Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Weihnachtsgeschenke für autonome Randalierer

| 50 Lesermeinungen

Autonome sind arm dran: Weil sie kein Geld haben, können sie nur Steine rauswerfen, und Porzellan haben sie auch nicht. Dafür bekommen sie hier weihnachtlichen Platz, um ihre Frohbotschaft zu verkünden.

Nehmt Ihr uns die Flora ab, machen wir die City platt.
Aus dem Videoaufruf der „Antifaschistischen Aktion“ zur Demonstration in Hamburg

Hier sollte eigentlich ein vergnüglicher Beitrag zum Klassenkampf von Oben stehen, nämlich: Wie man sich zu Weihnachten selbst bereichert. Es stand deutlich in den Nachrichten: Der neue Armutsbericht der Bundesregierung ist da! Punktgenau in die Vorweihnachtszeit gespielt, wenn die Menschen andere Interessen als Elend und Jammer haben, zeigt der Armutsbericht mal wieder auf, dass die Ungleichheit in Deutschland auch dieses Jahr grösser geworden ist. Und da ist es doch gefällig, dass wir, die Bevorzugten dieses Systems, durch Wälder streifen, um die Wipfel gefällter Bäume abzuzwacken und als kostenlose Christbäume zu verwenden. Das setzt dem Ganzen natürlich noch die Christbaumkrone auf. Zynischerweise hätte ich das oligarchengrün begründet: Kein Baum musste extra sterben, kein zusätzlicher Baummüll wurde produziert, das geht nachher alles in den Kachelofen und macht Wärme für die Katzen, unsere Beschmückung ist steinalt und nicht aus China, und energiefressende Elektrobeleuchtung haben wir auch nicht. Wir machen es als einzige richtig, und der Rest sollte sich was schämen.

Das wäre einerseits halb ernst, denn tatsächlich ist die Tradition des Christbaumdiebstahls so in unseren Genen, wie das Vermieterblut in unseren Adern. Wir machen das wirklich so, und zwar mit einer Mischung aus diebischem Vergnügen, der Überzeugung, dass wir richtig nach der Tradition handeln, und dem Bewusstsein, dass es das Beste ist, was man in der Besten aller möglichen Welten tun kann. Sicher, der Baum ist nicht wirklich ein Schmuckstück wie das, was andere für viel Geld kaufen, aber einem geschenkten Christbaum schaut man nicht in die Äste und die besseren Exemplare hatten schon andere Mitbewohner aus dem Westviertel gestohlen. Andererseits hätte es mir natürlich auch Spass gemacht, aus dieser Tat eine allumfassende Gerechtigkeit der Art zu konstruieren, dass daneben jede Aufnahme eines heimatlosen Paares kurz vor der Niederkunft wie das Überlassen einer Pfandflasche erschienen wäre. Ich überziehe da gerne. Weil ich darüber indirekt erklären möchte, wie meine Schicht, mein Umfeld so tickt, und so ganz oben an der globalen Spitze zur Überzeugung gelangt, dass ihnen auch noch ein kostenloser Christbaum zusteht, und die Steuer ihnen alles nimmt, aber ansonsten hat es schon seine Richtigkeit so, wie es ist.

Wir sind am Sonntag also in die Wälder gegangen und haben einen Christbaum organisiert, und weil man am Vorabend gut gegessen haben sollte, habe ich die Randale in Hamburg nur so am Rande mitbekommen. Das ist fast unverzeihlich, denn unfairerweise ist der dort brutal ausgetragene Klassenkampf von Unten ja ein Thema, das ich hier eher ignoriere. Mir geht es allein um den Klassenkampf von Oben, den ich vielleicht auch nicht immer richtig finde, aber zu dessen Profiteuren ich fraglos gehöre. 364 Tage im Jahr beschränke ich mich darauf, die Vorteile dieser – für mich allein gesehen fraglos sozialen – Trennung der Gesellschaft hervorzuheben. 364 Tage lang ignoriere ich die anderen. In meinem Blog existiert das genauso wenig wie in meiner Welt. Nun aber werfen sie Steine, randalieren, und deshalb würde ich gern empfehlen, diesen Beitrag vom St.-Pauli-Anwohner Matt Wagner zu lesen, der fragt, warum man dann auch nicht Veganer und die Jungen Liberalen randalieren lässt.

Aber. Heute ist Weihnachten. Die meisten Randalierer dürften längst wieder aus der Haft entlassen sein, die Revolution hat sicher auch einen Christbaum mit bengalischen Feuern, und vielleicht möchte die Leserschaft auch an dieser Stelle nicht, dass ich mich öffentlich über diese Personen aufrege. Zumal man von Seiten der Linken, der Piraten, der Jugend, der sozial Engagierten ja auch oft genug hört, wie parteiisch die Medien gewesen sind. Und wie unfair wir berichten. In meinem Fall stimmt das sogar, das ganze Blog ist eine einzige Propagandaveranstaltung für Trüffel, Tegernsee und den Charme der Gentrifizierung. Ist es da gerecht, wenn ich auch noch zum Fest der Liebe amüsiert herabblicke auf Menschen, die auf weniger Quadratmetern als mein Drittbad der Gästewohnung leben, und dort auch keinen Kronleuchter haben? Und zu Weihnachten nicht den süssen Schmerz empfinden, sich zwischen dem Tafelaufsatz aus Capodimonte und dem aus Nymphenburg entscheiden zu müssen? (Das bestimmt nämlich auch das Porzellan und das Silber)

Ich bin barmherzig. Dieses Mal, weil heute das Fest der Liebe ist, lasse ich die andere Seite zu Wort kommen. Weil nicht nur wir der Meinung sind, dass wir stets genau richtig handeln, wenn wir Erbschaftssteuern durch frühzeitiges Gemäldesammlungsumhängen reduzieren, sondern auch andere, wenn sie, wie die Piraten das so schön umschreiben, kämpfen:

Die Demonstranten kämpfen nicht nur um ein Gebäude, sondern um ihre Lebensräume und selbstbestimmten Lebensentwürfe. Sie dabei zu unterstützen und ihr Wohl nicht dem Profitstreben einiger weniger unterzuordnen, muss die Aufgabe der Politik sein.

Bravo! Lebensräume! Das hatten wir schon etwas länger nicht mehr, und damals war es ja auch der Osten, aber es gibt auch noch andere Meinungen und ich schweife ab – ich finde, Sie, liebe Leser, die Sie wissen, wie wir um unseren Status kämpfen, sollten auch wissen, wie die Demonstranten das Indymedia zufolge tun (Beleidigungen habe ich editiert, die Links als Quellennachweise finden Sie unten).

