Blogseminar

Blogseminar

Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

18. Feb. 2020
von Nele Antonia Höfler
11 Lesermeinungen

5
10029
   

Alles nur zum Schein

Studenten genießen viele Vorteile, vom günstigen Nahverkehr bis hin zu reduzierten Tarifen bei Krankenkassen. Deshalb schreiben sich viele für einen Studiengang ein, an dem sie gar nicht interessiert sind.

 ***

Nicht alle Immatrikulationen sind ernst gemeint.

Während ihrer Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin schreibt sich Hanna an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz für den Studiengang Philosophie ein. Nicht um Vorlesungen zu besuchen oder Klausuren zu schreiben, sondern wegen des Semestertickets. „Weil ich während meiner Ausbildung ein Jahr lang nichts verdient habe und mir das reguläre Ticket deshalb nicht leisten konnte, habe ich die Möglichkeit genutzt“, erklärt sie.

Das Semesterticket der Mainzer Universität ist auch in Frankfurt und Umgebung gültig, wo Hanna ihre Ausbildung macht. Da die Semestergebühren in Mainz niedriger sind als jene in Frankfurt, fällt ihr die Wahl leicht. Zu Beginn jedes Semesters überweist Hanna der Universität 322 Euro Semestergebühren, 1358 Euro weniger als für sechs reguläre Monatstickets im RMV-Gebiet.

Anspruch auf Kindergeld

Nicht nur Studieren liegt im Trend – auch so zu tun als ob. Einige schreiben sich als Fake-Studenten ein, andere vergessen nach ihrem Abschluss mit Absicht ihre Exmatrikulation. So auch Sophie: „Ich habe mein Studium abgebrochen und stattdessen angefangen zu arbeiten. Mein Studententicket nutze ich weiterhin, wer weiß, vielleicht will ich eines Tages ja doch wieder studieren“. Ein Scheinstudium lohnt sich aber noch aus anderen Gründen: Studierende können Museen und Theater vielerorts ermäßigt, teilweise sogar umsonst besuchen. Und wen das nicht reizt, den locken Rabatte in Fitnessstudios, Bars, beim Einkaufen oder das günstige Zimmer im Wohnheim.

Ein Studium kann zudem den Anspruch auf Kindergeld bis zum Ende des 25. Lebensjahrs aufrechterhalten. „Das sind immerhin 200 Euro im Monat und somit ganze 1200 Euro im Semester zusätzlich“, sagt Sophie. Darüber hinaus zahlen immatrikulierte Studenten häufig geringere Beiträge für ihre Krankenversicherung und wer nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet und dabei weniger als 450 Euro im Monat verdient, kann sogar kostenlos in der Familienversicherung der Eltern bleiben.  

Hilfreich ist die Immatrikulationsbescheinigung auch für junge Erwachsenen, die ihre Zeit zwischen Studium und erster Festanstellung für ein Praktikum nutzen wollen. Ohne sie sind viele Stellen gar nicht zu bekommen, denn auch Unternehmen profitieren vom Studentenstatus – für Studierende müssen sie weniger Sozialabgaben zahlen.

Auf den ersten Blick scheint auch Bafög als zinsgünstiger Kredit ein Anreiz für eine Einschreibung zu sein. Da der Staat jedoch nur Studenten fördern will, die ordnungsgemäß ihre Studienleistung erbringen, wird auf dem Bafög-Amt genauer hingeschaut. In den meisten Fällen wird nach dem vierten Semester ein Nachweis über erbrachte Leistungen verlangt.

In Düsseldorf studiert jeder vierte zum Schein

Naturgemäß tauchen Scheinstudenten nicht in Statistiken auf. Schätzungen geben die meisten Hochschulen nur ungern ab: „Es ist nicht klar abzugrenzen, ob Studierende von vorneherein keine Ambitionen hatten, ihr Studium ernsthaft anzugehen oder nicht“, begründet ein Sprecher der Goethe-Universität Frankfurt seine Ablehnung des Begriffs „Scheinstudent“. Es werde Studierenden schließlich in der Regel nicht vorgeschrieben, in einem bestimmten Zeitraum eine gewisse Anzahl von Prüfungen abzulegen, erklärt er weiter. Anfragen bei den Universitäten Darmstadt und Mainz ergeben ähnliche Auskünfte. 

