Schlaflos

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Das Familienblog der F.A.Z.

04. Okt. 2022
von Matthias Heinrich
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Elterntaxis: Auf dem Highway ist die Hölle los

„Auf dem Highway ist die Hölle los“ (im amerikanischen Original „Cannonball Run“) ist ein klamaukiger Actionstreifen aus den frühen Achtzigern. Als Kind habe ich ihn geliebt. Es geht um ein sinnloses Autorennen mit irren Verfolgungsjagden, durchbrochenen Polizeisperren, jeder Menge zerstörtem Blech und noch mehr zotigen Sprüchen. Möglich, dass man ihn als Vorgänger von „The Fast and The Furious“ betrachten könnte. Ich habe keine Ahnung, von denen habe ich keinen gesehen. Die Stärke von „Auf dem Highway ist die Hölle los“ ist seine Besetzung: Die Darsteller reißen ihr eigenes Image vom Sockel. Dean Martin gibt einen trunksüchtigen Pfarrer, Roger Moore spielt sich selbst als Pseudo-Bond mit heilloser Selbstüberschätzung, Jackie Chan einen kampfwütigen Ninja-Raser und der wunderbare Burt Reynolds ist wie sooft die fleischgewordene Selbstironie.

Der Fürther Weg ist eine ganz normale Straße in unserem Städtchen. Er hat nicht einmal einen Mittelstreifen, dafür ist er nicht breit genug. Mehr als 23 Stunden am Tag geht es auf dem Fürther Weg ausgesprochen ruhig zu. Wenn jemand auf die Idee käme, hier einen Film zu drehen, dann sicher kein Actionstreifen. Eher etwas mit Bjarne Mädel, der auf einer Mofa mit Tempo 15 durch die einsame Gegend tuckert.

Am Morgen allerdings, zwischen halb acht und acht Uhr, würde Bjarne Mädel mit seiner Mofa das Weite suchen oder sich wünschen, sein Bock könnte fünfzig fahren, damit er schnell von hier wegkäme. Morgens zwischen halb acht und acht verwandelt sich der Fürther Weg in einen proppevollen Highway – nicht „to Hell“, sondern „zur Schule“. Aber die Hölle ist hier trotzdem los. Stoßstange an Stoßstange schieben Autos den Berg hinauf. Am Fürther Weg liegt das Schulzentrum. Realschule, Grundschule und Gymnasium – rund zweitausend Schüler kommen allmorgendlich hierher, aus der Stadt und den umliegenden Siedlungen. Bevor jemand fragt: Ja, es gibt Busse, reichlich sogar. Sternförmig fahren sie den Hügel zum Schulzentrum hinauf. Trotzdem stauen sich die Elterntaxis jeden Morgen auf dem Fürther Weg.

Der Schulweg zu Fuß hat seine Tücken. Die meisten heißen Autos.
Der Schulweg zu Fuß hat seine Tücken. Die meisten heißen Autos.

Jeden Morgen bringe ich unsere Tochter Frida bis zur Schulpforte. Das hat sich zu einem Ritual entwickelt. Der Weg ist nicht weit. Von unserer Haustür bis zur Schule sind es ein paar hundert Meter. Dabei müssen wir einmal über den Fürther Weg, also den Highway. Wenn Frida, die in die zweite Klasse geht, alleine drüber müsste, würde sie jeden Morgen zu spät kommen. Es braucht oft elterliche Energie, gestählt durch sechs Jahren im Berliner Großstadtdschungel, um über die Straße zu kommen. Allein möchte ich das dem Kind nicht zumuten. Es gibt zwar Schülerlotsen, die die Kinder über die Straße leiten. Aber die stehen Hunderte Meter weiter hinten vor dem Gymnasium und nicht an der Grundschule, wo es sinnvoller wäre.

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04. Okt. 2022
von Matthias Heinrich
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27. Sep. 2022
von Sonia Heldt
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„Ich will kein Einzelkind sein“

Am Wochenende waren wir unterwegs. Als Familie. Vater. Mutter. Kind 1. Kind 2. Ich genieße diese Tage, an denen wir alle zusammen etwas Schönes unternehmen, denn es ist nicht mehr die Regel, sondern eher die Ausnahme. Unsere Familiensituation wandelt sich. Offiziell haben mein Mann und ich nur noch ein Kind – die vierzehnjährige Maya. Außerdem lebt in unserem Haus eine Volljährige. Lara, unser großes Kind, ist offiziell erwachsen und inoffiziell auf dem Weg dorthin. Lara macht nächstes Jahr ihr Abi und hat schon angekündigt, dass sie dann erst einmal ein bisschen ins Ausland möchte.

Work and Travel, Jobben, vielleicht ein Praktikum, bevor sie sich entscheidet, wie es für sie weitergehen soll. Lara ist schwer beschäftigt. Lernen. Geldverdienen. Freund. Freundinnen. An manchen Tagen ist sie zu Hause nur auf der Durchreise. Immer häufiger müssen wir sie aus unseren Familienaktivitäten ausklammern, weil es terminlich nicht bei ihr passt oder sie schlicht keine Lust hat. Man weiß inzwischen nicht mehr genau, wann oder ob sie überhaupt zum Essen kommt  und ob sie zu Hause schläft. An den Wochenenden sitzen wir zu dritt vor dem Fernseher: Mein Mann, Maya und ich.

Maya hat sich inzwischen daran gewöhnt. Vor drei Jahren habe ich in meinem Blog „Goodbye Kindheit – Erwachsen werden ist nicht einfach“ davon erzählt, wie schwer es für Maya war (und hin und wieder immer noch ist), ihre Schwester als Spielgefährtin und engste Freundin teilweise zu verlieren. Damals waren die Mädchen fünfzehn und elf Jahre alt. Inzwischen ist Maya selbst fast fünfzehn und spielt nicht mehr. Aber Lara ist ihr schon wieder einen Schritt auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden voraus.  

Vor einigen Monaten wollten wir ins Musical: Rocky Horror Picture Show. Die Vorstellung wurde Corona-bedingt in den letzten zwei Jahren wiederholt verlegt. Nun konnte die Show endlich stattfinden. Ich hatte vier Karten, aber Lara gab uns einen Korb. Sie war eingeladen. Außerdem, sagte sie, hätte sie den Termin nie zugesagt und ihn sich deswegen nicht geblockt. Wir konnten ihr keinen Vorwurf machen, denn es stimmte. Ich hatte sie damals, als ich die Karten buchte, einfach miteingeplant. So, wie ich Lara früher immer wie selbstverständlich einplante, als sie noch jünger, und ihre Freizeit nicht so getaktet war wie heute.

Ich war nicht die Einzige, die traurig über ihre Absage war. Besonders Maya hatte sich auf den Abend gefreut. Erst wollten wir das Theater besuchen und danach Essen gehen. Es sollte ein schöner, besonderer Familienabend werden. Bis zum Schluss hatte ich gehofft, Lara würde es sich überlegen, aber das tat sie nicht.

Maya war schwer enttäuscht. „Was? Lara geht nicht mit? Was mache ich denn jetzt?“

Sie wollte sich flippig-schick aufbrezeln, so wie es sich für die Rocky Horror Picture Show gehört. Sie wollte Zeitung, Klopapier und Konfetti mitnehmen. Aber so alleine, würde sie sich doof vorkommen, sagte sie. Wir schlugen Maya vor, eine Freundin mitzunehmen und waren froh, als Freundin Lisa spontan Zeit und Lust hatte. Die zwei Mädchen hatten großen Spaß. Es war nicht der Familienabend, wie er ursprünglich geplant war. Aber er ging in Ordnung, weil die Zusammenstellung – zwei Erwachsene, zwei Jugendliche – stimmte.

Die Mädchen nippten im Foyer an ihrer Cola, schossen Fotos und liefen giggelnd herum, während mein Mann und ich unser Bier an einem Stehtisch tranken und uns unterhielten. Die Mädchen hatten Spaß, mit den Wasserpistolen ins Publikum zu spritzen (war ausdrücklich erlaubt) und Konfetti in die Luft zu schmeißen. Danach gab es eine Pommes auf die Hand und wir fuhren Lisa nach Hause. Ein schöner Abend, der sich fast so anfühlte wie immer, weil wir für Lara einen Ersatz gefunden hatten.

Die Planung unseres Sommerurlaubes gestaltete sich dieses Jahr dann richtig schwierig. Lara hatte ihre Ferien schon durchgetaktet: Erst ging es Anfang der Ferien mit ihren Freundinnen nach Spanien. Am Ende stand Urlaub mit ihrem Freund an. Zwischendurch Geburtstags- und Sommerpartys, auf denen sie unabkömmlich war. „Klar, fahre ich mit euch in den Urlaub, wenn es zeitlich bei mir hinhaut“, sagte sie. „Aber nehmt bloß keine Rücksicht auf mich. Ich komme mit, wenn es passt. Und wenn nicht, dann fahrt ohne mich.“

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27. Sep. 2022
von Sonia Heldt
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20. Sep. 2022
von Naima Nebel
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Ausgesetzter Anstand II

In der Wachstumsphase: Jede Spielzeit brauchen Kinder neue Fußballschuhe.
In der Wachstumsphase: Jede Spielzeit brauchen Kinder neue Fußballschuhe.