Den B**** wurde von Anfang an entschlossener Widerstand entgegen gesetzt. Obwohl es schwierig war, in dieser Situation genug Material zu organisieren, mussten sich die Eliteeinheiten mehrmals zurückziehen, weil der Bewurf so massiv war. Einzelnen B**** war die aufkommende Panik deutlich anzumerken, einige wurden so schwer verletzt, das sie nicht weiter Menschen zusammenschlagen konnten.

Die Revolution, lässt uns Genosse Mao wissen, ist kein Teekränzchen, und mit Komplimenten und Kusshändchen, wie man das bei uns macht, wurde da nicht geworfen. Indymedia dürfen wir desweiteren entnehmen:

Dabei geschah weitaus mehr, als in den Medien und über die Ticker berichtet. Etliche Scheiben von Banken, grossen Geschäftsketten, Ämtern und  Nobelhotels wurden eingeworfen, zahlreiche Seitenstrassen mit  Baumaterial versperrt. Teilweise waren grössere Mobs unterwegs, die systematisch in Ruhe stabile Barrikaden errichteten, teilweise wurde spontan in loser Zusammensetzungen schnell etwas auf die Strasse gezogen.  Kleinere B*****einheiten zu Fuss wurden durch die Strassen gejagt, später dann auch eine grössere Anzahl von Wannen mit minutenlangen Steinbewurf vor sich hergetrieben.

Man sehe mir das bitte nach, gemeinhin neige ich ja auch zur Ansicht, dass es keinen Kausalzusammenhang zwischen Benehmen und Vermögen gibt, aber so etwas wäre am Tegernsee wirklich nicht üblich. Auch dort gibt es Demonstrationen gegen Bauvorhaben und internationale Investoren, aber das äussert sich friedlich. Dafür hatten die Hamburgtouristen aber auch kein Verständnis:

Das Empire strauchelt, genaugenommen liegt es am Boden. Aber es lebt mein Freund, es ist lebendiger denn je. Doch wenn es schon am Boden liegt, so lasst uns darauf eintreten. Soviel es eben geht. Und ohne die falsche Sklavenmoral, ohne Gnade für das Biest, ohne die bürgerliche Wehleidigkeit, ohne das schlechte Gewissen des bürokratischen Wendehalses. Ohne Mitleid für den Golem, der sich vor unseren Augen in eine Diktatur verwandelt hat.

Und vermutlich machen sie das auch, ohne sich vorgestellt worden zu sein. Ich finde das, offen gesagt, bedenklich. Das schickt sich nicht. Und wo dieser Mangel an Feingefühl endet, das merken sie selbst auch, wenn sie sich selbst verletzen:

Wir haben uns dann an der militanten Gegenwehr beteiligt. Es war zwar schnell klar, dass wir das riesige B****aufgebot nicht zurückschlagen können, aber so ganz kampflos wollten wir uns die Demo nicht nehmen lassen. Viel war an dieser Stelle aber leider schlicht aus Mangel an Werfbarem nicht möglich. Schön war, wie viel trotzdem ging. Gar nicht schön waren die vielen Verletzten und vom Wasserwerfer durchnässten Menschen. Wütend hat uns gemacht, dass trotz des Mangels an Wurfgeschossen Leute aus der xten Reihe ohne was zu sehen, werfen mussten – leider hat das in einigen Fällen auch eigene Leute getroffen. Lasst gefälligst den Scheiß!

Wo käme man da auch hin, wenn einfach jeder so ungezielt werfen würde? Immerhin, die Anarchie, das sehen sie selbst, braucht auch Planung und Ordnung – meint eine „Bezugsgruppe aus Berlin“. Ausgerechnet…

Die Militanz, die wir mitbekommen haben, wirkte immer wieder sehr zielgerichtet und wohlüberlegt. Es wurden nicht wahllos Sachen angegriffen, sondern vor allem Geschäfte und auch hier keine kleinen Läden, Cafes und Resturants rund um die Flora.

Und dann sind da – als wären es Neureiche, die bei einem Immobilienfonds arbeiten – auch noch die Fragen nach Abgrenzung von den normalen Menschen, dem breiteren Interesse der Öffentlichkeit, das man ignorieren kann, dem Standesbewusstsein, aus dem sich ein lässiger Umgang mit den Gesetzen ergibt, und dem Return on Investment, den es zu verbessern gilt:

Jenseits aller Polemik muss vielleicht auch thematisert werden, inwieweit die “üblichen Netzwerke” in Hamburg rund um die Flora und Recht auf Stadt mit der Organisierung eines solchen Tages auch einfach deshalb überfordert sind, weil sie jenseits aller solidarischen Haltung gegenüber militanten Aktionen einfach nicht Teil einer aufständischen Praxis sind. Die Kritik muss aber auch uns selber gelten. Zuviele sind mit einer Konsumhaltung nach Hamburg gefahren. Jenseits von Vermummung und Pyro gab es wenig konkrete Vorbereitungen, so braucht es z.B. aufgrund des kaum vorhandenen Kleinpflasters entsprechendes Werkzeug, um Material zur Verfügung zu haben. Auch haben sich angesichts der hohen Anzahl von Angereisten nur erschreckend wenig Leuten am Abend militant engagiert, hier wäre viel mehr möglich gewesen.

Ja, es wäre mehr möglich gewesen, das wird dereinst auch auf meinem Grabstein stehen, denn all mein Talent und meine Begabung werde ich von nun an wieder in die Begründung stecken, warum alles schon so passt, wie es ist. Ich finde ja auch, dass wir in einer Oligarchie leben. Aber immerhin, heute ist Weihnachten, und die andere Seite durfte jetzt in den Stützen der Gesellschaft auch einmal zu Wort kommen. „Danke“ werden sie nicht sagen, aber das ist mir nicht so wichtig.

Ob Sie, liebe Leser und/oder Genoss_Innen, weiter bei mir über Silberkannen und den Christbaumdiebstahl lesen wollen, oder bei Indymedia vom Treiben junger, sozial bewegter Menschen, die das nächste Mal, wenn sie bei Ihnen vorbeikommen, an mehr Pyro und Werkzeug zum Steine- und Knochenbrechen denken, das bleibt ganz Ihnen überlassen. Ich fürchte, derartig soziales Treiben kann ich Ihnen hier nicht versprechen, aber vielleicht wollen Sie ja auch noch einen Tee bei mir nehmen. Der Klassenkampf von Oben hat zumindest das bessere Porzellan.

Ein frohes Fest wünsche ich Ihnen und Ihren Familien.

(htt ps://links unten.indymedia.org/de/node/101982, htt ps://links unten.indymedia.org/de/node/102039, htt ps://linksunten.indymedia.org/de/node/102011)

HINWEIS:

Für die Kommentare gibt es ein Blog, das so gut läuft, wie hoffentlich auch bald dieses Blog hier laufen wird – es tut sich was!


