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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Wie das Geld an Wert verlor

| 3 Lesermeinungen

Geld gibt es seit Jahrtausenden, Münzen erst seit 600 vor Christus. Warum begann man, Metall zu prägen – und welche Nachteile waren damit verbunden? Gespräch mit der Münzforscherin Fleur Kemmers. Siebte Folge unserer Interview-Reihe „Nerdalarm“.

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Video: Prof. Fleur Kemmers von der Universität Frankfurt erklärt anhand eines Gipsabdrucks die Botschaft auf einer antiken kretischen Münze.

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F.A.Z.: Wenn man sich lange mit etwas beschäftigt, wird es einem oft fremd. Sie sind Numismatikerin, Spezialistin für Münzen. Inwiefern ist die Geldmünze eine sonderbare Erfindung?

Fleur Kemmers: Ich denke, es ist wichtig, zunächst einmal zu trennen. Zuerst gab es die Erfindung von Geld, je nach Region schon im 3. oder 2. Jahrtausend vor Christus; zeitversetzt, am Ende des 7. Jahrhunderts vor Christus, die von Münzen, also geprägtem Geld. Ich beschäftige mich mit beidem. Und tatsächlich entsteht irgendwann die Frage: Warum eigentlich Münzen? Es gibt ja auch ungeprägte Formen von Metallgeld, sie sind oft sogar praktischer. Trotzdem gibt es um 625 bis 600 vor Christus die Entscheidung, Münzen zu erzeugen. Wobei sich das Konzept – man nimmt ein Metall, normiert es vom Gewicht her, standardisiert den Feingehalt und prägt ein Bild darauf – relativ schnell im gesamten Mittelmeerraum verbreitet. Viele Motive bleiben aber unklar. Zum Beispiel gibt es viele Städte, die keine Münzen prägen, sie haben Geld, aber keine Münzen. Es gibt auch ganze Staaten, wie etwa Ägypten oder Karthago, die meinen, ohne Münzen gut zurecht zu kommen. Sie kennen das Konzept, haben wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen zu Münzländern, aber sie übernehmen es nicht. Auch das Römische Reich prägt lange keine Münzen. Was ist schließlich der Trigger, warum findet man plötzlich, dass Münzen doch gut zu einem passen würden? Das ist eine Frage, die mich sehr beschäftigt. Ich habe aber noch keine Antwort, die auf alle Fälle zutrifft. Ein Aspekt aber, der besonders wichtig zu sein scheint, ist, dass man mit dem Bild auf der Münze etwas über sich auszusagen versucht. Ungemünztes Geld ist anonym, Münzen sind verbunden mit einer Autorität, mit einer Person oder eine Institution.

Was wären in der Antike alternative Geldmittel gewesen?

Das Meiste ist ungemünztes Metall, Barren, Brocken aus Silber oder Bronze, die nach Bedarf zerstückelt werden. Das Prinzip ist ähnlich: Bestimmte Waren oder Dienstleistungen sind mit einer Geldsumme verbunden und die entspricht einem Gewicht von Metall – einem Talent, einer Drachme oder einem Pfund. Es gibt auch bestimmte Volumenmaße an Getreide, die verwendet werden.

Wie reagieren Menschen in der Antike, wenn sie zum ersten Mal mit Geld in Berührung kommen?

Das ist eine Frage, die mich sehr umtreibt. Einerseits ist interessant, was Menschen mit Geld tun. Nicht weniger spannend aber ist, was Geld mit Menschen macht. Leider ist Letzteres archäologisch schwer zu fassen, doch es gibt in den griechischen Schriftquellen, etwa bei Sokrates oder Platon, durchaus schon früh Kritik am Münzgeld. Es führe dazu, dass alles bepreist werde, auch freundschaftliche Dienstleistungen. Diese Beobachtung betrifft allerdings eher die aristokratischen Kreise. Im 6. und 5. Jahrhundert vor Christus ist das Münzgeld noch nicht bis in die letzten Ecken gelangt. Und in dieser Zeit gibt es vorwiegend Silbermünzen, die etwa 12 bis 16 Gramm wiegen. Dafür kauft man keine Brötchen. Kleingeld gibt es eigentlich kaum bis nicht, das heißt: Diese Münzen werden nur für bestimmte Transaktionen verwendet, im Alltag sind sie kaum zu gebrauchen. Das ändert sich aber, grob gesagt, im 4. Jahrhundert vor Christus. Da kommt man auf die Idee, Bronzemünzen einzuführen. Mehr und mehr geht es bei den Münzen eher um den Nennwert als um den Metallwert. Am Anfang ist es ziemlich egal, ob ich ein Gut mit einer Tetradrachme abkaufe – das entspricht 16 Gramm Silber – oder einem Silberklumpen mit dem gleichen Gewicht. Aber das ändert sich. In unserer Zeit ist die Bedeutung des Nennwerts einer Münze in extremo weiterentwickelt, er beruht auf rein gesellschaftlicher Vereinbarung. Konzeptionell war das ein großer Schritt.

© Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Lutz-Jürgen Lübke (Lübke und Wiedemann)Frühe Elektronprägung aus Sardis in Lydien

Wie verhielt es sich bei den allerersten Münzen in Lydien? Sie bestanden aus dem natürlich vorkommenden Metall „Elektron“, einer Mischung aus Silber und Gold, man wusste aber nicht genau, wie das Mischungsverhältnis aussah.

Diese Tatsache könnte eine Erklärung dafür liefern, warum es überhaupt zu den Münzen kam. Demnach hätte man mit der Prägung das Problem zu lösen versucht, dass ein Gramm Elektron wertmäßig nie einem anderen Gramm Elektron entspricht, weil der Goldanteil schwankt. Die Prägung wäre in diesem Fall eine Setzung. Tatsache ist aber auch, dass man zu dieser Zeit schon über die Fähigkeit verfügte, Silber von Gold zu trennen. Auch hat man mittlerweile mittels Metallanalysen festgestellt, dass die lydischen Münzen aus Elektron von Anfang an bewusst zusätzlich mit Silber angereichert wurden. Das stellt die Sache nochmal auf den Kopf. Eine passende Erklärung könnte sein, dass die lydischen Könige ihre Münzen, die eigentlich aus schlechtem Elektron bestehen, bewusst haben prägen lassen, um einen Gewinn zu erzielen. Das scheint mir aber eine sehr moderne Vorstellung zu sein. Ich finde es schwer, in dieser Frage eine Position zu beziehen, denn es ist bei diesen lydischen Münzen noch vieles unklar, selbst ihre Datierung schwankt noch zwischen 670 und 600 vor Christus. Und auf wen oder was beziehen sich die Buchstaben, die sich auf den Münzen befinden, was ist eigentlich der lydische Staat zu dieser Zeit? Auch sind gerade diese frühen Münzen extrem selten, nur etwa 2000 Stück sind erhalten geblieben, für Münzen ist das extrem wenig. Von manchen Städten im antiken Griechenland sind Zehntausenden Münzen erhalten geblieben.

Wo sind diese Münzen alle abgeblieben, nur ein Bruchteil soll ja erhalten sein?

Die meisten sind eingeschmolzen worden, ein Teil liegt noch im Boden und auf dem Meeresgrund.

Sie beschäftigen sich in Ihrer Forschung aber nicht mit der gesamten frühen Phase des Geldes.

Mein Forschungsschwerpunkt liegt auf dem westlichen Mittelmeer von 550 vor Christus an. Zu dieser Zeit hat Münzprägung in Griechenland gerade Fuß gefasst. Auf Sizilien und in Süditalien fängt man fast zeitgleich mit den griechischen Städten im modernen Griechenland mit Münzprägung an, doch dort gibt es keine natürlichen Silbervorkommen, anders als etwa in Athen. Die Einführung von Münzen muss also gut überlegt worden sein. Auffällig ist außerdem, dass nicht in großen Mengen geprägt wird. Es gibt auch einige Städte, die sich nicht beteiligen. Warum ist das so?

Was meinen Sie?

Ich denke, das Wichtigste ist, dass mittels der Münzen ein Statement abgegeben werden sollte über die ausführende Institution. Es geht darum, Geld zu deanonymisieren, etwas über die eigene Identität auszusagen, das wäre meine These.

Video: Der Sesterz des Titus

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Gibt es definierbare Phasen in der Geschichte des Münzgeldes?

Um etwa 200 vor Christus ist die Münze im Alltag angekommen, jetzt spielt auch Kleingeld eine große Rolle. In der römischen Kaiserzeit um Christi Geburt gibt es ein festgeschnürtes System, das über mehrere Jahrhunderte hinweg stabil bleibt. Es gibt neun Nominale von Kupfer bis Gold, die aufeinander bezogen sind. Dieses System wird eingeführt in einer Zeit, in der der Denar Angelpunkt im System ist. Er besteht zu dieser Zeit aus fast reinem Silber, 25 Denare entsprechen einer Gold-Münze, 4 Messingmünzen einem Denar.

