Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Tanz die Klassengesellschaft

| 48 Lesermeinungen

Ist die Politik des Nachtlebens nur restriktiv genug, braucht man keine sozialen Dünkel: Reiche Töpfe finden wie von selbst vermögende Deckel, wenn alle anderen ausgeschlossen sind.

This is Radio Freedom
The KLF, 3 A.M. Eternal

Sie mussten ihn aus dem Wrack des schwarzen Alfa herausschneiden, und es hat ziemlich lange gedauert, so demoliert, wie er nach den Überschlägen war. Es war ein warmer, sehr früher Sommermorgen an einer Landstrasse nördlich von München, viel zu schön, um jung zu sterben, damals, in den späten 80er Jahren, als Harry noch den Wagen für Derrick holte. Und auf der anderen Seite der grossen Stadt verweilten junge, schöne Menschen auf einem parkartigen Grundstück in Grünwald, die Türen der Villa waren weit geöffnet, die Musik dröhnte, und alle waren froh, dass sie hier noch tanzen und feiern konnten, während sich langsam die Sonne erhob und der Himmel hellblau erstrahlte. Dann brachte der Sanitäter den jungen, unterprivilegierten Jungen ins Krankenhaus, wo sie ihm den frühen Tod ersparten, und in Grünwald waren genug Sofas und Betten, um die bleibenden Gäste aufzunehmen. Wäre das eine Folge von Derrick gewesen, hätten natürlich einige der jungen Leute den Unfallfahrer gekannt, und es wäre so gewesen wie immer: Auf der einen Seite die feiernden, aber teilweise grundverdorbenen Reichen, und auf der anderen die Armen, die ihre Opfer sind.

Es stimmt auch insofern, als wir den D. damals nicht mitgenommen haben. Damals nicht und eigentlich nie, und darüber musste man auch gar nicht reden. Der D. wäre, so wie er war, nie ins Parkcafe gekommen. Das war seltsam damals, für uns war das überhaupt keine Frage, die Tür stand immer offen, man sah uns und wusste, wir gehören dazu. Die Eltern vom D. waren jetzt auch nicht gerade arm, aber auch ziemlich normal, und wenn wir über Gaultier sprachen, sprach er halt über Pferdestärken und neue Modelle, für die sein Vater mit zuständig war. Wir kannten uns, wir feierten daheim zusammen, wie man das eben so macht, aber wenn das Wochenende kam, gingen wir getrennte Wege. Wir gingen in München in eine der wenigen Discotheken, die damals nicht der allgemeinen Sperrstunde unterlagen. Und der D. fuhr über die Autobahn in eine andere Diskothek, deren Musik auch KT Guttenberg gefallen hätte. Er war dort unter Leuten, die ihn verstanden, und wir trafen uns mit anderen, deren Eltern auch weitläufige Häuser in guter Lage hatten, und wenn die Eltern in Urlaub waren, nutzten wir das, um noch zu tanzen, wenn das Parkcafe längst geschlossen war.

Das alles ist mir noch so klar in Erinnerung, weil uns der Unfall vom D. am nächsten Tag doch sehr schockierte. Er war der erste, der sich nach dem Abitur beinahe derrannt hätte, die übliche Kombination von Alkohol, Frust, kein Glück bei den Mädchen und zu hoher Geschwindigkeit auf der Heimfahrt. Niemand wäre bei uns damals noch gefahren, es war viel zu schön, es gab viel zu interessante, liebenswürdige Menschen, Gespräche, Sex, und es gab keinen Grund, in ein Auto zu steigen und sich in dieser Nacht fast umzubringen. Aber so war das eben. Die einen hatten ihre Clubs in München, eine Wohnung und Freunde, die ebenfalls fern der Probleme der echten Welt aufgewachsen waren. Und die anderen hatten all das nicht, aber einen Wagen für den Weg zur lauten Bierhalle an der Autobahn.

