Das letzte Wort

Zum Schreiben verurteilt

Es gibt viele gute Gründe, ein Buch zu schreiben: Leidenschaft, Aufarbeitung, Ehrgeiz oder simpler Mitteilungsdrang, die Hoffnung auf viel Geld, Ruhm und Anerkennung. Doch nun lässt sich noch ein neuer Grund hinzufügen: die richterliche Anordnung.

So geschehen im Fall Andrew Bodnar, einem ehemaligen Vizepräsidenten des Pharmaunternehmens Bristol-Myers Squibb. Der Manager hatte vor einem amerikanischen Gericht eingeräumt, gegenüber einer Bundesbehörde gelogen zu haben. Dabei hatte er versucht, eine wettbewerbswidrige Absprache mit einem Konkurrenten zu vertuschen.

Gewiss, das war unschön, und so mancher Richter hätte wohl auf der Woge der derzeit beliebten Managerschelte eine ordentliche Geldstrafe verhängt, vielleicht gepaart mit gemeinnütziger Arbeit. Möglich wäre gar eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten gewesen. Doch das war Richter Ricardo Urbina nicht genug. Neben einer bescheidenen Geldstrafe von 5000 Dollar verurteilte er Bodnar dazu, über seine Erfahrungen ein Buch zu schreiben – als Lehrstück für andere Managerkollegen.

Zwei Jahre hat der Schriftsteller wider Willen nun, um das Erlebte zu Papier zu bringen, viele Schreibblockaden kann er sich da nicht leisten. Offen ist dabei allerdings, was mit den Bucheinnahmen passiert, wenn sich dieser reale Wirtschaftskrimi als Bestseller entpuppt – und wer überhaupt dessen Wahrheitsgehalt überprüft. Nicht auszudenken, was sich Richter Urbina als Strafe überlegt, sollte der Angeklagte wieder einmal schummeln.     

 

 

 

   

Die mobile Version verlassen