Das letzte Wort

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Die Welt ist voller Paragraphen und Aktenzeichen. Hendrik Wieduwilt und Corinna Budras blicken auf Urteile und Ereignisse im Wirtschaftsrecht.

Ein Fall von Litigation-PR?

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Folter, Martyrium, Guantanamo – die Vorwürfe gegen die Leitung der Essener Justizvollzugsanstalt werden immer schriller. Durch deren regelmäßige Kontrollen sollte der prominente Untersuchungshäftling Thomas Middelhoff aber nicht gepiesackt, sondern ein Selbstmord verhindert werden. Immerhin hatte ein Bruder von ihm Suizid begangen. Experten bezweifeln zudem, dass die Überwachung Middelhoff vier Wochen um den Schlaf gebracht hat. Das Düsseldorfer Ministerium versichert, nachts habe kein Wärter die Zelle betreten, sondern nur – wenngleich unter kurzem Einschalten des Lichts – viertelstündlich durch den Türspion geblickt.

Wie dem auch sei: Dass dies dazu geführt haben soll, dass bei ihm die extrem seltene Autoimmunerkrankung Chilblain Lupus ausgebrochen ist (oder sie zumindest verschlimmert hat), bleibt reine Spekulation von Middelhoffs Strafverteidigern. Das Oberlandesgericht Hamm hat darauf hingewiesen, dass niemand weiß, wie diese Krankheit entsteht. Womöglich war der Schock über die völlig unerwartete Verhaftung eine viel größere Belastung für den ehemaligen Top-Manager, der beträchtlichen Luxus gewöhnt war.

Vielleicht steckt hinter dem publizistischen Trommelfeuer die neue Methode der Litigation-PR: Wenn die Sachargumente nicht reichen, machen manche Anwälte öffentlichen Druck, damit ihre Kontrahenten nachgeben – sei dies die Strafjustiz oder ein Unternehmen, gegen das man klagt.

 


2 Lesermeinungen

  1. Chilblain Lupus - durch Lichtexposition?
    Beim seltenen Chilblain Lupus erythematodes (CHLE) tritt üblicherweise keine Photosensibilität auf. Damit unterscheidet er sich von den anderen Formen der Wolfskrankheit. Die kausale Argumentation seiner Anwälte wird damit vom medizinischen Standpunkt aus durchaus in Frage gestellt.
    Streß als Auslöser kommt dagegen sehr wohl in Frage (d.h. die abrupt veränderte Lebenssituation in der Gefangenschaft). – Der Lupus, obwohl selten, begegnet uns bei Personen der Zeitgeschichte in ganz unterschiedlichem Gewand: Der geschiedene Ehemann von Heidi Klum leidet am chronisch diskoiden Typ (CDLE), die verstorbene Kanzlergattin Hannelore Kohl mag unter der tumidus-Form (LET) gelitten haben, die mit extremer Photosensibilität einhergehen kann. Die Lupus-Prävalenz in Deutschland beträgt übrigens 37 pro 100.000 Einwohner, d.h. jeder 2703. Einwohner ist betroffen von der ein oder anderen Form dieses Chamäleons unter den Autoimmunerkrankungen. Die Universitätsklinik Essen war zur schnellen Diagnostik der Erkrankung im Fall Middelhoff offensichtlich eine hervorragende Adresse. Leider kann er sich durch noch so viele seiner wohl rechtzeitig beiseite geschafften Millionen seine Gesundheit nicht zurückkaufen. Die Krankheit bleibt seine Bürde. Lebenslang.

  2. Chilblain Lupus - durch Lichtexposition?
    Beim seltenen Chilblain Lupus erythematodes (CHLE) tritt üblicherweise keine Photosensibilität auf. Damit unterscheidet er sich von den anderen Lupusformen.
    Streß als Auslöser kommt dagegen sehr wohl in Frage.

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