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Auf der Wiesn wird jetzt digital bezahlt

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Auch das Oktoberfest kommt an der Digitalisierung nicht vorbei. Der Spross eine Schießbudendynastie kämpft fürs Bezahlen mit dem Smartphone – Trinkgeldbutton inklusive.

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© ImagoMaurice Franzl, 27, Spross einer Schießbudendynastie, hat das Bargeld satt.

Wenige Tage noch, dann wird auf dem Münchner Oktoberfest das erste Fass angezapft. Die „Wiesn“ ist eine altehrwürdige Veranstaltung, belegt seit 1810. An der Digitalisierung kommt aber auch ein Traditionsunternehmen wie dieses nicht vorbei. Zum ersten Mal sollen die Besucher nun auch mit dem Handy bezahlen können. Maurice Franzl rührt dafür zurzeit kräftig die Werbetrommel, verhandelt mit Wirten und Schaustellern darüber, ob sie den neuen Service in ihren Zelten und an ihren Fahrgeschäften anbieten. Er ist erst 27 Jahre alt, schöpft aber aus einem reichen Schatz an Volksfest-Erfahrung: Seine Familie betreibt in dritter Generation eine Schießbude, auf dem Oktoberfest ist „Franzls Jagdhütte“ seit einem Vierteljahrhundert vertreten.

Der Junior hat „International Management“ studiert, nebenbei eine Online-Jobvermittlung für Volksfeste aufgebaut. Seine zweite Firma heißt Meinfest.com, mit ihr nimmt er sich nun das Bezahlen vor. Die Sache muss man auch deshalb ernst nehmen, weil die Beteiligungsgesellschaft BC Capital dahintersteht. Und weil Schieß- und Imbissbudenbetreiber auf Bargeld angeblich nicht mehr gut zu sprechen sind.

 

© MeinFestDen Code auf dem Smartphone des Kunden fotografiert der Verkäufer ab.

„Es ist immer das Gleiche“, behauptet Franzl. „Die Kunden kommen in bester Stimmung aus dem Zelt, wollen ein Hendl essen oder eine Runde schießen – aber dann fehlt das Geld.“ Daran soll das Vergnügen künftig nicht mehr scheitern. Die App Blue Code soll’s richten, entwickelt von einer Firma gleichen Namens, die ebenfalls zur Sammlung von BC Capital gehört. Haben Käufer und Verkäufer die App auf ihren Smartphones installiert und ihre Bankverbindung hinterlegt, geht das Bezahlen so: Der Käufer gibt auf seinem Gerät den fälligen Betrag ein, kann danach ein Trinkgeld festlegen (10, 15 oder 20 Prozent sind voreingestellt) und schon zeigt das System einen Barcode für genau diese Transaktion an. Den Code fotografiert der Verkäufer mit seinem Handy, dann fließt das Geld auf sein Konto. Wie beim Bezahlen mit EC- oder Kreditkarte muss der Verkäufer dafür eine Gebühr bezahlen.

Trinkgeld per App: Der Kunde kann wählen

In Österreich ist Blue Code weit verbreitet, in Deutschland laufen Pilotversuche. Das Frankfurter Studentenwerk setzt das System seit einigen Monaten in allen seinen Mensen und Cafeterien ein. Für das Oktoberfest seien bislang zwölf Anbieter gewonnen, sagt Maurice Franzl. Die Schießbude der eigenen Familie, versteht sich, aber auch ein Festzelt und ein Autoscooter wollen mitmachen.

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9 Lesermeinungen

  1. Besser als Karte
    Ich habe es gerade probiert und find es super! Ist mir lieber als mit zu viel Euro in der Tasche. Und das Bargeld manipuliert der Staat genauso und kann es auch abdrehen, entwerten, etc. Hier kann ich ein Konto anhängen und weil es auch kein NFC ist funkt auch nichts. Ich geh noch paar Mal zur Wiesn und probiere es Mal aus. Mal sehen. Aber erster Eindruck war super schnell und einfach.

  2. Bargeld ist Freiheit
    Alle die genannte Vorteile von diese Bargeldlos Bezahlung auf Oktoberfest,,,dient nur der Betreiber oder dem Erinder, und früh oder später dem Staat( Big brother ). Für den Kunden heißt es mehr schulden leicht gemacht,,,was wiederrum heißt mehr verdienen, was wiederrum heißt mehr arbeiten, was wiederrum heißt, heißt mehr steuer zahlen, was wiederrum heißt wenig Freizeit,,und,,und,,und. Naja,,,,diese Methode ist nicht neues,,,aber man muss für die wenige Freiheit die noch übrig gib’ts mit allen Mittel schützen!!!!!! Meine Meinung nach.

  3. Internationales Fest
    Die Maßnahme ist verständlich. Das Oktoberfest hat mittlerweile eine sehr internationale Kundschaft, teilweise kommen die Gäste nur für einige Tage eingeflogen und sind aus ihren Ländern bargeldloses Bezahlen gewohnt. Dass man dem entgegen kommen möchte, ist doch mal eine gute Sache in der sonstigen „Servicewüste Deutschland“.

  4. Bargeld ist Freiheit
    Wer steckt den wirklich dahinter……das Bargeld verschwinden zu lassen? Die Frage sollten sich die Bürger stellen, es geht um persönliche Freiheit. Die Digitalisierung dient nur wenigen…..uns 99% beraubt sie die Freiheit.

    Merken die Leute eigentlich nicht was gespielt wird?

  5. Nicht vergessen!
    Auch wenn das bargeldlose Bezahlen gewisse Vorteile hat, darf man nie vergessen, dass Bargeld Freiheit ist: nicht so einfach zu überwachen, technikunabhängig und nicht auf Knopfdruck abschaltbar…

  6. Die "Finanzdienstleister" sponsorn heftigst jede Aktion, die uns die Freiheit, mit
    Bargeld zahlen zu können, nimmt.

    Das sollte jeder Bericht erwähnen, dass diese Aktionen REGELMÄSSIG nicht einer begeisterten oder gar innovativen Idee des Ladeninhabers entspringen.

    Wenn die „Finanzdienstleister“ sich durchsetzen, kann jeder Kauf eines Brezels zukünftig weltweit automatisiert verfolgt und …. ausgewertet werden.

  7. Klar, so kann man vom Kunden noch mehr Geld "abruesseln"
    Kein Wunder dass dieser Schausteller fuer’s bargeldlose Bezahlen ist: Trinkgeld in Prozenten einprogrammiert – wer gab frueher schon fuer Autoscooter Chips Trinkgeld? – und er sagt’s selber: wenn die Leute schon alles Bargeld im Bierzelt ausgegeben haben, koennen sie so’s noch leicht gleich weiter tun, ohne zum ATM hinrennen zu muessen – die stehen laengst ueberall herum und nehmen schnell Wahnsinnsgebuehren ab – oder eine Kreditkarte zuecken zu muessen, die mancher vielleicht vor dem Wiesengang schlauerweise zu Hause laesst. Doch das ausgegebene Geld muss wieder verdient werden …

  8. Franzls Jagdhütte
    Ich bin der Meinung, dass mann nicht jede Lokalität oder Schießbude besuchen muss.

    • Sie haben hier voellig recht
      Die 3 Kinder bekommen ihr Wiesn-Geld in bar, und wenn’s weg ist, ist’s weg. Komisch, meisten haben sie meistens immer noch was uebrig das sie sich aufheben koennen.

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