Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Zur Verteidigung der 15000-Euro-Badewanne von Limburg

| 45 Lesermeinungen

Wer Limburg für Luxus hält, kennt die Paläste von Würzburg, Pommersfelden und London nicht: Erst wenn die Leibeigenen draussen bleiben müssen, kann der Herrscher einst und jetzt sein Leben in Zufriedenheit verbringen.

Wer im Jesuitenpalast sitzt, sollte nicht mit Ministranten werfen.

Der Stoff kostet über 700 Euro für den laufenden Meter. Und mit diesem Stoff angetan, setzen sie sich ins Flugzeug nach Indien, gehen zu armen, schmächtigen Knaben, und die dürfen den Damast für ein Foto auch mal berühren. Das mitgereiste Team macht ein Bild davon.

Das ist nicht der Limburger Bischof, wie man vielleicht meinen sollte, sondern die Herbstausgabe meines Leib- und Magenmagazins World of Interiors, das fünf Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise wieder wirklich ekelhafte Werbung bekommt. Werbung mit 24 Karat vergoldeten Betten und was der Frau des Banksters, der seine Boni mit deutschen Kommunalanleihen, Verschmutzungsrechten oder anderen dreckigen Methoden verdient, sonst noch gefallen mag. Das ist kein Skandal, sondern das, was man sich in meinen Kreisen hält, und wäre da nicht dieser Tebartz-van Elst und sein Trip nach Indien gewesen, würde einem so eine Bilderserie mit den aktuellen Stofftrends in Goa gar nicht sonderlich auffallen.

Wir haben auch Verteidigungsminister, die dieses Land vor ausländischen, organisierten Räubern schützen sollten, was man am Horn von Afrika auch tut, aber sonst eher nicht und so werfen sie meist amerikanischen Firmen 500 Millionen für eine untaugliche Drohne hin. Zudem habe ich noch nicht gehört, dass ein Bischofssitz etwa fliegen und bei Bedarf auch die eigenen Bürger ausspähen könnte; das mag mancher vielleicht bedauern, ist aber ein klarer Vorteil. Es gibt in der gleichen Preisklasse der Drohne auch ein Berliner Stadtschloss und eine Elbphilharmonie, die dem Staat anfänglich nur ganz wenig kosten sollten, und gegen die sich ein Planschbecken für ein paar Goldfische ausnimmt wie wie also naja wie so ein kleines Becken sich eben ausnimmt neben einer monströsen Schlossfälschung im Spree-Kalkutta und ein Konzertgebäude in einer armen Stadt, die ihre kulturelle Blüte auch schon ein paar Jahrhunderte hinter sich hat. Dass wegen solcher Fälle irgendwelche Kanzler oder Bürgermeister zurücktreten mussten, wäre mir neu. Nach Rom sind sie auch nicht geflogen, und den Wähler haben sie auch nicht um Gnade angewinselt.

Natürlich mögen es Wähler und Kirchenvolk nicht, wenn jemand für Möbel 204.000 Euro ausgibt, aber denen fehlt in den Fertighäusern und Dreispännern halt die Übersicht über die Realitäten: Wenn man ein halbwegs gut erhaltenes Paar Kommoden von Abraham Roentgen kaufen will, womit man früher gerade mal ein Vorzimmer einer Zimmerflucht halbvoll bekam, muss man heute schon mindestens diese Summe zu zahlen bereit sein; oft allerdings auch deutlich mehr, womit eindeutig belegt ist, dass Tebartz-van Elst gar nicht vor hat, wirklich in die Fussstapfen von anderen Bischöfen zu treten, die nun wirklich ein Problem mit der Ausgabenkontrolle hatten.

Limburger Schäfchen sei an dieser Stelle eine Exkursion ins Fränkische geraten: Schon in Aschaffenburg steht das erste Schloss eines Bischofs, gegen das die Limburger Hütte wirklich bescheiden und billig ist. Der Erbauer von Schloss Johannisburg mit seinen vier Renaissanceflügeln war der Mainzer Erzbischof Johann Schweikhard von Kronberg, und seine Mainzer Untertanen bekamen ihn von da an singend und lachend weniger zu Gesicht, weil er das Leben im Schloss fern seines bescheidenen Bischofsitzes klar bevorzugte. 10 Jahre nach Baubeginn war das Prestigeobjekt fertig, und Kronberg liess zu diesem Anlass eine Gedenkmünze prägen, auf der das Schloss und er selbst zu bestaunen war. Schockiert? Das, liebe Leser, ist gute katholische Tradition. Nicht wegen ein paar Millionen nach Rom fliegen.

