Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die Geschichte von der Moral

| 28 Lesermeinungen

Von der Vollbeschäftigung zum Kaputtarbeiten ist es nur ein kleiner Schritt: Die Erfolgsgeschichte und der Profit sind dem Kapitalismus wichtiger, als Moral und ein Leben in Anstand und Würde.

Gerechtigkeit bewegte meinen Bauherrn
Dante, Inferno

Die moralischen Betrachtungen zu Gut und Böse gehen in meiner Familie vergleichsweise weit zurück, denn zu Vermögen kommt man nicht immer durch Freundlichkeit, und vor 300 Jahren hatten wir sogar mal jemanden in der Familie, der heute sicher FDP wählen würde: Ein Privatunternehmer im Steuer- und Abgabengeschäft, der nur einen festen Betrag beim Fürsten abliefern musste, und den erwirtschafteten, flexiblen Rest der Eintreiberei behalten durfte. Das war lukrativ, aber auch nicht sonderlich moralisch, weshalb spätere Generationen erfolgreich eher den Status der menschenfreundlichen Rentiers und Hausbesitzer anstrebten – über die erzählt man sich dann auch nur Gutes.

Also, fast nur Gutes, zumindest in dem Rahmen, über den ich hier öffentlich sprechen möchte. Sie gingen manchen Beschäftigungen nach, waren allseits anerkannt, nur selten gierig und zufrieden mit sich und der Welt. Wenn sie einen richtigen Beruf hatten, erfüllten sie ihn mit Anstand und Standesbewusstsein und so, erzählt es die Familiengeschichte, kommt man gut und anständig durch das Leben. Das ist vorbei: Ich schreibe das in so einem Rentiershaus auf dem Sofa, ich komme gerade aus Gardone Riviera und fahre gleich wieder zurück zu Mille Miglia, arbeite jetzt effektiv zwei Stunden und der Rest meiner Zeit ist angefüllt mit dem Betrachten und Begleiten stinkender, alter Blechhaufen durch Italien. Das sind so die Lebensläufe, die es auch in anderen Familien früher gab, und die laut Berichten selten bestens ausgingen, es sei denn, es kam eine Frau und hätte den eingefangen und ihm dann Mores beigebracht: Aber auch das wird nicht geschehen.

Es geschieht nicht, weil sich die moralischen Geschichten geändert haben. Sehen Sie, wenn ich länger am Stück im Ausland bin, führt mich mein erster Weg daheim entweder auf den Wochenmarkt oder zur Bäckerei, und dort höre ich dann die Neuigkeiten, die in dieser immer noh pittoresken Stadt so passiert sind. Darf ich das brühwarm weiterreichen? Familienunternehmer der dritten Generation, feiner Mann, hoch angesehen, noch keine 50 Jahre alt, immer nur gearbeitet und das Geschäft ausgebaut und am Tag vor einer Bauchoperation noch schwer gearbeitet: Unter das Messer gekommen, üble Komplikationen, schwere Eingriffe, daran verstorben. Da weiss man nicht mehr, was man sagen soll. Manager eines Grosskonzerns, Ehe zerbrochen, Zwangsverkauf des Hauses. Es geht nicht anders, wegen der Schulden. Und dann ist da noch der Leistungsträger, mit zu viel Projektarbeit, die sinnlos war, weil sich die Pläne änderten, mit der Folge eines Hörsturzes, und der Arzt meint, dass das gut so ist: Noch ein paar Wochen mehr davon, und es wäre nicht so glimpflich ausgegangen. Das sind alles feine, ehrliche, arbeitsame und hingebungsvolle Menschen, und jetzt? Tot, schwer schuldenbelastet, 3 Monate krankgeschrieben und die Firma würde ihn gern loswerden.

