Wostkinder

Wostkinder

Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Ost und West.

Vom Verstehenwollen

| 27 Lesermeinungen

Montagsdemonstrationen, Putinversteher und die Medien als Gegenpart – in Deutschland ist eine festgefahrene Dichotomie entstanden. Die polare Weltsicht ist nicht hilfreich.

Mit der Krise in der Ukraine kam das Schimpfwort der „Putinversteher“ auf. Es sollte alle jene diskreditieren, die nicht auf die Linie der US-Regierung gegen Russland einschwenkten. Diese wollte, gemäß ihrem außenpolitischen Motto „Fuck the EU[1], eine bedingungslos harte Linie gegenüber Moskau fahren. Das sei die einzige Sprache, die der Iwan und Putin insbesondere verstehe. Im direkten Handeln, das die USA auch selbst betrifft, ist man nicht mehr ganz so wagemutig. Die bisher symbolischen Sanktionen bestätigen die harte Linie gegenüber Moskau jedenfalls nicht. Auf dem Höhepunkt der Krise verzichteten die USA gar, entgegen dem europäischen Drängen, darauf, Georgien näher an die NATO zu rücken. Dieser Schritt sei, so ließ man durchscheinen, auch eine Form der Rücksichtnahme auf Moskau. Es ist jetzt die EU, sicher auch durch die Entwicklung in der Ukraine motiviert, die sich wieder mehr um Georgien bemüht.

Der veränderte Umgang mit Georgien ist eines der Ereignisse, die uns die Breitenwirkung der Krise auf der Krim vor Augen führen. Es geht am Ende nicht um die Ukraine oder die Krim allein, sondern die gesamte Schlagrichtung der internationalen Politik wird sich den neuen Gegebenheiten anpassen müssen. Die Welt ist in Bewegung geraten, was erfahrungsgemäß Folgekonflikte mit sich bringen wird. Die Ost-Ukraine ist solch ein Folgekonflikt. Ebenso das verstärkte Bedürfnis der osteuropäischen Länder nach Schutz. Diesen verlangen sie von der NATO, was am Ende zu einer dauerhaft erhöhten Truppenpräsenz der USA in Europa führen könnte.

Diese Entwicklungen finden statt. Und zwar ohne große öffentliche Wahrnehmung. Erst wenn irgendwo ein Konflikt mit Toten und umfangreichen Demonstrationen ausbricht, wird das Thema allseitig behandelt. In Bezug auf die veränderte Sicherheitslage wäre genau jetzt der Zeitpunkt, eine öffentliche Debatte darüber zu führen, ob die europäischen Staaten, im Gewand der EU, nicht selbst mehr militärische Verantwortung übernehmen wollen. Allein aus machtpolitischen Erwägungen heraus kann man sich diesem Diskurs nicht verschließen. Eine verstärkte Militärpräsenz der USA in Europa wird es jedenfalls nicht erleichtern, sich der permanenten Überwachung durch ihre Geheimdienste zu entziehen.

All das, was es jetzt zu diskutieren gilt, findet in keinem nennenswerten Rahmen statt.

Kuznetsk Alatau 3Sonnenuntergang im Kusnezker Alatau, Sibirien
By Dmitry A. Mottl (photographer) & User:Tom_dl (File:Kuznetsk Alatau 2.jpg) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Stattdessen ist Deutschland zu einem verbalen Kampfgebiet ganz eigener Art geworden, das an Merkwürdigkeit kaum zu überbieten ist. Da schimpfen die einen über die „Putinversteher“ und die anderen sehen sich mit einer einseitigen Berichterstattung konfrontiert. Richtig ist, dass die „Mainstreammedien“ eine klare Linie haben. Dass diese Linie vermutlich auch daher rührt, dass diverse „Journalisten“ in Lobbygruppen und Vereinigungen der transatlantischen Freundesbünde tätig sind (das durften immerhin die Hofnarren berichten) liegt nahe.