Dergleichen ist auch von den vier Bischöfen im nahe gelegenen Würzburg nicht bekannt, die über Jahrzehnte das Vermögen des Bistums vor allem in die neu gebaute Residenz steckten. Dazu muss man wissen, dass die Bischöfe schon ein üppiges Schloss auf dem Hügel über Würzburg hatten, sich dann aber nochmal ein weiteres Schloss mit Park an den Stadtrand bauen liessen (und noch eines weiter draussen als Sommerresidenz, aber das ist winzig und der Park kaum grösser als die Innenstadt von Limburg). Das ganze, skandalträchtige Bauvolumen in Limburg hätte spielend allein im Treppenhaus der Residenz genug Platz, und dann würde darin immer noch das Deckengemälde und der Stuck und die Vergoldungen und die Figuren und die Kronleuchter und der Marmor und die handgeschmiedeten Eisengitter und die mundgeblasenen Gläser und der Park und die Hofkirche und vieles, vieles mehr fehlen.

Kommt man aus Würzburg, ist Limburg nachgerade ein Schock der Askese. Fährt man statt dessen weiter nach Pommersfelden, so findet man dort Schloss Weissenstein, dessen Geschichte an Aschaffenburg erinnert: Es ist die Geschichte eines Bischofs, der nicht so gern seine Schafe hütete und statt dessen lieber grosse Politik machte, gern auch aus einem Schloss nach neuester französischer Mode. Mit einem gigantischen Treppenhaus, das damals, im frühen 18. Jahrhundert, in Deutschland seinesgleichen suchte. Der Bischof, Lothar Franz von Schönborn, hatte zwar schon ein paar Schlösser, und gerade erst eines bauen lassen, das ihm zu schlicht war, aber auch das alte Schloss Pommersfelden erschien ihm wie eine „Räuberhöhle“. Zu der Zeit konnte er seine Stimme bei der Kaiserwahl gewinnbringend verkaufen, und mit diesen Mitteln, die im Gegensatz zu den freundlichen Zuwendungen der BMW-Besitzer für die Partei der Kanzlerin wirklich den Titel „Bestechung“ verdienen, wurde dann Weissenstein errichtet. Teilweise. Teilweise später auch mir Krediten, und als der Bauherr starb, mussten seine Erben erst mal Teile der zusammengerafften Gemäldegalerie verkaufen, um die Schulden zu bezahlen. „Den Bauwurmb“ hatte Schönborn nach Eigenaussage, und wenn man das in historische Relationen setzt, dann hat Tebartz-van Elst allenfalls ein Baubakterium.

Ich kann allen Besuchern nur die Grotte in Pommersfelden ans Herz legen, die ist das gebaute Libellum in defensionem Tebarci-van Elsti Eposcopi et sua 15000-Euro-Badewännchen. Ich bin mir sicher, würde der Bischof den alten Schönborn und die heutige Londoner Bankstergattin durch seine Räume führen, würden die sich nachher goldklimpernd für die Führung durch den blitzsauberen Stall bedanken und fragen, wo eigentlich die Pferde gerade sind. Und wo hier das Haupthaus ist.

Das ist nämlich das Furchtbare an der Bescheidenheit: Fängt man einmal damit an, wird das von einem immer erwartet. Schönborn und seine Kollegen waren nie bescheiden, wenn sie ihre Stimmen bei der Wahl verkauften, und wenn sie Geld brauchten, erhöhten sie eben die Steuern, oder schmolzen Kirchenschätze ein. Die Bankster waren nie bescheiden, wenn sie ihre durch Betrug aufgeblähten Bilanzen mit Geldern der Staaten fütterten, sie sangen „Deutschland über alles“ und liessen Frau Merkel die Steuer für Rettungsfonds abzweigen, oder verkaufen nur für sie selbst lukrative Produkte. Das hat vor 300 Jahren funktioniert, es geht heute auch noch, wenn man es richtig anpackt. Die Lappalien, für die nun Tebartz-van Elst Bedauern zeigen muss, sind nicht mehr als Standard im internationalen Immobiliengeschäft. Wer sich keine Reise zu den fränkischen Bischofsschlössern mehr leisten kann, der kaufe wenigstens die World of Interiors: Arme Kinder aus Goa zeigen Stoffe so teuer wie ein Jahreslohn Kinderarbeit, gezahlt in Nähereien für Billigkleidung.

Also: Wer im Jesuitenpalast sitzt (wie ich das im Übrigen gerade tue, es ist ja nicht so, dass ich die Baukunst der Kirche nicht zu schätzen wüsste, sehr solide und nach 4 Jahrhunderten tun einem die Kosten auch nicht mehr weh, die andere aufbringen mussten), sollte sowieso nicht mit Ministranten werfen. Der Rest in den Hütten aber auch nicht, wenn sie sich in den Hütten weiterhin behandeln lassen wie die Leibeigenen, die ihre Vorfahren gewesen sind.