Gerne glaubt man, dass die Kinder aus der reichen Provinz in den grossen Städten andere Lebensweisen kennenlernen, aber das stimmte damals einfach nicht. Die Wahrheit ist, dass in München die Klassengesellschaft von daheim bruchlos weiter ging. Das lag nicht nur daran, dass alle Kinder solcher Familien im Block nach München gingen, sondern auch an der besonderen Natur des Nachtlebens, das in jener Zeit leider weniger von uns Paradiesvögeln, denn von zwei älteren, griesgrämigen Herren mit reaktionären Ansichten geprägt wurde: Kreisverwaltungsreferenten waren damals ein gewisser Herr Gauweiler und danach ein gewisser Herr Uhl, die man heute als CSU-Innenpolitiker kennt.Sie haben mit der Aufsicht über Gastronomie, öffentliches Leben und Ordnung das Klima geschaffen, dem die Spider Murphy Gang das Lied „Skandal im Sperrbezirk“ gewidmet hat, sie traten ein für ein sauberes München, ganz im Sinne einer geistig-moralischen Wende, und dazu gehörte dann auch, dass das Nachtleben in München um 1 Uhr zu enden hatte, mit ein paar Ausnahmen, prestigeträchtig und teuer.

Wer da reinkam, war drin. Und wer nicht reinkam, den kannte man nicht, wenn man drin war, weil es keine Gelegenheit gab. So einfach war das eigentlich. Es gab einen Kellerklub am Altstadtring, in den man besser nicht ging, wenn man etwas gegen reiche, bornierte Burschenschaftler hatte. Es gab das P1, in das man nicht ging, wenn man keine Fussballer oder Tennisspieler sehen wollte. Es gab die Wunderbar, aber die war sehr klein, es gab das Babalu, einen ehemaligen Sexclub in Schwabing, der nach Einführung des Sperrbezirks für sexuelle Dienstleistungen mit dem gleichen Ambiente zum Tanzlokal wurde, und es gab das Parkcafe. Da waren wir dann meistens. Das alles natürlich immer unter Überwachung und Vorbehalt, denn München wollte damals keine Exzesse der Nacht. Rückblickend kommt es mir dagegen so vor, als habe man nur das zugelassen, was man brauchte, um die Elite und ihren Nachwuchs bei Laune zu halten: Draussen sprach die Politik zwar vom „Konzentrieren“ AIDS-Infizierter und Zwangstests für „Risikogruppen“, aber drinnen sass ungeniert der hochfürstliche Herr mit der anderen Orientierung an der Bar und bestaunte das männliche Frischfleisch, das auf den Boxen tanzte. Was den nächtlichen Ruf Münchens ausgemacht hat, waren kleine Freiräume in einer riesigen Stadt; Freiräume, die mit der Tür genau regulierten, dass sie nur von den Richtigen besucht wurden. Wir waren Begünstigte, wir waren dabei, wir hatten keine Alternative, den Uhl und den Gauweiler aber, deren Kreisverwaltungsreferat dem Treiben ein Ende hätte setzen können, die mochten wir nicht. Für uns war München schön, es leuchtete bei Tag und bei Nacht, und mehr Leuchten hätte uns besser gefallen – aber das durfte nicht sein. Als dann die Mauer gefallen ist und der Alte Westen mit dem Osten unterging, konnte man in Berliner Kellern erfahren, wie repressiv und ausgrenzend dieses München damals unter der Ägide der Überwachungsfreunde wirklich war.

War man auf der richtigen Seite, war es dennoch lebenswert. Die Fussballer hatten ihre Feiermeile, auf der sie bewundert wurden. Der Typ von der Fachschaft Jura wurde wegen der prüfungsfördernden Tablettenhandlung nie behelligt. Wer neben seinen sonstigen Neigungen gesellschaftliches Vorbild war, war nicht so schwul, dass man ihn zwangsgetestet hätte. Nie kam die Polizei bei einer Party in Grünwald, im Seehaus oder am Ammersee. Den Schnee, auf dem all die jungen Römer vom Parkcafe ins Nachtcafe fuhren, kannte damals auch schon jedes Kind, aber den Führerschein hat man dem armen Jungen im Alfa genommen, nachdem er wieder laufen konnte. Heute bin ich am Tegernsee und Uhl und Gauweiler sind in Berlin, München hat keine Sperrstunde mehr, und der Papst möchte Schwule nicht verurteilen. Es hat sich einiges geändert, in diesem Viertel Jahrhundert. Man muss auch nicht mehr reich sein, um sich eine Nacht in München leisten zu können.