Zweihundert Jahre nach Christus besteht der Denar nur noch zu 40 Prozent aus Silber, und trotzdem bleibt das System erhalten. Es gibt immer noch ein ausreichend großes Vertrauen. Dieses wird jedoch im Lauf des dritten Jahrhunderts überstrapaziert, im Denar befinden sich irgendwann nur noch zwei Prozent Silber. Es glaubt keiner mehr, dass vier große Messingmünzen, die pro Stück dreißig Gramm wiegen, vom Wert her mit einer schrottigen Münze von drei Gramm Gewicht übereinstimmen, die im Kern eigentlich auch aus Kupfer besteht und mit Silber nur noch ummantelt ist. In Reaktion darauf hört man irgendwann auf, Kleingeld zu prägen, weil es zu teuer ist, auch das Goldprägen wird eingestellt, das System scheitert.

Inflation.

Ja, im dritten Jahrhundert kommt es zu einer großen Inflation. Wir befinden uns in einer Zeit der Bürgerkriege und externer Kriege, in dreißig Jahren gibt es 50 Kaiser, die meisten werden ermordet, das Vertrauen in den Staat ist zerrüttet. Für die Kriege wird immer mehr Geld gebraucht, die Münzen verschlechtern sich. Nach dem Zusammenbruch des Systems übernimmt Rom zentral die gesamte Prägung, verteilt auf zwölf Stätten des Reiches. Überall werden die gleichen Münzen geprägt, nur noch einzelne Buchstaben unterscheiden sich, egal, ob sie aus Trier, London oder Thessaloniki stammen.

Gab es in der Antike schon Wechselstuben und Banken?

Geldwechsler gab es von Anfang an, das war auch nötig, denn in Griechenland zum Beispiel prägte jede Stadt ihre eigenen Münzen. Bei den Banken wird es schwieriger. Wie definiert man sie? Denkt man an Sparbanken mit Verzinsung, an Kreditvergabe? Ein berühmtes Beispiel ist Cicero, dessen Sohn in Athen studiert, der Vater will ihn auf der Reise aber nicht mit 200 Aurei ausstatten. Wie organisiert er das? Aus den Korrespondenzen wissen wir, dass Cicero einen Banker hat, und der gibt dem Sohn eine Art Traveler Cheque mit, den dieser bei einem Geschäftspartner in Athen einlösen kann. Er bekommt dann jeden Monat ein Stipendium ausgezahlt. Wie die beiden Banker in Rom und Athen die Transaktion verrechnet haben, ob durch physischen Ausgleich oder rein buchhalterisch, darüber gibt es eine große Debatte.

Auch von Sparkassen wissen wir, in denen man sein Geld in dieser Zeit sicher aufbewahren kann. Häufig übernehmen Tempel diese Funktion. Auch Kredite werden vergeben. Berühmt geworden ist die Kreditkrise von 33 nach Christus, von der Tacitus berichtet. Sie ist gut vergleichbar mit der Finanzkrise aus dem Jahr 2008 .

Wenn man das alles hört, gewinnt man den Eindruck, dass die Numismatik ein weites Feld beackert – wo liegen ihre Grenzen? Kann ein vergleichsweise kleines Fach es leisten, die Geschichte des Geldes zu erzählen? Im Grunde könnten Sie sich doch darauf zurückziehen, zu sagen, wir sind nur für den Mehrwert der Prägung zuständig.

Aber das ist doch langweilig, oder? Sie haben recht, die Auffassung „Ich beschäftige mich nur mit den geprägten Objekten“ ist die klassische Definition der Numismatik. Demnach konzentriert man sich auf die Typologie der Münzen, ihre Chronologie, man versucht zu verstehen, was die Texte und Bilder darauf bedeuten. Was das alles zu einem besseren Verständnis des Altertums beiträgt – diese Frage blieb außen vor. Hierin sehe ich aber die heutige Aufgabe der Numismatik: Verbindungen herzustellen, zu zeigen, was diese schönen runden Objekte uns über die antike Gesellschaft erzählen. Münzen und Geld sind mit so vielen Bereichen des Alltags verbunden, dass die Numismatik, um den Kontext von Geld und Münzen besser zu verstehen, nach meinem Verständnis mit vielen unterschiedlichen Wissenschaften zusammen arbeiten muss: mit der alten Geschichte, der Kunstgeschichte, der Ikonographie, den Wirtschaftswissenschaften, der Ethnologie. Die Numismatik muss nach meiner Auffassung den Mehrwert deutlicher machen, den diese Quellengattung besitzt.