HINWEIS:

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45 Lesermeinungen

  1. Hat da jemand Notre-Dame-de-la-Paix de Yamoussoukro gesagt?
    Das einzig Bedenkliche wirklich ist, dass hier gut 20% des Vermögens für so eine beschämend einfache Unterkunft aufgewendet wurden. Ich bin der Meinung: Entweder richtig alles verbraten oder wirklich einfach. Aber so in der Mitte herumlavieren? Kleinlich. Peinlich. Kein Wunder, dass er kriechen muss.

    Und überhaupt, was ist das Hessische gegen die Bausucht in (an?) der Elfenbeinküste?

    • Titel eingeben
      Gut, dass mal 20% vom Haufen genommen und unters Volk gebracht wurden. Ich denke, von der Baustelle haben sicher viele Betriebe und Arbeiter profitiert. ‚Wirft man das Geld zum Fenster hinaus, kommt es woanders zur Tür wieder herein‘. Wobei ich die Gelder nicht als ‚herausgeschmissen‘ betrachten würde, denn immerhin ist damit meiner Meinung nach ein ausgesprochen gut gelungenes Bauwerk entstanden, das den Bischof lange überleben wird. Er hat das Geld ja nicht etwa an der Cote d’Azur verlebt.

  2. Bescheidenheit ist eine Zier, doch besser lebt man ohne ihr
    Bauvorhaben über 5 Millionenen Euro müssen stets vom Vatikan genhmigt werden. Es dürfte sich also wohl weniger um die 30 oder 40 Millionen handeln als um die betrügerischen Manipulationen, mit denen man das Projekt vor dem Vatikan verhüllte, indem man es als zehn verschiedene Vorhaben, jeweils unter 5 Millionen deklarierte.

    • Vatikan hat dies selbst genehmigt
      Es sollte mittlerweile bekannt sein, dass der Vatikan ordnungsgemäß unterrichtet wurde. Es gab keine „Verhüllung“.

      Das Geld ist gut angelegt. Limburg war zum größten Teil nur noch „Bauschrott“ zudem hat sich Tebartz-van Elst nicht selbst bereichert.

      Entscheidend ist doch was war der Wert vor und nach dem Umbau und wie hoch sind die jährlichen Aufwendungen für den Betrieb und Erhalt.

      Tebartz-van Elst ein Konserativer der sich auch mal traute eine andere Meinung über die Rolle des Islam und der Rechte der Schwulen zu haben.

      Die Mediendiktatur hat Ihm nun den KO verpasst.

  3. Titel eingeben
    Danke. Das sitzt mal wieder!

  4. Alles richtig
    Alles richtig, was Sie ausführen – und doch falsch. Die Bankster des 21. Jahrhunderts und die Schönborns des Barock (ein Familienmitglied sitzt übrigens gegenwärtig in der Wiener erzbischöflichen Residenz) haben nie den Anspruch erhoben, moralische Vorbilder zu sein. Die ‚Würdenträger‘ der katholischen Kirche dieser Zeit tun das aber, und an diesem Anspruch sind sie zu messen – und zu verurteilen.

    • Messlatte ?
      Sie meinen also z.B. dass man die Kommune-I-Typen, die grünen Stadtindianer oder auch die grünen Kommunal-Politiker oder Landesvorstände, die sich bezüglich pädophilen Aktivitäten bzw. Verbrechen schuldig gemacht haben, nicht verurteilen dürfte, weil sie sich ja immer für straffreies Kinderf… ausgesprochen hatten? Eigenartige Logik.

    • immer druff (?)
      Was hat Ihr Grünen-Hass bei diesem Thema zu suchen?

    • Logik?
      Von der verqueren Grammatik Ihres Beitrags ein Mal abgesehen, sehe ich mich außerstande, einen gedanklich nachvollziehbaren Zusammenhang zwischen Ihrer Frage und meinem Kommentar zu erkennen. Eigenartige Logik? Nein, absente Logik.

  5. der goldene boden des handwerks
    wäre der niedriglohnsektor heute so umfassend wie zuzeiten des mainzer erzbischofs, wäre die bescheidene hütte nie so teuer geworden.

    doch vielleicht, wer weiss, hätte sich dann der geneigte auftraggeber schliesslich hinreissen lassen müssen, den stall statt mit ochs und esel und einem grossen trog für das wasser und einer geissel doch lieber auszustatten mit kaskaden marmorner putti und einem heiligen nikolaus, dem laut rechnung der ständer nicht nur poliert, sondern auch vergoldet wurde.

  6. Nix Neues, nur die Schweine wechseln
    Irgendwie hat das doch was von Dr. Jürgen Schneider in der Villa Andrè. Es war seine Detailverliebtheit und hier und da Getrickse bei den den Büroflächen, die seine Bauprojeke so teuer machten. Und ließ letztlich andere dafür zahlen. Beim Beschiß gibts doch immer zwei Seiten. Die Wahrheit ist nicht salonfähig.