Es lässt sich dahinter leicht eine Verschwörungstheorie kreieren. Die Realität ist aber weniger spannend. Schaut man sich das Alter der betreffenden Journalisten an, lässt sich leicht feststellen, dass sie im „Kalten Krieg“ sozialisiert wurden. Der Beitritt in diese „Gruppierungen“ ist also tatsächlich ein politisches Statement, doch aus einer anderen Zeit. Dass nun reflexhaft genau so berichtet wird, wie man es zu Zeiten des „Kalten Krieges“ erwartet hätte, braucht kaum Verwundern. Das grundsätzliche Denken darüber, wie „der Iwan“ funktioniert und wie er zu nehmen ist, wird sich bei jenen nicht mehr ändern, durch die Netzwerke verstärkt es sich nur und sie sind es, die Redaktionsmeinungen wesentlich prägen.

Autoren wie Ryszard Kapuściński haben das Bild von Russland in dieser Generation maßgeblich geprägt. Mit Büchern, die noch zu Zeiten der Wende ein Bild zeichneten, das „den Russen“ vor allem als gewaltvolles Wesen darstellt. Da brechen Strafgefangene aus dem Gulag aus und überreden politische Gefangene mit ihnen zu flüchten. Doch nicht etwa, um die politischen Sträflinge zu befreien, sondern um Sie als Nahrungsmittel mit auf den Weg zu nehmen. Der Russe stellt keine Fragen. Niemals. Und Antworten wagt er erst recht nicht zu geben. Augenfällig ist, dass in der Wahrnehmung die Stalin-Ära dominiert, die jedoch immer wieder mit der Neuzeit verknüpft wird. Ohne direkte Abgrenzung wird so das Bild von den Menschen verzerrt. Und nur zu gerne nimmt man dann auf, dass Putin doch ähnliche Anwandlungen habe. Autoritär ist er mindestens, potenziell ein Stalin. In jedem Fall ein Russe.

Was bei dieser Betrachtung, die sich leidlich bemüht die Seele einzufangen und das Wesen zu deuten, meist komplett fehlt, ist der Mensch und sein Alltag. Im Hauptteil seines Buches „Imperium – westliche Streifzüge“ stellt Kapuściński erst gen Ende[2] in aller Kürze eine kleine Szene dar, wie sie in den Büchern von Lena Gorelik dominert. Die Lebensfreude der Menschen. Die innige Bande der Familie. Das Kommunikative über den eigenen Sud hinaus. Da wird miteinander gesprochen. Ständig. Über Gott und die Welt. Über intimes. Gäste werden vorzüglich behandelt. Ein Fest wird geschmissen, sobald der Gast auch nur in der Ferne auftauchen könnte. Und dann wird er geteilt. Zeitlich, nicht körperlich. In der ganzen Familie. Jeder will teilhaben, ist freudig erregt. Gast- und Menschenfreundlich. Es ist diese fehlende Wahrnehmung der Menschen, die es Europa so schwer macht sich mit Russland zu verständigen. Man sieht nur die Politik, die Verwerfungen, das harte Leben. Nicht selten wird es psychologisiert.

Und so ist es auch kein Wunder, dass die Werke von Swetlana Alexijewitsch oder auch Viktor Pelewin in Deutschland mit einer konsequent westlichen Brille betrachtet werden. Da sieht und vermutet man den Russen, das Wesen „des Iwans“ und übersieht, dass nebst der Kritik an der eigenen Gesellschaft, auch sehr viel Kritik an dem transportiert wird, was der Westen so treibt und an dem, was der Westen nach Russland brachte.

Zwei Problemfelder

Wenn man das alles weiß und berücksichtigt, kann man mit der einseitigen Berichterstattung der Medien in Bezug auf Russland umgehen. Die verschiedenen Artikel vorsichtig lesen und filtern. Ärger ruft es dennoch hervor. Und es muss davon ausgegangen werden, dass die meisten Menschen sich nicht in der Tiefe damit befassen, wer was, aus welchem Grunde schreibt. Im Gegenteil, viele Menschen lesen nur und stellen fest, dass die Berichterstattung einseitig ist. Dadurch entsteht das, was seit dem Ausbruch der Krise in der Ukraine zu beobachten ist. Ein Scharmützel der Medienkonsumenten gegenüber einer medialen „Meinungsfront“.