Pünktlich zur neuen Saison sind Malik mal wieder seine Fußballschuhe zu kleine geworden. Meinem Gefühl nach ist das Preisschild im Schuh noch intakt, so schnell wächst dieses Kind. Wir – Malik, ich und die kleine Samra – laufen in der Kasseler Innenstadt von einem Schuhgeschäft zum nächsten, als Malik kurz „Hey“ ruft, um dann, für mich ganz zusammenhangslos, zu erklären: „Siehst du, das mag ich nicht.“ Ich versuche mich zu erinnern, ob wir gerade in einem Gespräch waren und ich mal wieder so in Gedanken war, dass ich meinem Sohn nicht zugehört habe. „Was magst du nicht? Was soll ich sehen?“, frage ich, um meine vermeintliche Unaufmerksamkeit ein bisschen wettzumachen. „Den Mann in dem grünen Hemd, der hat mir einfach auf den Kopf gefasst“, antwortet Malik mit einer gewissen Entrüstung.

Malik ist für sein Alter recht klein gewachsen und wird jünger geschätzt als seine neun Jahre. Aber einfach im Vorbeigehen über den Kopf zu streicheln, das geht nicht, bei keinem fremden Kind gleich welchen Alters. Ich versuche, noch einen Blick auf den Herrn im grünen Hemd zu erhaschen. Noch wichtiger ist mir aber, mein Kind zu beruhigen und zu stärken. „Das kann ich verstehen, ich hasse es auch, wenn mir jemand einfach auf den Kopf fasst. Manche Erwachsene denken einfach nicht nach und machen komische Sachen“, stammle ich vor mich hin und betrachte die großen Korkenzieherlocken meines Sohnes. Ich sehe schon das Gespräch auf mich zu kommen. Das Gespräch, in dem ich ihm erklären werde, dass sein Äußeres im Allgemeinen und seine Haare im Besonderen Gegenstand merkwürdiger Begegnungen und Gespräche sein können. Dass es nichts mit ihm persönlich zu tun hat, dass er toll ist, wie er ist, und immer wieder Grenzen setzen darf und muss. Ich werde von rassifizierten Gedanken, Othering, Tokenism, von Übergriffigkeit, von Adultismus sprechen. Ich werde ihm erzählen von den etlichen Malen, bei denen ich plötzlich eine Hand in meinem Afro fühlte, gefolgt von gestammelten Erklärungen eines weißen Menschen: „die fühlen sich aber toll an“, „ich musste einfach mal reingreifen“ und ähnlich irritierende Aussagen. Dass das nicht in Ordnung ist, dass es aber passieren kann. Aber im Moment geht es erstmal um die Fußballschuhe.

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20. Sep. 2022
von Naima Nebel
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09. Sep. 2022
von Matthias Heinrich
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Eine Nacht im Kinderheim

Neulich haben uns unsere Kinder wieder einmal zur Weißglut gebracht. Das Übliche: Zimmer nicht aufgeräumt, Teller nicht in die Spüle gebracht, das Zu-Bett-Gehen in die Länge gezogen. Alles trotz mehrfacher Aufforderung und mit ewig langen Diskussionen. Es sind immer die gleichen Kämpfe, für die ich manchmal keine Kraft und auch keine Geduld habe. Es ärgert mich, dass ich sie ständig austragen muss, wo es einer Sieben- und erst recht einem Neunjährigen doch inzwischen klar sein sollte, wieviel einfacher unser Leben wäre, wenn sie sich an ein paar Regeln halten würden.

Als sie irgendwann schliefen, saß ich frustriert im Sessel. Unseren Kindern geht es zu gut, dachte ich. Im Grunde haben und bekommen sie alles, was sie wollen: Liebe und Aufmerksamkeit, Fernsehen und Süßigkeiten – letzteres in Maßen natürlich, aber es gibt wirklich wenige Dinge, die wir verbieten. Trotzdem halten sie sich nicht an einfache Absprachen. Sie brauchen Grenzen, sie müssen verstehen, wie gut sie es im Vergleich zu anderen haben. „Eine Nacht im Kinderheim“, dachte ich, „das würde helfen.“

Anfang der Achtzigerjahre bin ich mit meinen Eltern in ein Einfamilienhaus gezogen. Die Straße war ruhig, eine Sackgasse mit einem Wendehammer. Wir wohnten direkt neben einem Kinderheim. Keines dieser Kurheime, in denen Kinder aus dem Ruhrgebiet vier Wochen lang untergebracht wurden, um endlich einmal „gute“ Luft zu atmen, sondern ein richtiges Kinderheim. Hier lebten Kinder und Jugendliche, deren Eltern nichts von ihnen wissen wollten, gestorben waren, oder vor denen sie hatten in Sicherheit gebracht werden müssen.

In der Vorschule war ein Mädchen aus diesem Kinderheim in meiner Gruppe. Die Haut an einem ihrer Arme bestand im Grunde aus einer einzigen, riesigen Narbe. Sie sagte uns, sie habe als Kleinkind einen Topf mit kochendem Wasser vom Herd gezogen. Später erfuhren wir, was wirklich passiert war. Man kann es sich nicht vorstellen. Irgendwann, noch vor der Einschulung, war das Mädchen verschwunden. Sie sei in eine Familie gekommen, hieß es.

In unserer neuen Umgebung waren meine Schwester und ich natürlich neugierig auf die vielen Kinder, die nebenan unter einem großen Dach wohnten. Die Bewohner waren zwischen vier und neunzehn Jahren alt. Ich freundete mich mit einem Jungen an, Hans-Peter. Er war zwei Jahre älter als ich, wir gingen aber trotzdem in dieselbe Klasse. Morgens liefen alle Kinder aus der Straße, die meisten aus dem Heim, gemeinsam zur Grundschule. Zehn, zwölf Leute waren wir, zwischen sechs und elf Jahren alt.

Wenn unsere Eltern ausgingen, passten unterschiedliche ältere Mädchen aus dem Kinderheim auf uns auf. Allesamt Teenager kurz vor der Volljährigkeit, die etwas Taschengeld verdienen wollten. Das war immer toll. Es gab Chips und Fanta, wir spielten irgendetwas und durften länger aufbleiben. Es waren gute Abende.

Einmal haben meine Schwester und ich sogar in dem Kinderheim übernachtet. Es war an Silvester, offenbar fand sich niemand zum Babysitten. Wir waren etwa sieben und zehn Jahre alt, wie meine Kinder heute.

Die Heimbewohner bekamen erst eigene Zimmer, wenn sie älter wurden, wenn ich mich richtig erinnere. Etwa mit dem Erreichen der Pubertät. Vorher schliefen sie zu dritt oder zu viert in einem Raum. So wurden auch meine Schwester und ich zusammen mit zwei anderen Kindern untergebracht. Zur Begrüßung gab mir Ralf, ein kleiner, schmächtiger Junge mit einem Sprachfehler, unvermittelt eine Ohrfeige. Einfach so. Ich kannte Ralf vom Spielen auf der Straße. Er ging nicht auf die Grund-, sondern zur „Sonderschule“, wie damals alle sagten. Ralf glich fehlende Größe und sein sprachliches Handicap mit Lautstärke und Entschlossenheit aus. Körperlich war ich ihm überlegen, aber die Ohrfeige kam aus dem Nichts und hatte mich erschreckt. Im Rückblick ist mir klar, dass er sein Revier verteidigen oder markieren wollte. Im Sinne von: Da draußen ist eine Welt, aber hier im Heim gelten andere Regeln.

Das wurde im Laufe des Abends deutlich. Alle Kinder buhlten um die Gunst beziehungsweise die Aufmerksamkeit der Erzieherinnen. Es wurde gepetzt, geschlagen, hinterhältig gekniffen, markiert oder einfach provoziert. Wenn einer etwas Tolles gemacht hatte – Hans-Peter konnte sehr gut mit Lego bauen –, machte es ein anderer kaputt. Tränen, Wut, Frust, Grausamkeit.

Irgendwann später am Abend kam die Rache. Es gab ewige Opfer und raffinierte Täter. Jeder kämpfte auf seine Weise um ein bisschen Platz in dieser Zweckgemeinschaft. Die Erzieherinnen waren zu meiner Schwester und mir freundlich, aber sehr streng zu den Kindern. Sie setzten Ermahnungen, Drohungen und viele böse Blicke ein. Und im Rückblick fehlten vor allem Zuneigung und Liebe. Es gab aufmunternde Worte und Trost, aber keine Umarmung oder kein Streicheln.

Den Erzieherinnen kann man sicher kaum einen Vorwurf machen. Sie haben die Kinder versorgt, mit ihnen gelernt, gespielt und mit dem, was sie zur Verfügung hatten, versucht, sie auf den Weg für das Leben zu bringen. Aber sie haben sich auch einen emotionalen Schutzpanzer zugelegt, möglicherweise, weil sie die Geschichten der Kinder kannten und das nur mit äußerlicher Härte verbergen konnten. Und ganz sicher, wieder ohne Vorwurf, war auch Überforderung mit den vielen Kindern im Spiel.

Ich kann mich an den Geruch in dem Heim erinnern. Wahrscheinlich ein Waschmittel oder ein Reiniger. Wirklich alles roch danach, die Räume, die Betten, die Kinder. Süß und herb und irgendwie chemisch lag er in der Luft, als wollte er etwas verdecken. Niemals werde ich ihn vergessen.