Aber es ist natürlich weiterhin praktisch, wenn man zum Studium auch eine passende Wohnung bekommt, es gibt weiterhin Orte, die nicht jedem den Zutritt gestatten. Es sind heute nicht mehr die Uhls und die Gauweilers, die den Takt des Nachtlebens vorgeben, es ist für die einen der finanzielle Zwang, etwas nebenher zu verdienen und für die anderen die Möglichkeit, sich im Studium nicht zu sehr reinzuhängen, weil man ohnehin weiss, was man danach bei den Eltern machen kann. Die politisch gewollten Restriktionen der Nacht sind verschwunden, die sozialen Strukturen haben sich wenig verändert. Die Tanzlokale sind vielleicht nicht mehr ganz so exklusiv wie früher, dafür können die Singles der Stadt das Angebot im Internet nach Gehalt und Karriere sortieren. Liebe war schon bei uns kein Zufall und ist es heute auch nicht.

Vermischung der Schichten ist nicht so einfach, wenn die meisten Studenten Kinder von Akademikern sind. Und draussen vor der grossen Stadt sind immer noch die lauten, grossen Hallen für die anderen. Da kommt man aber auch heute nie hin. Es wäre auch zu gefährlich. So nett der D. auch gewesen ist: Meine Kinder könnten jederzeit ins Parkcafe. Aber nicht mit so einem in den Alfa.

HINWEIS:

Alternativ kann man diesen Beitrag auch im Kommentarblog kommentieren.

 


48 Lesermeinungen

  1. Rechtschreibung und Grammatik
    Don Alphonso, ich lese Ihre Texte wirklich sehr gern, aber ich stolpere ziemlich oft und ziemlich heftig ueber Grammatik- und Rechtschreibfehler, die Ihrem Niveau nicht entsprechen. Das verdirbt ein wenig den Genuss. Vielleicht nehmen Sie sich doch mal 5 Minuten fuer das Korrekturlesen. Ansonsten: bitte weiter so!

    • Titel eingeben
      Danke für den Hinweis und das Lob, ich habe nochmal drüber gefeilt, und da ganz oben, da lag leider das m zu nah an dem , .

  2. Parkcafé oder nicht
    Okay, die einen sind im Parkcafé, die anderen sind es nicht, das hat ja Brecht auch schon so ähnlich gesagt. Und klar, Parkcafé heiratet Parkcafé, Nicht-Parkcafé heiratet Nicht-Parkcafé. Aber dann gibt’s noch welche, die sind nicht im Parkcafé – und wollen auch gar nicht rein! Obwohl sie sich’s vielleicht leisten könnten. Angeblich sollen sogar unter solchen Menschen immer wieder Ehen geschlossen werden.

    • Ja, sicher. Ich wollte nur etwas über die Mechanismen von Restriktion und Klassengesellschaft schreiben, als Anhang gewissermassen zum Uhl-Sager, das Biedermeier sei vorbei. Und die Frage aufwerfen, ob der äussere Druck wirklich so eine grosse Rolle spielt, wie man das nach den Erfahrungen in Überwachungssystemen mit unterschiedlichen Möglichkeiten für Schichten vielleicht annehmen möchte.

    • Mischscheidungen
      Und das ist dann wohl auch einer der Gruende warum nunmehr angeblich jede 3. Ehe in Deutschland innerhalb von 14 Jahren nach der Heirat geschieden wird.

      Klassenunterschiede sind nicht so einfach zu ueberwinden, und irgendwann haben dann beide davon genug dass sie nicht wirklich zusammenpassen.

    • Ich denke, man sieht Ehe heute viel pragmatischer als früher. In der Generation meiner Eltern war das (Bayern, 70er und 80er Jahre) vollkommen undenkbar. Heute heiratet man doch eher nur mal so wegen der Party und betrachtet das als Möglichkeit zum Steuernsparen. Und wenn sich etwas Besseres findet, macht man das eben.

    • leider
      Leider liegen Sie da wohl richtig, werter Don. Und mit dem Verfall der Ehe (und Ehre?) wandelt sich dann auch das Konzept der Familie, was dann alle alleine und auf sich selbst gestellt macht. Einzelne sind in Gruppen einfach zu beeinflussen und lassen sich besser pluendern.

