Das letzte Wort

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Die Welt ist voller Paragraphen und Aktenzeichen. Hendrik Wieduwilt und Corinna Budras blicken auf Urteile und Ereignisse im Wirtschaftsrecht.

Wann geht der Anlegerschutz zu weit?

| 5 Lesermeinungen

Anleger fühlen sich gestärkt: Das Landgericht Hamburg hat einem Opfer der Lehman-Pleite Schadensersatz zugesprochen. Doch ein Präzedenzfall ist das nicht - und wenn, dann kein guter.

Anleger fühlen sich gestärkt: Das Landgericht Hamburg hat einem Opfer der Lehman-Pleite Schadensersatz zugesprochen. Doch ein Präzedenzfall ist das nicht – und wenn, dann kein guter.

Die Auswirkungen dürfen nicht überschätzt werden. Jede Kammer oder jeder Einzelrichter am selben Landgericht kann anders entscheiden. Und jedes andere Landgericht erst recht, so wie neulich das Frankfurter Landgericht. Was Oberlandesgerichte und schließlich der Bundesgerichtshof dazu sagen werden, steht ohnehin noch in den Sternen. Dazu kommt: Ob wirklich ein Beratungsfehler vorliegt, stellt sich in jedem Einzelfall anders da. Und muss überdies bewiesen werden können.

Doch auch grundsätzlich ist der Richterspruch aus der Hansestadt bedenklich. Soll jetzt allen Ernstes jede Bank und Sparkasse ihren Kunden vorrechnen müssen, wieviel sie an einem von ihr verkauften Produkt verdient? Dass sie nicht selbstlos handelt, sollte jeder wissen, der nicht völlig blauäugig durchs Leben geht (und mit seinem eigenen Geld um sich wirft). genauso überzogen scheint die Vorstellung, Kreditinstitute hätten auch noch darauf hinweisen müssen, dass es für Zertifikate keine Einlagensicherung gibt: Ein bisschen Eigenverantwortung und Selbstrecherche darf man doch wohl von jedem Erwachsenen erwarten, bevor er sein erspartes fremden Menschen in die Hand drückt. Wenigstens haben die Hamburger Richter nicht auch noch das Argument aufgegriffen, der Kundenberater hätte auf die Möglichkeit hinweisen müssen, dass die Investmentbank pleite gehen könnte. Damit hat damals nun wirklich niemand gerechnet – weder in Deutschland noch in Amerika.

Überzogenen Anleger- und Verbraucherschutz müssen letztlich immer all jene Kunden bezahlen, die umsichtig handeln und sich schlau machen, bevor sie ihr Geld ausgeben. Statt auf überzogene Renditeversprechen oder fragwürdige Schnäppchen hereinzufallen. Das zeigt sich etwa beim neuen „Pfändungsschutzkonto“ oder Zusatzgebühren von Banken. Man darf gespannt sein, ob der Bundesgerichtshof diesem Trend Einhalt bietet oder ihn – wie jüngst (Az.: XI ZR 586/07; F.A.Z. vom 14. Mai, Seite 19) – sogar noch ausweitet. Sein Bankensenat hat jedenfalls gerade einen neuen Vorsitzenden bekommen.