  7. Informationen aus erster Hand - der Beichtstuhl
    Sehr verehrter Don! Bitte erlauben Sie mir eine kleine Richtigstellung: Die RKK braucht keine Drohnen, um ihre eigenen Anhänger auszuspionieren. Sie hat schon vor langer Zeit den Beichtstuhl eingeführt. Der erlaubt Informationen aus erster Hand. Nachfragen kann der Priester auch. Ich bin nicht katholisch, aber erinnere mich an die Berichte meiner katholischen Mitschülerinnen vor einem halben Jahrhundert, die regelmäßig beichten gingen und berichteten, dass der Herr Priester insbesondere an delikaten Sünden interessiert zu sein schien.

    • Ah, ein schönes Motiv....
      … zu dem ich mir auch eine Meinung des Dons wünschen würde: Wird die NSA enden wie die Jesuiten? Ist es so, dass sich in der Art der Bespitzelung am besten der Geit der Zeit spiegelt? Ist daher die NSA mit Ihren Jesuitenmaschinen (Machinationen) der adäquate Ausdruck einer globalisierten Massengesellschaft?

      Lieber Tiger – Beichtstuhl ist kaputt – die Machthaber und Ihr Gefolge gehen geschlossen nicht mehr hin und sind sowieso meistens Protestanten. Die empfangende Seite (Klerus) leidet unter quantitativen und qualitativen Rekrutierungsproblemen und es fehlt Ihr so sehr an Finesse, dass Sie mit den Beichtgeheimnissen der staatlichen Amtsträger auch gar nix mehr anfangen könnte. Die staatlichen Amtsträger selber verstehen so wenig von dem was passiert, daß Sie nur bedingt gute Quellen wären. Wie Sie sehen – kaputt.

  8. Nachdenklich
    Es wurde in der Vergangenheit viele Male mit diversen Anschuldigungen wegen „viel zu viel von Geld“ oder „der Ausbeutung des gemeinen Volkes“ gewisse Gruppen und Minderheiten zu diskreditieren, um dann sie komplett auszulöschen. Darunter auch die älteste Glaubensgemeinschaft Mitteleuropas. Das macht angesichts der heutigen Kampagnie gegen die zweitälteste religiöse Gemeinschaft in Deutschland ziemlich nachdenklich.

  9. Tur mir das gut, ein Text gegen die Scheinheiligkeit!
    Mit Vergnügen habe ich diesen Artikel gelesen, weil er die ganze scheinheilige Besserwisserei der vergangenen Tage karikiert. Natürlich kann man den Limburger Bischof kritisieren, aber vielleicht kann man auch berücksichtigen, dass beim Umbau auch Denkmalschutz betrieben wurde. Und, sicher, der Bischof ist ein eitler Ästhet. Aber ist das immer nur von Übel? Die roten Pradaschuhe unseres lieben Benedikt XVI waren auch nicht gratis. Auch er ein Liebhaber des Schönen. – Schönheit und Religion, ein weites Feld!

  10. Von Bischöfen und Bankstern
    Mal wieder ein sehr unterhaltsamer Artikel von Don Alphonso!

    Es ist immer gut, Dinge in die richtigen Relationen zu stellen. In die richtigen wohlgemerkt, sonst nennt sich das Relativierung.

    Die Zeiten haben sich zum Glück gewandelt, daher ist der Vergleich mit Bauprojekten vor 300 Jahren etwas problematisch. Selbst das von Kanzler Kohl in Auftrag gegebene und immer noch üppige Bundeskanzleramt ist mit einem Schloß von Versailles oder Sanssouci nicht zu vergleichen.

    Der Vergleich mit Bankstern kann der Katholischen Kirche nicht gefallen. Bischöfe, die sich wie Bankster benehmen, entwickeln auch eine Beliebtheit von Bankstern.

    Auf Tebartz-van Elst allerdings treffen beide Vergleiche zu. Er hat ein Amtsverständnis, das aus der Zeit gefallen ist und dessen Ansprüche eher zu denen von Bankstern passen als zu denen eines Papst Franziskus.

    Es bleiben die Vergleiche mit dem Flughafen Berlin und Stuttgart 21, die von aufgeklärten Herrschern unserer Zeit gebaut werden. Dabei handelt es sich aber nicht um private Paläste wie im Falle des amtierenden Limburger Bischofs, sondern um öffentliche Einrichtungen. Verschwendung gibt es auch hier und eine kritische Öffentlichkeit hinterfragt solche Verschwendung zum Glück. Den sparsamen schwäbischen Hausfrauen jedenfalls gefiel das Mammutprojekt Stuttgart 21 nicht. Es wurde beschlossen, ging durch alle gerichtlichen Instanzen und wurde schließlich durch einen Bürgerentscheid bestätigt, auch von mir. Heute sagen Bahn und Bund, dass das Projekt viel zu teuer sei und man es so nie wieder beginnen würde. Damit haben all die Skeptiker im Nachhinein Recht bekommen, die den Verdacht hatten, dass es um ein teures Prestigeprojekt ginge aber nicht um eine kostengünstige Lösung für einen real überlasteten Bahnhof.

