Das letzte Wort

Das letzte Wort

Die Welt ist voller Paragraphen und Aktenzeichen. Hendrik Wieduwilt und Corinna Budras blicken auf Urteile und Ereignisse im Wirtschaftsrecht.

Lieber einfach als (allzu) gerecht

Das heimische Arbeitszimmer und der Weg zur Arbeit sind bekanntlich das Steuersparmodell des „kleinen Mannes“. Steuerzahler und Steuerberater haben daher gehofft, dass der Bundesfinanzhof die Möglichkeit ausweitet, ein Heimbüro beim Fiskus abzusetzen.

Die Erwartung lag keineswegs fern: Zuvor hatten die obersten Steuerrichter auch schon das althergebrachte Prinzip gekippt, dass Aufwendungen nicht einmal anteilig als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend gemacht werden dürfen, wenn etwa eine Dienstreise mit Urlaubsfreuden verknüpft wird. Da schien es nur logisch, auch fürs häusliche Büro die Aufteilung in beruflich und privat zu gestatten.

Doch diesen Schritt mochten die Richter nun doch nicht gehen – wenn auch, wie man hört, nach langer Debatte in ihrem höchsten Beschlussgremium, dem Großen Senat. Verübeln kann man es ihnen nicht: Wer wann was in seinen eigenen vier Wänden und damit in seiner Privatsphäre tut, lässt sich kaum kontrollieren. Das Steuerrecht soll aber so einfach wie möglich sein, der Steuervollzug auch. Da muss die Einzelfallgerechtigkeit gelegentlich zurücktreten. Typisierung und Pauschalierung sind hier schließlich auch sonst gang und gäbe.