5 Lesermeinungen

  1. <p>Der Artikel bläst...
    Der Artikel bläst faz-üblich wie immer mit dem selben Horn das Unschulds-vermutungs-Lied der Banker. Auch wenn noch soviele Nestbeschmutzer aus den Bankerreihen u.a. im Fernsehen immer mehr die Internas eines Drücker-Anlagengewerbes offenbaren. Das ihren für möglichst dumm gehaltenen Kunden insbesondere ab einem gewissen Rentennähe-Alter besonders gern die für die
    (Nicht)Berater-Bank provisionsträchtigsten undurchschaubar komplexen Anlage-
    kreationen aufs Auge drückt wie Versicherungsvertreter, die Versicherungen
    an Mann und Frau bringen, die diese nicht gebrauchen können.
    Nach dem Artikel-Autor – entsprechend seines letzten Pflichtverteidigungs-Satzes in seinem Artikel in der FAZ v. 1.7.2009 „Verdächtige Eintracht zwischen Anwälten und Strafverfolgern“ gilt dessen ganze „Verbraucherschutz“-Besorgnis
    den Besorgnissen der Manager-Gilde
    „angesichts der an den Rändern ausgefransten Tatbestände
    eigentlich immer mit einem Fuß im Gefängnis stehenden
    deutschen Manager“.
    Dass da einem die Tränen in Augen schießen müssen, dass das
    Sacktuch beim Abrocknen nur so triefen muss.
    Als wären diese ach die armen Opfer ihres besonders risikofreudigen Geschäftstanzes auf u.a. Siemens-Korruptions-Messers Schneide des
    angeblich für diese viel zu spitzfindigen deutschen Strafgesetzbuches.
    Das ihrer besonders wendig-umtriebigen (Doppel)Buchführung paranoid-querulatorisch anmutend buchstäblich entgegensteht.
    Dies ausgerechnet in der aktuellen Zeit, in der einem Kunden-Geld-Verbraucher Madoff in USA 150 Jahre Knast kaltschnäuzig für dessen Kaltschnäuzigkeit verordnet wird in einem und trotz einem kurzen Geständnis-Vereinbarungs-Prozess der amerikanischen Abartigkeit, der gerade mit einer deutschen
    Geständnis-Vereinbarungs-Kurz-Prozess-Novelle alle Zähne des Zypries-Papiertigers gezogen und durch ein Strafbewährungs-Voraussozialisierungs-
    Rabatt-Schaumstoffgebiss-System so saniert wurde, dass eine
    Resozialisierung nach Haftverbüßung für die Manager-Upper-Jammerlappen-
    Class völlig überflüssig machen wird zur Entlastung des Steuerzahlers
    u.a. für die gleichzeitige höhere Billigheimer-Haftentschädigungs-Belastung.
    Dass hierzulande für Fremd-Kapitalvernichtungen unter Vertrauensmissbrauch in u.a. zumverwinkelten und verhartzten Minimal-Geständnis-Kurz-Strafmaß-prozessen den Einbeinig-im-Gefängnis–Standpunkt-Managern mal das Malheur
    durch die Kuschel-Justiz passiert wäre, mit beiden Füßen im Gefängnis nur für ein paar Jährchen unter Zehn bewährungslos gefängnisbodenständig abgestellt worden zu sein, davon kann man weder in FAZ noch faz.net über die Jahre net ein einziges justizielles Erfolgserlebnis als für Verbraucher-Kapital-Anleger vertrauensbildende Maßnahme nachlesen.
    Stattdessen hört man in der FAZ nur noch den Jammerlappen-Choral
    zur Bejammerung der ach so armen Manager-Jammererei-Opfer-schicksale.
    MfG

  2. Lieber, sehr geehrter Leser,...
    Lieber, sehr geehrter Leser, der mir vorhin ein „P.S.“ geschickt hat:
    Da Sie nicht in den häufig hämischen Tonfall von Internet-Kommentaren verfallen sind, gibt mir Ihre Anmerkung durchaus zu denken. Demnächst will ich in unserer gedruckten Zeitung meine Meinung dazu ohnehin noch einmal ausführlicher und im bisher „gekannten Niveau“ darlegen. Vielleicht kann ich Sie dann wenigstens ein bisschen überzeugen.
    Ihren Kommentar veröffentliche ich natürlich, wie von Ihnen gewünscht, nicht. Und eine Mailadresse, um direkt zu antworten, habe ich ja nicht.

  3. <p>Den Artikel finde ich,...
    Den Artikel finde ich, gelinde gesagt, arrogant. Sie schreiben: „Soll jetzt allen Ernstes jede Bank und Sparkasse ihren Kunden vorrechnen müssen, wieviel sie an einem von ihr verkauften Produkt verdient?“ Grundsätzlich ja!
    Zumindest müsste der Anteil, den der Berater an Provisionen bekommt, unaufgefordert offen gelegt werden müssen. Denn wie soll sich denn der Kunde ein Bild machen, wenn er nicht weis, wie stark der ihn Beratende selbst am empfohlenen Produkt profitiert?
    @WenigMehr: Stimme Ihnen lauthals zu für Ihren informativen Beitrag. Empfehlenswert ist auch ein Blog-Beitrag vom 4. Mai auf foobrainscapital.wordpress.com zu eben dieser Thematik.