Video: Die drei Tempel von Smyrna

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Was mach die Quellengattung „Münze“ aus, im Vergleich zu antiken Texten, Inschriften, Keramik, Statuen?

Zum einen sind Münzen kontinuierlich und in großen Mengen überliefert, von 600 vor Christus bis heute. Und wir kennen fast alle Sorten. Spannend ist auch, dass Münzen sowohl Bild als auch Text und Material umfassen. Das Spannendste für mich aber ist, dass sich Münzen immer zwischen zwei Stühlen befinden. Sie sind zum einen historische Dokumente, geprägt von Institutionen, andererseits sind sie für die damaligen Menschen Alltagsgegenstände, die wir bei archäologischen Ausgrabungen in bestimmten Kontexten vorfinden. Münzen liegen also zwischen Individuum und Struktur. Man kann sich zum einen mit ihrer Produktionsseite beschäftigten, dann hat man es mit Staaten, Autoritäten, Finanzpolitik zu tun, oder man fokussiert die Benutzer: Was sagen Münzen über deren Alltag, über die Wirtschaft einer Zeit aus. Das sind die zwei Seiten einer Münze.

Kann eine vergleichsweise kleine Wissenschaft es leisten, ein derart zentrales Thema für die Weltgeschichte zu beackern? Ist die Rekonstruktion von Kontexten, in denen Geld steht, nicht mit das Anspruchsvollste überhaupt?

Natürlich bin ich kein Spezialist für die gesamte Antike, deshalb muss ich mit vielen Kollegen zusammenarbeiten. Ich persönlich habe Archäologie studiert und bin erst über dieses Fach zu den Münzen gekommen. Es begann damit, dass ich mich gefragt habe, wie die Münzen aus einem Legionslager in Nijmegen (in den Niederlanden), über das ich geforscht habe, eigentlich in den Boden gelangt sind? Ich stellte fest, dass sich die Numismatiker mit dieser Frage nicht beschäftigt haben, Archäologen und Historiker aber auch nicht. Diese Frage ist erst in den letzten zwanzig Jahren auf die Tagesordnung gelangt.

Kann man sagen, die alte Numismatik, der Prägeaspekt, ist ausbuchstabiert?

Nein, sie ist nicht ausbuchstabiert, aber die Numismatik kann sich nicht mehr darauf beschränken. Die Numismatik war immer ein kleines Fach, es ist aber mit der Zeit nicht größer geworden. Was meiner Ansicht nach daran liegt, dass sie nicht klar genug dargestellt hat, was sie leisten kann, welche Bedeutung diese merkwürdigen runden Scheiben für größere Fragestellungen haben.

Gibt es eigentlich schon ein Standardwerk darüber, wie Geld über die Jahrhunderte hinweg die Welt regiert hat?

Nein. Es gibt Standardwerke über Münzen, und es gibt Bücher wie „Money – a History“, die sind aber wissenschaftlich meist etwas oberflächlich.

Was hat man für einen Denar in der Antike bekommen?

Das ist nicht leicht zu sagen. Denare gibt es von 200 vor bis 250 nach Christus – und es gibt natürlich kein konstantes Preisniveau über die Jahrhunderte und Geltungsregionen hinweg. Einblicke gewinnen wir zum Beispiel in Pompeji, wo in Kneipen die Preise ausgewiesen wurden. Daher wissen wir, dass man 70 nach Christus in Zentralitalien von einem Denar einen Tag lang gut leben kan. Ein Denar war zu gleicher Zeit auch etwa der Tageslohn für einen Soldaten. Einen Becher Wein gab es für ein paar Kupfermünzen.

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Fleur Kemmers führt einen eingetüteten Fund der Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz vor (siehe Abbildung). Er stammt nicht aus einer systematischen Grabung, sondern wurde auf einem Acker im Kreis Cochem gefunden.

Diese Münzen habe ich extra aufgehoben, um Sie Ihnen vorzuführen. Die Frage der Denkmalpflege Rheinland Pfalz wäre dabei, aus welcher Zeit diese Münzen stammen. Man sieht gleich, sie sind in einem schlechten Zustand, sie sind stark korrodiert, sehr schmutzig, staubig. Wenn ich solche Funde mit Studenten untersuche, beginnen wir erst einmal, mit der Zahnbürste zu schrubben.