50 Lesermeinungen

  1. Frohe Weihnachten!
    Werter Don, vielen Dank fuer wieder ein Jahr mit Ihnen, bitte bleiben Sie Ihrer Anhaengerschaft treu – ich finde Ihren Blog immer und immer wieder eine wunderbare Ausnahemerscheinung im harmoniegesottenen, gemuetlichkeitsduseligen und ja-nicht-anderer-Meinung-sein-und-wenn-dann-diese-nicht-laut-aeussernden good old Germany :-) Beste Gruesse aus sehr weiter Ferne, MD

    • Danke, ich werde mir dafür allerdings keine besondere Mühe geben müssen, fürchte ich. Schwer wäre nur ausgewogenes Schreiben.

  2. Mei Bürscherl,
    wann i di amol beim Christbaum krampfen erwisch noh kriagst so a Watschn noh hearst drei Tag lang Klingelingeling glaubst as Bazi elendiger..

  3. .
    Die sollten lieber was arbeiten gehen!
    Dann kann man sich auch eine Wohnung leisten. Uns wurde früher auch nichts geschenkt. Aber wir haben nicht den ganzen Tag rumstudiert, sondern haben dieses Land aufgebaut.
    Und wenn diese jungen Leute keine Arbeit und keine Wohnung finden, dann sind die selber schuld, so wie die schon aussehen. Man kann sich auch für wenig Geld hübsch machen.
    Da lese ich schon seit Jahren den geschätzten Don Alphonso und dann sowas. Und das auch noch an Weihnachten.

    • Schönes Porzellan findet man heute kostengünstig auf dem Flohmarkt, wie auch Tischdecken – man könnte also nett leben und müsste gar nicht Steine schmeissen.

    • Eben
      Oder man spart eine Weile und kauft sich gleich was Gescheites.
      Vorfreude ist die schönste Freude. Sie steigert den Wert des Materiellen und des Immateriellen.

  4. Titel eingeben
    in diesem sinne: frohe weihnachten, lieber don. :)

    • Titel eingeben
      Frohe Weihnachten an alle, auch an die Münchener Staatsanwältin und den Kinderarzt, die ihre Wohnkosten jetzt mit schlechtem Schuhwerk, Kinderlosigkeit und Zahnlücken gegenfinanzieren.

    • Danke, und ich darf viel Essen und viel Freude zurück wünschen!

  5. Das Weihnachtsfest haben sich die alternativen Linksradikalen am Wochenende selbst gemacht ...
    … naemlich mit Eisenstangen, Pflastersteine, Flaschen, Blockaden, Brandanschleage, Besetzungen, Mordversuche an Polizisten und Buergern mit Familien … Im Kampf gegen die buergerliche Gesellschaft und im Kampf gegen den spiessigen Rechtsstaat, da passen Weihnachtsgedichte, ein Besuch zur Christmette und schliesslich ein gesegnetes Weihnachtsfest nicht zusammen x

    • Nein, vermutlich nicht, aber ich denke, man muss auch mal mit den anderen teilnehmern und Sympathisanten reden, und vielleicht sehen die ja hier, was sich sa tummelt.

      Hätte ich ein „Die Polizei ist schuld“-Pamphlet geschrieben, wäre es übrigens super für die Klickzahlen gewesen :-/

  6. Indymedia Artikel als Fundament
    Hallo Don,

    wie ich dir vorhin auf Twitter ja auch schon versucht habe zu erklären, finde ich es ein gewagtes Unterfangen seine Welterklärung auf Aufrufe zu stützen, die jeder in ein Medium pumpen kann. Die Trittbrettfahrer auf Indymedia, die sich so ziemlich jeder Demonstration bemächtigen, die egal wer organisiert, sind zu eine Quasikultur geworden. Was diese Aufrufe nicht besser macht und natürlich solidarisiert sich die Piratenpartei NICHT mit derlei Aufrufen.

    Die Frage, die uns bewegt ist: Warum muss die Polizei so vorgehen, wie sie vorgeht? Steckt da politischer Wille hinter? Was hätte sie tun können um deeskalierend zu wirken und warum hat sie es nicht getan?

    Ich will dich nicht beim Weihnachtsbäume klauen stören, aber findest du nicht auch, dass diese Fragen zumindest beachtet werden sollten? Sich auf ein Podest zu stellen und die Welt in zwei Teile zu teilen und mit dem Finger auf die bösen Lumpen zu zeigen ist nicht schwer und bietet eine einfache Lösung für Probleme, die wesentlich komplexer sind als du sie hier anführst.

    Das eigentliche Problem, warum die Menschen in Hamburg überhaupt auf die Straße gegangen sind, ist, angesichts der Gewalt, zu einer Nebensache geworden. Das ist die Tragödie.

    Viele Grüße und schöne Feiertage
    Thorsten Wirth

    • So leicht kann man sich das natürlich auch machen und alles, was einem nicht ins Konzept passt, zu Trittbrettfahrern erklären. Was soll ich denn bringen? Das wehleidige Gewinsel Ihrer Pirantifa-Parteirandalierer Höffinghof und Peters, die offensichtlich in Hamburg auf vor Ort waren und bei Twitter als Scharfmacher agierten? Oder Ihre persönliche Mitarbeiterin Julia Schramm, die zwar nicht dort war, aber auf Twitter auch kräftig befeuert hat? Soll ich auch mal diese Ihre Kollegen hier vorführen? Material habe ich genug.

      Klar, bei Indymedia kann jeder posten, und in Hamburg kann auch jeder Steine schmeissen. Aber wenn Sie sich allein schon den Aufruf anschauen, der von der Antifaschistischen Aktion kommmt: Da wird eindeutig auf geplante randale Bezug genommen. Pyrotechnik fällt nicht vom Himmel. Die Randaleausrüstung hat man normalerweise nicht beim Sonntagsspaziergang dabei. Und, das werden Sie wohl zugeben müssen: Was bei Indymedia steht und verlangt wird, passt doch wirklich gut zu den tatsächlichen Ereignissen, und widerspricht überhaupt nicnt der Darstellung der Polizei. Die beschreiben genau das, was passiert ist, natürlich auch immer mit dem Gewinsel, dass sie von der Polizei provoziert wuzden. Was Ihnen nicht gefällt, weil Sie als BBuVo lieber das „Wir arme Opfer wurden entrechtet“-Narrativ bemühen.

      Sie und die Hansel in der Bundespresse, die diese Pressemitteilung verfasst haben, wenden sich NUR gegen die Gewalt der Polizei und zeigen sich solidarisch mit den Militanten. Dass das keine kluge Sache ist, versuchen Ihnen im Moment viele eigene Parteimitglieder klar zu machen, aber ganz offensichtlich bevorzuigen Sie die Version, die Ihre parteieigenen Randalekader verbreiten. Das ist halt das, was für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Indymedia dagegen ist mehr das, was intern läuft. Da reden die Leute dann Klartext.

      Sie stehen Seite an Seite mit miltanten gewalttätern und schaffen es nicht, sich davon zu distanzieren.