  4. <p>Befragungen der deutschen...
    Befragungen der deutschen Bevölkerung zum Thema Geldanlage haben – wenn ich mich recht erinnere – immer erschreckende Wissensdefizite offenbart. Es gibt in der Schule kein Fach „Geld“. Woher sollen die Bürger also vernünftige Kenntnisse haben? Sicher nicht von den Banken. Die haben doch in der Krise gerade bewiesen, dass sie ihre eigenen Produkte teilweise nicht verstehen.
    Ich hoffe, dass den Bürgern seit der Finanzkrise wenigstens etwas klarer geworden ist, dass Bankberater in aller erster Linie an ihrer eigenen Provision interessiert sind und nicht am Kundenwohl. Dafür können sie aber nichts, denn der Druck kommt von oben, aus den Vorstandsetagen. Die Bankberater haben interne Vorgaben zu gewünschten Umsatzhöhen, ganz egal, ob neue Produkte dem Kunden nutzen.
    Wer hat das nicht schon selbst erlebt? Das Telefon klingelt, der Bankberater ist dran, will über die Finanzkrise „informieren“ und zu Umschichtungen raten, Fonds A, der einem vor wenigen Monaten vom selben Berater empfohlen wurde, laufe offensichtlich nicht so gut wie Fonds B, man solle doch umschichten. Resultat: Ausgabeaufschlag (häufig 5% der Anlagesumme) fällt an und der Berater verdient eine dicke Provision. Kundennutzen: mehr als fraglich. Sicher ist nur, dass der neue Fonds mehr als 5% besser laufen müsste als der alte, um wenigstens die Umschichtungskosten zu erwirtschaften.
    Das nur als kleines Beispiel unter vielen denkbaren.
    Konsequenz: die meisten Bankberater sind zu Drückerkolonnen mutiert, die einem irgendetwas aufquatschen wollen bzw. müssen, um ihren eigenen Job und ihren eigenen Umsatz zu sichern.
    Solange diese Praxis so bleibt, kann der Anlegerschutz nicht hoch genug angesiedelt werden.
    Vielleicht gibt es ja irgendwann mal ein Schulfach „Geld“, in dem man z.B. lernt, dass gute Beratung nicht umsonst sein kann und dass man eben dafür bezahlen muss, eine Dienstleistung (hier: Finanzberatung) einzukaufen.
    Dann ändert sich die Kultur vielleicht mal von der Drückerkolonnen-Mentalität auf Provisionsbasis hin zu Stundenhonoraren für unabhängige Beratung, bei der jede Provision intern rückvergütet wird.
    Man muss sich eben einfach klarmachen, wie wenig Ahnung der Durchschnittsbürger von Geldanlage hat und wie skrupellos die Bankinstitute (aber auch entsprechende Vertriebe wie AWD, MLP usw usf.) dieses Defizit ausnutzen.
    Wenn Gerichte und Rechtsprechung hier hohe Beratungsstandards fordern: BRAVO!
    Langsam reicht es mit der Bürgerhaftung für Bankenfehler. Wir bringen die Steuern auf, um die Banken und Firmen in der Krise zu retten und dann haften die Banken nicht mal für Schlechtberatung?

  5. <p>Denken tut den meisten...
    Denken tut den meisten Menschen weh und ehrlich gesagt ist manche Anlageform nicht völlig einfach zu durchschauen. Heißt das jetzt im Umkehrschluss, dass nur Menschen, die verstehen was sie tun, am Markt Geld verdienen dürfen? Wozu hat man dann Berater, die auch noch bezahlt werden?
    Egal fast alle von uns haben so gehandelt, wie in dieser Geschichte hier:
    schwarzmarkt.blog.de/…/finanzjongleure-6290134

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