Das sind auf den ersten Blick alles römische Münzen, keine griechischen, vielleicht sind auch ein paar keltische darunter. Kupferlegierungen herrschen stark vor, Denare sind auf den ersten Blick nicht dabei. Das Kaiserporträt auf diesem Sesterz weist auf Mark Aurel hin. Diese kleinen Münzen hier sind aus dem 4. Jahrhundert. So kann ich den Fund grob sortieren, anschließend würde ich eine Bestimmung mit dem passenden Standardwerk für römische Münzen vornehmen. Ach, hier haben wir doch einen Denar, hier ist noch einer, beide Septimius Severus, also aus dem frühen dritten Jahrhundert. Damit befinden wir uns in einer Zeit, in der die Münzen eigentlich nur noch 40 bis 45 Prozent Silber enthalten. Goldmünzen sind bei solchen Funden selten dabei. Das sind wahrscheinlich Münzen, die bei alltäglichen Transaktionen verloren gingen

Wie würden Sie den Fund jetzt zeitlich einordnen?

Die römischen Münzen fangen im zweiten Jahrhundert an, es gibt aber einen deutlichen Peak im 3. und 4. Jahrhundert, also um 310/320 nach Christus. Die Einordnung könnte man dann noch mit anderen Fundorten in der Nähe vergleichen. Wahrscheinlich wurden die meisten in Trier geprägt.

© dpaAusführung der Brutus-Münze in Gold – sie befindet sich im Geldmuseum der Bundesbank in Frankfurt am Main.

Was war die wertvollste Münze, die sie je in der Hand hatten?

Die war in einem Fund aus den Niederlanden, wo ich herkomme. Das war ein „Eidus Martius“-Denar, jener Denar, der von Brutus geprägt wurde. Auf der Vorderseite ist Brutus selbst abgebildet, auf der Rückseite zwei Dolche mit dem Datum EID MAR, was für die Iden des März steht. Mit dieser Münze macht Brutus Werbung dafür, dass er Caesar umgebracht hat. Die Münze ist wegen des berühmten historischen Hintergrunds sehr nachgefragt – und sehr selten.

 

Die Fragen stellte Uwe Ebbinghaus

 

Weitere Folgen der Interviewreihe „Nerdalarm“

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Fleur Kemmers (1977 geboren im niederländischen Rhenen) studierte Archäologie an der Universität von Amsterdam und promovierte an der Radboud Universität Nijmegen in der antiken Numismatik und provinzialrömischer Archäologie. 2010 erhielt sie den Ruf an die Goethe Universität Frankfurt auf die Lichtenberg-Nachwuchsprofessur (gefördert von der Volkswagen-Stiftung) für „Münze und Geld in der griechisch-römischen Welt“. 2016 wurde diese Professur in einen regulären Lehrstuhl umgewandelt. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Methoden und Theorien der Fundnumismatik, Monetarisierung in der römischen Republik und Kaiserzeit, Anfänge der Münzprägung im westlichen Mittelmeerraum und Metallanalysen an antiken Münzen. 

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3 Lesermeinungen

  1. Gegenwert
    Letztenendes ist auch der „Metallwert“ nichts anderes als eine Konvention für Vertrauen. Damals gab es ja für Gold und Silber wenig technische Anwendungen, abgesehen vielleicht von Schmuck.

  2. Geld als Äquivalent
    Von Leistung und Waren. Trotzdem war der Wert i.d.R gedeckt. Edelmetalle (insbesondere Gold) hatten diese Funktion. Geld setzte auch Vertrauen voraus. Wie/Warum sollte man in der Antike darauf verlassen, dass die Münze auch noch später den Wert repräsentiert den ich einstmals als Gegenwert hergegeben habe ? Die Münzen hatten also nicht nur einen Nennwert, die Münze selbst sollte tatsächlich einen Wert innehalten . Viele später übernahmen diese Funktion Zentralbanken . . .

  3. Sehr spannendes Thema
    aber was man eben nie dabei vergessen sollte. Geld hat keinen Wert an sich, sondern erhält ihn durch die Güter, die man damit erwerben kann. Wenn die Menschen nichts produzieren wird auch das Geld wertlos. Geld hat die Funktion den Leistungstausch möglichst reibungslos zu ermöglichen. Ohne Leistung braucht’s auch kein Geld mehr.

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