      Sie kriegen Beweise serviert und versuchen eine Ausrede.

      ich kenne so ein Verhalten übrigens aus dem M+hncher Kessel und dem Taxöldener Forst, wo ich gewaltfrei gewesen bin, und sich die CSU trotz klarer Beweise auf ihr Recht auf Unrecht berufen hat. Sie sind die gleiche Hausnummer, nur von er anderen Seite. Und dass Sie seit zwei Tagen es nicht mal auf die Reihe bringen zu sagen: OK, die PM war vorschnell, wir lagen daneben und das waren wohl nicht nur empörte Bürge, sondern auch Leute, mit denen wir nichts zu tun haben wollen – das ist nicht gerade schön für die Piraten. Sie lassen sich instrumentalisieren und statt die Reissleine zu ziehen, wird beschwichtigt. Höffinghof und Schramm finden das super, weil sie ihre Agenda und ihre Ideologie durchbringen. Aber dann nennen Sie den Laden in Zukunft einfach „Partei der Berliner Intriganten die nicht mal bei der PDS genommen werden würden aber bei uns den Ton angeben“.

    • RE: So leicht kann man sich das natürlich auch...
      Herr Alphonso,

      ich finde, so leicht und unbeschwert wie Sie das gerade darstellen, mache ich es mir nicht und darauf hinzuweisen was für ein Medium Indymedia ist und wie es funktioniert, ist auch kein „alles, was einem nicht ins Konzept passt, zu Trittbrettfahrern erklären“ sondern eine valide Informationsergänzung für die Leser des Blogposts.

      Mal abgesehen von Ihrer Einschätzung bzgl. verschiedener Personen in und um die Piratenpartei bzw. meiner Person, die Sie als Parteirandalierer oder Berliner Intriganten bezeichnen, sind ihre Anmerkungen wie zum Beispiel: „natürlich auch immer mit dem Gewinsel, dass sie von der Polizei provoziert wuzden.“ ihr Narrativ für die Reduzierung des Sachverhaltes. Mir also meine Narrative vorzuwerfen und sich selber das Recht zuzusprechen welche zu verwenden ist so : geht so.

      In der Piratenpartei gibt es viele Menschen und Meinungen und all dem versuchen wir gerecht zu werden, dass der BuVor nicht immer allen aus der Seele sprechen kann ist das Dilemma jeder Partei aber in unserer wird es sichtbar und entgegen anderer Organisationen sprechen wir miteinander und es werden Argumente von allen zusammen getragen und gegeneinander gestellt. Die Debatte läuft aktuell und ich bekomme natürlich auch die Frage gestellt, warum hast du dich nicht von gewaltbereiten Demonstranten distanziert? Meine Antwort ist: Wenn die Berichterstattung nur von der Anzahl der verletzen Polizisten redet, von den bösen Demonstranten und es versäumt die Gründe zu nennen die zu alle dem geführt haben, es versäumt zu erwähnen welche Rolle die Polizei bzw. die Politik in dem ganzen Zusammenhang spielt, dann finde ich es durchaus richtig mal keine relative Aussage zu treffen.
      Das die Berichterstattung mittlerweile wieder eine differenziertere Darstellung veröffentlicht ist schön und auch ich sehe das einige Demonstranten übelst Mist gemacht haben. Steine werfen und Böller in ein Menge von Polizisten zu werfen geht gar nicht und ist nicht vereinbar mit dem wofür die Piraten stehen. Genauso wenig wie wahlloses „auf die Masse einknüppeln“, seitens der Polizei.
      In diesem Zusammenhang noch ein Link zu einem Blogpost von dem Kollegen der Grünen, Jörg Rupp den ich sehr interessant finde:
      ht tp://joergrupp.de/rote-flora/

      So, jetzt aber Feiertag und so

      – Thorsten Wirth

    • Nur ein kleiner Hinweis: Der besagte Herr Höffinghof hat zusammen mit seiner Truppe beim letzten Bundesparteitag der Piraten seine eigene Flagge – die der nicht unumstrittenen Pirantifa – aufgehängt, die deutliche Parallelen zur Antifaschistischen Aktion hat. Und mit diesem Verhalten auf Twitter angegeben, und konkrete Konflikte angeroht, sollte jemand versuchen, diese Fahne zu verhindern. Und dieser Höffighof und ein Anhang dirigiert seine Leute bei Twitter im Moment, andere anzugreifen, die mit Ihrer PM unzufrieden sind. Über diese Person könnte man noch vieles andere bringen, sein laxer Umgang mit Beischlaf mit einer Mitarbeiterin und ich denke, Sie wissen das ja alles – aber in diesem Punkt macht die Partei offiziell das, was die wollen. Das ist das eina.

      Das andere ist das, was in Hamburg passiert ist. Da wollen Sie und andere, die den Medien „Parteilichkeit“ vorwerfen, dass wir ausgewogen informieren. Als Primärquellen köännte ich natürlich einen wie den Höffinghof fragen, aber da könnte ich auch Obama zur Lage von Snowden befragen. ich habe jede Menge Einlassungen und hetze von Beteiligten auf Twitter, die bewusst so gedreht wurden, dass die Polizei ganz schlecht wegkommt, und die SPD natürlich auch. Und ich habe die mehr oder weniger interne Kommunikation der Szene. Die ganz sicher nicht geschrieben wurde, damit sie in der FAZ steht. Es ist vielleicht keine valide Quelle zu allen Einzelheiten, aber sehr wohl eine valide Quelle zur Mentalität, die in dieser Szene vorherrscht.

      Ich sehe da auch kein Trittbrett. Das ist der Kern der Bewegung, und aussenrum agieren Propagandisten. Am Ende kommt dabei sowas raus wie Ihre Pressemitteilung, die derartige Leute verteidigt und sich auf ihre Seite stellt. Sie sagen, das sind Leute, die um ihre Lebensräume kämpfen – bittschön, wenn Sie da keine Ausnahmen machen, sind Sie mit dabei. Seit zwei Tagen versuhen Sie, sich davonzudrücken. Das geht vielleicht bei der Randalefraktion in Berlin, aber in der Politik geht es anders zu. Da sind Sie für Ihre Worte verantwortlich. Und das zeige ich hier auf. Ich nehme Sie so ernst wie die Gewalttäter, die Sie fördern, solange Sie da keine klare Grenze ziehen.

    • Gewaltmonopol - was die einen dürfen, aber die anderen keinesfalls?
      Geschätzter Don,

      wie schön, dass wir noch Vorfreude auf die von Ihnen angekündigte Fortsetzung des Berichts aus Berlin pflegen dürfen.