Wir befinden uns zum Glück in einer Demokratie und Redefreiheit herrscht auch. Was im Büro aus Gründen des Arbeitsplatzerhaltes nicht gesagt werden darf, kippen die meisten dann einfach woanders hin. Es findet sich immer ein Örtchen. Wenn sich die Menschen von „den Medien“ getäuscht fühlen, dann wenden sie sich von den Mainstreammedien ab. Schlagworte wie „Tugendterror“ helfen ihnen dabei, das Unbehagen auszuformulieren. Das macht es leicht, damit zu beginnen sich alternative Informationsquellen zu suchen, die oftmals ebenso einseitig sind. Nämlich einfach nur dagegen und alles anzweifelnd. Einfach gestrickt, neigen sie den Verschwörungstheorien zu. Gewürzt mit scharfen Worten und harten Begriffen.

Tuerk15Agora in Hierapolis
By Hans Weingartz.Leonce49 at de.wikipedia [CC-BY-SA-2.0-de], from Wikimedia Commons

Auf der anderen Seite scheint aber auch bei den Journalisten etwas kaputt gegangen zu sein. Wenn man die Zeitung aufschlägt, und in einem Artikel, der nichts mit dem Thema Russland zu tun hat, sarkastisch formuliert liest, dass man „heutzutage ja alles verstehen müsse“, dann kann man den Frust zumindest erahnen. Auch wenn man dahinter keine böse Absicht vermutet, ist es realistisch anzunehmen, dass es immer wieder Phasen geben wird, in denen die Presse sich einig ist und dadurch als Bollwerk auf ihre Leser wirkt. Bei dem aktuellen Diskurs über amerikanische Internetfirmen herrscht zum Beispiel ebenfalls eine Einigkeit dieser Art. Nur in diesem Falle auch mit dem Leser, sodass sich höchstens die besprochenen Firmen beschweren.

Die Lösung kann jedoch nicht sein, was momentan geschieht. „Verstehen wollen“ wird seitens der Medien als etwas Negatives bezeichnet. Geriert sich als Vorwurf an all jene, die der vermeintlichen Wahrheit nicht huldigen mögen. Der Umkehrschluss bedeutet jedoch auch, dass die Leserinnen nicht mehr verstehen sollen, sondern glauben müssen. Zweifel schließt das automatisch aus und Journalismus bekommt religiöse Züge.

Es war Hannah Arendt, deren intellektuelle Grundlage war: „Ich will verstehen.“ Sie distanzierte sich damit von der Verurteilung des Hasses willen oder eines Weltbildes wegen und gewann dadurch Einblicke in die Hintergründe des Handelns der Menschen. In einer besseren Welt wäre das die Grundlage jeder Analyse. Davon sind wir jedoch weit weg. Für den Moment kann man nur Konsequenzen ziehen, wenn man denn etwas gelernt hat. Zum Beispiel könnten Redaktionen für den Fall, dass eine Meinungsfront auftritt, professionell genug agieren, und sie gezielt durchlöchern. Also im Sinne der Meinungsbildung ihren Aktivismus zurückstellen. Die Leser, die heutzutage ohnehin hemmungslos ihre Meinung kundtun, sind diesbezüglich ein guter Indikator.

Wie die Meinungsfronten, die zur Nutzung „alternativer Informationsquellen“ führen, zu einem Problem werden können, ergibt sich aus einer Studie von Walter Quattrociocchi. An der Northeastern University in Boston hat er das Phänomen der Verbreitung von Verschwörungstheorien untersucht. Ein Fazit in Kürze:

Überraschenderweise sind diejenigen, die alternative Nachrichten konsumieren, weil sie die „Massenmanipulation“ des Mainstreams umgehen wollen, für falsche Behauptungen am zugänglichsten.

Die Montagsdemonstrationen, auf denen sich momentan viele Menschen über die Meinungsgleichmacherei empören und die Systemmedien kritisieren, weisen hier den Weg. Der Prozess der alternativen Informationssuche, der sich mit dem Aufkommen des Internets vereinfacht hat, weitet sich aus. Er verfestigt sich. Dagegen zu wettern und diese wachsende Gruppierung als dumm zu beschimpfen oder sich über sie lustig zu machen wird nicht helfen. Ein Lösungsansatz wird sich nur in der Berichterstattung selbst finden. Denn der Sinn und Zweck, den Journalismus für diese Gesellschaft erfüllt, beschränkt sich nicht mehr auf die Information oder Desinformation. Auch nicht auf die Analyse und Hintergrundgeschichten. Journalismus erzeugt seinen größten Wert dann, wenn er in seiner Gesamtheit als pluralistisches Medium fungiert.