An die Nacht in dem Kinderheim habe ich keine Erinnerung, wohl aber an den Morgen. Ralf weckte meine Schwester mit einer Ohrfeige. Nach dem Frühstück holten unsere Eltern uns ab. Danach spielten wir den ganzen Tag in unseren Zimmern, sprachen aber nicht mehr über die Übernachtung. Ich weiß noch, wie ich mit den Playmobil-Cowboys auf Bärenjagd ging und einfach glücklich war, dass das alles allein mein Spielzeug war und mir niemand etwas wegnahm.

Meine Schwester und ich haben einen dieser Tage miterlebt. Für die Bewohner gab es davon 365 im Jahr, über viele Jahre hinweg. Es muss unglaublich hart gewesen sein, in diesem unendlichen Kampf groß zu werden, mit anderen Kindern eng zusammenzuleben, die aber nicht Schwester und nicht Bruder sind, sondern ewige Widersacher. Freundschaften gab es, so viel ich mich erinnere, kaum unter den Bewohnern. Jeder versuchte, sein eigenes kleines Feld zu erobern.  

Das Kinderheim gibt es schon lange nicht mehr. Einige der ehemaligen Bewohner leben noch in der Gegend. Ein paar haben eigene Familien. Manchmal treffe ich jemanden, und wir unterhalten uns oberflächlich. Den Kontakt zu Hans-Peter habe ich schon vor Jahrzehnten verloren. Nach der Orientierungsstufe trennten sich unsere Wege allmählich. Ich weiß noch, dass ich ihn irgendwann besuchte, als er im Heim sein eigenes Zimmer hatte und die Pet Shop Boys und Tears for Fears liebte. Die Kassetten waren sein ganzer Stolz. Um seinem Rekorder hatte er einen bunten Panzer aus Legosteinen gebaut.

Ich bin dankbar, diese Kinder und dieses Kinderheim erlebt zu haben. Unsere Eltern haben sich damals, Anfang der Achtziger, wenig Gedanken gemacht. Es war eine pragmatische Lösung. Sie wollten ausgehen, da konnten sie ihre Kinder für eine Nacht unterbringen, also haben sie das gemacht. Ein weiteres Mal stand nie zur Debatte. Ich vermute, dass wir ihnen irgendwann doch von unseren Heimerlebnissen erzählt haben.

Was wir damals erlebt haben, war ein ungewolltes Experiment, das unsere Eltern sicher nicht im Sinn hatten. Heutige Elterngenerationen würden sicherlich vorher hinterfragen, ob ihre Lust auszugehen unser Erlebnis rechtfertigen würde. Im Rückblick fühlt es sich an wie ein Zoobesuch, bei dem wir die Perspektive des Tieres erlebten und der mit der Botschaft verbunden war: So willst du doch nicht leben, Kind!

Die Realität der Kinder in dem Heim war hart und beschwerlich, karg an positiven Erlebnissen und voller Entbehrungen und Enttäuschungen. Niemand hat das Recht, aus ihrer Notlage einen Nutzen zu ziehen. Wenn ich aber das unbeschwerte Leben meiner Kinder sehe, in dem Härten und Entbehrungen so gar nicht vorkommen, denke ich manchmal, so eine Nacht zu erleben, wie sie benachteiligte Jugendliche immer erleben müssen, täte ihnen für einen realistischen Blick auf die Welt ganz gut.

09. Sep. 2022
von Matthias Heinrich
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02. Aug. 2022
von Naima Nebel
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Ausgesetzter Anstand

Seit ich mit ungefähr sechs Jahren nach Deutschland gekommen bin, bin ich es gewohnt, sobald ich den Raum betrete in irgendeiner Form angestarrt zu werden. Nicht in meinen Safe Spaces wie bei meinen Eltern, bei uns zu Hause oder auch bei manchen Freundinnen, aber ob ich in der Bahn zur Arbeit fahre, beim Metzger Gelbwurst kaufe oder im Wartezimmer beim Orthopäden bin: Leute starren mich an. Bevor jetzt die Kommentarspalte aus allen Nähten platzt: Sicherlich werden Sie, verehrte Leser*innen beispielsweise im Sudan als weiße Person auch angeschaut, Kinder werden vielleicht sogar um sie herumlaufen. Aber in der Regel schauen die Leute nach kurzer Zeit wieder weg. Es gibt eben einen grundlegenden Unterschied zwischen Schauen und Starren.

Ich finde mich nicht besonders ungewöhnlich: Ich bin nicht auffällig dick oder dünn, groß oder klein, laut oder leise. Ich bin einfach ich. Ich bin eine schwarze Frau mit Afro. Aber so einfach ist das leider nicht – und vor allem nicht, wenn ich mit „all meinen Kindern“ einen Ort in unserer Heimatstadt Kassel aufsuche.

Wir haben 15. Hochzeitstag, und den wollten wir beim Italiener um die Ecke feiern. Wir, das umfasst meinen weißen Mann, mich schwarze Frau und unsere drei schwarzen Kinder. „Enzos“ liegt unweit unserer Wohnung nahe des Zentrums von Kassel in einem schönen Viertel mit vielen Gebäuden aus der Gründerzeit. Es ist eher hochpreisig, aber manchmal gönnen wir uns das eben. Mit dem Restaurant verbinden wir besondere Erinnerungen.

Hier habe ich „Ja“ zu meinem Mann gesagt, hier haben wir den Siebzigsten meiner Mutter gefeiert, und hier lieben wir das Tiramisu.  Enzo begrüßt uns wie Familie. Während mein Mann mit Enzo locker Small Talk betreibt, spüre ich die Blicke der zwei älteren Damen auf ein Uhr. Erst starren sie mich an und blicken dann von einem Kind zum anderen. Es ist nicht das neugierige, kurze Schauen, wer da noch ins Restaurant kommt. Es ist ein unverhohlenes, durchdringendes und nicht enden wollendes Starren. Sie legen ihr Besteck ab, nehmen ihre Stoffservietten vom Schoß, putzen sich die Mundwinkel und ihr Blick bleibt dabei auf uns heften. Ich schüttle leicht den Kopf, als würde ich die Blicke abschütteln können. „Popcorn, Ladies?“, schießt es mir durch den Kopf.

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02. Aug. 2022
von Naima Nebel
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28. Jul. 2022
von Chiara Schmucker
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Wie Michel und andere Klassiker auf dem Index landeten

Zornesrot und brüllend hüpft der Vater auf einem Bein durch die Küche, am Zeh eine Mausefalle. Der kleine Sohn liegt noch im Bett und strahlt glücklich. Er glaubt, mit der Falle eine Ratte gefangen zu haben. In Sekunden dreht sich die Situation. Nicht die Ratte, den Vater hat er verletzt, und darauf wird sogleich eine Strafe folgen, das weiß er wohl.

Die Mutter zerrt ihn eilig aus dem Bett, huschhusch, schnell in den Schuppen, bring dich in Sicherheit vor dem gewalttätigen, cholerischen, zu allem fähigen Rotköpfigen. Das Kind reißt sich los, es hat sein Holzgewehr vergessen, und dann rennen sie gemeinsam über den Hof. Das Kind an der Hand der Mutter, es trägt noch sein Nachthemd und hat keine Schuhe an. Kaum ist die Tür vom Schuppen zu, atmet die Mutter durch, streicht sich Haare und Schürze glatt und schließt auf dem Weg zurück ins Haus noch ordentlich das Gartentörchen.

„Wie kommt der Junge denn jetzt wieder raus?“, fragt mein Sohn ängstlich und schaut mich mit großen Augen an. „Die Mama hat doch das Tor abgeschlossen.“ „Schau, gleich darf er wieder raus“, sagte ich ermutigend. Doch in den Minuten, die wir noch weiterschauen, muss der kleine Kerl gleich zwei weitere Male in die Scheune.

Während die anderen lachen, spielen oder in der Sonne liegen, und die gruselige Großmutter den Tratsch über das unerzogene Kind im Dorf verbreitet, sitzt besagtes Kind bis Sonnenuntergang in einem immer dunkler werdenden Schuppen, immer noch im Nachthemd, bis es in seiner Not durch den Kamin aufs Dach klettert. Der Angestellte auf dem Hof, nicht der Vater, holt das Kind runter und geht mit ihm schwimmen. Dann ist die Sendung endlich vorbei.

Ich habe Michel aus Lönneberga, Pippi Langstrumpf und alle anderen Bücher von Astrid Lindgren geliebt, als ich ein Kind war. Doch seit ich selbst Kinder habe, kann ich es kaum ertragen zuzusehen, wie die Mutter das Kind vor dem Zugriff des Vaters „schützt“, indem sie es in den Schuppen sperrt.

Wie die dreckstarrenden Alten im Armenhaus halb verhungern, die Erwachsenen fluchen, das lästige Kind zur Seite schieben oder es mit einer Holzpantine in der Hand über den Hof jagen. Pippi, in der die Nachbarn nur das unerzogene Kind sehen, die ganz alleine lebt und selbst ihre besten Freunde mit Vorliebe an der Nase herumführt, bis diese vor Sorge Bauchschmerzen bekommen. Die so nah ums Lagerfeuer tanzt, dass sie sich selbst in Gefahr bringt, Nägel isst und Polizisten wie Banditen gerne mal durch die Luft schleudert, wenn die ihr blöd kommen.

