Reinheitsgebot

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Das Blog zum Bier

Hamburg – Niedergang einer Biermetropole

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Im Mittelalter war Hamburg das Brauhaus Europas. Heute gehören die letzten Traditionsmarken zu Carlsberg, und die Craft-Brauer suchen noch ihren eigenen Stil. Immerhin gibt es hier das beste Alkoholfreie.

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Binnenalster mit Mühle, die einst zur Malzverarbeitung eingesetzt wurde – Aufnahme von 1865

Vor Ostern, könnte man böse sagen, gibt es für Bierfaster kaum eine bessere Großstadt als Hamburg. Denn hier gibt es aus Hopfen-und-Malz-Sicht wenig zu verpassen. Holsten und Astra, die inzwischen beide zum Carlsberg-Konzern gehören, bekommt man ohnehin in jedem Getränkemarkt – beides gute Biere, die man aber sicher nicht im Stammhaus trinken muss. Und außerdem ist, zurück zur Fastenzeit, das im Moment wahrscheinlich interessanteste neue Hamburger Bier ein alkoholfreies. Es heißt „ü.NN“, wird von Oliver Wesseloh seit einigen Monaten in der Hamburger Kehrwieder-Brauerei erzeugt und ist, so steht es mit vollem Recht auf dem Etikett, das erste deutsche alkoholfreie IPA. Wobei IPA für India Pale Ale, also einen besonders stark gehopften Bierstil steht, der ursprünglich für die englischen Kolonien entwickelt worden war und durch die Craftbeer-Bewegung in den letzten Jahren weltweit eine Wiederentdeckung erfahren hat. Die Bezeichnung „Alkoholfreies IPA“ verspricht also eine Menge Hopfenaroma bei nur 0,4 Prozent Alkohol. Das klingt verlockend – warum ist in Deutschland eigentlich noch niemand auf diese naheliegende Idee gekommen, der Markt wächst ja?

Wir haben Oliver Wesseloh auf der Gastronomie-Messe Internorga in Hamburg in der sogenannten Craftbeer-Arena getroffen, wo der Buchautor und frühere Biersommelier-Weltmeister in seinem charakteristischen Outfit mit Schiebermütze, Spitzbart, Weste und Pferdeschwanz drei Sorten Bier ausschenkte: Seinen „Prototyp“, ein kalt gehopftes, recht starkes, aber betont süffiges Lager – Wesseloh bezeichnet die ungewöhnliche Kombination als „Hamburg Style“ -, sein hervorragendes „Shipa“, ein Single-Hop-IPA, das immer nur eine bestimmte Hopfensorte in den Vordergrund stellt, und eben „ü.NN“, was, ziemlich originell, für „über Normal Null“ steht.

Alles drängt sich in die Craftbeer-Arena

Der Trick des tatsächlich fast wie ein echtes IPA riechenden Alkoholfreien liegt dabei in der Hefe: Es ist eine, die Malzzucker nicht vergären kann, den Alkoholgehalt somit niedrig hält, allerdings den Nebeneffekt hat, dass „ü.NN“ zwar äußerst vollmundig und gehaltvoll schmeckt, diesen Eindruck aber mit relativ hoher Restsüße bezahlt. Manche mögen das und können rundum zufrieden sein, uns war es eine Idee zu viel, und trotzdem kann man klar sagen: „ü.NN“ ist das mit Abstand beste deutsche alkoholfreie Bier. Die bisher angebotenen gestoppten oder alkoholentzogenen Weizen- und Lagerbiere schmecken im Vergleich zu ihm einfach nur metallisch und nach Mangelverwaltung. Oliver Wesseloh, der seine Produkte mit griffigen Kommentaren an den Mann zu bringen versteht, formuliert es so: „Das ist das erste Alkoholfreie, das ich nicht trinke, weil ich es muss, sondern, weil ich es will.“ Da ist was dran.