    Geißler hat im Nachhinein das getan, was im Vorfeld großer Projekte getan werden müsste und beispielsweise in der direkten Demokratie Schweiz gut funktioniert: die Bevölkerung in Großprojekte einbeziehen und Fakten auf den Tisch zu legen.

    Davon kann auch die Katholische Kirche noch lernen, dass Transparenz und Kontrolle nützlich sind und zu höherer Akzeptanz führen. So gesehen hat Tebartz-van Elst doch einen wertvollen Anstoß gegeben, von dem er selbst jedoch nicht mehr profitieren dürfte.

    Wie für andere Stützen der Gesellschaft findet sich vielleicht auch für ihn eine Anschlussverwendung, in der er sich auf die eigentlichen Aufgaben der Kirche konzentrieren kann. Seine Liebe zu Indien könnte ihm die Richtung weisen.

  11. Von Bischöfen und Bankstern
    Es ist immer gut, Dinge in die richtigen Relationen zu stellen. In die richtigen wohlgemerkt, sonst nennt sich das Relativierung.

    Die Zeiten haben sich zum Glück gewandelt, daher ist der Vergleich mit Bauprojekten vor 300 Jahren etwas problematisch. Selbst das von Kanzler Kohl in Auftrag gegebene und immer noch üppige Bundeskanzleramt ist mit einem Schloß von Versailles oder Sanssouci nicht zu vergleichen.

    Der Vergleich mit Bankstern kann der Katholischen Kirche nicht gefallen. Bischöfe, die sich wie Bankster benehmen, entwickeln auch eine Beliebtheit von Bankstern.

    Auf Tebartz-van Elst allerdings treffen beide Vergleiche zu. Er hat ein Amtsverständnis, das aus der Zeit gefallen ist und dessen Ansprüche eher zu denen von Bankstern passen als zu denen eines Papst Franziskus.

    Es bleiben die Vergleiche mit dem Flughafen Berlin und Stuttgart 21, die von aufgeklärten Herrschern unserer Zeit gebaut werden. Dabei handelt es sich aber nicht um private Paläste wie im Falle des amtierenden Limburger Bischofs, sondern um öffentliche Einrichtungen. Verschwendung gibt es auch hier und eine kritische Öffentlichkeit hinterfragt solche Verschwendung zum Glück. Den sparsamen schwäbischen Hausfrauen jedenfalls gefiel das Mammutprojekt Stuttgart 21 nicht. Es wurde beschlossen, ging durch alle gerichtlichen Instanzen und wurde schließlich durch einen Bürgerentscheid bestätigt, auch von mir. Heute sagen Bahn und Bund, dass das Projekt viel zu teuer sei und man es so nie wieder beginnen würde. Damit haben all die Skeptiker im Nachhinein Recht bekommen, die den Verdacht hatten, dass es um ein teures Prestigeprojekt ginge aber nicht um eine kostengünstige Lösung für einen real überlasteten Bahnhof.

    Geißler hat im Nachhinein das getan, was im Vorfeld großer Projekte getan werden müsste und beispielsweise in der direkten Demokratie Schweiz gut funktioniert: die Bevölkerung in Großprojekte einbeziehen und Fakten auf den Tisch zu legen.

    Davon kann auch die Katholische Kirche noch lernen, dass Transparenz und Kontrolle nützlich sind und zu höherer Akzeptanz führen. So gesehen hat Tebartz-van Elst doch einen wertvollen Anstoß gegeben, von dem er selbst jedoch nicht mehr profitieren dürfte.

    Wie für andere Stützen der Gesellschaft findet sich vielleicht auch für ihn eine Anschlussverwendung, in der er sich auf die eigentlichen Aufgaben der Kirche konzentrieren kann. Seine Liebe zu Indien könnte ihm die Richtung weisen.

  12. Der hinkende Vergleich
    Klerikalen Prunk der Vergangenheit mit Heute zu vergleichen hilft sicherlich Relationen herzustellen. Ist es tatsächlich angebracht?