Auch mit anderen Perlen meiner Kindheit geht es mir so. Der krummbeinige Max aus den Büchern von Barbro Lindgren-Enskog, der mit viel Verve der Ente auf den Hinterkopf haut, um seinen Schnuller wiederzubekommen, oder dem Nachbarskind im Kampf um ein Auto kräftig an den Haaren zieht – ich mag ihn nicht mehr leiden. Rotkäppchen und der böse Wolf, bei dem wir versuchten, das Blutige zu verändern und am Ende nicht mehr den Weg zurück in die Geschichte fanden, warum die Großmutter jetzt im Bauch und der Wolf erschossen ist.

Vielleicht bin ich spießig geworden, seit ich Kinder habe, übervorsichtig oder überbehütend. Dabei mag auch ich anarchische Bücher, zum Beispiel das vom kleinen Drachen Finn, der mit seinem Feuer alles pulverisiert, wenn er sich aufregt, oder von der frechen Horde Tiere, die alle mit in die Wanne springen, als der Wal ein Bad nimmt.

Ich bin sicher nicht die Fraktion Conni-Kinderbuch, in dem nur die heile Welt wiedergekäut und Alltägliches durchgespielt wird, gerne mit guter Moral und Lehrelementen. Conni geht in den Kindergarten, Conni geht zum Zahnarzt, solche Sachen. Und dennoch will ich meinen Vierjährigen nicht mit schwarzer Pädagogik im Gewand traditionsgemäß wertvoller Kinderbuchliteratur allein lassen. Ich akzeptiere nicht, dass im echten Leben gehauen, getreten oder weggeschaut wird – ich will das auch in Büchern nicht, die ich meinem Kind vorlese.

Dass das aber offenbar nicht erzieherischer Konsens ist, stellten wir neulich im Museum fest. In einer Märchenführung fand eine Geschichte ihren Höhepunkt darin, dass ein Prinz das Nachbarsmädchen erst zwang, ihn zu heiraten, „um sie so richtig zu ärgern“, und sie dann in der Hochzeitsnacht zu erstechen versuchte. Ironischerweise hatte sie das schon befürchtet und sich vorsorglich aus Kuchenteig nachgebacken, sodass niemand zu Schaden kam.

Nach dem Angriff sprang sie aus ihrem Versteck und sagte: „Jetzt können wir endlich glücklich sein.“ Wir brachen die Führung ab und im Nachgang schrieb ich der Museumspädagogin, dass ich solche Geschichten in Zeiten von #Metoo, Debatten um Gleichberechtigung und gewaltfreier Erziehung nicht zeitgemäß finde.

Man kann mich dafür auslachen, belächeln oder mir unterstellen, keine Ironie zu verstehen, keinen Humor zu haben und meinen Kindern nichts zuzutrauen, wie es Eltern vorgeworfen wird, die die Max-Bücher im Internet ebenfalls als ungeeignet bewertet haben. Doch das ist mir egal. Nur weil etwas einmal gut war, oder es uns offenbar auch nicht geschadet hat, muss ich nicht auf den gleichen Wegen weitergehen. Ich kann auch meinen eigenen wählen.

Die Michel-Frage hatte sich übrigens von selbst erledigt. „Das will ich nicht mehr schauen, Mama“, sagte mir Max danach. „Das war total langweilig.“

28. Jul. 2022
von Chiara Schmucker
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19. Jul. 2022
von Philipp Krohn
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Juli ist der neue Advent

In wenigen Minuten zur Schmetterlingsfee: Ein Mädchen wird geschminkt.

Wir sind entwöhnt. Das zeigt sich daran, dass wir nicht mehr einschätzen können, wie viele Veranstaltungen wirklich viel sind. Mit „wir“ ist unsere Familie gemeint, zwei Erwachsene und drei Kinder im Alter zwischen gerade sechs und schon etwas länger elf. Wir hängen gerade in einer Zwischenwelt: noch nicht aus Corona raus, aber auch noch nicht wieder in der Welt drin, die viele Jahre als normal galt.

Neulich war so ein Tag. Der Geburtstag des Mittleren musste nachgefeiert werden. An einem Samstag, an dem es besser passt als unter der Woche. Das erste und einzige Mal Kindergeburtstag im Indoor-Spielplatz. Schon Einladungen zu schreiben war herausfordernd. Denn auf das Kärtchen hatte er geschrieben, dass alle Kinder um 14.30 Uhr abgeholt werden sollten. Aber dann wäre es unmöglich gewesen, rechtzeitig bei der Kindergartenfeier mit Musikaufführung des Jüngsten aufzutauchen.

Also schrieben wir die Planänderung auf den Umschlag – in der Hoffnung, dass alle Eltern die widersprüchlichen Botschaften entschlüsseln würden. Trotzdem fragten wir uns, ob die dreieinhalb Stunden für Rutschen, Springen, Pommes reichen würden. Als die Kinder verschwitzt den letzten Rest Slush-Ice auslöffelten und die ersten Eltern kamen, wussten wir, dass alles richtig war.

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19. Jul. 2022
von Philipp Krohn
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12. Jul. 2022
von Matthias Heinrich
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Das bayerische Grundschul-Abitur

Endlich geschafft: Zeugnistag für Viertklässler an einer Grundschule im niederbayerischen Straubing
Endlich geschafft: Zeugnistag für Viertklässler an einer Grundschule im niederbayerischen Straubing

Bayern ist kein typisches Bundesland. Bayern ist anders, speziell. Das weiß man ja – zumindest wissen es diejenigen, die nicht aus Bayern kommen. In Brandenburg und Berlin, wo wir bis vor drei Jahren gewohnt haben, dauert die Grundschulzeit sechs Jahre. Das kann man gut oder schlecht finden, es ist halt so. In anderen Ländern, etwa in Niedersachsen, entscheiden letztlich die Eltern, welche Schule ihr Nachwuchs nach der 4. Klasse besucht. Die Noten bilden nur die Grundlage für eine Empfehlung. Wer meint, trotz Viererschnitts einen Hochbegabten großzuziehen, kann sein Kind auch damit aufs Gymnasium schicken.

In Bayern ist das anders. Da entscheidet ausschließlich der Notenschnitt, wohin die Reise geht. Die entscheidenden Fächer sind Deutsch, Mathematik und HSU (Heimat- und Sachunterricht). Stichtag ist der 1. Mai, dann stehen die Noten fest, dann bekommen die Schüler das Übergangszeugnis. Wer darin einen Schnitt von 2,33 oder besser hat (das sind etwa zwei Zweier und ein Dreier), hat freie Schulwahl, darf also aufs Gymnasium. Wer darüber liegt, aber noch unter 2,66, der geht zur Realschule. Wer auch darüber liegt, geht in die Mittelschule. Zwar haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, durch den sogenannten Probeunterricht die Qualifikation für die gewünschte Schule nachträglich zu erlangen. Aber natürlich möchte sich jeder diesen Umweg gerne ersparen.

Leserinnen und Leser können sich vorstellen, dass das ein recht ordentliches Druckszenario für Schüler bedeutet. Zudem wird die Zahl der „Proben“, so nennen die Bayern ihre Klassenarbeiten, in der vierten Klasse deutlich erhöht. „Da wird ordentlich gesiebt“, wie uns ein befreundeter Lehrer wissen ließ. Wobei das Wort „Probe“ an sich schon ein Witz ist. Theaterfreunde wissen, dass ein neues Stück monatelang geprobt wird, dass es am Ende eine Hauptprobe und vor der Premiere eine Generalprobe gibt, bei der das Stück zum ersten Mal richtig sitzen muss. Es ist trotzdem aber noch eine Probe. Das sind die Proben in der Grundschule in Bayern nicht. Wer da versagt, wird ausgebuht und zwar von den Lehrern, in Form einer schlechten Note. Nicht nur so zur Probe, sondern ganz real.

Uns war dieses Szenario für das letzte Grundschuljahr unseres Sohnes überhaupt nicht bewusst. Nach sechs Jahren in Berlin, unserer eigenen Schulzeit in Niedersachsen und einer endlosen Corona-Schleife, die wir nach wochenlangem Homeschooling gott- und lehrerverlassen irgendwie überstanden hatten, dachten wir eigentlich, vor allem gefeit zu sein. Spätestens im Herbst sah es anders aus. Nach der dritten Deutsch-Probe innerhalb von drei Wochen fragte ich eine Mutter mit älteren Kindern, ob diese Taktung normal sei in Bayern. „Ja, ja“, antwortete sie. „Jetzt geht es um die Wurscht. Die Proben folgen im Stakkato. Man spricht auch vom ‚Bayerischen Grundschul-Abitur’“.

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12. Jul. 2022
von Matthias Heinrich
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05. Jul. 2022
von Naima Nebel
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Endliche Gastfreundschaft

Seit ein paar Wochen gibt es für unseren neunjährigen Zweitgeborenen nur noch Verabredungen mit Leo. Malik geht mit Leos Familie ins Schwimmbad, nach dem Hort treffen sie sich auf dem Bolzplatz, Leo schaut sogar mit unserer Jüngsten „Paw Patrol“. Es ist, als ob es Malik und Leo nur noch im Doppelpack gibt, mal bei uns, mal bei Leo. Was mich aber schon während ihrer Beste-Freunde-Zeit im Kindergarten kirre gemacht hat, zeigt sich jetzt wieder: Leos Eltern beenden die Treffen, wenn Malik bei ihnen ist, grundsätzlich kurz vor dem Abendessen.