© privatOliver Wesseloh auf der Internorga

Die Mischung aus den Hopfensorten Simcoe und Mosaic, welche Gerüche von Grapefruit und Maracuja aufkommen lassen, bleibt lange in der Nase – und man würde nicht zögern, es bei der nächsten Gelegenheit allein aus Neugier wieder zu bestellen, auch statt eines normalen Biers. Wenn Oliver Wesseloh die Restsüße bei diesem, wie er sagt, „Zufallsrezept“ noch etwas stärker drosseln könnte – er selbst warf den Einsatz von Sauermalz ins Rennen – hat dieses Bier ein immenses Potential; in der Gastronomie könnte es manches Frustrations-Problem lösen.

Die Internorga muss man sich insgesamt als eine sehr inspirierende Messe mit vielen Produktinnovationen und Probierständen vorstellen, Massenandrang aber herrscht nur vor den Bierständen, an denen Männer mit Anzug und weißen T-Shirts unter dem blauen Hemd schon nachmittags mit roten Wangen schäumende Gläser durch die Hand gehen lassen. In der Craftbeer-Zone, in der Maisel einen eigenen kleinen Biergarten aufgebaut hatte (dabei kommt einem eine Liedzeile der Rodgau Monotones in den Sinn: „Hamburgs heller Stern versinkt, wenn der Fischmarkt erst nach Handkäs stinkt“) war sogar besonders viel los. Aber Hamburg hatte außer Kehrwieder, das auf der Bierbewertungsplattform Ratebeer zum Teil exzellente Bewertungen erhält, Blockbräu und den unvermeidlichen Craftbeer-Mitmischern von Ratsherrn, deren Spezialbiere einen schon im Bahnhofskiosk empfangen, nicht viel zu bieten, vor allem wenig Regionaltypisches.

Ausgerechnet Störtebeker

Dazu passt, dass am Jungfernstieg, dort wo einst die Malz-Mühlen für die Bierproduktion der Hanse klapperten, schon seit langem eine große Hofbräuhaus-Filiale residiert. Und bereits die Brauerei, die das Astra-Pils erfand, bevor sie an Holsten und dann an Carlsberg überging, die Bavaria-St. Pauli-Brauerei, war ihrerseits schon Symptom eines verlorenen Verdrängungswettbewerbs, bereits ihr Name verwies darauf, dass das aus Bayern kommende Lager-Bier selbst den äußersten Norden erobert und das obergärige Hamburger Bier (Braunbier, Rotbier, Weizenbier), das über Jahrhunderte hinweg den Markt dominierte, verdrängt hatte.

© Carlsberg Deutschland GmbHAlte Brauherrlichkeit, schon damals mit auswärtigem Touch

Was ist aus Hamburg und seiner einstmals so lebendigen Bierkultur nur geworden? Bis vor wenigen Wochen führte eine Bier-Ausstellung im „Museum für Hamburgische Geschichte“ noch vor Augen, dass die Stadt über Jahrhunderte hinweg dem Namen „Brauhaus der Hanse“ alle Ehre machte. Am Alstersee haben schon vom 13. Jahrhundert an Mühlen das Bier-Malz geschrotet. Im 14. Jahrhundert sollen in Hamburg jährlich bereits mehr als 500.000 Hektoliter erzeugt worden sein, im 16. Jahrhundert gab es noch mehr als 500 Brauereien. Auf die Initiative der Hamburger Brauer sollen außer dem ersten Wasserwerk sogar die Gründung der Börse und die erste Feuerversicherung zurückgegangen sein.