      Aber zum Thema: Es ist also eine Schweinerei, wie die einen die Grenzen übertreten… (und klingt leider auch gar nicht mehr so hübsch, wie Sie sich in dieser Debatte eventuell leicht echauffieren). Dabei wäre es doch viel interessanter kluge Erwägungen zu lesen, warum die einen Gewalt anwenden dürfen und andere nicht bzw. wann es denn überhaupt gerechtfertigt wäre, sich zu wehren. Sie reagierten ja nicht einmal auf eine Injurie, wie leicht feststellbar ist, aber als ob es hier gegen einen „Endboss“ ginge).

      Mir gehen auch welche auf den Geist, die vor allem die Gewalt suchen (dann sollen sie doch zur Polizei oder Bundeswehr?!). Jedoch ist es doch so, dass das sogenannte Gewaltmonopol eben bestimmte Verhältnisse stützt und andere nicht. Und dass es eben doch oft kein Zufall ist, mit welcher Konsequenz und Härte Gewalt eingesetzt wird (siehe S 21 oder einige erstaunlicherweise nicht – mehr – verhinderte Blockaden von rechte Demonstrationen).

      Aber leider verlieren Sie nach meiner höchst bescheidenen Meinung sofort den Faden und die Genauigkeit, wenn das Stöckchen hingehalten wurde. Da wird dann bedauerlicherweise nicht mehr hinterfragt.

      Es scheint mir doch eine der zentralen Fragen zu sein, wer wo was darf. Darum geht es Ihnen doch vielfach. Und das ist eine höchst interessante Frage.

      Gewaltmonopol beginnt auch bei der Definitionsmacht. Worauf ist wie zu reagieren. Welche Mittel werden anderen zugestanden.

      Dies wird uns vermutlich noch sehr beschäfftigen, wenn die Unzufriedenheit wächst.

      Eine schöne Feiertagslektüre ist übrigens: ht tp://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_von_Hadeln_und_Wursten (keine Fiktion, sondern Geschichte eines Gebietes im Landkreis Cuxhaven). Da kann man sehr schön sehen, wie Lebensräume wirklich beeinträchtigt und verteidigt wurden.

      Es ist mir ein ganz besonderes Bedürfnis Ihnen frohe und besinnliche Feiertage zu wünschen.

      PS: Und ja, gekaufte Weihnachtsbäume sind meist schöner. Und das ist mir lieber (kennen sie die großartige Weihnachtsgeschichte von der Edelfeder Osang: ht tp://www.berliner-zeitung.de/magazin/weihnachtsgeschichte-der-werwolf,10809156,11347758.html – wenn die Bank ihre „guten“ Kunden zum Weihnachtsbaumschlagen einläd… Da läuft es einem heiß und kalt den Rücken herunter)

  7. mal woanders demonstrieren
    tun wir „schweigende Mehrheit“ uns doch einmal zusammen und werfen Steine in die Gärten und Fenster, noch besser auf die Dienstluxuskarossen der Säuselpolitiker, denen wir das alles zu verdanken haben. Ach, und bestimmte Printmedienvertreter sollten wir ja nicht aussparen. Spätestens dann reiben sie sich die Augen und sagen: „D A S haben wir nicht gewollt“. Ich helfe ihnen dann gern bei der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit.

    • Das Werfen von Steinen ist nur eine ABM-masnahme für Ärzte und Versicherungen und hat nur selten die Welt grundlegend verbessert. Was unser System verbessert, ist Engagement und Überzeigung. Bin ich da ein wenig romantisch? Vielleicht.

  8. Tacheles
    Werter Don, erneut reden sie Tacheles, und das ist gut so. Zu meiner Kreuzberger Zeit (mit den besetzten Häusern) gab es neben politisch engagierten Autonomen genug Chaoten, die es stets nur darauf anlegten, das Unterdrückersystem mit ihren Charaktermasken und Schweinehunden zu treffen und zu zerstören.

    Diese Gewalt-Krawallos reisten dann auch gerne nach Brockdorf, ins Wendland und zu jedem einlaufenden Atomtransporter. Da die jetzt nicht mehr kommen, geht es halt auf die Reeperbahn, um noch mal schnell „Putz“ zu machen, sie sind dann heute unter den Mistelzweigen wieder friedlich und reden wie Opa Hoppenstedt vom Heiligen Krieg gegen das „System“.

    Dies mal festzuhalten und zu dokumentieren, unterscheidet die „Stützen“ von den unzähligen Bekenner-Blogs mit ihren ermüdend langweiligen Botschaften.

    Hier dagegen tummeln sich: Politfreaks mit und ohne Feuerwaffen, Web2-Botschafter, philosophische Dünn- und Dickbrettbohrer, pädagogische Notenverteiler, Burgfräuleins und dames, ätherische und luzide Geistwesen aus der Flasche, und nicht zuletzt zugelaufene Kater_Innen. Euch allen wünsche ich schöne Tage und Gespräche mit euren Liebsten. Und Ihnen, werter Don, erneuten Dank für Ihre wunderbare Bloggerbude. Möge sie noch lange Bestand haben.

    • Gwern geschehen. ich denke, das passende Wort ist „splendid Isolation“, um nicht „Äquidistanz“ zu bemühen. ich habe ja auch so meine Erfahrung mit Polizei und deminstranten gemacht, mit Politikern von Links und Rechts, und am Ende muss ich fragen: Ist das meine Sache?

      Ich weiss nicht, ob ich hier irgendetwas erreiche, aber wenn sich Leser dann selbst ihre gedanken machen, ist das prima. Mein Leben, das ist hoffentlich klar, bietet keine Lösung und keine Antworten, aber das kann dann jeder selbst besser machen.

  9. Glauben Sie mir
    den Mist liest sich keiner ganz durch!

    • Sie würden mir einen grossen Gefallen tun, wenn Sie die Entscheidung den Lesern selbst überlassen könnten.

    • Titel eingeben
      Werter Herr Wahrmann,

      da muss ich Ihnen widersprechen. Ich lese mir den Mist hier schon durch und finde die Diskussion hier sehr erfrischend, auch wenn ich die Meinung des Don zu den Vorkommnisrsen um die Rote Flora nicht ganz teile. Aber ich teile seine Meinung hinsichtlich der verschiedenen Blickwinkel die man immer Betrachen sollte.

  10. Die Rote Flora würde ich gar nicht abreissen, sondern gleich...
    …in ein Arbeitslager umwandeln. Die Delinquenten benötigen dann nicht mal einen Polizeibus zum Umzug. Wetten, dass nach kurzer Zeit die Bude so stinkt, dass die Anarchos das Aufräumen und Arbeiten von selbst erlernen?

    • Ich frage mich ja manchmal, ob die wirklich in einem anarchistischen Staat leben wollen würden, oder nur so lange dafür sind, wie sie das in der BRD betreiben können, und nicht im Südsudan oder anderen failed states. Und ob sie dann die Kraft hätten, etwas aus den Trümmern zu machen.

    • Titel eingeben
      nur noch Idioten hier. die Flora muss man ausbauen.