Einfach ein Teller mehr: Gedeckt wäre der Tisch schnell.
Einfach ein Teller mehr: Gedeckt wäre der Tisch schnell.

Letzten Mittwoch kam Malik aber deutlich nach dem Abendessen heim. Wortlos zog er die Schuhe aus, warf seine Jacke ins Kinderzimmer und inspizierte die Reste unseres Abendbrots in der Küche. Wir waren gerade am Abräumen, und Malik schnappte sich hier eine Paprika, dippte da Brot in Foul und nahm sich letztlich einen Apfel. „Hast du noch Hunger?“ frage ich, während ich die Spülmaschine einräume. Neugierige Mutter, die ich bin, will ich wissen, was es bei Leo zu essen gab. Malik zuckt nur mit den Schultern und hält die Schüssel mit dem Foul fest. Ich mache die Spülmaschine zu, nehme Foul, Brot und den Rohkostteller. Mit einem Nicken gebe ich Malik zu verstehen, dass wir uns an den Tisch setzen und zusammen essen.

„Mama, du weißt gar nicht, was Leo für eine coole Beyblade-Arena hat“, erzählt Malik strahlend, und er beschreibt en detail, was Leo und er heute alles erlebt haben. Dabei komme ich gar nicht hinterher mit dem Brot-Reichen, der kleine Mann hat offensichtlich richtig Hunger. Ich hake beim Thema Schule kurz ein, erfahre, dass nächste Woche ein Ausflug ansteht, frage nach den Hausaufgaben, um schließlich zu wiederholen: „Was gab‘s denn bei Leo zu essen?“ Ich bin echt neugierig. Zum einen sind Leos Eltern Vegetarier, und ich bin immer dankbar für vegetarische Essensinspirationen, die auch Kinder mögen. Zum anderen hat diese Familie so ein Ding mit Essen. Scheinbar kann das bei ihnen ausschließlich im engsten Familienkreis stattfinden. Bisher wurde unser Kind immer heimgeschickt, oder ich sollte es abholen, vor dem Essen versteht sich.

Malik wischt mit einem viel zu großen Stück Brot die Foul-Schüssel aus und stopft sich das Bohnenmus in den Mund. Foul ist echtes Soulfood. Es ist für mich der Inbegriff von Zuhause. Reichhaltig, warm, würzig und mit dem extra Schuss Sesamöl einfach genau das richtige Essen, um ein wohliges Gefühl zu erzeugen. Genau das meine ich jetzt auch in Maliks Gesicht zu sehen. „Boah, Mama, ich bin satt. Ich habe keine Ahnung, was die gegessen haben. Ich habe in Leos Zimmer gewartet, bis er fertig war, und dann haben wir noch weiter gebeybladet“, erläutert Malik, steht auf und wäscht sich die Hände. Seine Augen fragen, ob er noch sein Essen wegräumen muss, und ich ertappe mich, dass ich immer noch mit offenem Mund dasitze.

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05. Jul. 2022
von Naima Nebel
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28. Jun. 2022
von Chiara Schmucker
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Plötzlich alleinerziehend – zwei Wochen im Juni

Das Baby auf dem Arm, dirigiere ich den Großen ins Badezimmer. „Komm, Hände waschen, Gesicht waschen, dann helfe ich dir beim Zähneputzen.“ Da klingelt in der Küche der Wecker, und schon ist er mir wieder entwischt. „Finger weg vom Ofen“, rufe ich ihm schnell nach, bevor ich auch zu rennen anfange, so schnell wie man mit einem Baby auf dem Arm eben rennen kann. Ich stolpere fast über den Korb gewaschener Handtücher, schlängle mich am Wäscheständer vorbei, am Matchbox-Autostau und den Büchern, die der Kleine vorhin energisch aus dem Bücherregal geräumt hat. Noch bevor ich in der Küche ankomme, erhasche ich einen Blick auf mich im Spiegel. Ich habe noch meinen Schlafanzug an, die Haare aus dem Gesicht gebunden, damit keine Babyhand daran reißt. Ich habe rote Wangen und sehe etwas angespannt aus. „Mama, bist du stinksauer?“, fragt der Große mit aufgerissenen Augen, als ich ihn vor dem Ofen erwische, wo er artig und mit gebührendem Abstand darauf wartet, dass ich die Aufbackbrezeln heraushole. „Nein, mein Schatz“, sage ich und knie mich runter zu ihm, was dem Baby nun gar nicht gefällt. „Ich bin einfach ein bisschen angestrengt, weil ich mich seit Tagen allein um euch kümmern muss.“ Mit dem nächsten Satz mache ich vor allem mir selbst Mut: „Bald ist der Papa wieder gesund und kann mit anpacken.“

Die Arbeit wird nicht weniger, wenn Eltern sie sich auf einmal nicht mehr teilen können.
Die Arbeit wird nicht weniger, wenn Eltern sie sich auf einmal nicht mehr teilen können.

Mein Mann hat Corona, wie so viele gerade in Deutschland. Er hat sich auf einem Musikfestival angesteckt, dem ersten Event seit zwei Jahren, das er besucht hat. Schon beim ersten Halskratzen haben wir uns „separiert“, wie man im Corona-Sprech so schön sagt, damit zumindest die Kinder und ich gesund bleiben. Heißt: Wir haben unser Haus in zwei Hälften geteilt. Das oberste Stockwerk mit Badezimmer wurde zu seinem Refugium, Keller, Erdgeschoss und erster Stock gehören mir und den beiden Jungs. Max ist knapp vier, Lenny knapp ein Jahr alt. Ein Alter, in dem Mamas acht Arme gebrauchen könnten. Zwei zum Tragen, Kitzeln und Welt Zeigen, zwei zum Spielen und Aufpassen, damit das Kind den heißen Ofen nicht anfasst oder irgendwo herunterfällt, zwei zum Kochen, Tisch Auf- und Abdecken und Spülen, und dann noch zwei zum Aufräumen, Ordnung Machen und Wäsche Waschen.

Doch statt acht Armen habe ich knapp zwei Wochen lang nur meine beiden Arme, während mein Mann sich durch Fiebernächte, Hustenattacken und bleierne Müdigkeit kämpft – und vor allem versucht, seine Viren bei sich zu behalten. Er tut zwar aus dem Off, was seine Kräfte und der Abstand zu uns ermöglichen, schaltet eine Waschmaschine an oder kocht ein Mittagessen. Und dennoch bekomme ich in diesen zwei Wochen einen Eindruck davon, wie herausfordernd der Alltag für Alleinerziehende sein muss. Wenn man nicht nur die Tage, sondern auch alle Nächte alleine bestreiten muss. Alle. Ausnahmslos. Wenn man sich nicht mit den Frühschichten abwechseln kann, sondern in jedem Fall mit dem ersten Kind aufstehen muss, damit das andere noch ein paar Minuten weiterschlafen kann. Wenn das große Kind im Schlafanzug mit auf den Morgenspaziergang mit dem Kleinen mit muss, damit der kurz nach dem Frühstück noch mal eine Runde schlafen kann. Wenn der Kleine mit großen Augen mitschaut, wenn der Große am Nachmittag eine Runde fernsehen darf, während ich die Küche aufräume. Wenn ich einhändig Lego baue, weil das zahnende Baby sich nicht eine Minute absetzen lässt.

Zudem die Unvorhersehbarkeiten im Alltag mit Kindern: Max pieselt nachts in sein Bett, Lenny muss sich vom Grießbrei übergeben. Max träumt schlecht und kommt zu mir ins Bett, Lenny wacht davon auf und kann nicht mehr einschlafen. Es ist drei Uhr früh.

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28. Jun. 2022
von Chiara Schmucker
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21. Jun. 2022
von Patrick Franzen
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Kriegsspiele

Mein Sohn Max liebt Kriegsspiele. In seinem Zimmer stehen Burgen und Ritterheere. Piratenschiffe kreuzen das Teppichmeer, römische Legionen und gallische Krieger stehen einander unversöhnlich an der Türschwelle zum Flur gegenüber. Insbesondere Playmobil hatte bis vor kurzem noch einige historisch inspirierte Themenwelten im Programm, die sowohl in Frankreich als auch in Deutschland großen Erfolg in den Kinderzimmern hatten.

Max hat inzwischen eine beachtliche deutsch-französische Playmobilbrigade aufgebaut. Außerdem liebt er kriegerische Rollenspiele, eine Leidenschaft, die er mit den anderen Jungs und einigen Mädchen auf dem Pausenhof teilt. Interessanterweise herrschte eine ganz ähnliche Faszination für Kriegsspiele in der französischen Ecole maternelle vor wie nun in der Grundschule in Deutschland.

Das Thema Kriegsspiel beschäftigt uns schon, seit Max bei einem Kindertheaterbesuch im Alter von dreieinhalb Jahren mit der Welt der Piraten konfrontiert wurde und er danach sofort und unbedingt einen Säbel haben wollte. Piraten ohne Säbel, Flinten und Kanonen sind schwer vorstellbar. Aber sie werfen für uns als Eltern und für Max die grundsätzliche Frage auf, was eigentlich Gewalt ist, warum Menschen gegeneinander kämpfen und ob Krieg legitim sein kann.

Nach der Zeitenwende in Folge des Angriffs Russlands auf die Ukraine werden diese Fragen für viele in einem neuen Licht erscheinen, aber die heftigen Debatten, die wir in Deutschland derzeit über die erforderlichen Hilfen für die Ukraine führen, zeigen, dass das Thema Krieg (und damit das Kriegsspiel) aus deutscher Sicht nicht unbelastet ist.