Und dann, neben der verflossenen Herrlichkeit, auch noch das: Wer momentan nach Hamburg kommt, muss natürlich die Elbphilharmonie besichtigen. Und was sieht der Besucher, nachdem er zwei Minuten lang auf einer interessant gebogenen Rolltreppe, durch die sogenannte „Tube“, hinauf in Richtung Aussichtsplattform gefahren ist? Als erstes das Logo einer Biermarke: Störtebeker. Ausgerechnet „Störtebeker“, der Schrecken der Hanse, der gefürchtete Feind Hamburgs. Und das Hopfenbitterste an der ganzen Angelegenheit für die Stadt: Störtebeker, eine Brauerei mit Craftbeer-Hintergrund und vielfach preisgekrönten Bieren hat ihren Standort in Stralsund. Da haben früher die Hamburger das Bier hin verschifft. Naja, nicht ganz so, denn Stralsund hat selbst eine 800-jährige Braugeschichte. Der entscheidende Punkt aber ist: Nach der Wende hat man in Stralsund zu günstiger Zeit das Ruder herumgerissen und steht jetzt mit einem breiten, wohldurchdachten und „auf Nordisch“ getrimmten Sortiment als Hanse-Spezialbier-Primus glänzend da.

In der Speicherstadt ist noch viel Platz

© uwebIn der Elbphilharmonie hat Störtebeker ganze Arbeit geleistet.

Und weil die Angelegenheit so kurios ist, haben die Elbphilharmonie und Störtebeker sie gleich noch auf die Spitze getrieben. Denn, was sich hinter dem Brauerei-Logo befindet, ist eine auf mehrere Ebenen verteilte, restlos durchdesignte markengebundene Brau-Erlebniswelt mit Tasting-Lounge, Growler-Abfüllstation und allem Pipapo – und das alles in nächster Nähe zur Hochkultur. Was für das Image des Biers insgesamt natürlich hervorragend (und vollkommen angemessen) ist. Ein Elbphilharmonie-Besucher brachte es nach dem Eintritt in die Störtebeker-Markenwelt auf seine Weise auf den Punkt: „Polar-Weizen: geil!“

Den vielen Hamburger Bierenthusiasten vom Pauli-Fan bis zum Schanzenviertel-Hipster wird hier vorgeführt, welches Potential die eigene Stadt unausgeschöpft lässt. Selbst das Bier, das eigens für die oben erwähnte Hamburger Bierausstellung entwickelt wurde, ein Rauchweizen „nach alter Hanse-Rezeptur“, stammt von Störtebeker aus Stralsund.

Hamburg liebt doch ganz offensichtlich das Bier – warum entdeckt es nicht konsequent die eigene Tradition? Es geht dabei ja nicht um dumpfen Städte-Patriotismus, sondern um den Erhalt von Biervielfalt. In Hamburg, heißt es zum Beispiel im Katalog zu der leider schon ausgelaufenen Ausstellung „Kein Bier ohne Alster“, sei sogar das erste Weizenbier Deutschlands gebraut worden. Rezepte sind, wie der Kurator der Ausstellung sagt, zwar nicht überliefert, die kann man aber bekanntlich rekonstruieren und neu interpretieren.

Im Moment ist Hamburg die deutsche Hätte-Wäre-Bierstadt schlechthin. Vor drei Wochen haben wir es fast unwidersprochen über Berlin geschrieben, auf Hamburg bezogen stimmt es auch: Der Millionenstadt fehlt ein eigenes unverwechselbares Referenz-Bier. Dabei ist in der Speicherstadt nahe der Elbphilharmonie noch so viel Platz. Sie wäre der ideale Ort, um bemerkenswerte Biere aus aller Welt mit neuen, typischen Kreationen der Hansestadt zusammenzubringen.


48 Lesermeinungen

  1. Qualität setzt sich durch,
    nicht nur in der schillernden Craftbeer-Szene. Störtebeker ist meist lecker, auch wenn ich als Bayer es nur im Urlaub trinke. Allerdings greife ich zu Hause auch nicht zu den Münchener Bieren der Großindustrie. Es gibt hier genug leckeres mittelständischer Brauer.