  3. ich wollte auch mal in eine Disco gehen
    aber sie haben mich nicht rein gelassen
    da war ein kleines Fenster in der Eingangstür
    ein Gorilla hat es aufgemacht und gesagt: es ist alles voll
    aber die Geschniegelten durften dann doch rein
    heute kann ich nur darüber lachen
    die Schicki-Mickis müssen mit ihrer aufgedonnerten Alten an die Cote d`Azur
    und ich darf mit der schönsten aller Frauen Walderdbeeren sammeln gehn
    irgendwann wendet sich das Blatt
    ihr müsst einfach nur warten können

    • Es ist einfach nicht wichtig. Ich persönlich hätte auch heute keine Lust mehr, mir so etwas anzutun, und wenn irgendwelche Türsteher jetzt zu Stars werden, kann ich nur über die Kaputtheit der berichtenden Medien lächeln.

    • nur der Vollständigkeit halber :
      ganz so toll ist es gestern dann doch nicht gewesen
      natürlich waren die Erdbeeren voll lecker
      aber im Wald war es mindestens so heiss wie an der Cote d`Azur
      dann hat mich auch noch eine Wespe in den Finger gestochen
      zudem wollte Madame auf der Wiese vor dem Wald keine Nummer schieben
      angeblich weil die vom Campingplatz hätten rüber schauen können
      aber das wäre doch gerade das interessante daran gewesen
      so ist es halt, wenn man mit einer Frau aus gutem Haus zusammen ist
      da muss man manchmal eben Abstriche machen

    • Das bringt mich auf eine gute Idee für einen Beitrag, den ich nie schreiben werde nämlich, warum die Kühlerhaube eines alten 5er BMWs

      Nein, nie werde ich das schreiben.

    • parkcafe
      bei einem konzert konnte aber jeder rein :-)

      https://thelongwaydown.de

    • Titel eingeben
      „eines alten 5er BMWs“

      Mein Arbeitskollege hat seit Jahren einen 1983er 5er, 220 PS oder so (wenn ich recht verstanden habe), ein Porsche-Killer zu der Zeit.

      Er nimmt den Wagen nie für den Weg zur Arbeit, vielleicht wegen der Motorhaube?

  4. Save the last dance for me !!
    Schones Essay werter Don Alphonso
    Es brachte Erinnerungen an vergangene Zeiten zurueck. Danke dafuer.
    Irgendwie musste ich auch an The Great Gatsby denken, oder Last Tango in Paris … und all die vielen Emotionen die gute und schlechte Zeiten in Erinnerung bringen.
    Well done. Excuse the Denglish.
    Much appreciated

    • Danke. Bei uns hatte das ja alles keine besonders schlimmen Folgen, von späterer Ehe und Kindern bei manchen einmal abgesehen. Aber sogar das ging gut.

  5. Das mit den Privilegierten
    Text eingeben

    • Oh, Pfui schon wieder
      Das mit den Privilegierten und den Privilegien geht mir nicht auf.
      Hier im Blog sowieso nicht.
      Nix als Kampf gegen das System.

      Jungsein war ein Privileg!

    • Ich sage es ja: Es gibt ein Ausweichblog für die Kommentare. Das geht nicht richtig. weil hier Javascript massive Aussetzer hat. Das System wurde für Wunschvorstellungen des Designs gemacht, und nicht für das, was man hier beherrschen könnte.

      Es ist sehr bedauerlich. Ich kann nichts dafür. ich habe es denen gesagt. Ich hoffe, dass der neue Onlinechef da die Bude neu aufstellt.

    • Design???
      Ich kann keines erkennen.
      Alles böse Onkelz und Tantenz.

    • Wie gesagt, ich hoffe auf eine radikale Neuorientierung nach den Jahren der Debakel.

  6. Ich bin ja nicht gereade der Übersentimentale ...
    … aber gewisse Anklänge an die entschwundende Hoch-Zeit von http://www.dotcomtod.com werden in diesem Artikel wach, wie auch an den Roman „Liquide“, Don. (Die Site funktionierte auch besser als diese, gell?) Aber hatten wir damals nicht ziemlich vergleichbare Themen? Schickimickis hüben und drüben, die sich im Hype der sogenannten New Economy sonnten, die Geld „machten“ und verbrannten, unzählige Blutlachen (mit und ohne Alfa-Wracks) am Straßenrand zurückließen — und dennoch die Stars der Manegen, Anlageberater, Analysten und Medien waren?

