Das letzte Wort

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Die Welt ist voller Paragraphen und Aktenzeichen. Hendrik Wieduwilt und Corinna Budras blicken auf Urteile und Ereignisse im Wirtschaftsrecht.

Zum Schreiben verurteilt

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Es gibt viele gute Gründe, ein Buch zu schreiben: Leidenschaft, Aufarbeitung, Ehrgeiz oder simplen Mitteilungsdrang, die Hoffnung auf viel Geld, Ruhm und Anerkennung. Seit Anfang der Woche lässt sich noch ein neuer Grund hinzufügen: die richterliche Anordnung.

Es gibt viele gute Gründe, ein Buch zu schreiben: Leidenschaft, Aufarbeitung, Ehrgeiz oder simpler Mitteilungsdrang, die Hoffnung auf viel Geld, Ruhm und Anerkennung. Doch nun lässt sich noch ein neuer Grund hinzufügen: die richterliche Anordnung.

So geschehen im Fall Andrew Bodnar, einem ehemaligen Vizepräsidenten des Pharmaunternehmens Bristol-Myers Squibb. Der Manager hatte vor einem amerikanischen Gericht eingeräumt, gegenüber einer Bundesbehörde gelogen zu haben. Dabei hatte er versucht, eine wettbewerbswidrige Absprache mit einem Konkurrenten zu vertuschen.

Gewiss, das war unschön, und so mancher Richter hätte wohl auf der Woge der derzeit beliebten Managerschelte eine ordentliche Geldstrafe verhängt, vielleicht gepaart mit gemeinnütziger Arbeit. Möglich wäre gar eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten gewesen. Doch das war Richter Ricardo Urbina nicht genug. Neben einer bescheidenen Geldstrafe von 5000 Dollar verurteilte er Bodnar dazu, über seine Erfahrungen ein Buch zu schreiben – als Lehrstück für andere Managerkollegen.

Zwei Jahre hat der Schriftsteller wider Willen nun, um das Erlebte zu Papier zu bringen, viele Schreibblockaden kann er sich da nicht leisten. Offen ist dabei allerdings, was mit den Bucheinnahmen passiert, wenn sich dieser reale Wirtschaftskrimi als Bestseller entpuppt – und wer überhaupt dessen Wahrheitsgehalt überprüft. Nicht auszudenken, was sich Richter Urbina als Strafe überlegt, sollte der Angeklagte wieder einmal schummeln.     

 

 

 

   

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1 Lesermeinung

  1. Hallo Frau Budras,
    Da ich...

    Hallo Frau Budras,
    Da ich vermute, dass bereits nach der Urteilsverkündung die Verlage Herrn Andrew Bodnar die Bude eingerannt haben, würde ich mich gern als Käufer in eine Warteliste eintragen lassen. Ich hoffe, Sie können das vermitteln. Ein Buch über mögliche Kartellabsprachen – zur Anregung oder als Vermeidungsstrategie – findet sicher eine breite Leserschaft. Herr Bodnar hat offensichtlich freie Titelwahl. Die Einarbeitung des modernen Slogans „yes, we can“ wäre auch hier treffend, da er in jede Richtung zielen könnte, sollte jedoch vermieden werden. (Zurzeit nur positiv besetzt).
    Wenn diese Art der Rechtsprechung doch Schule machte! Ich wäre an einer Lebensbeichte der Anlageberater interessiert, die eine Bündelung von schlechten und guten Wertpapieren als Fonds ersonnen, mit einem wirkungsvollen Phantasienamen versehen haben („total return“ oder „give, what you have“), um sie Sparern und ahnungslosen Anlegern aufzuschwatzen. Eine vermögensvernichtende Wirkung wurde „billigend in Kauf genommen“. Das Geständnis einer kalkulierten Abzocke wäre ein Bestseller.
    Elvira Plaza

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