  2. Es kommt die Zeit...
    ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen: es gibt sie die kleinen Brauereien, Gypsie-Brauer, Craft-Beer Enthusiasten, Stores und Feste. Es gibt diese scheinbare Vielfalt auf der einen Seite, und auf der anderen Seite ist die Stadt Hamburg wiederum nicht wahnsinnig kooperativ was Flächen und Feste angeht, was unter anderem daran liegen mag das dem „Bier“ hier nur eine untergeordnete wirtschaftliche Bedeutung zugemessen wird.

    Wenn man in Hamburg eine Brauerei auf die Beine stellen möchte, muss man sich nur mit den einzelnen Ämtern und Behörden rumärgern (fragt doch gerne dazu mal Olli Wesseloh oder Circle8), es gibt auch nur wenige, dafür meist teure Flächen, von Förderungen oder Koordinierungsstellen ganz zu schweigen. Umso schöner ist es doch, dass es trotzdem diese ganzen kleinen Kämpfer gibt. Wir brauchen kein Referenzbier in Hamburg, wir brauchen eine ordentliche Unterstützung durch Stadt und Medien für die kleine gelebte Vielfalt von Bieren in den Hinterhöf

  3. Störtebecker
    Man kann nur ein Danke nach Stralsund senden. Störtebecker hat neben das trostlose Bierangebot der großen Bierkonzerne richtig gute Biere gestellt. Hervorzuheben ist insbesondere das Atlantik Ale (Pale Ale), dass bei uns in Deutschland den „englischen“ Trend gestartet hat.

  4. Gegendarstellung
    Vielleicht hätten Sie auf der Suche nach der Hamburger Bierszene sich nicht nur von der Craft Beer Arena der Internorga inspirieren lassen sollen, wo Maisel übrigens mit ihrem Biergarten gar nicht Teil der Craft Beer Arena war. Die Liedzeile hätten Sie sich da also auch sparen können. In der Craft Beer Arena werden hohe Standmieten verlangt und das ausgeschenkte Bier ist noch dazu völlig gratis, somit verzichten viele Brauereien auf diesen Auftritt. Hätten Sie tiefergehend recherchiert hätten Sie erkannt, dass in den letzten 5 Jahren in Hamburg außer Kehrwieder noch viele neue kreative Brauer feine neue Biere gebraut haben. Buddelship in Stellingen hat z.B. eine ganze hanseatische Serie mit Bierstilen wie Rotbier, Weissbier und Schwarzbier.
    Wildwuchs ist seit kurzem Hamburgs erste Bio-Brauerei und braut Sorten wie Rauchbier, Orange-Bock und Espresso Ales. Hopper Bräu hat letztes Jahr geöffnet und braut IPAs, Weizen, Saisons mit Feige, Bockbiere usw. Circle 8 hat in Alsterdorf aufgesperrt, das Alles Elbe braut fröhlich in der Nähe der Reeperbahn und Gypsy Brauer wie von Freude, ElbPaul und Balduin beleben hier die Bierszene. Ratsherrn, die von Ihnen nur mit einem läppischen Nebensatz erwähnt werden, kratzen gerade mit ihren Produkten wie Rotbier, Pale Ale, IPA und Matrosenschluck am Mainstream, sonst würde es die Biere nicht, wie Sie so abwertend schreiben, in jedem Kiosk geben. Und dies ist doch nach ihrem Kommentar von 7:13 Uhr die Messlatte. Außerdem wurden von Ratsherrn Brauer Ian Pyle letztes Jahr eine saure Hamburger Weisse nach dem Vorbild aus dem Mittelater zu Zeiten der Hanse gebraut und auch seit 3 Jahren der Senatsbock wiederbelebt.
    Ein dunkler Doppelbock, der nach dem Hamburger Vorbild aus den 50er und 60er Jahren gemeinschaftlich von BLOCKBRÄU, Kehrwieder, Gröninger, Buddelship, Joh. Albrecht und Ratsherrn gebraut wurde. Wie Sie vielleicht gehört haben, war die Bauzeit der Elbphilharmonie auch etwas länger und als die Verträge für die Gastronomie ausgehandelt wurden, gab es die neuen Brauereien noch nicht. Deswegen ist es logisch, dass Störtebeker damals den Zuschlag bekommen hat. Weil deren Biere immer noch kreativer sind als die von Holsten oder Astra. Ich lade Sie gerne ein morgen nach Norderstedt oder in einer Woche auf die Craft Beer Days in die Schanzenhöfe zu kommen, um sich selber mal ein Bild dieser florierenden Bierszene zu machen.
    Mit bierigen Grüßen
    Daniel Hertrich