Die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf möchte für mehr Transparenz sorgen. Sie geht derzeit von 8000 immatrikulierten Scheinstudenten aus. 35.000 Studierende zählt die Heinrich-Heine-Universität offiziell, demnach studiert jeder vierte Student nur auf dem Papier. Eine Schätzung sei für Hochschulen wichtig, nur so könnten organisatorische Probleme vermieden werden, sagt ein Sprecher der Universität und erklärt weiter: „Deshalb wissen wir, dass die Universität derzeit trotz der hohen Zahl von Studierenden weder neue Hörsäle noch Parkplätze braucht“. Besonders auffällig sei die Steigerungsrate nach Abschaffung der Semestergebühren in Nordrhein-Westfalen gewesen: „Zuvor waren gerade mal 700 Studierende für ein Zweitstudium eingeschrieben, im Semester darauf ganze 9000.“

Auf Kosten des Steuerzahlers

Die Technische Universität Darmstadt weiß anderes zu berichten. Dort erbringe nur ein geringer Anteil der Studierenden über längere Zeiträume hinweg keine Studienleistungen. In Hessen gebe es aber auch die Möglichkeit, Studierende zu exmatrikulieren, wenn innerhalb von zwei Jahren keine Leistungspunkte erbracht werden.  

Und wie halten es Scheinstudenten mit dem sozialmoralische Aspekt? Ihre finanziellen Vorteile werden ja hauptsächlich von Steuergeldern finanziert. Ein schlechtes Gewissen hat Hanna nicht: „Ich hatte nicht das Gefühl, jemandem etwas wegzunehmen.“ Aber wäre es nicht sinnvoll, entschlossener gegen Scheinstudenten vorzugehen?

18. Feb. 2020
von Nele Antonia Höfler
11 Lesermeinungen

5
10029

   

04. Feb. 2020
von Henrik Pomeranz
10 Lesermeinungen

5
7276
   

Die besten Studiengänge für Klimaretter

Nur die Schule schwänzen reicht nicht. Über das Klima kann man noch eine Menge lernen. Doch woher bekommt man das entscheidende Wissen? Fünf Studiengänge für Umwelt- und Klimaretter.

Weiterlesen →

04. Feb. 2020
von Henrik Pomeranz
10 Lesermeinungen

5
7276

   

07. Jan. 2020
von Nele Antonia Höfler und Jannis Holl
15 Lesermeinungen

1
12201
   

Semestertickets im Vergleich

Bei steigenden Mieten erregen Semestertickets zunehmend die Phantasie von Studenten. Die einen suchen Möglichkeiten, um sich von der Ticketpflicht zu befreien, die anderen erfinden neue Lebensentwürfe.

***

Studentenprotest gegen eine Preiserhöhung beim Semesterticket in Duisburg
Weiterlesen →

07. Jan. 2020
von Nele Antonia Höfler und Jannis Holl
15 Lesermeinungen

1
12201

   

16. Dez. 2019
von Laura Henkel und Adrian Kinzig
7 Lesermeinungen

4
5655
   

Humboldt wäre eine Verbesserung

Vor mehr als zweihundert Jahren formulierte Wilhelm von Humboldt seine berühmt gewordenen Gedanken zur Universität. Was ist von seinem Bildungsideal an heutigen Hochschulen geblieben? Eine Erinnerung aus aktuellem Anlass.

***

Standfest: Wilhelm von Humboldt vor der nach ihm benannten Universität in Berlin
Weiterlesen →

16. Dez. 2019
von Laura Henkel und Adrian Kinzig
7 Lesermeinungen

4
5655

   

07. Nov. 2019
von Jessica Bürger
15 Lesermeinungen

2
45838
   

Psychologe – ein cooler Job

Immer mehr junge Menschen in Deutschland wollen unbedingt Psychologie studieren, obwohl die Einstiegshürden sehr hoch sind. Was macht den Studiengang so attraktiv?

