Schlaflos

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Krank im Urlaub: Wenn die schönsten Wochen im Jahr gestört werden

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Der Sommerurlaub ist für die meisten Familien die schönste Zeit des Jahres.

Ferienzeit. Reisezeit. Auf nichts freuen wir uns das Jahr über so sehr wie auf unseren bevorstehenden Sommerurlaub. Sonne, Strand, Meer, Zeit als Familie verbringen. Wertvolle Zeit, für die wir tief in die Tasche greifen müssen. Klar, dass man auf möglichst perfekte Tage hofft, wenn so viel Kohle für die schönsten Wochen im Jahr über den Tisch gehen. Wird das Wetter halten? Haben wir die richtige Unterkunft gebucht? Aber vor allen Dingen: Wird die gesamte Familie gesund bleiben?

Es beruhigt mich, wenn die Mädchen zwei oder drei Wochen vor dem Urlaub noch einmal krank werden, auf Vorrat sozusagen. Erfahrungsgemäß ist ihr Immunsystem danach erst einmal wieder aufgeladen. Kurz vor der Abreise ertappe ich mich, wie ich bei jedem Husten meiner Tochter nervös frage: „Willst du wirklich ins Schwimmbad? Heute ist es ganz schön kühl! Nicht, dass du dir jetzt noch was wegholst.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer vierköpfigen Familie in zwei Wochen jemand krank wird, ist leider relativ hoch. Gerade Kinder stellen krankheitstechnisch echte Risikofaktoren dar. Man nimmt an, dass ein Kind in den ersten beiden Lebensjahren an bis zu zwölf fieberhaften Infektionen pro Jahr erkrankt. Außerdem reagieren Kinder oftmals empfindlicher auf Klimaveränderungen und fremdes Essen. Das wird zwar mit steigendem Immunsystem und Lebensalter besser, dennoch kamen bei uns im Laufe der Jahre so einige Krankheiten zusammen.

In der Top 3 unserer Urlaubsunpässlichkeiten nimmt die Ohrenentzündung die Spitzenposition ein, gefolgt von Übelkeit (Lara hatte schon immer einen sehr empfindlichen Magen) und Halsschmerzen. Besonders wegen der Otitis, die meist auf exzessives Tauchen im Pool oder dauernasse Ohren in Verbindung mit dem rauen Meereswind zurückzuführen ist, werde ich regelmäßig zur Spießerin und Spaßbremse: „Hast du dir die Ohren ausgespült und richtig getrocknet?“; „Muss ich dich daran erinnern, dass du in Portugal die letzten Tage wegen Mittelohrentzündung ein Antibiotikum nehmen musstest und dann gar nicht mehr ins Wasser durftest?“; „Müssen wir heute wirklich noch die dritte Bucht anfahren? Die Mädchen sind durchgeschwitzt und haben feuchte Haare.“ Meist werde ich dann nur müde belächelt. Wen interessieren schon die alten Geschichten aus dem letzten oder vorletzten Jahr?! Längst vergessen, wenn man sich gerade hungrig in die Fluten stürzen möchte! Auch meine Bitte nach einer täglichen Mittagspause ruft in der Regel entsetzte Reaktionen hervor: „Aber wir wollten gerade schnorcheln gehen. Wir haben doch keine Wickelkinder mehr, die Mittagsschlaf halten müssen.“ Mein Mann, der im Urlaub zum Abenteurer und Meeresforscher mutiert, steht mir da nicht sonderlich hilfreich zur Seite. Mein Einwand, die Serpentinenstraße würde sich nicht gut mit Laras Reiseübelkeit vertragen, überhört er gerne und wird erst klug, wenn es zu spät ist und wir anschließend wieder einmal den Mietwagen reinigen dürfen.  

Zuweilen kann man aber auch mich nicht zu den Vernünftigen zählen. Zum Beispiel, als wir vor fünf Jahren ins Disneyland Paris gefahren sind. Ich hatte mich zwei Tage vorher auf einer Gartenparty verkühlt, fühlte mich angeschlagen und hätte ins Bett gehört. Aber die Koffer mussten noch gepackt und Verpflegung für die Autofahrt gekauft werden. Die Reise stornieren? Die Kinder enttäuschen? Keine Option! Also griff ich zu Ibuprofen und beschloss, dass ich mich in Paris ja immer noch ins Hotelzimmer legen konnte, sollte es nicht besser werden. Bei der Ankunft konnten wir unser Zimmer noch nicht beziehen. Ich schleppte mich eine Stunde durch das Disneyland und steuerte schließlich die Erste Hilfe Station an. Als ich von heftigen Fieberschüben gepackt wurde und das Fieberthermometer Alarm schrie, rief man den Notarzt und der wiederum den Krankenwagen. Während meine Familie Mickey Mouse traf und Achterbahn fuhr, verbrachte ich die erste Nacht in der Notaufnahme eines Pariser Krankenhauses und den restlichen Kurzurlaub mit einer Nierenbeckenentzündung, mit Medikamenten vollgestopft und vor mich hinvegetierend in meinem Hotelbett.