    Those were the days, my friend. Wunderschöner Artikel.
    Danke und herzliche Grüße!

    • Die Genese der neuen FAZ-Blogs ist eine Geschichte für Dotcomtod, sowas habe ich seit der New Economy nicht mehr erlebt.

      Damals wollte noch keiner ein Star werden, und Geld verdienen war überhaupt kein Thema, bei dem, was so studiert wurde. Das hat sich dann in den folgenden 10 Jahren deutlich geändert, auch angesichts des Drucks, der die Unis erreichte. Was haben wir damals gelacht über Idioten, die nach 10 Semester Juristen waren…

  7. München hat sich verändert
    Es hat sich tatsächlich in München einiges geändert. Als ich, Student im 1. Semester an der LMU, 1971 mit meiner ausgesprochen sensuellen Freundin eine Wohnung suchte, gab es Schwierigkeiten. Nicht verheiratet, wilde Ehe? Na sowas. Schliesslich fand ich ein Apartment in der Adalbertstrasse, ganz neu und dem Vermieter, eine Baugesellschaft, war die hohe Vermittlungsgebühr wichtiger als moralische Erwägungen. Das war aber nur möglich, weil mir ein steinreicher Onkel die Tausend Mark Vermittlungsgebühr vorschoss. Moral: Ohne Geld ist nichts, das ist leider heute noch wahrer als damals. Ohne Beziehungen keine Beziehungen, keine gutdotierten Jobs – die gehen meistens über Beziehungen über den Ladentisch, nicht übers Arbeitsamt. Die Umverteilung von unten nach oben funktioniert ebenfalls prächtig, davon hatte man damals noch wenig Ahnung. Ich denke oft an meine schöne Studentenzeit in Schwabing, aber wir waren damals naiv. Wir hatten eben noch Illusionen. Und viel Muße. Ob die heutigen Studenten noch welche haben?

  8. Titel eingeben
    Ach weh! München!
    Da wird mir gleich ganz heimelich ums Herz. Wo sonst konnte man so ungezügelt dem Inzest frönen wie in Münchner Geldkreisen?
    Bitte mehr Geschichten aus der Provinz und von gestern.

    • Ich müsste mal schauen, ob ich nicht so einen verlotterten Buben aus der Gegenwart als Gastautoren bringen kann. Die Geschichte ging ja auch nach der New Economy noch weiter; allerdings hat sich vieles, Stichwort Feierbanana, radikal demokratisiert. Die Abgrenzung findet nach meiner Beobachtung dann jenseits des Feierns statt.

  9. inzucht?
    SgDA

    lese ich hier eine der Ursachen fuer das allgemeine Desater in der Welt? Soziale Inzucht mit all den Gefahren die deren innewohnt?
    Man gewinnt den EIndruck die ‚besseren kreise‘ haetten den Kontakt zur Ausssenwelt verloren? Loescher mit 5 Mio Abgangspraemie und 2 Mio fuer das Altenteil? Krieg den Huetten und Frieden den Palaesten?

    • Das sind meines Erachtens drei unterschiedliche Aspekte. Abfindungen von einzelnen sind zwar hedtig, aber nicht die Realität der sog. Oberschicht, wenn man die als die oberen 10 oder 20% definiert. Aber darin gibt es natürlich auch eine begrenzte Wahrnehmung der Realität. Man fährt nicht in schlechte Viertel und schaut zu, wie Menschen abgelaufene Lebensmittel bei Aldi kaufen, man sieht nicht dauernd die Probleme, die kommen erst, wenn diese Welten in Beziehungen aufeinander prallen. Ob das besser oder schlechter laufen muss als Beziehungen unter gleichen, weiss ich auch nicht. Ich kann aber sagen, dass es eine Reihe von Frauen in meiner Umgebung gibt, so es sozial stimmen würde, aber ich nie auf die Idee käme, etwas zu versuchen – einfach, weil ich weiss, dass es ansonsten überhaupt nicht passen würde.