 


[1] Auch wenn die abgehörten Telefonate aus Propagandagründen veröffentlicht wurden, sind sie in vielerlei Hinsicht erhellend und werden viel zu wenig berücksichtigt. Dabei ist weniger das „Fuck the EU“ von Nuland beachtenswert, sondern vielmehr die Wortwahl und Prioritätensetzung von Helga Schmid.

[2] Ich möchte nicht verschweigen, dass es auch im 1. Teil von Kapuścińskis Werk eine Darstellung der Geselligkeit gibt. Darin dreht es sich um das Essen von (tierischen) Gehirnen und Augäpfeln zur Freundschaftsschließung. Betont wird der barbarische Akt, auch wenn Kapuściński versucht das nicht negativ zu werten.

 

 

Liebe Leserinnen,
Liebe Leser,

Sie können uns auf Twitter und App.net verfolgen. Auf Facebook liken oder die Wostkinder in Google+ Ihren Kreisen hinzufügen.


27 Lesermeinungen

  1. Lieber Herr Herack,
    die Debatte hier ist ja schon etwas vorbei, deswegen nur kurz: es mag für Redaktionen und Autoren verstörend sein, plötzlich so harsche Töne von der geschätzten Leserschaft hören zu müssen, aber glauben Sie mir, auch für den Leser ist es nicht einfach, sich anstatt des geschätzten Blatts, dessen Meinung man ja in vielen Punkten teilt und oft als lehrreich empfindet, einer medialen Einheitsfront gegenüber zu sehen, die virtuos auf der Klaviatur journalistischer und sprachlicher Möglichkeiten spielend, versucht, ihre im wesentlichen aus traditionellem Ost-West Denken resultierende pro- Kiew Sicht durchzusetzen.
    Wie Sie den Kommentarspalten entnehmen können, hat Russland und Putin derzeit hierzulande medial keine positive Option: alles wird wahlweise als Schwäche oder Aggression ausgelegt und vorsätzlich mißverstanden.

    Das mag an der jeweiligen Sozialisierung liegen, ob nun Putin- oder Kiew-Versteher, betrüblich ist doch aber, um damit den Bogen zu schlagen zum Thema des Blogs, daß im Jahr 25 der Einheit die Kommando-Posten der Redaktionen fest in transatlantischer Hand sind. Obwohl, wie man eben am Empörungssturm sieht, sich die Welt weiter gedreht hat.

  2. Journalisten-Vesteher
    Fairerweise müssten wir auch mal versuchen, die Journalisten zu verstehen.
    .
    Nehmen wir mal an, es würde alles so laufen wie die wollen und die Öffentlichkeit würde ihr Russland-bashing voll unterstützen.
    .
    Dann könnten auch die westlichen Regierungen und die NATO gegenüber Putin ganz anders auftreten und viel glaubwürdiger mit vielleicht doch ein wenig militärischen Optionen drohen. Und dann könnte sich das überlegene westliche System aus Demokratie+Rechtsstaat+Marktwirtschaft viel schneller in alle Winkel der Welt ausbreiten.
    .
    Vielleicht sind das ja junge Idealisten, die beim besten Wissen und Gewissen nicht verstehen, wie man so ein Projekt nicht unterstützen kann?

  3. Polarisierung ist (notwendiger) Teil der Politik
    Es geht ja nicht um Erkenntnis, sondern darum, politische Positionen durchzusetzen und Machtverhältnisse zu verändern. Polarisierende Propaganda ist da eine unverzichtbare Begleitmaßnahme.
    .
    Darum hat es auch keinen Sinn, der FAZ und der übrigen Qualitätspresse ins Gewissen reden zu wollen. Die sehen sich nun einmal als Mitkämpfer der westlichen Eliten (aus Politik, Wirtschaft, Militär und Geheimdienst), die ihr Ziel — den Kampf um die globale Hegemonie nicht einfach so aufgeben werden, nur weil es diesmal in der Ukraine eher dumm gelaufen ist. Die werden es wieder und wieder probieren.
    .
    Wenn es so weitergeht wie bisher, dann kommt es in den nächsten Jahrzehnten zum WK-3. Mittelfristig liegt die Chance in der Wiederherstellung eines stabilen Gleichgewichts. Langfristig kann die Lösung nur darin bestehen, dass der Westen seine eigene Agressivitiät von innen heraus überwindet. Man soll nicht voreilig sagen, das sei unmöglich.