    • Hallo Herr Hertrich, was Sie schreiben, ist ja richtig und vieles ist mir bekannt. Ihr Craft-Beer Store (wenn ich Sie richtig zuordne) in den Schanzenhöfen ist hervorragend sortiert, wie ich letzte Woche feststellen konnte. Es ging mir in dem Artikel aber nicht darum, jeder Craft-Brauerei, die es in Hamburg gibt, gerecht zu werden, obwohl ich allen besten Erfolg wünsche. (Insofern: danke für Ihre Ausführungen.) Es ging mir darum, einen großen Bogen zu schlagen, der von Traditionsverlust handelt und kurios ist. Natürlich sind schon Craft-Brauer auf die Idee gekommen, in Hamburg ein Rotbier zu machen. Aber wie setzt man so etwas ernsthaft durch in Konkurrenz zu all den anderen Stilen, die momentan angesagter sind und besser klingen? Die Frage interessiert mich. Und ich finde, da kann man von Störtebeker eine Menge lernen. Aber wie ist es mit der Hamburger Weisse, von der Sie schreiben? Bieten Sie die dauerhaft an – wie erfolgreich ist sie?

    • Antwort zu dem Kommentar von 11:30 Uhr
      Hallo Herr Ebbinghaus,

      die Sortimente von Störtebeker und Ratsherrn oder Buddelship sind nach einem kurzen Blick gar nicht so verschieden. Diese Brauereien arbeiten alle mit der Nähe zur See und so werden auch die Biere entwickelt. Das von Ihnen beschriebene Rauchweizen ist ebenso kein Dauerbrenner wie der Hanseat von Ratsherrn, die von mir beschriebene Hamburger Weisse. Es sind Spezialbiere, die die alte Tradition wieder aufleben lassen, aber für heutige Verhältnisse ungewöhnlichen Biergeschmäcker (Rauch, Säure) mit sich bringen. Das dies nicht jedem schmeckt ist doch nicht verwunderlich. Die Frage ist doch eher: Warum ist Ihnen die Tradition wichtiger als das Aufkeimen einer neuen viel spannenderen Bierszene, die Sie in ihrem Artikel komplett außer Acht gelassen haben?

    • Rauch und Säure sind doch momentan beim Bier fast weltweit mit die größten Trends überhaupt. Das sind doch Steilvorlagen für Kreativbrauer. Der Widerspruch zwischen Tradition und Neuem, den sie aufmachen, stimmt aus meiner Sicht nicht. IPA zum Beispiel ist auch ein traditionelles Bier, nur durch neue Hopfen weiterentwickelt. Diese Tendenz kann man auf die überwiegende Mehrheit der Craft-Biere beziehen. Aber wer interessiert sich momentan wirklich noch für das 250. neue deutsche IPA? Über echte Innovationen freut sich jeder. Kehrwieders alkoholfreies IPA würde ich dazuzählen. Auf der Internorga habe ich in der Craftbeer-Arena Sebastian Sauer von Freigeist Bierkultur noch länger getroffen. Der hat ein Bier mit Eukalyptus und Pfefferminz ausgeschenkt, ein „Wiess“ (ungefiltertes Kölsch), ein Adam-Bier und ein russisches Kwas-Bier mit Kirschen. Wie neu das erste ist, kann ich nicht recht sagen, es war jedenfalls Klasse. Die anderen waren neu interpretierte Traditionsstile. Nur als Beispiel. Ich bin sicher, dass in Hamburg in fünf Jahren die Situation anders aussehen wird. Da wird man wissen, wo man als Biertrinker hinzugehen hat. Mit IPA, verkürzt gesagt, wird man es aber nicht schaffen, zumal die amerikanische Konkurrenz sich möglicherweise auch in Hamburg ansiedeln wird.

