Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm, sagt Brecht. Solange es nicht Wohlstand in Bochum ist, sage ich. Ich nämlich sage, dass man Deutschlands bessere Gesellschaft als Sanierungsfall betrachten muss, wenn ihre Heimatregionen ebenfalls zum Sanierungsfall werden. Wenn Städte untergehen, schwimmen die Patrizier zwar immer noch oben – aber es gibt angenehmere Orte in solchen Zeiten, wie die Geschichte lehrt. Weiterlesen
Artikel im: Mai 2009
Die gute Unverkäuflichkeit Veroneser Schuhe
Es gibt seit ein paar Jahren in den besseren Kreisen eine neu entdeckte Lust am guten Schuh. Ich, der ich in meiner Kindheit unter Massanfertigungen zu leiden hatte, tue das natürlich als überzogene Snobismus ab; als eine mausetote Tradition, die geschickte Marketingstrategen neu erfunden haben, um vollkommen unangemessene Preise zu verlangen. Alle das Getue um solches Schuhwerk ist schlecht. Solange es nicht um meine eigene, soeben neu begründete Tradition geht. Weiterlesen
Gegenwartsbewältigung im Giardino Giusti
Ideal wäre es, da bin ich mir mit vielen einig, wenn man die Vorteile der Gegenwart behalten und gleichzeitig die Freuden der Vergangenheit konservieren könnte. Und das natürlich alles unter Beibehaltung der Standesgrenzen und, wenn möglich, bei deren Unsichtbarmachung. Kurz, wir hätten gerne alles, sofort und in angenehmer Weise, gutes Benehmen und alle Freiheiten, reuelose Untreue und verlässliche Partner, das Beste aus allen Welten und bittschön auch weiter unter uns. Leider ist das nicht alles möglich, es drohen Scheidungskriege und Steuerfahnder, seltsame Leute stellen sich selbst vor und ausserdem, warum ist heute immer alles so entsetzlich laut und westerwellig frei von Stil? Wieso dürfen die da sein, wo wir sind, wenn wir sie gar nicht eingeladen haben? Haben wir nicht gar das Schlechteste aus allen Welten? Glücklicherweise kenne ich eine Hintertür aus dieser Realität – in Verona. Weiterlesen
Mille Miglia IV – Der Tod in Rom
Ankommen kann jeder. Aber da sind auch noch all jene, die unterwegs liegen bleiben, deren Motoren absterben und die verloren im tosenden Verkehr stehen, da sind die Unglücklichen, für die die Mille Miglia der Höhepunkt des Jahres hätte werden sollen, und die irgendwo zwischen dem Ortsschild von Brescia und Rom aufgeben müssen. Dabei macht Scheitern mit Grösse die grössten Abenteuer und die besten Bilder. Weiterlesen
Mille Miglia III – ohne Sponsoring durch Umbrien
Auf der Mille Miglia sind die Wägen glücklicherweise keine rollenenden Werbeträger wie moderne Rennfahrzeuge oder Journalisten im Begleittross, der von Sponsoren bezahlt wird. Mitunter kommt man nicht umhin, davon Kenntnis zu nehmen, zumal einem derartiges Benehmen in der Jugend als Todsünde vermittelt wurde. Zurecht, wie ich nach Ansicht der Sponsoren sagen möchte. Vollkommen zurecht. Weiterlesen
Mille Miglia II – Familiengier zwischen Brescia und Verona
Bei der Mille Miglia feiert man die automobilen Kreationen von hart arbeitenden Irren, die für ihre Firmen gelebt haben: Porsche, Ferrari, die Maserati-Brüder und die Bentley Boys. Was man kaum je feiern wird, ist das peinliche Betragen späterer Generationen, die zwar nicht mehr unverantwortlich rasen, aber sich ansonsten benehmen, als könnte ausserhalb ihrer Besitztümer demnächst die Sintflut kommen, solange der Staat nur die finanziellen Rettungsboote stellt. Dunkel ist die Nacht über Verona, wenn dort die Boliden donnern, aber nichts ist so finster wie die Spektakel, mit denen Industriellenfamilien gerade ihren Ruf ruinieren. Weiterlesen
Mille Miglia I – Brescia
Ja. Zugegeben. Es stinkt, es ist laut, und am Abend hat man vom Kohlenmonoxid Kopfschmerzen. Es geht um Geschwindigkeit in ihrer unsichersten Form, und wenn man liegen bleibt oder einen Unfall hat, ist es weniger schön. Und wenn man es bleiben lässt und alles richtig macht und nur an die Sicherheit denkt, krepiert man wie Opel. Warnende Beispiele, wie das mit dem Autofahren wirklich geht, bringt die Mille Miglia in Brescia. Weiterlesen
Die Untauglichkeit schlechterer Söhne aus besserem Hause
Ich mag höhere Töchter. Ich bin gerne mit ihnen zusammen. Ich kann mit ihren Dünkeln und Marotten leben, denn sie passen zu meinen Vorurteilen und Spleens. Aber heiraten? Ach du liebe Gute. Nicht mal zusammenleben. Und das, obwohl es durchaus Versuche gibt, die höhere Tochter an den besseren Sohn zu bringen. Versuche, die meist scheitern. Ein Erklärungsversuch aus Betroffenenperspektive. Weiterlesen
Prominenz und Promi
Der Promi ist etwas ganz Erstaunliches: Neureich, ohne zwingend reich zu sein. Keine Vergangenheit, aber auch keine Zukunft, die man teilen möchte. Hochgradig irreal und nur durch die Medien gemacht, und dennoch voller segensreicher Auswirkungen für all jene, die prominent sind. Ich finde Promis wirklich gut. Solange sie nicht in meine Nähe ziehen. Weiterlesen
Wie die kleine, dumme Stadt noch einmal davon kam
Was wäre eigentlich geschehen, wenn Porsche wirklich den VW-Konzern geschluckt hätte? Wir werden es nun nie erfahren, aber besonders zimperlich wirkten die Überlegungen von Porsche nicht. Was wiederum extrem schlecht für alle anderen Standorte von VW-Firmen gewesen wäre, und besoinders für jenes idyllische bayerische Städtchen, dem ich entstamme und das alles, wirklich alles dem Hauptkonkurrenten von Porsche verdankt. Nicht wirklich grosses Bedauern möchte ich deshalb in folgendem Beitrag vorstellen. Weiterlesen
Die Reisekarte für die Bundestagswahl
Nachdem offensichtlich wieder alle Politiker und Wähler zurück zu den Zeiten des Wirtschaftswunders wollen, an den Bauch des dicken Erhard und in die Wärme der sozialen Marktwirtschaft, stellt sich eine simple Frage: Haben Sie eine Karte dorthin? Nein? Sehen Sie. Ich jedoch habe eine Karte, und ich denke, man sollte auf jeden Fall einen Blick dort hineinwerfen. Weiterlesen
Hecken und deren Überwindung
Hin und wieder sehe auch ich mich veranlasst, aus den engen Grenzen meiner Schicht und ihrer Regeln, ihrer ungeschriebenen Gesetze und deren Sanktionen auszubrechen – etwa, wenn ich einen Wagen aus England hole und auf eigener Achse überführe. Dann bin ich gezwungen, mit anderen Menschen innerhalb diverser Transportmittel zu sein – selbst, wenn jene begleiter nicht unbedingt den Eindruck machen, dass sie noch andere Menschen zur Kenntnis nehmen würden. Weiterlesen