Das letzte Wort

Das letzte Wort

Die Welt ist voller Paragraphen und Aktenzeichen. Hendrik Wieduwilt und Corinna Budras blicken auf Urteile und Ereignisse im Wirtschaftsrecht.

Der Staatsanwalt winkt

Im Middelhoff-Drama beginnt der nächste Akt: Das Amtsgericht hat den Insolvenzverwalter offiziell in sein Amt eingesetzt. Und der will sofort ernst machen mit dem, was seine ureigenste Aufgabe ist: Geld zusammenzufegen, um es anschließend zu gleichen Teilen unter den Gläubigern zu verteilen. Ein häufiges Mittel dazu ist die Anfechtung von Vermögensverschiebungen, die im finanziellen Krisenfall verboten sind, weil niemand übervorteilt werden darf.

Pikant ist, dass dies nicht nur die Familie des früheren Managers treffen kann, der er zum Beispiel sein Bielefelder Grundstück übertragen hat. Auch prominente Geschäftspartner könnten ins Visier geraten, wenn sie Zahlungen entgegengenommen haben, als Middelhoffs Insolvenz schon absehbar war – oder dann noch einen Gerichtsvollzieher in Marsch gesetzt haben. Ein solches Windhundrennen hat tatsächlich stattgefunden, wie die „Taschenpfändung“ seiner Armbanduhr während seines Strafprozesses im Gerichtsgebäude zeigt.

Mehr noch: All dies könnte sogar eine Straftat darstellen. Gegen Middelhoff wie auch gegen einzelne Forderungsinhaber wird offenbar schon ermittelt. Umso mehr sollten sich alle Beteiligten jetzt zusammenreißen und alsbald einen Insolvenzplan schmieden. Ein einvernehmlicher Schuldenschnitt ohne lange Gerichtsprozesse wäre die beste Lösung.