Das ist bitter. Das nimmt man durchaus mit nach Italien. Ich würde nichts sagen, wenn das nur einmal so wäre, aber immer nach den Frühlingsaufenthalten in Italien ist einer tot, einer ruiniert und einer in der Reha. Es gibt Varianten, und in den Zeiten der New Economy war das auch schon schlimmer, aber da ist doch so etwas wie ein grundsätzliches Problem mit der Anwendung alter Moral in unseren Tagen sichtbar: Sie lohnt sich nicht mehr, sie macht keine schönen, glücklichen Geschichten, sie ist auch nicht sonderlich gerecht. Meines Erachtens ist das so, weil die Umstände ebenfalls nicht mehr kontrollierbar sind. Bei mir und meiner fragwürdigen Lebenseinstellung ist das natürlich etwas anderes, ich lebe, wenn man so will, wie meine Vorfahren mit festen Riten und beständigen Laufbahnen. Das Haus hier stand schon vor 400 Jahren und wird in 400 Jahren noch stehen, ich bin hier geboren und möchte hier auch wieder aus der Welt gehen, ich interessiere mich nicht für Karriere, weil wir gelernt haben, dass der Mensch einen Platz zum Wohnen braucht und uns dafür zu zahlen bereit ist. Das Modell ist einfach und überschaubar, und sollte etwas Unvorhersehbares kommen, wird man eben sagen: Naja, aber er hatte ein gutes Leben. Was sagt man zu einem, der einen Tag vor dem Operationsdebakel noch 12 Stunden in der Firma war? „Theoretisch war die Moral auf seiner Seite, aber praktisch…“

Praktisch lese ich von Einweisungen wirklich toller, junger Menschen in Kliniken, weil sie in jungen Jahren dem Stress der vielen Anforderungen nicht mehr Herr werden. Praktisch sehe ich, wie manche in einem Monat das wegarbeiten, was andere in zwei Monaten tun, und dann den Urlaub zur Krankheit nutzen. Praktisch sehe ich jede Menge Anreize, so einer Tätigkeit nachzugehen, ein PR-Unternehmen etwa möchte mich für viel Schmerzensgeld nach Wales schicken, nur wäre dann kein Platz mehr in meinem Dasein, den Gewinn auszuleben. Fahren Sie nach Salo‘, schauen Sie sich dort die Luxusyachten an, die dort Woche für Woche einsam im Wasser schaukeln: Das ist teuer. Das muss jemand verdienen. Da wird hart gearbeitet, damit das Boot in den Wellen schaukeln kann, so einsam und verlassen. Praktisch ist das Leben nicht moralischer, sondern unsicher geworden, es gibt keine Garantien und Sozialsysteme mehr, durch die man sich auf einen Minimalkonsens verlassen könnte. Über die goldene Uhr für 40 Jahre Betriebszugehörigkeit sollte man nicht lachen, wenn man schon für 20 Jahre einen Burnout und eine Freistellung bekommt.

Es liegt mir fern, hier deshalb zu Mitleid aufzurufen; instabile Systeme zwischen Krise und Aufstieg, zwischen Druck und Erfolg haben natürlich auch die Neigung, sich den Menschen nach ihren Vorstellungen zu erschaffen, so wie die Konditoren in meiner Familie auch alle rund und zuckerlastig waren. Momente der Niedergeschlagenheit und der vergeblichen Sinnsuche garantieren überhaupt nicht, dass man diesen Typus bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit, beim kleinsten Vorteil oder einfach nur aus der Lust am Mobben an der Gurgel hat.Es gibt keinen Grund, warum in einem System jenseits aller Zuverlässigkeit und Regeln jemand anfangen sollte, sich selbst mit nicht sinnvollen Moralvorstellungen zu belasten. Man kann die strauchelnden Leute auf dem Weg zu einem diffusen, kaum mehr erklärbaren „Oben“ der Gesellschaft als Warnung begreifen, oder aber auch als Chance, weil wieder ein Platz, eine Stufe auf der Treppe frei wird. Ich lese in letzter Zeit von Vollbeschäftigung, die uns ereilen wird, weil sich Deutschland an der Krise anderer europäischer Länder gut zu nähren versteht: Ich fahre als Halbbeschäftiger nach Italien.