Es gibt ein Foto aus der Familie meines Vaters, das im Jahr 1944 entstanden sein muss. Man sieht meinen Großvater und meine Großmutter zusammen mit ihren Kindern, darunter meinen Vater im Alter von fünf Jahren, in der Stube vor dem prächtig geschmückten Weihnachtsbaum posieren. Alle sind festtäglich gekleidet und lächeln froh. Stolz hält mein Vater ein sehr realistisch gestaltetes Holzgewehr vor sich, mit Umhängegurt und Nachladevorrichtung. Links am Bildrand vor der neuen Puppe meiner Tante steht ein Metallpanzer, der erst auf den zweiten Blick ins Auge fällt und das friedliche Familienfoto in ganz unfriedlicher Zeit verortet: Spielzeug war im Dritten Reich eines von vielen Mitteln nationalsozialistischer Propaganda.

Es gab Panzer und Kriegsschiffe, Militärtransporter und Jagdflieger und jede Menge Zinnsoldaten in Wehrmachtsuniform, und natürlich dienten diese Spielsachen dazu, frühzeitig den Kindern einen militaristischen Geist einzupflanzen. Die ideologische Rolle von Spielzeug war so offenkundig, dass der Bundestag später, im Jahr 1950, sogar ein Verbot von Kriegsspielzeug beschloss (das allerdings nie umgesetzt wurde).  

Nun ist Max in den ersten sechs Jahren seines Lebens in Frankreich aufgewachsen. Auch in Frankreich gibt es kritische Rückfragen an die eigene militärische Geschichte, insbesondere hat sich gegen einige Widerstände in den letzten Jahren eine Debatte um Kriegsverbrechen des französischen Militärs während des Algerienkriegs entfaltet.

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21. Jun. 2022
von Patrick Franzen
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14. Jun. 2022
von Matthias Heinrich
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Sei Annika, nicht Pippi

Kürzlich bin ich irgendwo in den Sozialen Medien, bei Instagram oder Facebook, mal wieder über diesen Spruch gestolpert: Sei Pippi, nicht Annika. Eine „Freundin“ hatte ihn gepostet. Einige ihrer „Freundinnen“ haben ihn geliked und ein paar sogar geteilt. Ganz neu ist der Spruch nicht, er taucht seit ein paar Jahren immer mal wieder auf.

Die Message hinter diesen vier Worten ist einfach. Im Positiven bedeuten sie: Sei stark, offen, frech, frei, mutig, unbelastet, lass mal Fünfe gerade sein (oder halt zweimal drei gleich vier). Tu, was dir Spaß macht – und vor allem: Mach dir die Welt eben widdewidde wie sie dir gefällt. Und sei auf der anderen Seite bloß nicht langweilig, schüchtern, nachdenklich, zögerlich, vorsichtig, zurückhaltend und vor allem kein Angsthase. Sei eben Pippi und nicht Annika.

Um es gleich zu vorweg zu nehmen: Ich kann diesem Spruch nichts abgewinnen. Absolut gar nichts. Mehr als das: Ich halte ihn für selten dämlich. „Sei Pippi, nicht Annika“ – das stellt die beiden Mädchen-Charaktere aus Astrid Lindgrens großartigem Buch so harsch gegeneinander. Entweder bist du Team Pippi oder Team Annika, schwarz oder weiß, stark oder langweilig. Dabei spielen Pippi und Annika doch im selben Team. Es sind Freundinnen, die gemeinsam ihre Abenteuer bestehen. Die Geschichten entwickeln vor allem aus dem Kontrast dieser beiden Charaktere ihren Zauber. Weil Annika ängstlich ist, kann Pippi mutig sein. Weil Pippi stark ist, kann Annika Schwäche zeigen.

Maria Persson als Annika (r.) und Inger Nilsson als Pippi Langstrumpf in den Filmen aus den späten Sechzigerjahren
Maria Persson als Annika (r.) und Inger Nilsson als Pippi Langstrumpf in den Filmen aus den späten Sechzigerjahren

Mir haben die Geschichten schon als kleines Kind gefallen. Ich mochte Pippi, na klar, aber auch Annika. Wenn Annika warnte: „Pippi, tu das nicht“, hat Pippi es erst recht getan. Das war cool. Pippi ist natürlich eine tolle Figur. Sie ist anarchisch und frech. Sie macht einfach ihr Ding. Allerdings ist Pippi kein normales Mädchen, sondern eine Superheldin. Sie fürchtet sich vor nichts, ist so stark wie fünf Männer, sie hat einen Koffer voller Geld, wohnt allein mit einem Pferd und einem Affen in einer Villa. Pippi ist eine tolle Figur, aber eben nicht von dieser Welt. Sie ist unerreichbar, wie Superman. Leider. Darum taugt Pippi Langstrumpf nicht als Vorbild.

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14. Jun. 2022
von Matthias Heinrich
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07. Jun. 2022
von Sonia Heldt
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„Ihr habt mir einen Teil meiner Kindheit genommen!“

Ein sonniger und warmer Tag. Der Rasen ist sattgrün, die Beete stehen in voller Blüte. Es duftet nach Lavendel, Zitronenminze und Currypflanze. „Herrlich. Der Sommer kann kommen“, sage ich.

Maya, die neben mir im Garten auf der Terrasse sitzt, kann meine Begeisterung nicht teilen. „Ich weiß gar nicht, was ich in den Sommerferien machen soll. In den ersten Ferienwochen fahren alle meine Freundinnen weg, du musst arbeiten, und ich kann nicht mal schwimmen gehen“, nörgelt Maya. Es ist das zweite Jahr, in dem Maya vom Arzt Schwimmverbot verordnet bekommen hat.

„Wir machen es uns im Garten schön“, sage ich. „Vielleicht stelle ich mir hinten im Schatten einen Tisch hin, dann kann ich schreiben und dir Gesellschaft leisten.“

Maya verzieht das Gesicht. „Und was soll ich dann in der Zeit anfangen? Die Schaukel wackelt total, wenn ich mal richtig loslege und die Reckstangen darf ich nicht mehr benutzen, sagt Papa. Was soll ich da im Garten?“

Es stimmt, die Schaukel kann nur noch für gemäßigtes Schaukeln genutzt werden, die Zeiten der Kunststücke und des Bis-in-den-Himmel-Fliegens sind vorbei. Die Pfosten der Reckstangen sind durchgefault und müssen dringend ausgegraben werden. Und Donnerstag hat ebenfalls längst ausgedient.

Ein eigenes Pferd zu besitzen – davon träumen viele große und kleine Leute.

Donnerstag, wie meine große Tochter Lara ihn damals getauft hat, ist ein stabiles, sehr hochwertiges Holzpferd. Wir haben es den Kindern (in erster Linie der pferdebegeisterten Lara 2010) zu Weihnachten geschenkt. Er stellte jahrelang das Highlight in unserem Garten dar. Jedes Kind, das zu Besuch kam, verfiel seinem Zauber. Die Kinder haben ihn gesattelt, gestriegelt, gefüttert und die tollsten Fantasie-Ausritte mit ihm erlebt. Aber nun, nach zwölf Jahren, ist seine Zeit abgelaufen. Rostige Schrauben und Splitter ragen aus dem Holz. Die Querbalken, die als Aufstiegshilfe dienen, sind fast alle durchgebrochen. Das Spielgerät stellt inzwischen eine Gefahrenquelle dar. Regelmäßig, wenn Lara mit ihren Freunden im Garten hockt und die Jugendlichen ein paar Bierchen intus haben, steigen zu fortgeschrittener Stunde ausgewachsene Jungs und Mädchen gemeinsam für ein Gruppenfoto auf das Holzpferd. Maya hat mir diese Fotos auf Snapchat gezeigt. Ich habe geschmunzelt, bekam aber auch Angst, dass sich eines Tages jemand ernsthaft verletzen könnte. Mein Mann und ich wollen das Pferd seit Jahren entsorgen, aber die Mädchen haben sich bisher vehement gewehrt. Maya spielt auch nicht mehr mit ihm, denn sie hat einen anderen großen Wunsch.

„Ich wünsche mir schon seit Ewigkeiten ein Trampolin. Warum darf ich nicht? Wir haben so viel Platz im Garten. Ich könnte nicht nur springen, sondern es mir mit Kissen darauf gemütlich machen. Und meine Freundin könnte darauf mit mir übernachten. Das wäre so cool – Schlafen unter freiem Himmel“, bettelt Maya.

Mein Mann und ich haben uns bisher taubgestellt. Die Riesendinger verschandeln wirklich jeden Garten. Ständig muss man das Sprungtuch vom Schmutz befreien. Im Winter steht das Gerät herum und sieht hässlich auf. All die Jahre glich unser Garten einem riesigen Kinderspieleparadies: Schaukel, Sandkasten, Spielhaus, Matschecke mit Outdoorküche, Spielecken unter den Bäumen und im Gebüsch, große Planschbecken, kleine Planschbecken, Gummitiere, Wasserbahn, Barbiewelten, Sandspielzeug, Bälle. Es war mühselig, die tausend Dinge von der großen Rasenfläche aufzusammeln oder wegzurücken, bevor man den Rasenmäher anschmeißen konnte.