    • Zu was, wenn ich fragen darf?

    • Der Anarchismus ist ja von Grund auf eine sehr interessante Ideologie.
      Die Umsetzung dieser Idee hapert grundsätzlich daran, dass der Mensch ein ungeheures Trägheitsmoment besitzt, das in Verbindung mit dem menschlichen Beharrungsvermögen (siehe Kugel in Schale) sich täglich neu motivieren muss, um aus diesem Status Quo der bequemen „Bewegungslosigkeit“ zu kommen. Das kann man nicht nur an der physischen Fettleibigkeit unserer Mitmenschen (nebst auch mir) ausmachen, sondern insbesondere auch im geistigen Bereich. Es versucht halt fast jeder, sich in seiner Nische bequem einzurichten. Vielleicht nimmt gerade deswegen die Zahl der Hartzer langsam aber kontinuierlich zu? Das alles wäre nicht ein grundsätzliches Problem. Wenn aber die Beharrungsvermögenden den Agilen an den Kragen – sprich an die Kohle – gehen, dann hört der Spaß auf. Dann schlagen die Agilen mit ihren Mitteln (Bullen?) zurück.

      Das ist dann wieder die Motivation, weiter im sturen Status Quo der Verbocktheit zu verharren. Worum gings eigentlich in HH? Primär um Lampedusa-Flüchtlinge. Die haben klugerweise vorsorglich die Teilnahme an dieser Demo abgesagt.

  11. Unguter Beitrag
    Einen Baum im Wald zu stehlen (falls das nicht öde Satire war), finde ich genau so originell wie Taschen- oder Ladendiebstahl. Und der Übergang von der einsamen Kleinkriminalität im Wald zur kollektiven Großkriminalität in Hamburg überzeugt mich auch nicht. Die armseligen Texte der destruktiven Leute mit ein paar zynischen Kommentaren zu garnieren – kann man das nicht Joko und Klaas überlassen?

    • Ganz konkret: Im Walde werden Bäume gefällt, aber kleine Äste und anderes, was nicht verwertbar ist, bleibt liegen. Dazu gehört auch die Baumkrone. Und wenn man die abschneidet, sieht sie aus wie ein Weihnachtsbaum. Das ist kein Diebstahl, sondern formal etwas, das in Bayern erlaubt ist, nämlich das Sammeln von Holz für den Eigenbedarf. Natürlich sägen wir keine Bäume nieder, wir nehmen nur, was da ist.

    • Titel eingeben
      wannst an Dolden nimmst noh host an Abstand von an holben Meter zwischn die Äst noh brauchst Christbaumkugeln die wo so gross san wia an Fussball..

    • Als ich noch ein kleiner Waldbauernbub war...
      Ich bin zwar kein Freund des bajuwarischen Zungenschlags, aber wo Sie Recht haben, haben Sie Recht. Und Nadelbäume wachsen auch nördlich des Mains. Also: die Spitze einer schlagreifen Fichte/Tanne hat nur noch entfernt Ähnlichkeit mit der gemeinen Vorstellung eines symmetrisch gewachsenen Weihnachtszimmertannenbaumes. Die Aste sind kräftig und die Nadeln fett – eignen sich bestens für Kränze und Gestecke. Als Baum kaum.
      Auch sollte just im Dezember der Zufall einen Einschlag vorfinden lassen oder ein heftiger Wintersturm aufwarten, sonst wird das nichts. Und dann sollte das Zeug auch noch nicht zu lange am Boden gelegen haben, will man nicht eine Anschauung von der krabbelnden Artenvielfalt im Bodenmulch auf der Auslegware haben.

  12. Warum nicht einfach einmal differenzieren?
    Ein Staat, eine Gesellschaft oder auch eine Presse, die ein Gewaltmonopol beim Staat sieht, sollte in der Lage sein, daraus Konsequenzen zu ziehen. Erste Folgerung muß sein, mögliche Gewalt auf Seiten von einigen Demonstrationsteilnehmern nicht in einen Topf mit unangemessenem Gewaltverhalten durch die Polizei zu werfen.

    Ein gewaltbereiter Demonstrant agiert im eigenen Namen. Die Polizei wird im Namen des Staates tätig. Ihr Handeln hat Vorbildcharakter. Ein gewalttätiger Demonstrant bezieht seine Legitimation aus sich selbst. Polizei aber, die zur Prügelei auf friedliche und unbewaffnete Demonstranten neigt, beruft sich auf den Staat mit seiner Verfassung. Danach darf friedlich demonstriert werden. Dieses Recht ist ebenso Maßgabe polizeilichen Handelns wie der Schutz von Leib und Leben sowie Hab und Gut der Menschen vor Ort.

    Daraus ergibt sich die zweite Folgerung: Die Polizei ist als professionelle Institution gehalten, Gewalt zu vermeiden. Deeskalation heißt hier das Schlagwort. Dies wird an den Polizeischulen gelehrt und erfolgreich in der Praxis umgesetzt. Der Staat verfügt über Möglichkeiten, die der Bürger nicht hat. Von diesen Möglichkeiten hat er Gebrauch zu machen. Er darf sich bei seinem Handeln eben nicht auf die – niedere – Stufe einiger Gewalttäter stellen und dieses Niveau dann noch zur Legitimation seines eigenen Verhaltens bemühen.

    Der Eindruck, der im Fall Hamburg entsteht, ist nicht vom Paradigma der Deeskalation geprägt. Der Eindruck ist ein ganz anderer: Das Thema, das eigentlich Gegenstand der Demonstration war, ist den politisch Verantwortlichen sehr unangenehm. Widersprüche und scheinbar unlösbare Konflikte stehen im Raum. Wer kann denn da noch eine Großdemonstration gebrauchen? Warum also nicht ganz einfach aus der Not eine Tugend machen? Anders als im Fall Frankfurt im Juni waren die Veranstalter schließlich dumm genug, die Risiken zu übersehen, die sich aus der Teilnahme einiger gewaltbereiter Demotouristen ergaben.

    Kurzum: Das Gewaltpotential auf Seiten einiger Demonstranten wurde geschickt genutzt, um die gesamte Demonstration und damit auch die Veranstalter mit deren Anliegen in der Öffentlichkeit regelrecht vorzuführen. Ist eine Demonstration nämlich erst einmal mit dem Makel der Gewalt behaftet, spricht niemand mehr über das Anliegen der Versammlung. Vor allem aber reicht es leider oft aus, einige tatsächlich gewaltbereite Demonstranten zu zeigen, um die gesamte Gewalt einseitig „den Demonstranten“ zuzuweisen.

    Auf Seiten des Staates liegt eben für viele Menschen noch ein Vertrauensvorschuß. Aktionen wie die in Hamburg und im Juni in Frankfurt sind geeignet, diesen guten Ruf dauerhaft zu verspielen. Folge wäre auch eine weitere Spaltung der Gesellschaft. Es ist die vornehmste Aufgabe der Politik, dies zu verhindern.