Vor drei Jahren traf es dann meinen Mann kurz vor dem Skiurlaub. Bandscheibenvorfall. Ich stornierte sofort unsere Ferienwohnung (dazugelernt!), informierte die Reiserücktrittsversicherung und verspürte insgeheim Erleichterung. Ich fahre nämlich grundsätzlich mit gemischten Gefühlen in die verschneiten Berge und danke bei unserer Rückkehr jedes Jahr dem Universum aufs Neue, dass wir es ohne Knochenbrüche oder verdrehte Knie heil nach Hause geschafft haben.   

Vorletztes Jahr auf Mallorca ging es Maya nach einem Tag am Meer von einem auf den anderen Moment schlecht. Als sie sich im Hotelzimmer hinlegte, klagte sie darüber, den Nacken nicht mehr bewegen zu können und bat mich, die Vorhänge zuzuziehen, es wäre ihr zu hell. Bei mir klingelten alle Alarmglocken! Nackensteife und Lichtempfindlichkeit, grippeähnliche Symptome! Das Wort Meningitis hallte in meinem Kopf. Ich ließ die Hotelärztin kommen, die uns auch ohne dass ich meinen Verdacht erwähnte sofort mit besorgtem Gesicht riet, in ein Krankenhaus zu fahren. Ich packte ein paar Sachen, sah mich die nächsten Tage schon in einem Zustellbett neben meiner Tochter im Krankenhaus liegen und geriet in Panik. Die Fahrt zur Klinik kam mir ewig vor, ich machte mir Vorwürfe, weil ich den Impfpass nicht mit in den Urlaub genommen hatte. War Maya eigentlich gegen Meningokokken geimpft oder doch nur Lara? Ich fühlte mich wie die letzte Rabenmutter.

Die Oberärztin in der kleinen Privatklinik warf einen ernsten Blick auf die hingekritzelte Mitteilung, die mir die Hotelärztin auf Mallorquin mitgegeben hatte. Nach gründlicher Untersuchung konnte sie jedoch Entwarnung geben. Maya hatte lediglich einen extrem verspannten Nacken und einen nicht bakteriellen Halsinfekt. Mir fielen tausend Steine vom Herzen. Zufällig waren wir in einer Vertragsklinik unserer gesetzlichen Krankenkasse gelandet und mussten nicht mal in Vorkasse treten und die Krankenzusatzversicherung in Anspruch nehmen. Seitdem werfe ich vor Auslandsurlauben immer einen Blick auf die Webseite meiner gesetzlichen Krankenkasse und checke die Vertragskliniken und -ärzte in der Urlaubsregion. Sicher ist sicher! Und die Impfpässe vergesse ich so schnell auch nicht mehr!

Erleichtert versicherte ich Maya gut gelaunt, ein paar Tage auf dem Hotelzimmer wären doch eine super Abwechslung. Immerhin hätten wir einen tollen großen Balkon mit Meerblick, mein eBook-Reader wäre voller spannender Bücher und sogar Disney-Channel würden wir über den Hotel-Fernseher in Deutsch empfangen. Und der Pool wäre doch sowieso viel zu überfüllt! Nach zwei Tagen war sie wieder fit und die kleine Episode vergessen. So wie die vielen anderen Ohren- und Bindehautentzündungen, die Magen-Darm-Infekte, Schürfwunden, Insektenstiche und Erkältungskrankheiten – überlagert von den überwiegend schönen Urlaubserinnerungen.

Nach fünfzehn Jahren Familienurlaub habe ich gelernt, mir nicht die Laune verderben zu lassen und mich einigermaßen vorzubereiten. Dazu gehören eine Notapotheke mit den wichtigsten Medikamenten (wer kann schon griechische oder spanische Beipackzettel lesen), die Impfpässe, die notwendigen Versicherungen (Auslandskrankenschutz und Reiserücktritt), Vorab-Infos über den Urlaubsort (ärztliche Versorgung) und nicht zuletzt genügend Lesestoff und ein paar Spiele, falls einer von uns wieder einmal eine Zwangspause einlegen muss.

Genau so werde ich jetzt unsere Koffer packen. Bleiben Sie gesund!  


2 Lesermeinungen

  1. Krank melden zu Hause
    Krank im Urlaub heißt, keine Erholung, da kann man die Urlaubstage nachholen.

  2. Genau so isses
    Sehr treffend geschrieben, danke. Der Bericht könnte 1:1 von uns sein. Rückblickend behält man zwar die die schönen Urlaubserlebnisse in Erinnerung, die Tage vor dem Urlaub bekommt Frau aber bei jedem Ziepen des Nachwuchses Schockstarre. Hoffentlich is nix… aber krank sind sie im Urlaub dann meist doch….

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