Es macht da eine nette Illusion die Runde – gerade in Bezug auf eine Stadt wie die, aus der ich hier erzähle, die schon seit Jahren Vollbeschäftigung erreicht hat und deren Bewohner, wenn sie nicht gerade solche Schicksale erleiden, blendend verdienen – dass die Zukunft angesichts der Demographie eine Goldene sein wird, weil die vielen Alten in Rente gehen und für die wenigen Jungen dann in Vollbeschäftigung kommen. Vielleicht stimmt das sogar, denn diese Renten wird ein armes Schwein einer erarbeiten müssen, und es steht zu befürchten, dass es jene Jüngeren sind, die die Gerechtigkeit der Moral schon heute nur noch aus Erzählungen kennen: Es wird jede Menge Arbeit geben, Pflegedienste, Alzheimerbetreuung, Seniorenunterhaltung auf Kreuzfahrtschiffen, ein ganzer Generationenvertrag und Finanzierung der Propaganda, die sagt, dass es einem hier doch gut geht, wenn man so viel zu arbeiten hat, woanders sind 40, 50 Prozent der jungen Leute arbeitslos, und wenn einer aufmuckt, dann holt man sie eben hierher, oder verlagert die Arbeit ins Ausland. Das sind eben so die Unwägbarkeiten des Lebens: Die einen bekommen mehr Arbeit, als sie sich wünschen, und den anderen geht der Scheibenwischer am Sportwagen kaputt, weshalb sie die Mille Miglia mit einem Citroen Berlingo Diesel besuchen müssen. Nein, gerecht ist das alles nicht.

HINWEIS:

Und während draussen auch noch wirklich fieser Regen über der Poebene die Rennstrecke der Mille Miglia in eine Rutschpartie verwandelt (jaja, an einem schönen Maientag), möchte ich sagen, dass jene glücklich zu schätzen sind, die ihre Kommentare und Bemerkungen auch gern im speziellen, gut adminsitrierbaren Kommentarblog hinterlassen.


28 Lesermeinungen

  1. Senza Barchetta ???
    Verehrter Don Alphonso,

    sind Sie etwa ohne Ihre Barchetta mit „Kofferaufbau“ in Italien ? Da sind Sie aber wirklich nicht zu beneiden !

    Herzlichst oben ohne,
    Ihr P. Seudonym

  2. Freizeichen unter den schönen Photos
    Geschäzter Don,
    Geschätzte FAZ,

    vielleicht wurde das ja schon einmal diskutiert: Es fehlt die von Zeichen freie Zeile, unter den immer schönen Photos (extra Lob – nachträglich zu all den anderen schönen Photos anderer Beiträge). Es stört sogar den Lesefluß.

    Anstand der Ruhe bewahren hilft? Ja, auch das sollte anständig sein, sich und andere nicht zu hetzen. Im Buddhismus heißt es dezidiert, man solle nicht zu geschäfftig sein.

    In folgenden Karten kann man sehen, wo es ruhiger zugehen könnte: https://www.berlin-institut.org/publikationen/studien/die-demografische-zukunft-von-europa-2012.html

    In Berlin wird die Hatz nicht einmal bezahlt. Immer häufiger muss man sich sogar anhören, man könne eine Aufgabe übernehmen (und sich dabei gern auch kräftmäßig übernehmen), wenn man sich eine Finanzierung besorge. Sogar um die Geschäfte eines Theatervereines des angeblich bedeutensten deutschen Theaters, in dem sogar Milliardäre Mitgliedschaften ausleben…

    Aber dabei sein ist alles! Das war das alte olympische Prinzip (angeblich). Das Neue ist eher nach den angeblich ersten Marathonläufer gestaltet. Und wenn Du stirbst… Hauptsache du warst „wer“. Das Sein definiert nach dem Inhaben einer Funktion.

    Allerdings, verehrter Don, war nicht immer irgendwann einer tot, schwer krank, geschieden, gescheitert?

    Was sehnt man sich nach Ruhe, Wohlleben und Zuversicht.

    Aber es ist eben so: Wo „Geld gemacht“ wird, da verstehen immer wenige, die den „Trick“ haben, es abzuschöpfen. Der Rest wird rationalisiert und kaputt gespart.

    Aber: Eines Tages werden die Dienstbarkeiten Jüngerer knapp werden (auch, weil sie kaputtgespielt wurden). Dann, wenn kein großer Crash zuvor, wird abgeschöpft. Aber hallo!