Je größer die Kinder wurden, desto übersichtlich und aufgeräumter wurde der Garten. Es blieben nur noch unsere große Schaukel, die Reckstangen – und Donnerstag. Das ehemalige Kinderparadies ist erwachsen geworden. Ich überdenke Mayas Bitte. Es ist wahrscheinlich der letzte große kindliche Wunsch, den wir ihr erfüllen können. Vielleicht hat sie zwei Jahre, vielleicht aber auch nur noch ein Jahr ihre Freude an dem Trampolin. Sie ist schließlich schon vierzehn. Mein Mann ist gegen die Anschaffung, aber ich lasse nicht locker: „Wenn die Reckstange weg ist, hat Maya nichts mehr, was sie in den Garten zieht. Und richtig schaukeln kann man auch nicht mehr, weil man gegen die Apfelbaumäste stößt. Komm schon, schenken wir Maya noch ein bisschen Kindheit und entsorgen dafür den kaputten, alten Kram“, überrede ich ihn.

An einem Samstagmorgen wird das Trampolin angeliefert. Die Mädchen sind unterwegs. Mein Mann steckt den Rahmen zusammen. Mann, ist das Ding riesig! Aber ich freue mich: Maya wird glücklich sein, wenn sie später nach Hause kommt! Ich helfe meinem Mann beim Aufbau. Dann entfernen wir die Reckstangen. Zum Schluss holt mein Mann die Kettensäge. Es tut mir ein bisschen leid, als ich sehe, wie er dem Holzpferd den Kopf absägt. Ich bitte ihn, sich zu beeilen. Es ist besser, alles ist weg, bevor unsere Töchter nach Hause kommen und diskutieren wollen.

Maya jubelt, als sie vom Training kommt, und probiert das Trampolin gleich aus. Dass das Pferd nun in Einzelteilen auf dem Rasen liegt, registriert sie nur kurz. Mein Mann und ich transportieren die (verdammt schweren) Holzstücke aus dem Garten und schmeißen sie auf den Auto-Anhänger. Mein Mann erinnert sich daran, wie anstrengend es 2010 war, das große Pferd mit vier Mann heimlich am Heiligabend in unseren Garten zu schleppen. Was war das damals für ein Kraftakt! Aber es hatte sich gelohnt. Donnerstag war ein tolles Weihnachtsgeschenk!

Nachmittags kommt Lara nach Hause. Wir essen alle gemeinsam. Sie nimmt das Trampolin emotionslos zur Kenntnis. „Echt jetzt? Ein Trampolin?“

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07. Jun. 2022
von Sonia Heldt
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31. Mai. 2022
von Chiara Schmucker
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„Was ich dir sagen will, mein Kind“

Kürzlich habe ich das erste Mal seit zwei Jahren wieder einen Film im Programmkino gesehen. Darin ersetzen Androiden die Lebenspartner, sie sind darauf programmiert, ihr Gegenüber glücklich zu machen. Um als spannende Gesprächspartner anzukommen, sind sie verknüpft mit Suchplattformen, digitalen Bibliotheken und Musikdatenbanken.

Durch diesen Joker sind sie in allen Themengebieten der Allgemein- und Spezialbildung bewandert, vom aktuellen Kunstmarkt bis zu Erster Hilfe, können ein Gedicht aus dem Stand aufsagen und das minimierte Risiko eines Verkehrsunfalls durch eine optimierte Sitzhaltung berechnen. Statt nachts zu schlafen, räumen sie auf, sortieren Bücher um und Gerümpel aus und wecken morgens mit frisch gebrühtem Kaffee und frischen Blumen. Ich war ein wenig neidisch auf sie. Keine Aufschieberitis, kein Gedankenkarussell, kein erschöpftes Ich-kann-nur-noch-auf-dem-Sofa-liegen-und-Netflix-gucken. Anfangen, anpacken, abhaken.

Nun bin ich natürlich kein Android und muss schlafen – aber könnte ich heute auch Koreanisch sprechen, wäre klüger, erfolgreicher und zufriedener, wenn ich seit meiner Jugend täglich zehn Seiten in einem Sachbuch gelesen oder zehn Minuten Koreanisch gelernt hätte?

Der Film sponn einen Gedanken weiter, den ich schon lange mit mir herumtrage: Die Frage danach, wie ich mein eigenes Leben in der Vergangenheit hätte optimieren können und welchen Rat zum Zeitinvestment ich meinen beiden Söhnen gerne mit auf den Weg geben würde. „Wenn sie nur jeden Tag ein bisschen weniger schlafen, ein bisschen joggen oder Skateboard fahren, Französisch lernen oder einige Seiten Ratgeber lesen, werden sie nach einigen Jahren alle diese Fähigkeiten wie selbstverständlich perfekt beherrschen“, sinniere ich. „Das ist doch Quatsch“, sagt mein Mann. „Wir wollten doch auch nie, dass unsere Eltern uns vorgeben, was wir wann zu tun haben. Die Kinder sollen selbst rausfinden, was sie wollen und wie viel Zeit sie da reinstecken wollen. Die Erfahrung müssen sie schon selbst machen.“

Ich weiß es ja. Zu diesen Erfahrungen gehört auch, sich 20 Jahre später darüber zu ärgern, damals nicht etwas fleißiger, interessierter oder eben auch cooler gewesen zu sein.

Fünf Stunden verbringen Amerikaner täglich an ihren Smartphones, habe ich heute wieder gelesen. Fünf Stunden vergeudete Lebenszeit, naja, mindestens viereinhalb, wenn man eine halbe Stunde für Kontaktpflege und Terminvereinbarungen abzieht. Wenn ich daran denke, wofür man diese Zeit alles nutzen könnte, wird mir fast schwindelig.

Zum Sport gehen, Gesellschaftsspiele spielen, schlafen, Yoga machen, Freunde treffen, Wein trinken und und und. Wer kleine Kinder hat, kann nachempfinden, wie wertvoll oft schon zehn Minuten sind. Und doch habe auch ich täglich drei bis vier Stunden Smartphone-Zeit angesammelt, das zeigt mir mein Telefon an.

Als Mutter von zwei sehr kleinen Kindern gestalte ich momentan noch in weiten Teilen ihr Leben. Ich entscheide, was ich für sie koche (das ist nicht unbedingt das, was sie später essen), wann sie schlafen gehen (aber leider nicht, wann sie aufstehen) und womit sie ihre Zeit verbringen (soweit unsere Vorstellungen kompatibel sind). Ich bin kein Fan davon, ihre Tage mit Terminen zu füllen.

Mit Max gehe ich einmal in der Woche zum Kinderturnen, im Rest der Woche lassen wir ihm bewusst die Nachmittage frei für die vielbeschworene Langeweile, die sich bei ihm doch nie einstellt. Max spielte schon immer am liebsten und am schönsten, wenn wir einfach dabeisaßen. Wir mussten gar nicht mitspielen, nur da sein. „Mehr sein, weniger machen“, ist ein Mantra, das mir häufig auf Instagram begegnet. Erst seit ich Kinder habe, begleitet es mich in meinem Leben.

Wenn man darüber nachdenkt, was man für die eigenen Kinder wünscht, fällt einem natürlich unweigerlich die eigene Kindheit ein, die Ideale und Wünsche der eigenen Eltern. Ein Instrument zu spielen und eine Sportart auszuüben, waren bei meinen Eltern Pflicht. Ich habe recht gut Flöte spielen gelernt, doch obwohl ich Woche für Woche zum Handball trottete, wurde aus mir nie eine große Spielerin. Ich hätte wohl mutiger sein müssen und einfach mal die Sportart wechseln. Erst als Teenager begann ich zu tanzen und fand darin meine Leidenschaft.

Die Vorstellung, dass meine Kinder ihre Jugend vielleicht mit Herumhängen, Kiffen oder Computerspielen verbringen könnten, ist quälend für mich. Dabei hatte auch ich Phasen, in denen ich mich vor allem mit Computerspielen, Telefonieren oder Schwärmen für Oberstufenschüler beschäftigt hatte.

Ich stelle mir stattdessen lieber vor, dass ich ihnen die Begeisterung fürs Tauchen und die Unterwasserwelt vermitteln kann und wir in Ägypten gemeinsam für ihre Tauchprüfung büffeln. Dass sie nicht aus dem Geschichtsunterricht in der Schule rausfliegen, weil sie eingeschlafen sind, sondern dass sie zumindest eine grobe Vorstellung von unserer Vergangenheit entwickeln und irgendwann fragen, ob wir mal in die Staaten fahren könnten, weil sie die Freiheitsstatue sehen möchten. Dass sie sich im Frankreichurlaub verlieben und plötzlich froh sind, weil ich sie auf langen Autofahrten mit der Musik von Zaz einlullte, die die neue Flamme nun auch toll findet.

Ich will, dass sie mutig durchs Leben gehen, mit dem Herz am richtigen Fleck und einer Begeisterung für die Möglichkeiten, die das Leben ihnen bietet. Ich hoffe, dass ich ihnen später den Rat geben darf, es einfach zu wagen mit dem Auslandsaufenthalt. Und ihnen versprechen darf, sie in allen Ferien zu besuchen, sollte das Heimweh zu schlimm werden. Dass ich sie dafür begeistern kann, eine Fremdsprache zu lernen oder sich auch mal an ein Matherätsel heranzuwagen. Unterschiedliche Sportarten auszuprobieren und auch mal Pläne über den Haufen zu werfen.