    • Gerne! Ich wüsste dann nur zu gerne, wie man einen Steinwurf ins eigene Gesicht mit klarer Verletzungtsabsicht ausdifferenziert betrachten soll. Vielleicht „das hätte nicht nur ins Auge, sondern auch ins Hirn gehen können?

      Auch würde mich die Differenzierung beim Einschlagen einer Scheibe interessieren, und welchen feinfühligen Umgang man mit den Verursachern an den Tag legen sollte.

      Und wie differnziert ist die Aussage „dann machen wir die City platt“ zu beurteilen? Kann man eventuell darüber reden, dass sie nur die halbe City platt machen?

      Und sonst? Bonbons verteilen vielleicht? Antigewaltseminare? Oder zu den geschädigten Bürgern geghen und sagen, das müsste man im Rahmen einer Gewaltdeeskalierung halt mal differenziert betrachten? Ich sah Bilder von komplett demolierten Autos und hämische Kommentare bei Twitter – möchten Sie vielleicht da auch einmal differnzieren?

      Ich frage für einen Folgebeitrag über mwnschliche Dummheit und unfassbare Ignoranz bei jeder Menge Nachasicht für Leute, die ich nicht zwingend als Mitbürger bezeichnen würde.

    • Die Antwort kann nicht überzeugen
      Vielen Dank für die Antwort, die aber leider nicht überzeugen kann. Ich hatte kritisiert, daß Gewalt auch durch die Polizei ausging, wobei leider nicht auf Deeskalation gesetzt wurde.

      Wir dürften uns einig sein, daß es gewaltätige Aktionen durch einige Demonstranten gab, die wir beide einhellig verurteilen. Da besteht Konsens. Wir müssen uns also nicht mehr darüber echauffieren, wie übel doch diese Menschen sind, welche derart gewalttätig sind.

      Allerdings dürfen wir auch nicht dieses Verhalten von Straftätern zum Maßstab erheben und zur Legitimaton von polizeilicher Gewalt gegen friedliche Demonstranten machen. Das war Kern meiner Mahnung zur Differenzierung. Der Staat kann und muß sich eines anderen Niveaus bedienen, wenn er auf Dauer Akzeptanz durch die gesamte Gesellschaft erfahren will.

      Einer Rechtfertigung der einen Gewalt mit der anderen liegt genau genommen eine paritätische Gewaltverteilung zu Grunde, die wir aber nicht haben und die auch nicht gewollt sein wird. Das ist vielleicht in einem Bürgerkrieg so, bei dem sich zwei Seiten gleich gegenüberstehen. Ein solcher Krieg kann aber nicht das Maß sein, an dem wir polizeiliche Gewalt in Deutschland 2013 messen.

      Und noch etwas: Frohe Weihnachten!

  13. Titel eingeben
    man dankt, dass man informiert wurde. wussten wir alles noch nicht.

    Und wieder alles total perfekt, wie bingo, auf den Punkt. Alles korrekt, gerade mit den alljährlich sich so zufindenden bäumen, nebst Begründung. nur dürfte und würde auch An denen nichts fehlen.

  14. auch nicht weiter sagen. nicht für andere bestimmt. nichts zum weitertragen, tout complet entre nou
    und mit den schere rechts im bild hatte der befreundete bis bekannte chirurg (großer jäger auch immer gewesen, und so nett und tüchtig) im krankenhaus vor 20 oder 30 jahren schon die dammschnitte gemacht. also die, bei denen man persönlich dabei war. aufgeschlossen und modern und selbstverständlich halt. und weil die betäubung noch nicht so recht lange gesetzt war – eile! – musste und wurde sie, die im moment nicht so gut in alle richtungen einsichtsfähig war, über das wahre ausmass von werkzeug und eindringtiefe und ausgeübter bis auszuübender gewalt im unklaren gelassen, „männerkollektivmässig“ sozusagen („nur ein kleiner schnitt, nichts weiter, etwas mehr platz zu schaffen, es muss sein“, weil es (ihr) doch recht plötzlich sehr „ziepte“ – „gute betäubung, so wenig nur gemerkt so schnell, dank dir pharmaforschung!“) und dann ging auf einmal plötzlich alles sehr schnell.
    .
    mit genau so einer schere. so sehen die aus. man frage die befreundeten chirurgen. und geht „hamburg“ lange auch noch nichts an. obwohl es soviel fortschritt gibt. und spricht man auch nicht drüber. männer haben zu recht geheimnisse.
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    und von da, wo so weibäu-me herkämen, da könnte auch heizholz von weg sein. auf recht ähnliche art. also auch angenehm. und kenntnisreich und kooperativ. so wie das händewaschen. und auch schon angesichts theoretischer öl- und gaspreise. für andere. aber wer meinte, das wäre kostenlos, wäre dem eben auch schon wieder. also auf dem asphaltwege. vermutlich. oder über pflaster.
    .
    und gäbe es den don alphonso-blog nicht, würde auch tempora-mores nichts überflüssiges fehlen, ja.

    • Ähem..
      könnten Sie mir vielleicht ein paar von ihren Weihnachtsplätzchen zukommen lassen ?
      ich wäre auch mit einem Tausch einverstanden
      sagen wir im Verhältnis von 50:1 ,natürlich zu ihren Gunsten
      denn ich hab leider nur Nusskipferl und Vanilleschnecken…

  15. Meine Oevelgoenner Oma ...
    … haette woertlich hinzugefuegt, dass es Pack und Plebs zu allen Zeiten gegeben haette,
    gerade im Schanzenviertel. Da wohnt man einfach nicht!

    Nichts besonders also, ausser das man sich heute politisch wichtig findet.

    Auf das man dieses Weihnachten keine weiteren Steine in der Suppe findet
    und sich vielleicht einige der Chaoten schaemen …