    Vom Altenpfleger zum Millionär! Aber anständig!

    Herzliche Grüße – azur

  3. Sehr geehrter Herr Alphonso,
    Beifall und Anmerkung für Ihre Ges.schichte(n) Wahr-Nehmung,
    die aber ohne Quellenangabe zum Plagiat wird, obwohl sehr gut zeitgemäß übersetzt,
    schade… ;:)
    Quelle:
    Desiderata

    Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast
    und sei des Friedens eingedenk, 
    den die Stille bergen kann.

    Stehe – soweit ohne Selbstaufgabe möglich –
    in freundlicher Beziehung zu allen Menschen. 
    Äussere deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu,
    auch den Geistlosen und Unwissenden; 
    auch sie haben ihre Geschichte, 
    Meide laute und agressive Menschen,
    sie sind eine Qual für den Geist.

    Wenn du dich mit anderen vergleichst,
    könntest Du bitter werden und Dir nichtig vorkommen;
    denn es wird immer jemanden geben,
    grösser oder geringer als Du.
    Freue Dich Deiner eigenen Leistungen
    wie auch Deiner Pläne
    bleibe weiter an Deiner eigenen Laufbahn interessiert,
    Sie ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeiten.

    In deinen geschäftlichen Angelegenheiten
    lass Vorsicht walten; denn die Welt ist voller Betrug.
    Aber dies soll dich nicht blind machen
    gegen gleichermassen vorhandene Rechtschaffenheit.

    Viele Menschen ringen um hohe Ideale;
    und überall ist das Leben voller Heldentum.
    Sei Du selbst; vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung.
    Noch sei zynisch was die Liebe betrifft;
    denn auch im Angesicht aller Dürre und Entäuschung
    ist sie doch immerwährend wie das Gras.

    Ertrage freundlich-gelassenden den Ratschluss der Jahre,
    gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf.
    Stärke die Kraft des Geistes,
    damit sie Dich im plötzlich hereinbrechenden Unglück schütze.

    Aber beunruhige Dich nicht mit Einbildungen.
    Viele Befürchtungen sind Folgen von Erschöpfung und Einsamkeit.
    Bei einem heilsamen Mass an Selbstdisziplin sei gut zu Dir selbst.
    Du bist ein Kind des Universums,
    nicht weniger als die Bäume und die Sterne;
    Du hast ein Recht hier zu sein.
    Und ob es Dir nun bewusst ist oder nicht;
    zweifellos entfaltet sich das Universum wie vorgesehen.
    Darum lebe in Frieden mit Gott, 
    was für eine Vorstellung Du auch von ihm hast
    und was immer Dein Mühen und Sehnen ist.

    In der lärmenden Wirrnis des Lebens 
    erhalte Dir den Frieden Deiner Seele.
    Trotz all ihrem Schein, der Plackerei und den zerbrochenen Träumen
    ist diese Welt doch wunderschön.

    Strebe behutsam danach, glücklich zu sein.

    Mit freundlichem Gruß,
    W.H.

  4. Und die Moral von der Geschicht
    dein Vermieter,dieser Hund
    bunkert Bimbes bei der Bank
    er ist reich und g’sund
    und du bist arm und krank

    • Zitat:
      Milliardäre sind Leute, die auch einmal als ganz gewöhnliche Millionäre angefangen haben.

      Jerry Lewis

  5. endlich
    ein neus Thema!

  6. wie wahr, wie wahr
    Don Alphonso – wieder ein Meisterwerk, bravo! Sie sollten den Blog in Buchform raus bringen, zeitlos und immer wieder lesenswert. Ihre Schilderungen entsprechen den Erkenntnissen die mich in den letzten Jahren auch ereilt haben. Gebürot im Hamsterrad, nebenbei noch gearbeitet, hoch verschuldet, Haus und Hof trotzdem renovierungsbedürftig und die Ex-Ehefrau nur am motzen und meckern, aber schon jahrelang als noch ohne Ex- betitelt wurde. Ich lasse es mittlerweile auch langsamer angehen, werde trotzdem mein 400 Jahre altes fachwerkhaus nach und nach behutsam laissez-faire nach meinen Vorstellungen herrichten und endlich „dolce vita“ geniessen. Habe die Ehre