***

Um am Ende als Psychologe arbeiten zu können, müssen Alexia Dalski (links) und Annelie Rodestock viel Arbeit in ihr Studium stecken.
Weiterlesen →

07. Nov. 2019
von Jessica Bürger
15 Lesermeinungen

2
45838

   

30. Okt. 2019
von Leon Igel

2
3830
   

„Wir fühlen uns verraten vom Ministerium“

Die Hochschulen sind chronisch unterfinanziert und die Lage wird immer brenzliger, finden die Rektoren der baden-württembergischen Hochschulen und die Landesstudierendenvertretung. Unter dem Motto NoScienceNoFuture haben die Rektoren und Studenten an diesem Mittwoch zu Demonstrationen in ganz Baden-Württemberg aufgerufen. Wir haben uns mit Andreas Bauer, Sprecher der Landesstudierendenvertretung, über Fehler der Landesregierung, Torschlusspanik und warum er nicht mit Theresia Bauer tauschen möchte, unterhalten.

***

Screenshot der Webseite zum Aktionstag
Weiterlesen →

30. Okt. 2019
von Leon Igel

2
3830

   

29. Okt. 2019
von Laura Henkel
10 Lesermeinungen

4
12946
   

Wohnungsnot in Göttingen

Semesterbeginn heißt für viele Studenten immer noch: Wohnungssuche. In Göttingen helfen auch Billighotels und selbstverwaltete Wohnheime nicht aus der Krise. Eine Spurensuche.

***

Graffiti-Schriftzug an der Fassade eines ehemaligen Studentenwohnheims in Göttingen
Weiterlesen →

29. Okt. 2019
von Laura Henkel
10 Lesermeinungen

4
12946

   

25. Okt. 2019
von Lili Hering
1 Lesermeinung

4
4799
   

Über Polen zum Oscar

Soeben ist Yifan Sun aus Los Angeles zurückgekehrt, wo ihr der Studenten-Oscar in der Kategorie Dokumentation verliehen wurde. Die Chinesin studiert in Lodz. Ein Gespräch über den Zusammenstoß von Sprachen, Kulturen und ihren Gewinnerfilm.

***

Yifan Sun bei der Preisverleihung in Los Angeles
Weiterlesen →

25. Okt. 2019
von Lili Hering
1 Lesermeinung

4
4799

   

07. Okt. 2019
von Philipp Frohn
28 Lesermeinungen

4
3557
   

Demokratie auf der Straße lernen

Die freitäglichen Schülerproteste stoßen auf ein geteiltes Echo nicht nur in Deutschland. Ihr Potential wird oft nicht gesehen. Wie „Fridays for Future“ zum Demokratieverständnis von Schülern beiträgt.

***

Fridays-for-Future-Demonstration in Elmshorn
Weiterlesen →

07. Okt. 2019
von Philipp Frohn
28 Lesermeinungen

4
3557

   

26. Sep. 2019
von Dominik Huf
6 Lesermeinungen

6
14301
   

Wiesn: Ein derbes Kontrastprogramm zur Uni

Bis zu zwanzig Kilometer legt eine Bedienung auf dem Oktoberfest in einer Schicht zurück. Wegen der guten Bezahlung ist es ein harter, aber attraktiver Job für Studenten. Unser Autor gibt einen Blick hinter die Kulissen.

***

Meine Bedienerweste mit Ansteckern, Glubberl und Kellnerblock
Weiterlesen →

26. Sep. 2019
von Dominik Huf
6 Lesermeinungen

6
14301

   

18. Sep. 2019
von Dominik Huf
6 Lesermeinungen

8
5734
   

In dieser Knete ist alles drin

Bevölkerungswachstum und Klimawandel verursachen zunehmend Nahrungsmittelknappheit. Alternative Nahrungsquellen werden immer wichtiger. Eine Reise zum vielseitigen Mikroorganismus Spirulina Platensis.

***

Durch eine Isolierpistole wird die aus der Spirulina-Alge gewonnene Knete zu langen, dünnen Spaghetti gepresst.
Weiterlesen →

18. Sep. 2019
von Dominik Huf
6 Lesermeinungen

8
5734