  4. Die polare Weltsicht ist nicht nur nicht hilfreich sondern auch falsch
    Herr Herack und die Mehrheit der Medien übersehen eine der wesentlichen Grundursachen des derzeitigen Konfliktes um die Ukraine. Und dies ist die ausufernde Korruption und der omnipräsente Nepotismus in fast allen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Ein Herr Putin handelt vor allem ökonomisch mit dem Ziel, seinen eigenen persönlichen Wohlstand zu mehren beziehungsweise zu erhalten. Der Ukrainekonflikt kommt ihm in diesem Zusammenhang gerade recht. Geradezu Ironie der Geschichte ist in diesem Zusammenhang die Kritik an Ryszard Kapuściński in diesem Blogbeitrag. Gerade er hat als einer der ersten erkannt, wie zerfressen durch Korruption die Elite der Sowjetunion ist. Also bitte Kapuściński nochmals lessen, dann weitermachen!

    • nunja..
      weder war kapuściński einer der ersten die das erkannten.. wie sich in seinem werk auch nachlesen lässt und es die historische bildung lehrt, noch streitet irgendjemand die korruption ab. sie tut in diesem artikel nur nichts zur sache. da geht es um etwas anderes.

      und um dem misverständnis auch noch vorzubeugen: man kann kapuściński durchaus mit gewinn lesen. die absolute wahrheit verkündet er dennoch nicht.

      mfg
      mh

    • Nunja,
      Korruption ist nun nichts typisch sowjetisches sondern in der lieben weiten Welt eher die Regel. Afrika, Asien, Südamerika. Für ca. 2000 € kann man beispielsweise in Thailand seinen Namen aus der Lostrommel für den Wehrdienst entfernen lassen, was natürlich die Chancen der anderen erhöht. Und wer das Geld hat.., nun, für den ist das auch ein Vorteil.

  5. Toleranz von Gewalt und Unterdrückung ist intolerant!
    Wer die Menschenrechte über das Asylrecht hinaus einfordert und eben auch geneigt ist Gegner der Nato und nicht nur amerikanische Verbündete unter diesem Gesichtspunkt einzuordnen, der wird in diesem Land doch bestenfalls als Eurozentrist abqualifiziert. Ich habe gelernt, dass diese Sichtweise meiner Person zumeist mit einer antidemokratischen Haltung verbunden ist. Entweder sind es Mitläufer oder Radikale. Insofern sind sogenannte Putinversteher, die bei jeder Fehlentwicklung in der Ukraine sowohl den Störfaktor Russland als auch die Korruption, sowie die mangelnde Kompromisskultur des Landes außer acht lassen, selbst zu hinterfragen. Wer die Realität seinem schlichten Weltbild dergestalt anpasst, dass er zum Beispiel die Regierung der Ukraine pauschal mit Faschisten gleichsetzt, hat bereits die Eindimensionalität seines Denkens unter Beweis gestellt. Was ich ursprünglich an der Debatte in den Medien auszusetzen hatte, insbesondere bei vielen Kommentaren, ist die Schwarz-Weiss-Malerei. Diese geht dann meisst mit einseitiger Desinformation einher, welche sich in der Berichterstattung der letzten Wochen glücklicherweise verbessert hat. Was mich zwar nicht überrascht, aber „betroffen“ macht, ist die Kaltschnäuzigkeit mit der die Bewohner der Nato-Mitgliedländer im Bereich der russischen „Interessenssphäre“ dem Neoimperialismus putinscher Prägung ausgesetzt werden. Von den Menschenrechten der Bürger der Ukraine und Georgien mal ganz abgesehen. Wer jetzt noch meint, eine Stationierung von Natotruppen an der östlichen Flanke sei eine Provokation und müsse unterbleiben um Putin zu beschwichtigen, der hat die Logik der Macht nicht kapiert und hält den Natovertrag für ein wertloses Stück Papier. Es sind ja ausgerechnet die Kreise, welche die Verteidigungsunfähigkeit dieses Landes herbeiführten und amerikanische Rüstungsanstrengungen lauthals kritisierten, die jetzt vom „stärksten Verteidigungsbündnis“ dieser Welt reden. Tatsache ist jedoch, dass dieses Verteidigungsbündnis eben nicht zeitgerecht auf mögliche russische Angriffe angemessen reagieren kann. Darunter verstehe ich die Abwehr eines Angriffs in der Nähe der Landesgrenze. Sicher hat dieses Bündnis aus linksliberalem Mainstream und Wirtschaftsvertretern dafür gesorgt, dass berechtigte Interessen unserer östlichen Nachbarn in der Debatte zu kurz kommen. Die „Putinversteher“ können sich aus meiner Sicht nicht beklagen. Ein Ausgleich mit Russland ist notwendig. Wer jedoch in Bezug auf Russland Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln in Europa akzeptiert, der öffnet die Büchse der Pandora und nicht diejenigen, die diesem Treiben mit einer glaubwürdigen Abschreckung einhalt gebieten wollen. Toleranz von Gewalt und Unterdrückung ist intolerant!