  7. Etwas fehlt..
    Es liest sich, dieses eigentlich schön geschriebene, so ein bißchen, als würde das Leben uns leben und wir seien gänzlich ausgeliefert. Wir können es aber auch selbst leben, wenn wir den Mut dazu haben. Und da steht bei vielen weit mehr die eigene Schere im Kopf im Wege, als die Umwelt, die Gesellschaft oder gar das System – die eher nur feine, bequeme Ausreden sind, mit denen wir die gewohnte (durchaus zweifelhafte) Sicherheit behalten.

    Freiheit und den Preis dafür bezahlen ist die andere Seite der Möglichkeiten.

    Diese Wahl hat jeder. Und das finde ich sehr gerecht.

    Viele Grüße..M.

  8. zum deppen geboren oder zum deppen gemacht
    Ja, lieber Don,
    vielleicht könnten Sie das gleiche nochmal aus der Vogelperspektive erzählen.
    Die Muster sind ja die gleichen, das wird sie nicht viel kosten.
    Erzählen Sie uns mal etwas über den moralisch hoch stehenden Exportweltmeister mit einer Wohneigentumsquote von 40%.
    Und wer profitiert eigentlich von „Moral“? Eben.

    • Was Mieten angeht, muss man die Lage in Deutschland von beiden Seiten her betrachten: Nirgendwo bekommt man bessere Immobilien zu günstigeren Preisen bei derartig guter Rechtslage als Mieter wie inDeutschland. Das gibt es sonst nirgendwo in der EU. Und man muss doch nur mal die Vermögenstips der FAZ die letztem Jahre lesen: Da galt jeder als verrückt, der sein Geld in ein Haus steckte, statt zu mieten und die grandiosen Profite auf der Vermieter Stress und Kosten ganz locker an die Börsen zu tragen. Die Eigentumsquote ist politisch gewollt niedrig, aber nicht, um Vermieter zu bereichern, sondern um das Volk bei Laune zu halten und nicht in den Stress des Eigenheims zu zwingen, worauf viele einfach keine Lust habem, sei es nun aus Scheu vor den Kosten oder weil sie flexibel dem nächsten Jobangebot nachjagen wollen.

  9. Gerechtigkeit? Ein Urteil bekommen Sie.
    … so der altbekannte Spruch, den Rechtsreferendare früh verinnerlichen.

    Ihr spezielles, gut adminstrierbares Blog fordert eine Email-Adresse. Wegen Bequemlichkeit habe ich keine Spam-Email-Adresse für solche Gelegenheiten, ein Dauergast bin ich auch nicht, also bleibe ich hier. Ob diese Aufteilung des Salons eine so gute Idee ist bezweifle ich; manche Salons benötigen halt intensivere Wartung, aber deshalb sind sie doch nicht weniger angenehm für den Gast.

    Obwohl ich ab und an gute Lust bekomme, diese qualitativ überragende und umfassend informative Webseite zukünftig beiseite zu lassen; ein Beispiel: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/wegen-2-5-stunden-mehr-eu-beamte-drohen-mit-streik-12169451.html

    Gefallen hat mir der Verweis auf „instabile Systeme zwischen Krise und Aufstieg“, so hat das Deutsche Wirtschaftswunder ja auch seinen Weg genommen. Und wenn die letzten Alten endlich in Rente sind können wir vielleicht auch mal wieder Sachpolitik an den tatsächlichen Bedürfnissen der jüngeren Gesellschaft gestalten, und erstere in Drittländer mit billigen Lohnkosten abschieben.

    So eine Unterschicht ist halt manchmal schon praktisch, man hätte sich das vielleicht besser überlegen sollen bevor man sie nominal abschafft und die große staatliche Umverteilungsmaschinerie anwirft für alle, die das mit der Qualifizierung nicht wirklich hinbekommen.

    • Wo ist das Problem?
      bigfalkenherz@gmx.de

      Fertig ist die spamadresse!