  5. Norddeutsche Biere
    Leider gibt es in Hamburg und Bremen ja keine gute Traditionsbrauerei mehr. Holsten, Astra, Becks und ihre Ableger sind ja nur noch marketing-getriebene Industrieprodukte.

    Neben den erwähnten kleinen Hamburger Brauereien hat im Schanzenviertel mit Ratsherren ein Anbieter festgemacht, dessen Pils ich im hochwertigeren Massensegment durchaus als eins der besten Norddeutschlands bezeichnen würde. Daneben wird hier auch eine Vielzahl anderer Biere gebraut. Interessanterweise war Ratsherren einst eine Marke der Holstenbrauerei, die wohl nicht mehr zum Produktportfolio passte.

    Ich fände es interessant zu lesen, wer hinter dieser Gründung steht.

    • Nordmann-Gruppe
      Ratsherrn gehört zur Nordmann-Gruppe. Störtebeker gehörte auch dazu, bis sich einer der Nordmann-Brüder damit selbständig gemacht hat. Alles Verwandtschaft. Die Brauerei ist eine Neugründung (2012), die den Namen wiederbelebt hat, es besteht außer dem Namen keine Kontinuität zu dem Ratsherrn-Pils von früher.

    • Titel eingeben
      Der Name „Ratsherrn“ wurde von der Nordmann-Gruppe, einem großen Getränke- (und Logistik-)Unternehmen in Norddeutschland, gekauft und wiederbelebt. Zunächst also „normale“ Biermarke, nach einem Marketing-Umschwung wird es nun als „Craft Beer“ verkauft. Im Grunde genommen ist es keine kleine Brauerei – im Verhältnis zu anderen Konzern-Brauereien dann natürlich schon.
      Störtebeker gehört ebenfalls einem der Nordmann-Brüder. Allerdings ist das ein anderes Unternehmen und hat mit dem anderen nichts (mehr) zu tun.

  6. Wir hier in Frankfurt/Main
    Hallo,
    wir hier in Frankfurt am Main trinken auch mal gerne das Ratsherren Westcoast IPA. Ist das keine Hamburger Brauerei? Ist hier jedenfalls leichter zu bekommen als das Atlantik-Ale.

    • Wir arbeiten dran
      Lieber Thorsten,
      die „Störti-Crew“ arbeitet grad mit Hochdruck daran, dass auch du bald öfter zum Atlantik-Ale greifen kannst
      😉

  7. Titel eingeben
    Ich denke, dass eines der größten Stellwerke die Gastronomie ist. Verträge mit großen Brauereien macht es einer möglichen Vielfalt in Hamburg extrem schwer. Das ist sicherlich nicht nur in Hamburg so, aber schaut man mal wieder in die Hauptstadt, so starten dort kleine innovative Gastro-Konzepte von jungen mutigen Menschen mit Bieren von kleinen Brauereien – und nicht nur mit einem Bier, sondern mit mehreren.
    In Hamburg gibt es diesen Mut leider nicht – hier wird aufs Geld geschaut. Da werden junge Gastros mit Bieren und Merch von Ratsherrn subventioniert – und alle denken, dass ist das geilste hipste Zeug. Und dann ist da kein Platz mehr für andere innovative Biere. Das sind leider Praktiken von Großunternehmen.
    Wo ist der Mut der Gastronomie? Im Ausland arbeiten Sterne-Restaurant immer mehr mit Bier – teilweise haben sie ein eigenes (Noma, Fäviken, z.B.). Wenn es so weitergeht, sieht es schlecht für eine große Bierkultur in Hamburg aus.