  6. Kalte Krieger in den Gazetten - Zbigniew Brzezinski ueber westliche Medien.
    Wenn alte Journalisten auch noch anfangen ihre „Kalte-Krieg-Traumata“ dahingehend zu pflegen, indem sie IP-Adressen von Putinverstehern listen (Telepolis) und einen Teil der Leserschaft – mit Saetzen, die jeder Beschreibung spotten – oeffentlich abkanzeln, dann ist es Zeit fuer Veraenderung in den Redaktionen der Leitmedien.

    „We don’t need no education
    We dont need no thought control
    No dark sarcasm in the classroom.
    All in all it’s just another brick in the wall“

    Ein weitaus haesslicherer Umstand ist die delikate Nachrichtenauslese.
    Schoen ist der Artikelhinweis auf die Ausweglosigkeit des gepruegelten Lesers: Meinungsfronten fuehren also zur Nutzung von alternativen Informationsquellen, die jedoch in der Masse nichts anderes zu tun haben als den unbedarft gehaltenen Consumer hinterlistig mit Falschinformationen vollzustopfen, bis jener aufgepeppt und ungehemmt den enthemmten Journalisten Paroli bieten will.
    Sollen also auf Begehr die Darlegungen eines Paul Craig Roberts oder die entsetzlichen Enthuellungen seitens Seymour Hersh weiterhin ein Schattendasein fuehren? Das ist zynisch.
    Der Journalismus sollte sich auf saubere und vollstaendige Information konzentrieren.

    Folgende Worte Gorbatschows ueber die deutschen Leitmedien sind mir unvergesslich geblieben: tendenzioes und arrogant.
    Zbigniew Brzezinski´s Kritik ueber die westlichen Medien wurde folgendermassen dargelegt:
    „In den westlichen Medien würden sich heutzutage jedoch fast immer die Kriegstreiber durchsetzen und gemäßigte Stimmen kaum Gehör finden. Brzezinskis Kritik bezieht sich dabei keineswegs nur auf die Öffentlichkeit der USA, sondern auf die aller westlichen Länder. Denn auch in Europa wird die öffentliche Diskussion zunehmend von Feindbildern bestimmt, während die außenpolitischen Perspektiven anderer Staaten oft nur verzerrt oder gar nicht wiedergegeben werden. Dieses systematische Ausklammern argumentativer Zusammenhänge in unserer Presse gefährdet aus der Sicht Brzezinskis die nationale Sicherheit in mehrfacher Hinsicht. Zum einen kämen dadurch strategisch falsche Entscheidungen zustande. Und zum anderen werde die Einseitigkeit der westlichen Presse in anderen Ländern durchaus registriert. Die westliche Berichterstattung untergrabe auf diese Weise die Ausstrahlungskraft unserer Demokratie und würde so die sich bereits abzeichnende Isolation des Westens weiter verstärken.“

  7. So einfach nicht !!!
    Es hat ein Wandel stattgefunden indem die Hauptmedien Eliten conform geworden sind.

    Interessanter Weise sind gerade die die den Kalten Krieg nicht oder nur als Kinder erlebt haben die eifrigsten Vasallen dieser Eliten.