Ich würde gerne besser Französisch sprechen, mehr Sachbücher lesen und tatsächlich mal ein Kochbuch durchkochen. Davon abgesehen habe ich nicht das Gefühl, in meinem eigenen Leben viel versäumt oder Zeit vergeudet zu haben. Ich mag einfach das Gedankenspiel, was alles noch dringewesen wäre, wenn ich nur eine Stunde am Tag anders gefüllt hätte.

Der Gedanke, das eigene Leben zu optimieren, lässt meinen Mann übrigens ziemlich kalt. Wo ich mit Listen und Akribie an das Thema herangehe, empfindet er solche Vorausplanungen und Festlegungen als abstoßend. Jeden Tag ein neues Rezept aus einem Kochbuch kochen – wie soll das schon zeitlich gehen? Er ist ein Gefühlsmensch, er probiert neue Rezepte aus, wenn er Zeit, Lust und Muse hat.

Im letzten Lockdown haben wir uns einmal auf das Abenteuer eingelassen, und wollten zwei Wochen lang statt in den Urlaub zu fahren kulinarisch um die Welt reisen. Jeden Tag haben wir ein Gericht aus einem anderen Land gekauft oder geholt, passende Musik dazu aufgelegt oder einen Stadtspaziergang auf Youtube auf unserem großen Fernseher angesehen.

Wir waren so in Japan, in Frankreich, in der Schweiz, in Thailand und in Italien. Das war cool. Aber dann ging uns die Puste aus. Neues ist anstrengend, merkten wir beide, man kann nicht immer nur optimieren und für neuen Input sorgen. Man braucht auch die ruhigen Phasen, in denen man wächst und sich das Neue einverleibt, so dass es Teil der Persönlichkeit wird.

Mein Kind, was ich dir sagen will: Ich werde dich begleiten, auf Fußballplätze, beim Vokabellernen und bei deinem ersten (und auch zweiten und dritten) Liebeskummer, wenn ich das darf. Ich werde versuchen, dir die Weichen für ein erfülltes Leben zu stellen, dich ermahnen und antreiben, wenn du mal antriebslos und ohne Lust bist (weil Eltern das eben tun müssen), dich aber nicht mit Listen zur Selbstoptimierung quälen. Und ich kann es nicht erwarten, dich das erste Mal Französisch sprechen zu hören. Vielleicht lerne ich dann ja noch mal mit. Nur zehn Minuten am Tag.

31. Mai. 2022
von Chiara Schmucker
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24. Mai. 2022
von Naima Nebel
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Und wo stehen die anderen Eltern politisch?

Kürzlich war Amir, Sohn Nummer 1, bei Max zum Spielen verabredet. Nichts Spektakuläres: Am Freitag nach der Schule gemeinsam Essen, Hausis machen, Zocken und Rausgehen. Und weil es eine Verabredung am Freitag ist, wollte Nummer 1 bei Max übernachten. Übernachten! Ich höre das Wort und bin in Hab-Acht-Stellung.  Ganz subtil frage ich ihn aus, wer denn nun Max sei. Wo er wohne, was seine Eltern machen, ob er Haustiere hat, Geschwister?

An meiner Fragetechnik muss ich offenbar noch arbeiten, denn die Blicke meines Mannes verheißen nichts Gutes. Er fragt mich, seit wann ich bei der Polizei arbeite und woher unser Sohn das alles wissen solle. Bevor mein Mann sein übliches „kein Problem“ an unseren Erstgeborenen richten kann, reiche ich Amir eine Limo und sage, dass ich das mit seinem Vater besprechen werde.

Ich versuche Zeit zu gewinnen, schneide noch eine Zitrone, presse sie mit der Hand aus und bereite gedankenverloren in unserem Hipster-Getränkespender fünf Liter Limonade zu. „Also, was willst du besprechen?“, werde ich von meinem Mann aus meinen Gedanken gerissen. „Wir kennen die Eltern von Max nicht“, fange ich an und versuche meine – absolut emotional begründete und wenig handfest belegbare – Argumentationskette souverän aufzubauen. Dann haue ich doch recht hilflos raus: „Ich weiß nicht, wo die politisch stehen, ich weiß nicht, wie die zu unserem Kind sein werden, ich fühle mich nicht wohl dabei, wenn er dort übernachtet.

Puh. Ich hatte es ausgespuckt. Ich fühle mich gut und elend.

„Was bin ich nur für ein Schisser?!“, denke ich und gleichzeitig frisst mich das Unbehagen auf, dass ich nicht weiß, in wessen Hände ich meinen Sohn gebe. Ich verziehe mein Gesicht, als ich die Limonade probiere, schüttle mich und versuche sowohl mit der Säure, als auch mit meinen Ängsten klar zu kommen.

„Hm“, eröffnet mein Mann seine Antwort. Mich macht seine Lässigkeit jetzt schon wahnsinnig, und ich halte mich an meinem Glas fest. „Also soweit ich weiß, wird unser Sohn mit Max spielen und sehr wenig mit den Eltern zu tun haben. Mir ist schnuppe, was sie beruflich machen und ich gehe einfach davon aus, dass sie keine AFD- oder NPD-Wähler sind, wenn ihr Kind mit unserem cool ist. Also wegen mir kann er dort übernachten.“

„Was weißt du denn schon?“, denke ich und erinnere mich an vergangene Verabredungen unseres Kindes. Er hatte bei der Familie eines Kindergartenfreundes übernachtet und war mit ihnen an den See gefahren. Dort hatte ihn ein fremdes Kind mit dem N-Wort beschimpft. Bei einer anderen Verabredung im Freibad wurde unser Kind gefragt, ob er adoptiert sei. Beide Male war ich es, die mit Amir abends im Bett lag und diesen Müll als solchen identifiziert habe.

Ich fühle mich wie früher im Physikunterricht. Da war ich eine hoffnungslose Niete und wenn ich irgendwas erklären sollte, war ich lost. Und stumm. Und sauer, weil ich selbst das bisschen was ich verstanden hatte, nicht in verständlichen Worten wiedergeben konnte. Wie erkläre ich Basti, also meinem Mann, dass es mir noch unmöglich ist, nicht zu wissen, bei wem unser Kind ist. Dass unser Sohn mit anderen Dingen konfrontiert ist, als er es selbst war. „Also?“, drängt Basti. Ich gieße mir mehr Limonade ein, tropfe Agavendicksaft hinein. Ich rühre in dem Glas herum und probiere mit dem Löffel. Bäh. Viel zu süß.

Ich schaffe es nicht, diesmal nicht. Ich schweife von meiner echten Angst ab und probiere es mit einem seichten Argument:

 „Das hast du das letzte Mal auch alles so gesagt. Von wegen alles unwichtig und so. Dann hat Amir bei Toni übernachtet und die Jungs haben stundenlang gezockt, sich abends mit Chips und Cola vor Netflix gesetzt und morgens genauso weiter gemacht! Und soweit ich weiß, waren die Eltern einen Großteil des Abends gar nicht da.“ Meine Worte überschlagen sich. Nix mit souverän und cool in der Gesprächsführung. Nicht mal eine Annäherung an mein echtes Problem. Mein Mann setzt sein Glas ab, schaut mich an und fragt, souverän und cool: „Und hat dieser eine Abend unserem Sohn geschadet?“

„Logo!“, denke ich und beziehe die Antwort natürlich auf Amirs Erlebnisse am See und im Freibad. Aber so ist das nun mal. Fuck. Ich kann so etwas nicht verhindern und schließlich ist er, sind wir, Teil der Gesellschaft.

Als junge Erwachsene hatte ich mir vorgenommen, dass meine Kinder bei all ihren Freunden übernachten dürften. Sie sollten frei sein und mit ihren Freunden agieren können, wie sie wollten. Die Fehler meiner Elterngeneration aus meinem Kulturkreis wollte ich nicht wiederholen.

Als ich ein Kind war, waren die einzigen Familien, bei denen ich übernachten durfte, die Freunde meiner Eltern, die wir schon aus dem Flüchtlingsheim kannten. Ich durfte weder bei Ariane in dem großen Einfamilienhaus übernachten (ihre Eltern hatten zwei Hunde) noch bei Nicole (sie hatte zwei ältere Brüder) noch bei Melanie (ihr Vater hatte meine Mutter beim Elternabend mal komisch angeguckt und sie fand, er roch nach Alkohol).

Ich fand das fies, schrecklich, Punkt um: zum Kotzen. Dafür konnte ich bei Nabila, Dunja oder Meryem das ganze Wochenende bleiben oder sie bei mir. Miteinander durften wir fast alles, was die anderen durften. Aber eben nur miteinander. Safe Spaces, denke ich rückblickend und kann nur ahnen was in meinen Eltern vor sich ging. Sie, die gerade einem Krieg entkommen waren, die dankbar waren, in einem so reichen und schönen Land aufgenommen worden zu sein. Die sich in einer völlig neuen Kultur einleben mussten und eben auch Angst um mich hatten, weil ihnen so vieles so fremd war.

Am darauffolgenden Samstag kommt Nummer 1 von seiner Verabredung nach Hause. „War cool bei Max“, ruft er beim Reinkommen, schmeißt seinen Rucksack an die Garderobe und verschwindet im Kinderzimmer.

24. Mai. 2022
von Naima Nebel
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