer großen Wirtschaftskanzlei zu arbeiten. Dieses unwiderstehliche Angebot kommt natürlich aus den Vereinigten Staaten, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Jura-Absolventen, gibt es etwas Schöneres, als für viel Geld bei einer großen Wirtschaftskanzlei zu arbeiten? Die Antwort ist denkbar einfach: Für viel Geld nicht bei einer großen Wirtschaftskanzlei zu arbeiten. Dieses unwiderstehliche Angebot kommt natürlich aus den Vereinigten Staaten, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wie das genau funktioniert, konnten Sie vergangenen Samstag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung lesen. Wir erinnern uns:

Wer sich schweren Herzens bereit erklärt, ein ganzes Jahr lang bis Oktober 2010 auf einen Vierzehn-Stunden-Arbeitstag zu verzichten, darf ein „Stipendium“ in Höhe von 75.000 Dollar nach Hause tragen – und damit machen, was er will: Eine Weltreise vielleicht, einen Meditationskurs oder auch – und das ist besonders gern gesehen – Pro-Bono-Arbeit für eine gemeinnützige Organisation.

Solche oder ähnliche Programme bietet inzwischen fast jede Kanzlei, die im amerikanischen Wirtschaftsrecht Rang und Namen hat: Latham & Watkins, WilmerHale, Mayer Brown, Shearman & Sterling oder White & Case. Der Grund liegt auf der Hand: die Wirtschaftskrise, was sonst?

Während für viele Menschen ein solches Stipendium zum Müßiggang ein Grund zum Jubeln ist, haben ehrgeizige Jura-Absolventen daran mitunter ganz schön zu knabbern. Die Eliteuniversität New York University (NYU) hat sich deshalb ein Herz gefasst und für ihre Schützlinge nun eine Jobmesse veranstaltet. Dort sollen diese Highpotentials mit gemeinnützigen Organisationen zusammen gebracht werden, die ihnen zu ihrem Gehalt die Arbeit liefern können. Immerhin müssen von den rund 500 NYU-Absolventen in diesem Jahr mindestens 140 damit rechnen, dass sie es sich erst im Herbst 2010 auf ihrem versprochenen Arbeitsplatz in einer Wirtschaftskanzlei gemütlich machen dürfen. 

Apropos NYU: Gerade erst hat die amerikanische Zeitschrift U.S.-News wieder ihr Ranking der amerikanischen Universitäten veröffentlicht, das jedes Jahr das Blut von Studenten, Professoren und künftigen Arbeitgebern in Wallungen versetzt. Unter den besten Jura-Fakultäten rangiert NYU übrigens auf Platz 5, hinter Yale, Harvard, Stanford und dem Erzrivalen Columbia.   

 


1 Lesermeinung

  1. Es gehört zu den...
    Es gehört zu den Rechtsprinzipien, zu respektieren, daß jemand nicht vor dem Richter klagt oder klagen will.
    Was hier zu beklagen ist, ist die oben sichtbare, leicht gängige Prinzipienlosigkeit, die jede Akzeptanz des Rechtswesen zu ruinieren geeignet ist. Scheinbar verstehen manche ihre Tätigkeit als einen besonderen Traum von Kuhhandel.

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