    Die Einsichten die WK 2 gebracht hat sind verschwunden und Militärische Mittel und Gewalt ersetzen mehr und mehr Diplomatie, dies wird von der Mehrheit der Medien unterstützt. Aber nur wenn es sich um die Gewalt des „Sogenannten Westens“ oder der „Internationalen Gemeinschaft handelt.

    Die Eliten und ihre Vasallen scheren sich einen Dreck um die Meinung des Mehrheits-Bürgers und wie jeder Aufstand aus meistens Berechtigten oder Teil-Brechtigten Gründen besteht die einfach ignoriert werden wird irgendwann die kritische Masse überschritten die dann zum Wechsel oder zur Gewalt führt.

    Wenn dann dazu die Ungerechtigkeiten der Eliten blatant ignoriert werden sollte man sich nicht wundern wenn der Unmut eskaliert.

    Die Medien versuchen natürlich, um ihrer Rolle als Vasallen gerecht zu werden, den Unmut in irgendwelche vorprogrammierte Richtungen zuzuteilen, wie Putin-Versteher oder Faschisten oder Nazis oder Anti-Semiten oder USA Feinde.

    Wenn die USA und die EU eine Volksbefragung strikt als illegal erklären weil sie nicht ihren Interessen entspricht und die Medien dies voll unterstützen, für alle zu sehen, kann das Morgen nicht gut sein.

  8. @Marco Herack
    Sehen Sie die Kommentare und die „Sternchen-Zahlen“?
    Die „Wechselwirkung“ mit/von unrundem Geist ist unrund, unbescheiden.
    Unrunder Geist produziert Krieg, in welcher Form auch immer.
    Intelligenz-Krieg vorzugsweise.
    Der Leser fordert, klagt ein, Murx, blöd, seicht…u.s.w.
    Rundes Bemühen und Bescheidenheit, Vernunftansatz, wird gnadenlos als Schwäche
    interpretiert und torpediert.
    Aber sich selber in die Realität begeben möchte auch keiner, Angst vor körperlicher Gewalt.
    Dann lieber vom Sessel aus Intelligenzgewalt, das ist „chic“, „en vogue“…zeitgemäß.
    Volle Bestätigung meiner Mensch-„Er“kenntnis.
    Armselige Gesellschaft, die Intelligenz-Gewalt-Bildung mit Vernunft-Bildung verwechselt,
    aber Emotionsbildung, die körperliche Gewalt-Bildung beinhalten kann, strikt als
    Unbildung verurteilt und sich auch noch dafür beklascht.
    Mit den Menschen MÜSSEN Sie rechnen, mit Vernunft KÖNNEN Sie rechnen.

    MfG
    P.S.

  9. Die Journalisten wurden im kalten Krieg sozialisiert, das erklärt es, meint man.
    Was alles unter „sozialisiert“ zu verstehen ist, wäre einen eigenen Artikel wert. Aber wer soll den schreiben, wo die „Sozialisierten“ ja das Sagen haben?
    Nachdenken sollte man imho darüber, ob die Journalisten, sozialisiert oder sonst was, sich die Zeitungen halten, um ihre Meinung zu verbreiten, oder die Zeitungen sich die Journalisten halten.

    • Auf die "Sozialisierung" der Journalisten kommt es gar nicht an
      Ja, die Sozialisierung der Schreiberlinge wird überschätzt.
      Die würden auch den Gegenstandpunkt vertreten, wenn das Angebot stimmt.
      Das ist genau wie bei Anwälten und Pressesprechern, die ja auch vom Berufsbild und Ausbildungsweg her gar nicht mehr von Journalisten zu trennen sind.
      .
      Das ist so typisch deutsche Demokratieromantik zu glauben, Zeitungen seien keine Privatunternehmen, sondern so eine Art öffentlich-rechtlich-moralische Instanz.

Kommentare sind deaktiviert.