      IM ANDEREN TEIL DES BLOGS GEHT ES WIRKLICH VIEL INTERESSANTER ZU, WEIL DIE KOMMENTATOREN SICH UNTEREINANDER AUFEINANDER BEZIEHEN.

  10. Soso,
    nun also die Moral. Die Gegenwart ist doch auch schon golden! Und überhaupt, was heißt denn dies und das wird nicht geschehen, ist nicht gerecht, &cetera? Anstand und Würde genügen für das perfekte Glück, darauf könnte man sich wohl einmal einigen. Aber wie viele gehen stattdessen in die Nebenschauplätze, grämen sich mich Petitessen und Quisquilien? In literarischer Überformung und nach neu-alteuropäischer Unterbeschäftigung (was ist aus dem guten alten Gärtnern, Handwerken u. Handarbeiten geworden?) sogar denen der anderen? Also, meine lieber Alphonso: Wozu der Spekulatius über nicht vorhandene Damen, verstorbene Overachiever, Mores oder selbst auferlegte Beschäftigungsprogramme?

    Mille Miglia, mille meraviglia!
    weiß: Ihre Marie

  11. Erfrischend!
    Was für erfrischende Worte, vielen Dank dafür!
    Mal was anderes als der Einheitsbrei aus protestantischer Arbeitsmoral, den man sonst so vorgesetzt bekommt. Á la „wer nicht arbeitet, ist nichts wert“. Wer bestimmt, was Arbeit ist? Wer bestimmt, was wertvoll ist? Oder welche Arbeit wertvoll ist.
    Ich freue mich, dass ich mit meinen Gedanken anscheinend gar nicht so alleine stehe. Ich wollte schon aussteigen, bevor ich überhaupt eingestiegen war. Mittlerweile lebe ich im Ausland – können die meisten meiner Freunde und Bekannten nicht verstehen, weil: weniger Verdienst, weniger Rente irgendwann, keine Sicherheit – und arbeitet nur in Teilzeit. In meiner wundervollen freien Zeit kann ich hier in diesem Portal mehr oder minder Überflüssiges schreiben, und mich mit dem befassen, was mir am Herzen liegt – was aber (bisher) kein Geld bringt. Viel Geld habe ich nicht, aber wenn man seine Bedürfnisse oder Ansprüche zurück schraubt, bekommt man im Gegenzug Freiheit geschenkt.
    In diesem Sinne: Auf die Freiheit!

    Viele Grüße aus Budapest!

    • Gern geschehen; im SPON wird dagegen schon wieder das Hohelied des Wunderkindes mit 17 Jahren gesungen, das nach Harvard will. Bei so etwas wird mir speiübel.

    • Hab´s gerade gelesen...
      Jedem das Seine, kann ich dazu nur sagen…
      „Naturwissenschaftliche Methoden auf sozialgesellschaftliche Zusammenhänge anzuwenden“ – das sagt schon alles. Deshalb läuft momentan sozialgesellschaftlich (oder weltwirtschaftlich) alles so brilliant.
      Bloß nicht raus aus den vertrauten Mustern, auch, wenn die aus unerfindlichen Gründen nicht mehr funktionieren. Und bloß nicht mit den Menschen selbst befassen – dazu bräuchte man ja soziale Kompetenz. Der Mensch ist eine ökonomische Größe – das muss reichen zur Berechnung.

    • Speiübel?
      Warum denn?
      Aus Neid, weil der Junge so intelligent zu sein scheint?
      Oder weil er ganz fies kapitalistisch Volkswirtschaft studiert?
      Oder weil er anscheinend noch fieser kapitalistisch schon mit 15 unternehmerisch erfolgreich war?

      Dabei paßt seine Einstellung doch eigentlich zum antikapitalistischen Don:
      „“Geld allein ist ohne Wert, ohne Gestaltungsmöglichkeit.““

      Wer sich „kaputtarbeitet“ ist übrigens idR selber schuld. Man kann auch im bösen, bösen Kapitalismus ein relativ ruhiges Leben führen. Ist natürlich schön einfach, dem System die Schuld zu geben, aber es sind doch die Menschen, die die Entscheidungen über ihr Leben treffen.

