Blogseminar

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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Auf der steilen Karriereleiter

| 6 Lesermeinungen

Durch Engagement in Initiativen wollen Studenten ihre Lebensläufe verbessern. Zu den großen Karrierenetzwerken gehören die studentischen Börsenvereine Deutschlands. Der größte findet sich in Mannheim.

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Imagefoto des „Arbeitskreises Börse – Studenten der Universität Mannheim e.V.“

Geschäftsmäßig präsentieren sich die Mitglieder des studentischen Börsenvereins auf ihrer Webseite. In blauen Anzügen und Krawatten blicken sie lächelnd in die Kamera. In einem Image-Film fliegt die Kamera über ihre Alma Mater, das Barockschloss der Universität Mannheim, in der nächsten Szene geben sich Studentinnen im Kostüm Küsschen vor der Kulisse eines Wolkenkratzers und ein Vertreter einer amerikanischen Bank spricht aus dem Off. Die Aussage der Studenten ist eindeutig: Wir sind Profis und wir werden Karriere machen.

Mit über tausend Mitgliedern ist die Studenteninitiative „Arbeitskreis Börse“ (AKB) die größte Studentenvereinigung an der Uni Mannheim und der größte studentische Börsenverein Deuschlands. Die siebzig in einem Dachverband organisierten studentischen Börsenvereine Deutschlands mit ihren rund 13.500 Mitgliedern haben es sich zur Aufgabe gemacht, zwischen Studenten und Unternehmen der Finanzbranche zu vermitteln. Weil es ihnen um das Erlangen von Wissen aus der Praxis und um Kontakte zur Finanzwelt geht, organisieren die Studenten während des Semesters Vorträge, Workshops und Networking-Veranstaltungen wie Empfänge oder gemeinsame Abendessen mit Unternehmensvertretern.

Der Vorstandsvorsitzende des Mannheimer AKB, Dennis Heizler, der auf dem Imagefoto in der Mitte der ersten Reihe steht, ist sich sicher, dass in der Wirtschaft kein Weg an guten Kontakten vorbeiführt – und die erhalte man in den regulären Uni-Veranstaltungen nicht. „Unser Ziel ist es, unsere Mitglieder mit einem guten Job in die Wirtschaft zu vermitteln“, sagt der BWL-Student. Dafür überlassen er und seine zwölf Teamkollegen nichts dem Zufall. Bis zu zwanzig Stunden pro Woche engagiere sich jeder für den Börsenverein, schätzt der Dreiundzwanzigjährige, für die ganze Arbeit haben sie einen eigenen Büroraum angemietet. „Ich möchte mit meiner Arbeit Einfluss haben und dabei etwas verändern. Jetzt kann ich das an der Uni tun, später dann im Beruf“, sagt er, um zu erklären, warum er die Strapazen einer unbezahlten Teilzeitarbeit auf sich nimmt. „Aktuell ist der AKB quasi mein Leben“, sagt er lachend. Nach der Uni möchte er steil Karriere machen. Die Arbeit im AKB bietet dafür einen guten Startpunkt. „Wir wissen, dass, wer im AKB aktiv ist, später sehr wahrscheinlich erfolgreich sein wird“, sagt Heizler.

Das Bemühen, seinen Lebenslauf bestmöglich zu gestalten, ist keine Besonderheit von Wirtschaftsstudierenden, die in der Finanzbranche durchstarten wollen, denn von Kulturvereinigungen bis zu Vereinen zur Förderung sozialen Unternehmertums gibt es an den deutschen Universitäten viele Angebote, die junge Menschen in ihrer Entwicklung unterstützen möchten. Dabei orientieren sich die Studentenvereine an den Gepflogenheiten ihrer Vergleichsgruppe. Im Falle des Aktionskreises Börse Mannheim heißt das, im Vereinsbüro „Office Partys“ zu feiern, Veranstaltungen der Initiative im Anzug zu besuchen und neben den Vorlesungen sich in Arbeitsgruppen themenbezogen weiterzubilden. Bei den Unternehmen kommt das gut an.