    Weder in Aschaffenburg, Würzburg oder Pommersfelden sind nicht mehr im Kirchenbesitz. Nehmen wir das wohl bekannteste Gebäude, die Residenz in Würzburg. Ein Welterbe, der Parkplatz ist für die Nutzung des kleinen Mannes. Der eine Seitenflügel und der Hofkeller ist Verwlatung und Produktionsstätte für das Weingut. Im nichtöffentlichen Teil, sind u.a. Bereiche von der Uni genutzt, in den Prunksäalen finden Konzerte statt, sie können ggf. sogar für besondere Anlässe von Hinz und Kunz angemietet werden, dienten auch schon als Filmkulisse. Selbst ein paar besonders begabte Studenten dürfen in der Residenz wohnen.

    Diese Überlieferung eines Erbes mit den aktuellen Bedürfnisses eines Bischofs hinsichtlich einer Badewanne für den täglichen Bedarf zu vergleichen ist wenig zielführend. Auch wenn in manchen größeren Vorstadthäuschen, teils Villen genannt, wesentlich teurere Badewannen.

    Im Gegensatz zur barockfeudalen Denke sollte sich heute eine Kirche durchaus auch rechtfertigen. Die Kirche bekommt nachhaltige Zuschüsse aus dem Denkmalschutz. Ihre Priester und Angestellte werden für ihren Einsatz als Religionslehrer vom Staat entlohnt. Die Kirche erfüllt wichtige Aufgaben als Träger von sozialen Einrichtungen. Insbesondere sind Kürzungen im Bereich der caritativen Einrichtungen vor dem Hintergrund dieser evt. überzogenen Ausgabenphilosophie zu sehen.

    In einem Bischof den Sündenbock zu sehen greift allerdings zu kurz. Die Kirche sollte sich allerdings einer ähnlichen Kontrolle stellen, wie der Staat, sei es durch vernünftige qualifizierte Rechnungsprüfung, Qualtitäts- und Kostenmanagement.

    Der Überlieferung zufolge sollte der Rohbau für die Würzburger Residenz aus konfiszierten Mitteln eines unseriös arbeitenden Verwalters der bischöflichen Kasse stammen. Gerade diese Ansätze könnten auf die heutige Situation übertragen bedeuten, nicht so legal erwirtschaftete Vermögenswerte zu konfiszieren und für die Infrastruktur einzusetzen. In der barockfeudalen Tradition war der Herrscher der Staat und eine Residenz war eine Infrastrukturmaßnahme, damit die Fürstbischöfe nicht mehr den beschwerlichen Burgweg hinauf mussten.

  13. Ein klein teil des Vermögens.
    Der eine ist arm und sieht ins düstere, der andere ist reich und weis auch nicht weiter.
    Das Geld beruhigt kann man so auch nicht mehr sagen.
    Das die Schuldenberge schneller wachsen als der Gewinn erinnert daran das Staatsschulden sich immer als Krieg oder Bankrott egalisierten.
    In diesem Licht wird jeder zum Heiligen wenn er vorhandenes Vermögen ausgibt für eine Badewanne egal wie teuer.

  14. Vorhandenes Vermögen.
    Die einen sind arm und sehen ins düstere, die anderen sind reich und wissen auch nicht weiter.
    Das Geld beruhigt kann man auch nicht mehr so sagen.
    Das Schuldenberge schneller wachsen als der Gewinn lässt uns erinnern das Staatsschulden sich immer durch Krieg oder Bankrott egalisierten.
    In diesem Licht wird jeder zum Heiligen der vorhandenes Vermögen ausgibt egal wie viel eine Badewanne kostet.

  15. Diese Vergleiche mit anderen Bischofssitzen
    zeigen vor allem, wie weit die Herren Bischöfe sich von der Realität u. von ihrer eigentlichen Aufgabe entfernt haben. Nämlich soweit, dass Prunk u. Selbstherrlichkeit diese Aufgaben komplett ersetzen!
    Durch entrückte Gesten u. symbolische Formulierungen in Predigten, die soviel Aussage besitzen wie die Gebrauchsanleitung einer Wäscheklammer, tragen sie zum Gemeinwohl oder zur Hilfe für Bedürftige, nichts bei. Und das Volk/Gläubige läßt sich heute nicht mehr von gewaltigen Bauten u. aufwendigen Zeremonien blenden!

  16. Nicht witzig
    Gähn. Jaja, die Reichen sind so böse und wenn man behauptet, dass man „Satire“ schreibt, darf man auch Un- oder Halbwahrheiten stumpf wiederholen …

  17. Leben sie noch oder skandalisieren sie schon
    Der Vergleich ist der Tod jeder Beziehung.
    € 15.000 für ein Badezimmer ist nicht viel, wer schon mal sein Bad renoviert und auf den neuesten Stand gebracht hat, kann ein Lied davon singen, was dafür zu berappen ist!