      Ein Hohelied kann ich in dem Spon-Artikel (den ich normalerweise nicht mal gelesen hätte, weil mich so eine Soße nicht interessiert) übrigens auch nicht erkennen. Ist halt das übliche Geblubber über „besondere“ Menschen.
      & Propaganda für den gar gräßlichen Kapitalismus kann es ja eigentlich auch nicht sein, da der Junge eine ziemliche Ausnahmeerscheinung & Intelligenz großteils genetisch bedingt ist.

  12. Berlingo
    Das verstehe ich nicht. Keine Barchetta haißt ja nicht zwingend Berlingo. Es gibt doch außer den zweien noch andere Autos. Wieso also die Klage?

    • Ich packe. Ich steige in den Wagen, ich komme nur zufällig an den Wischerhebel, und nichts tut sich. Gar nichts. Ich probiere rum, es geht nicht, in Italien ist ein Sturmtief, also? Mietwagenanbieter durchrufen. Zu Ferienbeginn. Auto. Innerhalb der nächsten 5 Stunden, sonst klappt es nicht mit der Mille Miglia. Naja, und was sie hatten und halbwegs preislich ok und kein OPEL gewesen ist, war eben…

    • Großer Roman
      Oh, das klingt wie der Anfang einer romanhaften Geschichte. Also das Auto als Understatement, der Don, inkognito im Belingo unterwegs, lernt eine junge Dame kennen, die unerkannt Erbin der Putzblank-Werke ist und dann…
      .
      Hm, vielleicht muss man dafür doch Kästner heißen.

    • hans
      Emil und die Detektive… gegen die Maffiosi… die mit dem Scheibenwischerhebeltrick…

    • Lief der Scheibenwischermotor ???
      Lief der Scheibenwischermotor ? Falls nicht: Entsprechende Sicherung prüfen & ggf. wechseln. Falls ja: Schraubendreher, 21er-Maulschlüssel & 40er Torx-Bit hernehmen, Decke auf die Windschutzscheibe legen, Scheibenwischer & Abdeckung demontieren, Scheibenwischergestänge wieder einhängen, alles retour & in Zukunft routinemäßig vor der Fahrt die Scheibenwischer anlupfen.

  13. Titel eingeben
    Die beiden Lederiemenhalter sind anscheinend auch billige, schlecht entgratete Kopien aus der Nachwuchsserie „angewandter Westviertelbetrug“. Immerhin sitzen zwei der drei Schrauben so, wie sie sollen, also ungefähr einheitlich. (Rechts unten die Öse ist scheinbar auch noch irgendwie schief an eine Feile oder ein Stück Schleifstein gekommen, wohl daher der „flächige Anschnitt“, igitt. Falls nicht schon die Gußform defekt war. Denn um ein billiges Gussteil, sodann leidlich oberflächenveredelt, handelt es sich doch wohl.)
    .
    Evtl. ein Zeitgeist-Musikvorschlag dazu? „Who needs needs forever“, performed by „Watch in style“? https://www.youtube.com/watch?v=h4geTSp2DZc

    • Das war ein italienisches Auto, die nehmen das nicht so genau.

      Übrigens hatte vor zwei Jahren ein deutscher Fernsehkoch einen Auffahrunfall mit seinem „Ferrari“ bei der Mille Miglia. Ich habe davor ein Photo, da sieht man, dass unter dem Lack nur jede Menge Glasfaser ist, über die ganze Front hinweg.

      Sah aber toll aus, vor dem Unfall!

  14. Titel eingeben
    Schaetze mich glücklich, gern im . zwar schlecht administrierbaren, dafür aber mit offenem Verdeck ausstaffierten . Blog meine Anmerkung zu hinterlassen. Und zwar mit der Feststellung, dass

  15. Ist das eine Frage der Moral ?
    Oder nicht vielleicht eher eine des Familienstandes ? Als Single braucht man nicht so arg viel , und das wenige hat man in der zweiten Lebenshälfte häufig schon zusammengebracht .
    Wer mit 50 Kinder und Enkel hat, hat eher Grund , das „Familienunternehmen in dritter Generation “ weiter mit vollem Einsatz voranzubringen.

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