    • weitere Brueche
      Es sind nicht nur die oberen 10% mE. Die Brueche sind vielfaeltiger. Der Zeitarbeiter ist froh ueber seine Arbeit und mag vielleicht ueber die Konditionen der ‚Stammbelegschaft‘ grummeln – die mit ihm arbeitet. Der kleine split in den ‚Klassen‘.
      Erinnere mich noch deutlich wie diese Stammbelegschaften am Freitagnachmittag auf dem Wege ins WE die Strassen verstopften, auf denen man selbst die Puzzleteile des Produkts fuer die montaegliche Fruehschicht hin und her karrte. Wenn man dann Samstagmittag die Woche beendet hatte, traf man an der Supermarktkasse welche, die auch die falsche Karriereentscheidung getroffen haben. Der Gehaltsscheck ist nicht alles im Leben, sollt halt laenger als 3 Wochen halten.

      Schon mal den lokalen Handwerker nach seinem Plan fuer die Betriebsrente seiner Belegschaft gefragt? Jo mei…

  10. Cyclam und Ochsenblut
    Wie wundervoll! Diese ganze Nostalgia. Der Sommer der jungen Römer. Ein Sommer aus Schnee und hummerfarbener Lingerie. Und Helmut Klewan in seiner Galerie – nur bekleidet mit einem Messgewand aus dem Hause Nitsch. Ochsenblut. Ich weiß nicht, warum sie ins Parkcafé mussten? Vielleicht sind Sie doch eher Apricot?

    • In meinen Augen hat damals alles so gepasst, keine Promis, eine wirklich schöne Anlage, der Brunnen – wo hat man schon mal einen Club im Park? Das war auch nicht alles. Es war halt angenehm so.

    • Fin de siècle
      Und Udo Lindenberg betrunken an der Bar. Man hat ihn damals nicht als Promi betrachtet, sondern als eine Art Stilmöbel. Grundsätzlich ein wenig fehl am Platz, aber im Auftreten doch sehr diskret – wenigstens. Nun, er hatte ja auch dieses Sacco, mit dem er nach Monaco…und dann doch nur ins Nachtcafe abwanderte.

      In der Maximillianstraße suchten unterdessen reiche Fabrikanten mit einem Faible für Kunst junges Fleisch. Wir waren schließlich höhere Töchter und hatten unsere Ansprüche. Es war halt angenehm so. Denn wir konnten uns einreden, dass es doch der Kunst diene. Nachts im Vier Jahreszeiten.

      Wir sagten immer: Was solls. Es ist fin de siècle.

  11. So anspruchsvoll
    Text eingeben

  12. Das System hat mich auf dem Kieker
    Wollte gerade ausführen, dass ich eigentlich nicht sehr anspruchsvoll bin – aber
    für so ein System schon.
    Und deswegen bin ich dem Gastgeber dankbar, dass er seinen Klassen- Anspruch hochhält.

    In Zeiten in der jedes Produkt „Premium“ ist und die übelste Klitsche behauptet sie sei
    „First Class“.

  13. Grammatik II
    Lieber Don, mir fällt gerade auf, dass am Anfang der Seite Folgendes „Zum Autor“ geschrieben steht: “ Don Alphonso ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist.“ Selbst wenn eine Figur verfasst werden könnte (mE besser: geschaffen), so hat sie doch nur ihren Verfasser. Und nicht seinen.

    • Titel eingeben
      Das ist der Fehler „falsches Pronomen“, den mir seit ca. 5 Jahren zunehmend auffällt.
      Achten Sie mal darauf, Sie werden das öfters in im Internet veröffentlichten Texten finden: Substantiv Genus feminin, Pronomen fälschlich maskulin (wie hier und oft auch anderswo), Substantiv Genus maskulin, Pronomen feminin usw. usf.
      Wenn sie wollen, Rückmeldung gern an de.etc.sprache.deutsch, dann glaubt man mir endlich mal, daß das eine Fehlerart ist, die vor ca. 10 Jahren noch nicht so auffällig war.

    • Titel eingeben
      Jawoll ja, und Vorführeffekt:
      „der Fehler .., den“ ist natürlich falscher Kasus.

      Offenbar sind die Schreibmöglichkeiten heutzutage einfach korrekturfeindlich.

    • Na gut, ich frage und schaue, ob sich da jemand erbarmen möchte, das zu ändern.

    • AW:
      Ich teile Ihren Eindruck, liebe(r) colorcraze. Außer dem falschen Pronomen ist für mich seit derselben Zeit auch das falsch groß geschriebene „Sie“ und vor allem „Ihr“ auffällig.

