Das letzte Wort

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Die Welt ist voller Paragraphen und Aktenzeichen. Hendrik Wieduwilt und Corinna Budras blicken auf Urteile und Ereignisse im Wirtschaftsrecht.

Einfach gesagt

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Kommunikation ist manchmal schon schwer genug; über Kommunikation zu kommunizieren ist dagegen noch eine ganz andere Herausforderung. Umso interessanter war der Versuch des Deutschen Anwaltvereins, das Thema gar zum Motto eines ganzen Anwaltstages zu erheben.

Kommunikation ist manchmal schon schwer genug; über Kommunikation zu kommunizieren ist dagegen noch eine ganz andere Herausforderung. Umso interessanter war der Versuch des Deutschen Anwaltvereins, das Thema gar zum Motto eines ganzen Anwaltstages zu erheben. Die Worte „Kommunikation im Kampf ums Recht“ schwebten deshalb über dem 61. Deutschen Anwaltstag, der am Samstag zu Ende ging und rund 1200 Advokaten aus ganz Deutschland nach Aachen zog.

Dabei stand das größte deutsche Branchentreffen ausgerechnet in diesem Jahr unter dem Einfluss eines „Kommunikations-Gaus“, zumindest jedoch einer besonders unglücklichen Terminplanung. Während sich am Freitagvormittag die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger noch pflichtbewusst der versammelten Anwaltschaft stellte und eine Latte rechtspolitischer Forderungen des neuen DAV-Präsidenten Wolfgang Ewer in Empfang nahm, fehlten andere Vertreter der juristischen Prominenz gleich völlig: Die führenden Juristen Deutschlands mussten sich nämlich zwischen Aachen und der gleichzeitig stattfindenden Amtseinführung des neuen Bundesverfassungsgerichtspräsidenten Andreas Voßkuhle aufteilen. Grund dafür waren angeblich die überstrapazierten Terminkalender der Bundeskanzlerin und des Bundespräsidenten.

In der Anwaltschaft brodelte es zwar angesichts des wohl eher unabsichtlichen Affronts, doch Anwälte wären keine Anwälte, wenn sie nicht auch mit abgespeckter Gästeliste ihren Weg unbeirrt fortgehen würden. So gab es in diesem Jahr einige auch sehr praktische Fortbildungen über Honorarverhandlungen mit Mandanten, die richtige Rhetorik im „erbrechtlichen Mandat“ und „Klares Deutsch für Juristen“. Dass sich so viele Anwälte dem Erwerb dieser „soft skills“ hingegeben haben, ist ein gutes Zeichen. Viele Anwälte überfordern ihre Mandanten – und die Öffentlichkeit – mit einer gedrechselten Sprache, die schlicht nicht mehr verständlich ist.

Dabei steht die Anwaltschaft mit diesem Manko nicht alleine da: Wer sein Auto von der Werkstatt abholen muss oder einen Maler mit dem Tapezieren seiner Wände beauftragen will, merkt sehr schnell, dass das menschliche Gehirn wohl nicht dazu gemacht wurde, zu viel Fachwissen in Umgangssprache umzusetzen. Umso wichtiger ist es, dass die Anwälte gemerkt haben, dass es so nicht mehr weitergeht. Dabei können die Fortbildungskurse in der gelockerten Atmosphäre eines Anwaltstages nur der Anfang sein. Viel schwieriger ist es, sich jeden Tag an den Grundsatz zu halten: Einfaches Deutsch ist gutes Deutsch. Und gutes Deutsch bringt Mandanten. Bestimmt.


1 Lesermeinung

  1. Einfaches Deutsch ist gutes...
    Einfaches Deutsch ist gutes Deutsch. Und gutes Deutsch weckt Begehrlichkeiten: lieber eine „Latte Macchiato“ statt einer „Latte rechtspolitischer Forderungen“.

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