Das letzte Wort

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Die Welt ist voller Paragraphen und Aktenzeichen. Hendrik Wieduwilt und Corinna Budras blicken auf Urteile und Ereignisse im Wirtschaftsrecht.

Nichts gelernt

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Knapp elf Jahre Haft für den Anlagebetrüger Helmut Kiener sind kein Pappenstiel. Manche, die hierzulande einen Menschen umbringen, kommen billiger davon. Mal sehen, wie bald Kiener als „Freigänger" seine Tage wieder in schönerer Umgebung verleben darf.

Knapp elf Jahre Haft für den Anlagebetrüger Helmut Kiener sind kein Pappenstiel. Manche, die hierzulande einen Menschen umbringen, kommen billiger davon. Mal sehen, wie bald Kiener als „Freigänger“ seine Tage wieder in schönerer Umgebung verleben darf.

Kiener, den das Landgericht Würzburg jetzt nach monatelanger Verhandlung verurteilt hat, ist der größte Fall von Betrug an Kapitalanlegern, der in Deutschland vor dem Strafrichter gelandet ist. Der Gründer der Schwindelfirma Phoenix-Kapitaldienst starb bei einem Flugzeugabsturz, bevor er sich vor der Justiz verantworten musste.

Trotz der hohen Haftstrafe für Kiener ist es nicht irrational, dass sich der gelernte Psychologe – der sich selbst eine Persönlichkeitsstörung attestiert – nach der Urteilsverkündung bemerkenswert fröhlich zeigte. Denn Wirtschaftskriminelle wie der Frankfurter Baulöwe Jürgen Schneider und der „Flowtex“-Gründer Manfred Schmieder, der sich mit seinen Horizontal-Bohrmaschinen Kredite erschwindelte, bekamen zwar ebenfalls lange Haftstrafen aufgebrummt. Doch verblüffend schnell finden sich solche Täter im offenen Strafvollzug wieder – und verleben als „Freigänger“ ihre Arbeitstage beispielsweise am Schreibtisch eines alten Freundes in einer Villa mit Seeblick.

Aber auch hinter Gittern gibt es offenbar frappierende  Freiheiten: Im Februar verhandelte das Münchner Landgericht über einen Kriminellen, der während seiner mehrjährigen Haftstrafe eine neue Betrugsserie begonnen haben soll.

Ebenso erstaunlich ist, wie wenig selbst Großbanken aus diesen Fällen gelernt haben. Wie schon von Schneider und Schmieder ließen sie sich auch von Kiener wieder hereinlegen, wenngleich dessen Betrugsmodell vor allem auf private Investoren abzielte. Für Geldinstitute gilt offenbar dasselbe wie für Privatleute: Wenn besonders große Profite winken, frisst allzu oft die Gier das Hirn.


2 Lesermeinungen

  1. @Herr Jahn: Wieso frisst die...
    @Herr Jahn: Wieso frisst die Gier das Hirn? So lange es zehn Mal gut geht und nur einmal schlecht, ist doch die Logik dieser Herrschaften, dass sie durchaus Hirn haben. Zumal sie im Pfefferporsche ihre Kinder in die Privatschule schaukeln, zum Polospiel nach Kent jetten und sich überlegen, die 250-Quadratmetervilla über dem Tegernsee auszubauen. Und wenn es einmal schlecht läuft, haftet nicht die Bank, also nicht der Boni-gepolsterte Angestellte, sondern der Anteilseigner (unwahrscheinlich) oder die Allgemeinheit (wahrscheinlich, weil ‚alternativlos‘, hüstel). Der gierige, und von Ihnen als hirnlos apostrophierte Angestellte, bekommt im schlimmsten Fall tröstend die Schultern geklopft: ‚Na, beim nächsten Mal sprudelt es wieder!“

  2. wo ist der unterschied...
    wo ist der unterschied zwischen provisionsgeilen bankern, die lehmann-papiere
    unter das volk gebracht haben und kiener ?????

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