Das letzte Wort

Das letzte Wort

Die Welt ist voller Paragraphen und Aktenzeichen. Hendrik Wieduwilt und Corinna Budras blicken auf Urteile und Ereignisse im Wirtschaftsrecht.

Ohne Rechnung

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Die Gastronomie gilt als Hochburg der Steuerhinterziehung. Wenn der Kellner einen „Deckel“ schreibt, weiß niemand, ob er Speis und Trank hinterher in der Kasse berücksichtigt. Aber auch sonst sind die Computer auf der Theke leicht zu manipulieren: Im einfachen Fall wird die Eingabe als bloße „Trainingsmaßnahme“ deklariert und nicht ins Buchungsjournal aufgenommen. Noch professioneller geht es zu, wenn hinterher ein Teil der Umsätze storniert und der Rest mit einer manipulierten Software getreu den Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung durchgemischt wird.

Dass der Bundesfinanzhof die Möglichkeit des Fiskus eingeschränkt hat, einen statistischen Gegenbeweis zu führen, ist daher bedauerlich. Richtig ist allerdings, dass Zweifel nicht zu Lasten der redlichen Gastwirte gehen dürfen. Ein fälschungssicheres „Fahrtenbuch“ für Computerkassen würde auch nur begrenzt helfen.

In einem Rechtsstaat bleibt wohl nur eine Lösung: dass Finanzbeamte in jedem Einzelfall gründlich ermitteln, um Gauner zu überführen. Mit genügend Personal und dem nötigen Datenaustausch zwischen den Behörden lässt sich viel bewirken: Ein erfahrener Fahnder erkennt seine Kunden oft schon am Lebensstil.

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6 Lesermeinungen

  1. Pingback: #steuerlinks 31. KW | Steuerköpfe

  2. Interessante Analyse...
    …zu den Folgen des Urteils im „NWB-Experten-Blog“:

    http://nwb-experten-blog.de/?p=772

  3. Politisch Unkorrekt
    Es ist wohl nicht politisch korrekt in diesen unseligen Zeiten, daran zu erinnern, dass vor fünfundzwanzig Jahren Rechnungen und Quittungen in der Gastronomie noch von Hand geschrieben wurden und keiner wusste, was damit genau passiert. Trinkgeld musste auch nicht versteuert werden und der Chef konnte seine Mitarbeiter nach gemeinsamen Überstunden nich zum Essen einladen, ohne sofort mit dem Finanzamt in Konflikt zu kommen. Alles passe, der Steuerstaat braucht schließlich jeden Cent, um die allgemeine Wohlfahrt zu finanzieren. Von der Wiege bis zur Bahre.

    • Durchaus korrekt
      Den Hinweis finde ich keineswegs politisch unkorrekt. Und es stimmt zwar: Der deutsche Steuerstaat braucht jeden Cent. Aber leider auch, um Milliarden in Länder zu pumpen, in denen kaum jemand Steuern zahlt.

  4. Pingback: Bespitzelung statt Willkür? | Der letzte Biss

  5. Es gibt noch ganz andere "Hochburgen der Steuerhinterziehung"
    Während in der einen „Hochburg“ der Kellner einen Deckel über 30.-€ nicht in die Kasse tippt, lassen sich andere bereits erstattete Umsatzsteuer im Milliardenbereich doppelt erstatten. Im Übrigen nutzen heute nahezu alle großen Gastronomiebetriebe PC-Systeme, in denen jeder Umsatz exakt nachvollziehbar ist.

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