Das Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungsunternehmen „KPMG“ ist einer der Partner des Vereins. Während des Semesters bietet es beispielsweise Workshops für die Mannheimer Studenten an, in denen sie Fallstudien bearbeiten sollen. „So ein Workshop ist eine Win-Win-Situation“, sagt Andrea Rahn, Personalleiterin der KPMG für Südwestdeutschland. Beide Seiten würden sich so kennenlernen, anschließend könnten besonders begabte Studenten zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden. „Engagement außerhalb der Vorlesungen ist immer hilfreich“, sagt Rahn, aber es sei kein Ausschlusskriterium, wenn es nicht nachweisbar sei. Vielmehr schaue sie bei Bewerbern auf deren Gesamtauftritt. Lebensläufe seien höchst unterschiedlich, nur schlüssig müssten sie sein. Die einen setzten vor allem auf Praktika oder auf Auslandserfahrungen, andere auf Engagement in studentischen Initiativen, um den eigenen Lebenslauf attraktiver zu machen. Und auch ein sehr guter Absolvent, der neben seinem Uni-Zeugnis nichts vorweisen kann, habe Chancen auf eine Stelle. „Bei einem Gespräch hinterfrage ich diesen Punkt aber. Oft gibt es eine Begründung dafür“, sagt Rahn.

Auch die Universität Mannheim begrüßt das Engagement ihrer Studenten in Initiativen. Für Arbeitgeber scheinen aber insbesondere Praxiswissen und Englischkenntnisse eine wichtige Rolle zu spielen, sagt Linda Schädler, Pressesprecherin der Universität Mannheim, auf Anfrage des Studentenblogs. Durch die Einführung praxisorientierter Elemente, verpflichtender Praktika und dem Angebot von Auslandsemestern in vielen Studiengängen versuche die Universität, dem Rechnung zu tragen.

Dennis Heizler, der seinen einjährigen Vorstandsposten beim Aktionskreis Börse Mannheim für das neue Studienjahr vor den Semesterferien an seinen Nachfolger weitergegeben hat, verlässt sich aber nicht auf den reinen Uni-Abschluss und macht neben dem Engagement im AKB in den Semesterferien daher Praktika bei internationalen Banken. So großen Wert er auf Sicherheit in seiner Karriereplanung legt, so sehr hofft er auf Unsicherheit im Beruf, denn insbesondere die Unberechenbarkeit der Finanzwelt fasziniert ihn. „Dort kann alles blitzschnell passieren“, sagt der Oberpfälzer. Bis dahin geht er wie viele seiner Kommilitonen aber lieber kein Risiko ein.


6 Lesermeinungen

  1. Abiederung und Vetterleswirtschaft?
    So wie viele der oftmals inhaltsschwachen aber freizeitstarken Auslandspraktika nur dem schönen Schein dienen, so kann ich über das fachliche Interesse und die Fortbildungen nur schmunzeln. Hier geht es doch größtenteils um Vitamin B / Vetterleswirtschaft mit anderen Ehemaligen. Wenn man das Networking nennt, klingt es natürlich deutlich neutraler.

    Aber funktioniert so und so ähnlich schon immer. Entweder man hat da Bock drauf oder auch nicht. Maximale Karriere erfordert nunmal meist eine gewisse moralische Flexibilität ;)

  2. Erfolg ?
    Michelle Obama:
    „Success isn´t about how much money you make, it´s about the difference you make in people´s lives.“

  3. 'Tschuldigung...
    … aber das ist ja einfach traurig. Office partys? Im Anzug zu den Veranstaltungen? Yikes… Ich glaube die wissen noch gar nicht, wie sehr die meisten Büroarbeiter die „freiwilligen“ Office partys hassen. Genießt lieber das Leben, das Arbeitsleben müsst ihr später nicht mehr spielen. Ihr entkommt dem gar nicht.

    • Keine Ahnung
      Office Partys sind Networking Veranstaltungen, für Elite Studenten wie uns Mannheimer sind diese eben essentiell….

  4. Titel eingeben
    Sehr vielversprechend diese Studenten!

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