  14. Titel eingeben
    „tanz die klassengesellschaft“ immerhin ist eine auffoderung. genau genommen fehlt da ein satzzeichen? so eines womöglich: „!“ ?
    .
    oder es fehlt nicht, da absichtsvoll weggelassen. immerhin erscheint uns die klassengesellschaft hier also erneut im passiv. sie wird behandelt. sie erleidet ereignis, sie wird getanzt.
    .
    aber wohin tanzt sie denn, und wer macht die musik zum vorghang? so fragt man unwillkürlich. oder handelte es sich gar um diese ganz andere art von tanz? so nach art der entfleischten? von der wir alle wissen, es gibt sie und sie kommt auch schon einmal vor. am vorabend großer kriegs- u. untergangsereignisse früher auch?
    .
    ja, ein klassischer vorgang, man weiß. „die herren mit den entfleischten gesichtern und jener unbeherrschten art die beine zu werfen“ – und konnte sich die besten ärzte und entlegensten kuren zum merkwürdigen tanzvergnügen gerne leisten. und erwarteten zukunft. wenn auch dessen weitgehend unbewusst.
    .
    https://tinyurl.com/nkzpkff (u.a schüchtern s. 77 mitte)

  15. Titel eingeben
    nur weil am 1.8.2013 der 99. jahrestag der deutschen kriegserklärung war und in azannes, damvillers und so weiter in einem jahr die hundertschaften herumlaufen werden:
    .
    man kann das, seiner in teilen fast literarischen qualität wegen, sicher leicht ganz lesen. immerhin reichts runter bis zum 1.8. 1916 einschließlich. man muss also nicht direkt beim august 1914 stehen bleiben. https://www.oocities.org/bunker1914/Frontalltag_Verdun_Tagebuch_Mueller.htm
    .

    • Ein Verdun
      wird man dann nicht mehr brauchen, eingedenk der vom Gastgeber verlinkten Videos.

      Nach US- Version finden die Schlachten in den Megacities statt.
      Erklärt vlt. ihre Erfolglosigkeit in Flächenstaaten.

  16. Titel eingeben
    irgendwie erinnert das alles – tanz wird tumult – ein wenig auch an annette kolb: „geboren als münchner westvierteltochter …“

    https://www.gaestebuecher-schloss-neubeuern.de/biografien/Kolb%20Annette.pdf

  17. camouflage
    Le Bal – Der Tanzpalast – ein Film von Ettore Scola
    https://www.youtube .com/watch?v=lVJdvA4eSGg

    Der Mensch ändert sich nicht (wesentlich).

  18. OT
    Wenn, ich jetzt die Artikel von’s ‚ Intellektuellen“ zu Angela Merkel lese, geht es mir
    auch so: ich kann gar nicht genug essen…
    Nach 8 Jahren fällt ihnen auf was sie an Angela haben und fühlen sich mal wieder
    berechtigt auf die ‚Deutschen ‚ einzuhauen‘.

    Warum sollte irgendein ‚Deutscher‘ für sie die Kohlen aus dem Feuer holen, nachdem
    sie sich selbst bis auf die Knochen blamiert haben?

    • Dass Deutsche sich
      von ihren selbsternannten Eliten wechselweise als dumm und blöd bezeichnen
      lassen müssen, ist das noch obszön oder schon vulgär?
      .
      Andere Führer haben aus der Erkenntnis, dass die Deutschen ihrer nicht würdig
      sind im Scheitern Konsequenzen gezogen.

  19. Titel eingeben
    Oh, der Don macht sich Gedanken über seine potenziellen Kinder? Das sind ja ganz neue Töne!

    • Ich bin wie der Papst: Ich rede gern von Dingen, von denen ich keine Ahnung habe. Das ist alles.

  20. Ja,ja...das Parkcafe (wo ist denn jetzt dieser Akzent?!?! Scheiß Tastatur....)
    Meine Kinder dürfen erst ins Parkcafe, wenn sie 25 sind. Wer weiß, was die da anstellen?
    Als ob es sich in irgendwelchen Villen besser feiern lassen würde als auf Autobahnraststätten. Teure Vase hier, Sammlerstück dort. Da kann man schon vor der Party die Haftpflicht anrufen!
    Und der D., der ist halt in einem schwierigen Alter….

Kommentare sind deaktiviert.