    Der Monsignore hat kein Ausgaben-, sondern ein Kommunikationsproblem. Er hat nicht genügend Claqueure um sich versammelt. Die Kritiker seiner Hofhaltung haben die Meinungsführerschaft übernommen in einer Zeit, die nichts mehr kultiviert als Scheinheiligkeit. Wer sich erwischen lässt wird erbarmungslos verfolgt – wer verleugnet, täuscht und trickst und sich dabei erwischen von Hanseaten erwischen, dem ist sein Luther wiederfahren und wir alle wissen, wo das hinführt.

    Wirklich skandalös ist nur, dass die Kirchen immer noch Dotationen von einer halben Milliarde im Jahr erhalten und das politische Establishment daran keinen Anstoß nimmt. Die Dotationen gehören auf die Agenda, aber das ist politisch nicht gewollt. Die gelebte Wohlfühlpraxis des niederrheinischen Großbauernsohn ist lange nicht so anstößig, wie sie skandalisiert wird.

  18. Bankers und Kirche....
    Es ist nicht ganz richtig Geldverschwenderer mit Bankers zu vergleichen. Ein Banker mag wohl als Kriminiller betrachtet werden, verlangt jedoch keine Bankensteuer (Kirchensteuer) als Prozentanteil des Gehaltes. In anderen Länder ist die Abgabe einer Kirchensteuer/Kirchenhilfe freiwillig! Hier in Deutschland nicht!! Warum werden im Jahre 2013 Bürger gezwungen, wenn Sie sich als Römisch-Katholisch fühlen, eine Abgabe wie im Mittelalter zu leisten?

  19. Die sollten sich mal den Katakombenpakt zu Herzen nehmen
    Katakombenpakt: „Für eine dienende und arme Kirche“

  20. Titel eingeben
    Sehr amüsant geschrieben, aber wir leben im 21. Jahrhundert, und da gelten nicht die Regeln des Mittelalters, und das ist – in den meisten Fällen – auch gut so.

  21. Wir glauben, was wir sehen
    Bauten nimmt man wahr, virtuelle Umverteilungen – im Endeffekt zeiitlich gestreckte Enteignungen – nicht. Würde man in Frankfurt auch jeden Tag 1,5 Milliarden € in Münzen sackweise aus dem EZB-Gebäude in die Luxuskarossen der reichsten 10000 einladen, würde die virtuelle Pfändung eine weltliche Form annehmen und Beachtung finden. Selbst der „Beisstest“ für die Echtheit – den Goldgehalt – einer Münze entfällt als Beweismittel. Oh, Du wunderbares Papiergeld – nein, Buchgeld! Diese moderne Form der Schatzung ist unsichtbar. Keine Horde des Steuerpächters (Beispiel Frankreich) holt sich das mit Gewalt ab, was sie kriegen kann und zündet zum Abschied noch die Hütte an. Da ist die Elite des Geldadels und ihre Regierungsknechte heute zivilisierter, und in diese Elite der Knechte steigen alle auf, die mit 10.000,- € pro Monat und den anderen Privilegien sofort zur Einkommensoberschicht gehören, wenn sie ein Mandat erlangten. Am Beispiel der USA und der TEA-PARTY sieht man wie die Urinstinkte den Mainstream beherrschen: Durch die Plünderung der Finanzkaste stürzen viele in Armut ab, keine Jobs, Obdachlosigkeit, Tod durch Hungern und mangelnde ärztliche Versorgung sind die Folge – mitten auf der Straße. Macht nichts – jeder ist seines Glückes Schmied und die Prädestinationslehre ist die beste Rechtfertigung und moralische Beruhigungspille, um die Leute als abschreckendes Beispiel für ihre Erfolglosigkeit – ergo Faulheit – in der Gosse liegen zu lassen. Vielleicht ist das noch der Unterschied zwischen uns und den USA. An dem limburger Bischof arbeiten sich lediglich die Ressentiments (heute wissen wir, dass an den Vorwürfen nichts dran ist) und das dumpfe Gefühl ab, dass seit einiger Zeit in Deutschland und der EU es nicht mehr mit rechten Dingen zugeht, aber so genau kann es keiner sagen. Man schlägt den Sack…..

  22. Latein
    Sua? Nicht eius?

  23. Berlin = Spree-Kalkutta?
    Das passt. You made my day!

  24. Was noch fehlt, ...
    … sind Hinweise auf Hitlers und Speers „Germania“. Dagegen verblasst der Berliner Flughafen, sorry: der Flughafen von Spree-Kalkutta, doch total.

  25. Tag gerettet!
    Das mit dem Bauwurm und dem Baubakterium hat mich über mein Mittagstief gerettet!
    Sehr schön, sehr schön! ;o)

  26. Titel eingeben
    Also, ich finde, so eine Wanne hat man zu haben.
    Hat man sie nicht, hat man zumindest ein Ziel.

    Von daher ist doch alles Ok….