  16. Gewaltvolle Hamburger Passionsspiele
    Die von Ihnen beschriebenen anarchistischen Zirkel mit Gewalteuphorie und Staatsverdrossenheit stammen oft gerade aus den bürgerlichen, wenn nicht sogar großbürgerlichen Schichten. Da gibt es keinen „Kick“ mehr, Koks hat man auch schon probiert, Bunjee-Jumping und Golf musste man als Schüler schon absolvieren im teuren Internat, na, dann halt mal in schwarz auf ’ne linke Demo fahren und mal so richtig mitmischen und „echte“ Revolution ausprobieren.
    Die latente Langeweile der beschriebenen Bevölkerungsteile können Sie sich gar nicht vorstellen.
    Zudem sind die anarchistischen Bünde für alle Bevölkerungsteile offen, man will ja gerade einen allgemeinen Konsens erreichen (und natürlich ungeteilte Aufmerksamkeit), sodass sich selbsterklärte „Arme“ für die Sache der Freiheit (jenseits der FDP) engagieren.
    Hartz 4-Empfänger werden Sie auf solchen Demos nicht treffen. Das hat Gründe: Zunächst mal ist die Fahrkarte, für die vom gnadenreichen Staat monatlich ca. 2,- Euro vorgesehen ist, einfach unerschwinglich teuer, auch Spritgeld für derartige Veranstaltungen kann bei obiger Finanzmisere nicht beigesteuert werden. Dann hört’s nämlich auch schon auf mit der vielbeschworenen Solidarität.
    Außerdem hat man als Hartz 4-ler genau wie Asylanten das sog. „Reiseverbot“, d.h. ohne Genehmigung der Behörde darf man in den eigenen vier Wänden residieren (Residenzpflicht gilt nicht nur für Ausländer!), und in Geschäften in der Nähe einkaufen, alles andere Bedarf einer behörlichen Genehmigung, erst Recht den Wohnort zu verlassen.
    Da schmeissen also nicht die ganz Armen mit den Steinen, weil auch eine zufällige Verhaftung, selbst bei friedlicher Teilnahme, unnötige Unkosten für einen Rechtsanwalt bedeuten würden. Der verdient – ob zu Recht oder zu Unrecht – in einer Stunde soviel, wie ein Hartz 4-ler für drei Wochen zum Leben erhält. So ein Ausflug könnte also ein teueres und nachhaltig finanziell schwer zu verkraftendes „Vergnügen“ werden. Was viele noch gar nicht wissen: Die elende Flut der Hartz 4-Klagen vor deutschen Gerichten hat dazu geführt, dass man die Sätze für die kostenlose rechtliche Betreuung für Hartz 4-Empfänger so angehoben hat, dass man faktisch den Anwalt selbst zahlen muss. Daher jetzt auch weniger Klagen, nicht weil es gerechter zugeht, sondern weil den Armen die Puste ausgeht.
    Was hat das alles mit den hamburger Passionsspielen zu tun? Nichts, den nicht die von Ihnen beschuldigten bettelarmen Mitmenschen, die sich nichts zu schulden kommen lassen, wenden Gewalt und Steine gegen Beamte, sondern schlecht erzogene Mittelschichts- und Oberschichtsnachkömmlinge. Sie würden staunen, aus was für Porzellanen und von wem finanziert die Großteile dieser „Anarchisten“ in Ihrer Kindheit gegessen haben. Da war von Armut nicht die Spur zu erkennen. Dagegen sind Ihre Porzellane aus Nymphenburg nur schnöderlangweiliger Tand.
    Merke: Der Studentenmercedes (nicht der kleine!) ist in gewissen Kreisen Realität!
    Oder auch: „Vati, ich habe keinen Bleistift mehr!“ Antwort:“ Hier hast Du 30,- Euro, hol‘ dir ’nen Neuen!“

  17. Titel eingeben
    man könnte statt enger randale ja ggfls. auch die globale vielfalt zur kenntnis nehmen. also auch ganz klassisch an der nahtstelle immobilien/medien/unterhaltung/netz.
    .
    auf dmax z.b. https://www.dmax.de/programme/house-hunters/ – und in dem film da ist das klima besser, als auf einem deutschen glühweinmarkt. https://www.youtube.com/watch?v=vJPbShbkdoI
    .
    „sie haben die kabel und die kupferrohre geklaut.“ https://www.youtube.com/watch?v=9nW1w_vBeWs zum glück sind gerade in mitteleuropa viele immobilienbesitzer ziemlich geschmackvoll und stilsicher sattelfest. sehen auch so alle details – und kennen sich aus.
    https://www.youtube.com/watch?v=kuQ3q_bAIA4
    .
    aber warum das internet, welches alle informationen zu uns bringt, sich nicht auch positiv/er auf die deutsche gesellschaft insgesamt auswirkte, weiterhin schleierhaft. statt „flora“ könnte man doch genauso gut überall auf der welt etwas anderes machen? und sinnvolleres dazu?
    .
    ok, jetzt und hier in hamburg übten „die zukünftigen joschkas“. grade 1,5-2 generationen weiter immer noch derselbe stillstand. aber wollte der joschi das so?
    .

  18. Titel eingeben
    Schönes Porzellan – welches zu wählen ist immer schwer. Limoge Teller mit grün-goldenem Rand, die wir für einen Euro das Stück (15) auf dem Flohmarkt am Koninginnedag gekauft haben, oder doch lieber das ererbte königlich-preußische mit klassischem schwarz-goldenem Mäanderrand, das vor den Russen versteckt einen Winter in Dahlem vergraben lag, oder Fürstenberg, welches sich Madame mal spottbillig in Vancouver bei einer Ladenaufgabe geleistet hat. Und dann haben wir noch bairisch/böhmisches PSL Imperial, charmanter Jugendstil, zwei Kisten voll für 150 Gulden aus pre-Euro Zeiten.

    • hans
      Und dann verschnippeltes Gemüse mit einem Hauch von gedünsteter Entenfeder mit blasierter Eierschale drauf. Wohl bekomms!

  19. Glückwünsche
    Don Alphonso der skandalträchtigste Blogger Deutschlands. Heute in der FAZ. Sie haben es drauf

    danke fürs mitnehmen

    • Der Beitrag war sagenhaft blöd aufgemacht und der Autor ist der Volo gewesen. Ich bin nicht wirklich angetan von der Art, wie ich da vorgeführt wurde. Mir wäre es sehr recht, wenn man zukündftig Beiträge von Stefan Schulz, so heisst diese leider nach Hamburg geschickte Person, ignoroieren könnte.

  20. Titel eingeben
    „… gemeinhin neige ich ja auch zur Ansicht, dass es keinen Kausalzusammenhang zwischen Benehmen und Vermögen gibt, aber so etwas wäre am Tegernsee wirklich nicht üblich.“

    Lieber Don, hattet Ihr Euch nicht vor mittlerer Zeit mal über die bei der Schicki-Societé des Tegernsees unerwünschten und deshalb schnell mal abgefackelten Discouter-Filialen ausgelassen…?
    Bevor die Schuld-Frage aufkommt, welche Schicht denn nun zuerst den Brandsatz genutzt hat, rate ich zur weihnachtlichen Selbstbesinnung.

  21. antifa is watching you -- stop watching us
    Sehr geehrter Don,

    fragen Sie die „Pirantifas“ doch bitte mal, wie dies als Parteitagsbeflaggung zusammen passt:
    Piraten — stop watching us: z.B. https://pp-do.de/wp-content/uploads/2013/08/swu_blog-e1376649417614.jpg
    Antifa is watching you: https://autonomal-versand.net/shop/30-sticker-antifa-is-watching-you.html

    Hochachtungsvoll, gast

  22. froh
    man bin ich froh, daß meine PC-Maus ein Scrollrädchen hat…

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