    • Ich glaube da liegt der Denkfehler
      Klaas,
      ich glaube Sie machen den klassischen Denkfehler der meisten Hamburger, die immer nur nach Berlin schielen. Kulinarisch ist das die falsche Richtung, da ist der Süden schon eher geeignet.

      Was nützen all die neuen Michelin Sterne in B-Mitte, wenn die Basis für eine gehobene Esskultur einfach nicht gegeben ist. Es ist halt Fakt, dass es neben dem Nord-Süd Gefälle in D auch ein West-Ost Gefälle gibt, sprich im NO ist man am ärmsten dran im SW am Besten und das gilt gerade im Bereich Gastronomie.

      Protestantische Sparsamkeit und Puritanismus vs katholische Sinneslust und Protzerei, da nutzt es nicht, wenn man eine Esshochkultur wie die frz. haut cuisine einfach nur importiert, will sagen überstülpt und diese dann nicht in der Breite der Bevölkerung ankommt.

      Bier ist eben auch immer im Süden mit seinen Gasthäusern an Essen gekoppelt, im Norden der eher Kneipen, also reine Trinkstätten kennt, eher nicht.

    • Woher..
      ..nimmst Du Dein vermeintliches Wissen?
      Betreibst Du eine Gastronomie oder hast dieses
      in der Vergangenheit getan?
      Weißt Du wirklich, was es bedeutet,
      eine Gastronomie zu betreiben?
      Mut einzufordern, wenn man ein gutes Stück davon entfernt steht,
      ist einfach..aber meiner Meinung nach auch vermessen..
      Weißt Du, wieviel von den „Mutigen“ Ihr Schild wieder abgeschraubt haben
      und auf lange Zeit verschuldet sind?

      Und ganz nebenbei- die ganz ohne Mut gehen sicher nicht zu einer Brauerei wie Ratsherrn, die nicht in einem Rahmen wie Konzernbrauer finanzieren.
      Die Umutigen gehen zu Carlsberg & Co.
      ( Und Mut haben muss man sich auch leisten können – als Gastronom sind die Chancen, Geld von der Bank zu bekommen sehr gering – d.h. ohne Brauereifinanzerung,die ich auch nicht unkritisch sehe, hätten viele nie eine Chance gehabt,zu eröffnen ) Wenn Du Dich mal genauer in der HH Gastro umschaust, siehst Du an vielen Hähnen Ratsherrn in friedlicher Co-Existenz neben kleineren H

  8. Genauer hinschauen
    Generell ein schöner Artikel. Aber wenn man genauer hinschaut, dann sieht man sehr wohl weitere aufstrebende und innovative Brauereien in Hamburg: Buddelship, elbPaul, Hopper Bräu, Wildwuchs, Von Freude. Um nur ein paar zu nennen.

    • Titel eingeben
      Warum ich sie nicht erwähnt habe, schreibe ich weiter unten in einer Antwort an Daniel König.
      Wo wir gerade dabei sind: Welche Biere der genannten Brauer sollte man aus Ihrer Sicht getrunken haben?

    • Pflichtbiere
      Welche Biere man getrunken haben sollte? Im Prinzip natürlich alle. Aber wenn ich für meinen persönlichen Geschmack auswählen würde: Buddelship Great Escape, Moonshine Pils und Mr. O, elbPaul Weizen, Hopper Bräu Weizheit und Salonsozialist, Wildwuchs Bock O’range, Von Freude Sonnenøl und Frischhopfenbier.

  9. "das beste deutsche Alkoholfreie..."?
    … ist schwerlich zu küren, solange man das entsprechende Weizen von *Jacobinus* (Eschwege) nicht probiert hat. Der Favorit, ganz klar. Bin gespannt auf einen Vergleich mit ü.N.N.

    • Okay, danke für den Hinweis, bin gespannt. Über alkoholfreie Biere machen wir demnächst auch nochmal einen eigenen Beitrag.

  10. nord
    > Holsten und Astra, … – beides gute Biere
    Das ist sehr höflich.

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