  27. Endlich mal Kommentar mit Intelligenz
    Weiterschreiben so!

  28. Titel eingeben
    Auf der Binger Rheininsel soll noch einTurmzimmer frei sein und mit den Mäusen kennt er sich ja aus, nachdem soviele vom bistümlichen Konto abgängig sind. Für seinen weiteren Verbleib mag also wohl gesorgt sein.

  29. Vom Ruch
    „Ein Bischof muss riechen wie seine Schafe. – Ein Papstwort wie ein verwegenes Wörtchen für Favella-Hinterhofgärtchen.

    Man kann ja fragen dürfen: Geruch oder Mief? Oder einfach Duft oder speziell und gespreitzt ein monochromatisches Aroma? – Nein, ein Ruch!
    Loriots Badewanne war verwegen zweisitzig; Franz-Peters Sanitärbassin auch, mit ledenen Nackenstutzen. Für wen (Plural)?

  30. Ihr Blogeintrag...
    … gibt mir immerhin Gelegenheit, zu sagen, dass mir der bischoefliche Bau nach den Fotos, die ich gesehen habe, sehr gut gefaellt. Ich koennte mir vorstellen, dass Tebartz-Van Elsts Amtsnachfolger halb dankbar, halb schlechten Gewissens, darin wohnen werden. Der Vorteil all der historischen Bischoefe, auf die Sie hinweisen, war natuerlich, dass es damals noch kein Internet gab.

  31. nur Luschen bauen Duschen
    der Tebbi liest bestimmt regelmässig Don Alphonso
    daher weiss er,dass Niveau und Stil eben ihren Preis haben
    einen Maulbeerblüten-Tee trinkt man auch nicht aus einem Pappbecher
    und ein Stützen-der-Gesellschaft-Körper bedarf zu seiner Reiniugung gewisser Utensilien
    zum Glück hat er keine Holzhütte hingestellt
    denn Wörter wie „Baracke“ und „Slum“ sind schon für andere Orte vergeben
    ich wette,er bestellt sich jeden Abend ein Gebirge aus Trüffelrisotto
    weil CurryPommes ist was für Honks uind Proleten
    angenommen, er hätte einen gebrauchten Opel Corsa als Dienstwagen
    man will sich ja gar nicht vorstellen,wie ihn der Don in der Luft zerreissen würde
    also Geister,die man rief,sollte man dann nicht in die Pfanne hauen
    obwohl,dieser Bubi ist wirklich sowas von ………

  32. Pingback: Stützen der Gesellschaft: Die Weinseligkeit | TokNok Deutschland

  33. Titel eingeben
    eben Tebartz IV

  34. Titel eingeben
    Ja, skandalös was da manche Banker und Politiker veranstalten. Die werden zurecht für ihre Raubzüge kritisiert, obwohl sie natürlich nicht mit moralischer Bekehrungswut durch die Gegend ziehen, wie dies die Kirche tut. Nur … was hat das alles mit dem Bischof von Limburg zu tun? Und was haben alte klerikale Gewohnheiten in Aschaffenburg, Würzburg & anderswo in längst vergangenen Jahrhunderten mit diesem Verhalten im Jahr 2013 zu tun? Tut mir leid, das begreif ich nicht. Ich vermute, Sie wollten uns hier nur auf die gute alte Traditionslinie aufmerksam machen.
    Ob wir dann auch wieder Inquisition und bewaffnete Wallfahrten gen Jerusalem zu erwarten haben…?

  35. Titel eingeben
    die Badewanne kostet keine 15000€, sondern soviel wie eine handelsübliche freistehende Wanne.
    Es ist verwerflich, mit Unwahrheiten miese Meinung zu machen. Ich erwarte Klarstellung.
    Übrigens würde mich viel mehr interessieren, wann die Herren Wowereit und Konsorten für das Milliardengrab Berliner Flughafen gerichtlich belangt werden, und mir die dafür vom Bürger hinterzogenen Steuern zurück erstatten

  36. Antrag auf Gerätealleinbenutzung
    Ich würde mich ja zu gerne an den Diskussionen über Badewannen, Holzhacken und Kindererziehung beteiligen, leider fehlt mir dazu die Zeit und naja…die GERÄTE!
    Obwohl ich definitiv nicht in der Position bin hier irgendwelche Forderungen zu stellen, probier ichs trotzdem mal: Ich hätte gerne eine REALE Person, die sich darum kümmert. Ich sollte nämlich langsam mal ein bisschen studieren. Ich brauch ja nicht mehr so zu tun, als ob ich das selbst irgendwie hinkriegen würde….
    Über eine Mail, SMS oder Facebook-Nachricht zum Thema würde ich mich sehr freuen!

    Liebe Grüße,
    die verzogene Luxusgöre

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